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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-30 · 31 (30.7.1897) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
31 (30.7.1897)
Date
1897-07-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 630 Vr. Vwch's Wochen,chrtfl« Nr. 31 Das ist eilt lehrreiches Wort! Die Deutschen fangen I an, es am eigenen Leibe zu spüren, wie schnierzlich es ist, um seiner Nationalität willen verfolgt zu werden. Und die jüdischen Turner haben sich ein Verdienst erworben, indem sie den arischen Deutschen bewiesen, daß sie uns noch gar dringend brauchen! In der Politik entscheiden nicht die Gefühle, sondern die Interessen! Und das Interesse der Deutschen gebietet ihnen heute, der antisemitischen Hetze nicht länger freien Spielraum zu lassen. Das ist die Lichtseite der Badenischen Sprachenverordnuugen. Wenn anderwärts das Wort von einer „Schonzeit" gefallen ist, wenn es anderwärts hieß, daß man noch ein Jahr lang das Geld der Juden nehmen und ihnen dann einen Fußtritt geben wolle, so soll uns das nicht schrecken. In einem Jahre vollziehen sich oft grundlegende Wandlungen, namentlich in Oesterreich, und es ist nicht nur das jüdische Geld, das die Deutschen in den Sudetenländern brauchen! Sie brauchen mehr noch unsere Stimmen, unsere Energie, unseren Verstand. Sich seiner staatsbürgerlichen Rechte kräftig wehren, keinen Zoll breit freiwillig weichen, die verfassungsmäßige Gleichberechtigung bei jeder Gelegenheit praktisch demonstriren, das ist auch ein Standpunkt und vielleicht der bessere und verdienstvollere, weil er der schwierigere ist! Der deutsche Uebermuth hat den Antisemitismus geboren, die N o t h des Deutschthums hilft ihn bekämpfen. Auch in Wien haben sie schon die Erfahrung gemacht, wie sehr das Ansehen der dortigen Christlich-Socialen gelitten hat, seit die Deutschen nicht blos für ihre bedrohten nationalen Rechte, sondern zugleich auch für die freiheitlichen Grundsätze in Kampf getreten sind. Heute schon sagen sich Tausende vcn Deutschen in Oesterreich: „Was Du nicht willst, daß man Dir thu', Das füg' auch keinem Juden zu." Und die Zeit wird kommen, wo das deutsche Volk in Oesterreich es wieder als seine herrliche Aufgabe erkennen wird, allen anderen Völkern dieses Reiches die Fahne der Freiheit, der Duldung und der Menschenliebe voranzutragen, getreu den Worten des Dichters: „Deutsch sein, das heißt die Freundesarme Für alle Menschheit ausgespannt, Im Herzen doch die ewig warme, Tie treue Lieb' zum Vaterland." Wax Nnkon Lueger. So wäre denn die leidige Löw-Affaire ans der antisemitischen Welt geschafft. Tie Eisenbahner müssen endgiltig auf ihren Max Anton vernichten, dem die schmählichste Selbstverleugnung Nichts frommte, von dem man glauben sollte, er hätte den Befähigungsnachweis der Unanständigkeit und der Schamlosigkeit, der von jedem antisemitischen Parteiführer geheischt wird, längst erbracht, dem alle Lumperei Nichts half, der aus dem antisenritischerr Olump in den Tartarus gestürzt worden, in dem sich alle jene Juden befinden, die nicht dem Herrn Lueger zuliebe Vater und Mutter geschmäht, das Andenken ihrer Voreltern mit kothigen Schuhen getreten haben. Ter „Raccnantisenlitismus" hat über den sogenannten „christlichen Antisemitismus" gesiegt. Was der Unterschied zwischen diesen beiden Partcirichtnngen ist, darüber haben sich schon viele Leute den Kopf zerbrochen. Mit Zuhilfenahme der Logik ist eine Erklärung nicht möglich. Denn beim Racenantisemitismus denkt der Verständige daran, daß alle großen Forscher der Gegenwart den Bestand der einheitlichen Race leugnen, daß angesichts der Lehren eines V i r ch o w oder eines L o m b r o s o der Racenantisemitismus, ebenso leerer Rauch und Schall, ebenso vollkommener Nonsens ist, wie der „christliche" Antisemitismus, wenn man an die Lehren des Schöpfers der christlichen Religion, an die Leiden des Semiten von Nazareth denkt. Der Fall des Max Anton L ö w hat uns aber einen Weg gewiesen, zwischen den „christlichen" Antisemiten und jenen Judenfressern, die auf die Race schwören. Christliche Antisemiten, das sind jene, denen man bereits mit größerer oder geringerer Schwierigkeit auf den jüdischen Stammbaum gekommen ist. Zn der Lehre des Racenantisemitismus bekennen sich die Unerwischten, die Unertappten, die sich noch in Sicherheit wiegen, weil man noch nicht auf ihre Geheimnisse gekommen ist, weil man ihnen ihr Renegatenthnm noch nicht nachgewiesen hat. Der Dr. Porz er ist ein „christlicher" Antisemit, den Dr. G e ß m a n it drängt sein südlicher Habitus ganz ebenso zum christlichen Antisemitismus, wie die kühn geschwungene Nase und' der gewellte Patriarchenbart den Professor — nomen est oraen — Schlesinger. Und lang! lang! hat's gedauert, bis Dr. Lueger, bei dem sich Max Anton lieb' Kind gemacht hat, sich zu der nunmehr erfolgten Liebkindesweglegung entschloß, vor dem Mechaniker Schneider die dcmüthigende Reverenz machte. Max Anton Lueger hat sich die Sache genau überlegt; so lange es irgend anging, sagte er weder Ja noch Nein, ließ er feine Preßbüttcl raufen und vermied es sorgfältig sich in den Streit zu mischen. Ohne eigentlichen Widerspruch zu erfahren, konnte Dr. Löw versichern, daß er sich des Schutzes seines lieben Dr. Lueger erfreue. Der Führer bekannte sich zum „christlichen" Antisemitismus. Nicht ohne Grund sprechen wir heute von Max Anton Lueger. Vieles scheidet ihn nicht von Max Anton Löw. Die Geschichte von der Jüdin Schebelein, nachmals Barbara Lueger, der Stammmutter des „schönen Carl", ist noch lange nicht vergessen, und Herr Dr. Lueger, der Mischling, der Judenstämmling, weiß, daß früher oder später die Stunde schlagen wird, wo die Unduldsamkeit der Unerwischten auch nnt ihm kurzen Proceß machen und wo auch auf ihn, wie auf Max Anton Löw das schöne Sprüchlein angewendet werden wird: Ob Jud, ob Christ, ist Einerlei In der Race liegt die . . . Wenn überhaupt, so auch in der Race des Dr. Lueger > Der Streik um Zion. Von Dr. Rippner. Als hätten die Juden noch nicht genug an den erbarmungslosen Feinden von Außen, so beginnen sie sich jetzt aus Anlaß des geplanten Congresscs unter einander zu zerreißen und in den Schmutz zu ziehen. Man kann der entschiedenste Gegner des Socialismus sein und braucht darum nicht die Maßregeln zu billigen, mit denen er in einigen Ländern bekämpft wird; so ist die Gegnerschaft gegen die Anschauungen, welche wir mit dem Worte Zionismus zusammenfassen, noch keineswegs gleichbedeutend mit der unbedingten Zustimmung zu den Kundgebungen, die von autoritativer Seite gegen ihn ausgegangen sind. Es ist möglich, daß in einer bestimmten Menschenseele zwei Empfindungen sich zusammenfinden, die, objectiv und rein theoretisch betrachtet, sich widerstreiten. Wir hören von manchen Zionisten in Deutschland die lebhaftesten Betheueruugen ihrer Hinneigung zum deutschen Vaterlande und wir haben keinen Grund, diesen Verkündigungen zu mißtrauen; nur muß es uns erlaubt sein, zu sagen: in eurer Seele einen sich Wasser und Feuer, zwei Gefühle, die sich ausschließen, aber im Allgemeinen gibt es keine Liebe zu zwei Vaterländern, und wessen Sehnen darauf gerichtet ist, einen selbstständigen jüdischen Staat herznstellen und in ihm zu leben, der wird eine Erkältung der Neigung wahruehmen, die er dem deutschen, österreichischen, russischen Vaterlande bisher entgegentrug. Wer also als Lehrer einer Gemeinde in der Schule, auf der Kanzel wirkt, der steht vor einem Entweder-Oder, er muß lehren nach den Gesetzen der Logik, er wird bei allem Respect vor dem persönlichen Empfinden der Herren Rülf, Herzl, Nordan sagen: wer den jüdisch-nationalen Staat will, dem muß der deutsch-nationale Staat gleichgiltig sein. Aber wir werden es nicht vergessen, daß Männer wie Herzl und Nordau nur durch die edelste Erregung der Seele auf diesen Irrweg gelockt worden sind. Die Noth so vieler Millionen Israeliten greift uns ans Herz, stört uns den Schlaf, läßt uns keine Freude, die sonst uns geboten wird, so recht genießen, auch in civilisirten Ländern wächst der Haß gegen die

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