Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 30 (23.7.1897)
- Date
- 1897-07-23
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021199--06962-3031267- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 30 Dr. Vloch's WochenptzrM Seite 635 Leichenhalle hielt unser Rabbiner, Se. Ehrwürden Herr Dr. Josef Hoff, eine tiefempfundene Grabrede. Se. Ehrwürden schilderte die Vorzüge dieses frommen und gerechten Mannes als Jude und Mensch, sowie das mustergiltige Familienleben des Dahingeschiedeuen. Bielitz, 18. Juli. Vor einigen Tagen gab Fräulein S e l m a Kur z, Opernsängerin in Frankfurt ani Biain, eine geborene Bielitzerin, im hiesigen Schießhaus-Saale ein Concert und errang einen überaus glänzenden Erfolg. Der große Saal war vollständig ausverkauft und das Publicum belohnte sowohl die vortrefflichen Leistungen der Concertgeberin wie auch die meisterhaften Violincellvorträge des mitwirkendeu Wiener Hofopern-Solisten Professors Joseph S u l z e r, eines hier stets freudig begrüßten Concertgastes, durch stürmischen Beifall. Es gab Blumenspenden in Hülle und Fülle und beide Künstler, vom Capellmeister Th. Vogl feinfühlig accompagnirt, mußten das Programm durch Zugaben verlängern. Prag. Herr Dr. Aladar Deutsch, Lehrer an der hiesigen Talmud-Thoraschule, wurde auf Grund der abgehaltenen Probepredigt von der Generalversammlung der Mitglieder der Zigeuner-Synagoge einstimmig zum Rabbiner dieser Synagoge gewählt. Olmütz. Die hiesige israelitische Cnltusgemeinde hat beschlossen, ihren langjährigen wohlverdienten Vorstand, Herrn Eduard Hamburgs r, dadurch zu ehren, daß sie sein Brustbild im Sitzungssaale des Gemeindehauses anbrachte. Das Porträt, ein außerordentlich gelungenes Werk des Wiener Malers Herrn Temple, wurde bereits im Saale angebracht. Dort soll demnächst auch das Brustbild des verstorbeuen Dr. Adolf Brecher, der lange Jahre hindurch als Vorstand-Stellvertreter der Gemeinde verdienstvoll wirkte, angebracht werden. Stanislan, 18. Juli. Frl. Bertha Lilienfeld, Tochter des Herrn Isidor und Frau Sofie Lilienfeld geborene Kiesler, hat sich mit Herrn Dr. Adolf Fischer, Landes- und Gerichtsadvocaten in Lemberg, verlobt. Beraun, 17. Juli. (S t e r b e f a l I.) Am 16. d. M. verschied nach kurzem, aber schwerem Leiden der hiesige, allgemein geachtete Bürger Herr Ignaz R o u b i ö e k. Das Ableben dieses Mannes hat bei der hiesigen Bevölkerung allgemeine Theilnahme. wachgerufen. Denn Herr R o u b i L e k und seine Familie erfreuten sich der Sympathien aller Bevölkerungskreise. Er gebürte durch eine lange Reihe voll Jahren der hiesigen Stadtvertretung an und hat in dieser Eigenschaft stets ein warmes Interesse für die Bedürfliisse der Stadt bekundet. Einen besonders schweren Verlust erleidet die hiesige israelitische Cnltusgemeinde, deren erster und einziger Vorsteher der Dahiugeschiedene war und welche ihm ihre heutige gesicherte Organisation verdankt. Auch die hiesige israelitische Schule verliert in dem Verblichenen ihren Gründer und treuesten Anhänger, die Lehrer ihren bewährten Freund. Er schied viel zu früh, llicht nur für seine Familie, sondern auch für Alle, die ihn kannten und verehrten. Gurahumora, 16. Juli. Am 12. d. M. verschied in Wien, wo er wegen einer an ihm vorgenommenen Operation weilte, der hiesige Industrielle und Eiseinverkbesitzer Herr Wolf Kleinberg im Alter von 62 Jahren. Der Verblichene war ein ausgezeichneter Charakter von seltener Herzensgüte, er hat vor mehr als 20 Jahren die hiesige israelitische Cultnsgemeinde gegründet und ist derselben auch vorgestanden. Durch seine Initiative und durch seine aus Eigenem gebrachten Opfer wurde hierorts das „große Bethaus" errichtet. Auch als Mitglied der Gemeindevertretung hat er sich Verdienste erworben, und wirkte hauptsächlich zu Gunsten der Armen. Dem Verblichene» tvaren Groß und Klein zugethan, er stand jedem mit Rath und That zur Seite. Auch in Czernowitz verstand er es, die Herzen Aller für sich zu gewinnen. Er hinterläßt eine tiefbetrübte Gattin und 9 bereits versorgte Kinder. Am 12. d. M. fand in Czernowitz, wohin die Leiche überführt wurde, unter überaus zahlreicher Betheiligung aller Kreise der Bevölkerung die Beerdigung statt. Oberrabbiner Doctor Rosenfeld und Rabbiner Weiß hielten dem Verstorbenen tiefempfundene Nachrufe. Gurahumora, 16. Juli. Der Oberrabiner von Czernowitz, Herr Dr. Josef Rosenfel d. ist sammt Familie zum Sommeraufenthalte hierorts eingetroffen. Die hiesige israelitische Gemeinde hat den Herrn Oberrabbiner bei seiner Ankunft am Bahnhofe durch eine Vertretung begrlißt. Kolonie». Ter Correspondent aus Kotomea, in der vorwöchentlichen Nummer Ihres geschätzten Blattes, der mit einem bestimmten Maß von Bedauern die traurige Thatsache coustatirt, daß „in Kolomea, dem Brennpunkte der zionistischen Bewegung, sich nicht zwei .stmibcn finden wollten, deren Eltern sich dazu entschließen könnten, ihre Kinder in das Land ihrer Väter zu senden, damit sie dort den heiligen Boden bebauen lernen", und daß „die Liebe zum heimatlichen (?) Elend und zur Verwahrlosung größer ist, als die zll Zion und Jernfalem". Ter geehrte Correspondent scheint mit den Thatsachen nicht genug vertraut zu sein. Mir ist es vielmehr bekannt, daß ein Herr Eh. T. seilten für die II. Gvmnasialclasse vorbereiteten Knaben als Zögling für die Ackerbauschule in Jaffa (Mikweh Israel) gemeldet hat. Noch ein Herr hatte seinen die 1. Volksschulclasse absolvirenden Knaben gemeldet, somit die verlangten zwei Plane bereits besetzt sind. Ich kann noch mehr mittheileu, daß ich selbst meinen die 4. Volksschulclasse beendigenden Knaben für diese Anstalt gemeldet, der in Folge seiner Jugend, er zählt kaum lo Jahre, nicht aeceptirr werden konnte. Mein älterer Sohn, ein Schüler der III. Gvmnasialclasse, den ich auch für diese Anstalt bestimmen wollte, tvurde wieder seiner körperlichen Schwäche wegen abgewiesen. Cs fanden sich somit j a Knaben und Väter, die die Liebe zit Zion und Jerusalem höher stellen, als zum heimatlichen Clend und zur Verwahrlosung, denen das „lleber's Jahr in Jerusalem" voller Ernst ist. L. (Anmerkung der Redaction.) Wir haben diese Zeilen unserem Berichterstatter nach Kolomea zugeiandr und hierüber folgende Aeußernng erhalten: Cs ist richtig, daß nach Abfassung meines Berichtes sich endlich nach langem Suchen und mit vieler Blühe zwei Knaben für die Ackervanschule in 'Jaffa gefunden, aber daß der Zndrang ein so geringer lind die Auswahl eine so beschränkte waren, spricht mehr für als gegen meine Behauptung. Feuilleton. Der seidene Tales. Der Kunst- und Antiquitätenhäudler Abraham Goldschmied galt als einer der reichsten Juden in der Hauptstadt. In seinem auserlesenen Lager an Bildern alter und neuer Meister und Antiken waren enorme Summen investirt, denn für wirklich verdienstvolle Stücke war ihm kein Preis zu hoch. Wußte er doch immer Kunden dafür. Der höchste Adel des Landes beehrte ihn mit seinem Vertrauen und seinen Aufträgen bei Einrichtung von Bildergalerien und Museen, wie bei Anschaffung von Familienschmuck zu Ausstattungen. Er war eilt vorzüglicher Kenner von Gemälden und Antiken, und seinem geübten Auge konnte keine Imitation oder Copie als Original unterschoben werden. Bei all seinem Reichthnm und Ansehen war aber Abraham Goldschmied kein glücklicher Mann. Er stand vereinsamt da. Seit langen Jahren Witwer und kinderlos, von armen Verwandten stets umlagert, die kein Herz für ihn hatten, und von der öffentlichen wie Privatwohlthätigkeit in Einemfvrt in Contribution gesetzt, wurde er ein Misanthrop, der zwar mit vollen Händen gab, aber ohne Liebe. Nur einen armen, schönen Knaben von einem entfernten Verwandten, der geradezu stolz war, bei ihm zu betteln, nahm er zu sich, ließ ihn unter seiner Aufsicht erziehen, hielt ihm in allen Künsten und Wissenschaften die besten Lehrer und die täglich sich mehr entwickelnden Talente desselben gewährten ihm die einzige Freude am Dasein. Bei seinem fortwährenden Umgang mit den Großen hatte er selbst zwar mit dem jüdischen Leben gebrochen; der Knabe mußte jedoch auch hebräische» Unterricht nehmen, die Religion strikte beobachten, an Sabbath und Feiertagen mit seinem Hofmeister den Tempel besuchen und zu seiner Barmizwah nach altem Brauche zur Thora gerufen werden, angethan mit dem seidenen Tales, der so fein war, daß man ihn in eine Nußschale hätte bringen können. Denn bei allem Abscheu gegen Luxus in Kleidern war Abraham Goldschmied gerade bei diesem, lediglich dem Cultns dienenden Stück extravagant und ihm kein Preis dafür zn hoch. Der Knabe ward zum Jüngling. An seinem achtzehnten Geburtstage, der feierlich begangen wurde, sprach sein Wvhlthüter das erste Mal über seine Zukunft mit ihm. „Jeder Mann muß Etwas sein; wähle was Du werden willst! Du kannst vermöge Deiner Vorstudien in die Universität