Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 30 (23.7.1897)
- Date
- 1897-07-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 30 Vr. Bloch» Wochrnlchrlfl Seite 621 Antisemiten sein." Also deutsches Volksthum, deutscheStammeszuge Hörigkeit auf Basis der Erfüllung einer statutenmäßigen Aufnahmsbedingung und Ueber» tritt von der liberalen zur deutschnationalen Partei — dies ist die jüngste Knospe am blüthenreichen Baume deutschvölkischer Klärungs- und Reinigungsversuche. So weit die „Brünner Sonntags-Zeitung". Es gehört wirklich ein „cylindrisches Gehirn", wie das des Hauptschreibers in der Schriftleitung des „Deutschen Blattes" dazu, um zu glauben, daß sich ein jüdischer Gimpel finden wird, der auf diesen Leim geht — in Mähren wohl nicht, vielleicht im glaubenseinheitlichen Tirol. Prag. Sehr geehrterHerr! Heute überbrachte mir einer meiner Stammgäste ein Exemplar der letzten Ausgabe Ihres geschätzten Blattes „Oesterreichische Wochenschrift" Nr. 29 vom 16. Juli, mich auf einen darin enthaltenen Artikel, mit der Unterschrift Dr. M., Prag-Teplitz gezeichnet, aufmerksam machend. Ich, sowie jeder meiner Stammgäste, von denen nebenbei gesagt mindestens Neimzehntel der liberalen Partei angehörten, denen ich besagten Artikel zum Lesen gab, waren empört über eine derartige gemeine Lüge, die derselbe in jedem Worte enthält. Es kann unmöglich im Interesse eines Herrn, wie Sie geehrter Herr Doctor, liegen, einen Geschäftsmann, der ein Anhänger ist, und ohnedies da er ein Deutscher ist, in Prag mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat, durch irgend eine erfundene Lüge absichtlich zu schädigen oder ihn wenigstens bei seinen Kunden in ein schiefes Licht zu bringen, weshalb ich mir unverzüglich erlaube, Sie über die Eigenschaft meines Geschäftes, sowie auch über die wahrscheinliche Abstammung dieses Gerüchtes nach Möglichkeit aufznklären. Ich, Gefertigter, war, ehe ich mich selbstständig machte, sechs Jahre Oberkellner im deutschen Casino hier und habe mir im Laufe dieser Zeit eine ziemlich große Bekanntschaft in deutschen Kreisen erworben; nun habe ich ein Restaurant am Wenzelsplatz in eigener Regie übernommen, welches, wie leicht erklärlich, fast ausschließlich vom deutschen Publicum, und zwar zumeist ehemaligen Gästen, aus dem deutschen Casino, besucht wird. Nun aber werde ich von czechischer Seite, da ich ihnen als Deutscher, sowie auch die Entstehung eines deutschen Restaurant ein Dorn im Auge ist, wo immer es nur möglich ist, angefeindet; insbesonders habe ich von Seite eines czechischen Nachbarn diesbezüglich viel zu leiden. Im ersten Stock meines Restaurants habe ich drei, Vereinslocalitäten wovon das erste an den „Verein deutscher Agenten", das zweite an eine Studentenverbindung „Suevia" und das dritte an die Turnverbindung „Jahn" pernranent vergeben ist. Letztere Verbindung nun hat Anfang dieses Monats bei mir im Garten ein Gartenfest veranstaltet, aus welchem Anlaß der Garten in zumeist deutschen und kaiserlichen Farben decorirt und beflaggt war; dies wurde von der Nachbarschaft natürlich bemerkt, und sofort unfern vis ä-vis, der »dksrockni politika«, zur Kenniniß gebracht. Letztere hatte nichts Eiligeres zu thun als, da gerade um diese Zeit Schönerer in Prag gewesen sein soll, diesbezüglich einen Artikel zu componiren, und zwar, daß Schönerer bei mir gewesen sein soll, daß ihm zu Ehren der Garten decorirt gewesen sein soll, und zwar derart, daß von Sr. Majestät Büste, die bei mir im Gurten aufgestellt ist, vor lauter großdeutschen Farben nichts zu sehen gewesen sein soll, endlich auch daß hier Burschalkykneipen sind, mit denen Schönerer in enger Verbindung steht und sich auch aus diesem Grunde mein Restaurant zu seinen Aufenthalt gewählt habe. Bon allem hier Angeführten ist kein Wörtchen wahr gewesen, außer daß der Garten decorirt war; weshalb ich auch durch Herrn Dr. Ausch eine Berichtigung in der nächsten Nummer der »Narodni politika« erscheinen ließ. Es dürfte Ihnen nun, geehrter Herr Doctor, nach dem hier Angeführten, für dessen Wahrheit ich und auf Verlangen hundert Zeugen bürgen, leicht erklärlich sein, daß mich der Artikel in Ihrem geschätzten Blatte nicht besonders angenehm überraschte, und nach § 19 des Preßgesetzes fordere ich Sie hiemit auf, in der nächsten Ausgabe der „Oesterreichischen Wochenschrift", meiner Angabe entsprechend eine vollständige Widerrufung refpective Berichtigung des erwähnten Artikels gütigst zu veranlassen. Mit Bestimmtheit erwartend, daß Sie meiner Forderung gütigst Folge leisten werden, und Ihnen hiefür im Vorhinein bestens dankend, zeichnet hochachtungsvollst Wenzelsplatz, Nr. 22. Franz Puschner, Restaurateur. Grotz-Euzersdorf. (D r i t t e s S p e n d e nv e rz e i chniß zum Baue des Tempels.) Die Cassa des Minjan- Vereines in Groß-Enzersdorf 500 fl.; Löbliche Cultusgemeinde Wien 100 fl.; die Herren: W. Träubl, Berbocz 2 fl.; Adolf Polok, Oslavan 4 fl.; Leopold Wertheimer, Wien 5 fl.; I. Ehrenreich, Brünn 5 fl.; Josef Fuchs, Znaim 5 fl.; Friedrich Schüler, Wien 5 fl.; M. Spitzer, Mährisch-Ostran 5 fl.; A. Silberstein, Goltfch-Jenickau 3 fl.; D. Markus Sohn, Kisber 1 fl.; I. Grünbaum, Mißlitz 2 fl.; W. Dubsky, Franzensthal 5 fl.; E. Fried & Bruder, Hullein 3 fl.; David Gluck, Ottakring 5 fl.; Jaques Werner, Pohrlitz 3 fl.; Skntezki und Wengraf, Ober-Hollabrunn 3 fl.; Heinrich Heller, Obersiebenbrunn 3 fl.; Ferdinand Berger, Leopoldsdorf 3 fl.; Samuel Preis, Untersiebenbrunn 1 fl.; Jacob Preis, Obersiebenbruun 1 fl.; Josef Kohn, Leopoldsdorf 1 fl.; Simon Fried, Obersiebenbrunn 1 fl.; L. Spitz, Kostet 3 fl.; F. Sachs, Bisenz-Pisek 1 fl.; Ignaz Wodiczka, Floridsdorf 5 fl.; Summe 675 fl.; mit den bereits ausgewiesenen 2085 fl.; zusammen 2760 fl. Weitere Spenden mögen entweder an den Minjan-Verein in Groß-Enzersdorf oder an den Gefertigten gesendet werden. Heinrich Reichsfeld Obmann des Tempelbaucomit6s in Gr.-Enzersdorf. Zborotv (Galizien). Ein verabfcheuungswürdiger Vorfall trug sich hier diese Woche zu, der über unsere israelitische Gemeinde leicht großes Unheil hätte bringen können, wenn es nicht die Vorsehung verhütet hätte. In der hiesigen römisch - katholischen Kirche wurde eines Tages ein schändlicher Einbruch entdeckt. Die Sammelbüchsen wurden ausgeraubt und die Heiligenbilder im verstümmelten und geschändeten Zustande, mit Lüster- und Schmühanfschriften besudelt, vorgefnnden. Die Judenfeinde, die Dank der jetzigen Zeitströmung auch hier nicht fehlen, suchten selbstverständlich diese Schandthat den Juden in die Schuhe zu schieben, was hier große Bestürzung hervorrief, da es nicht abznsehen war, welche Dimensionen dieser schändliche Verdacht bei den ohnedies aufgeregten und aufgestachelten Gemüthern unserer Mitbürger anzunehmen drohte. Allein in der darauf folgenden Nacht wurde ein Individuum — ein Arier reinsten Wassers — das in den hiesigen Handlungen einbrechen wollte, ertappt und verhaftet, und als dasselbe vor Gericht verhört wurde, legte es das Gestäudniß ab, auch den Einbruch in die römisch-katholische Kirche verübt zu haben und der Urheber des genannten Scandals zu sein! Der Missethärer, in Person eines katholischen Tagschreibers im hiesigen Bezirksgerichte, wurde dem Zloczower Kreisgerichte eingeliefert. E. ß. fRozuntt. (D i e Einweihung des israelitischen Friedhofes) hier findet Sonntag den 25. d. M. 3 Uhr Nachmittags statt. Wie deil Lesern dieses geschätzten Blattes bekannt, wurden die Mittel zur Errichtung dieser einem wahren Bedürfnisse entsprechender culturellen Anstalt durch Sammlung von Spenden unter Glaubensgenossen, namentlich frommen Brüder- und Fraueuvereinen aufgebracht. Nächst der „Oesterreich i s ch e n W o ch e n s ch r i f t", welche der Humanitären Sache bereitwilligst und unermüdlich ihre Spalten öffnete, gebührü dem Comite welches die Spenden-Sammlung inscenirte, den Herrn Curarzt Dr. Skreinka und Fabrikanten Adolf Pollak, insbesonders aber Herrn Markus N e u m a n it aus Proßnitz der wärmste Dank. Mit unverdrossenem Eifer und aufreibender Thätigkeit hat sich Herr Neumann das Zustandekommen des frommen Werkes angelegen sein lassen und er findet reichlichen Lohn darin, daß ihm ein voller Erfolg zur Seite steht. Möge es ihm auch gelingen, das Krankeuasyl für Arme, die Cur in Ro/.nau persvlvirende Glaubensgenossen, dessen Errichtung er mit der ihnr eigenen Consequenz anstrebt, zu insceniren, denn mehr noch als die Todten haben die Lebenden ein Anrecht auf culturelle Institutionen. Die Eröffnung des „Beth Olom" findet in besonders feierlicher Weise unter Betheiligung der kaiserlichen Behörden und Stadthonoratioren statt. Alle Glaubensgenossen, die sich noch Herz und Sinn für das Judenthum bewahrt haben, sind wärmstens eingeladen. Qnot felix fanstnnßqne sit! Krakau. Der hiesige Universitätsprofeffor, Mitglied der hiesigen Akademie der Wissenschaften, Herr Dr. Leon S te ratz a ch, zurückgekehrt von einer längeren Studienreise aus Spanien, hat jüngst in der hiesigen Akademie der Wissenschaften einen Vortrag über seine dort gemachten Entdeckungen auf denk Gebiete der Philologie gehalten. Der Vortrag hat unter den Mit-