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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-23 · 30 (23.7.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
30 (23.7.1897)
Date
1897-07-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 620 Dr. Vloch's Wochrnschrifi ■Hx. 30 Correspondenzen. Wien. (Aus der Plenarsitzung desVorstandes der israelitischen Cnltusgemeinde Wien, abgehalten am 15. Juli 1897 unter dein Vorsitze des Präsidenten Herrn k a i s e r l. Rath Heinrich K l i n g e r.) Der Vorsitzende läßt zunächst nachstehende Spenden zur Verlesung bringen: Von Herrn I. Zerf für Arme.fl. 5.— Bon Herrn Dr. Alois Baß, als Testamentsexecutor der sel. Frau Cäcilie Kulka zur Vertheilung an Arme am Tage des Leichenbegängnisses.. . sl. 100.— Aus der Verlassenschaft des am 18. Juni 1897 verstorbenen Herrn Gustav Fischl, zur Betheilung israel. Armer fl. 1000.— Von den Kindern und Erben nach dem am 27. Juni verstorbenen Herrn Simon Sußmanu für den Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israel. Cnltusgemeinde..fl. 100.— Für das allgemeine israelitische Taubstummeninstitut, sür das israelitische Blindeninstirut, für die israelitische Kinderbewahranstalt . je fl. 50.— Den Spendern wird der Dank votirt. Die Herren Baurath von Goldschmidt und von Mises berichten sodann über den Stand der Adaptirungsarbeiten im Spitale und israelitischen Bersorgungshause, sowie betreffend die neugemietheten Bureaulocalitäten. Der Bericht wird zur Kenntniß genommen, in der bestimmten Erwartung, daß sämmtliche Adaptirungen noch während des Sommers vollendet werden. — Die Benedict Karplus'sche Gewerbeschülerstiftnng gelangt an zwei würdige Bewerber zur Verleihung. — Herr Baurath Ritter von Goldschmidt referirt über die Verleihung der L. G. Goldstein'schen Heiratsausstattungs-Stiftung und wird im Sinne seines Antrages für den Stiftungsplatz im Betrage von fl. 140.— einer Petentin der hohen k. k. niederösterr. Statthalterei in Vorschlag gebracht. Derselbe Referent, gibt weiters bekannt, daß das Curatorium der Jsak Kuffler'schen Mädchenausstattungs-Stistung die Stiftungs zinsen im Betrage von fl. 215.— einer competenten Bewerberin verliehen hat. — Herr Baurath von Goldschmidt referirt ferner über an 30 verschiedene Vereine zu gewährende Subventionen in der Höhe von fl. 760.—; die gestellten Anträge, sowie die sich ergebende Budgetüberschreitung von fl. 275.— werden genehmigt. — Die Rückzahlung eines seinerzeit von der ehemaligen Sechshauser Vororte-Cultusgemeinde bei dem dortigen israelitischen Frauenvereine aufgenommenen Darlehens in der Höhe von fl. 1000.— und den entsprechenden Zinsen wird vorbehaltlich der ziffermäßigen Ueberprüfung durch die Finanzsection beschlossen. Herr Vicepräsident Dr. Gustav Kohn referirt über die Errichtung der Professor Rosa Goldenthal'schen Kadisch- und Wohlthätigkeitsstiftung. Nach seinem Anträge wird die Annahme beschlossen. — Ueber Antrag des Referenten wird dem Vereine „Beth-Hamidrasch" die Jahressubvention für das Jahr 1897 auf fl. 400.— erhöht. Dem Bethausvereine II.. Hammer Purgstallgasse, wird nebst der budgetirten Subvention per fl. 100.— eine außerordentliche von fl. 150.— für das Jahr 1897 gewährt. Der Bethausverein III., Hetzgasse 40, erhält per 1897 eine Subvention von fl. 150.—. Dem Tempelverein im X. Bezirk wird für das Jahr 1897 eine Subvention von fl. 200.— gewährt und werden außerdem die Rückzahlungsraten des ihm unverzinslich gewährten Darlehens per fl. 4000.— für das Jahr 1897 und 1898 gestundet. Die Subvention für den israelitischen Tempel- und Schulverein VI., Stumpergaffe 42, wird für das Bethaus von fl. 250.-- auf fl. 300.— und für die Talmud- Thora-Schule von fl. 200.— auf fl. 300.— erhöht. Der Bethausvorstand des XVIII. Bezirkes wird auf Grund des § 93, Absatz 5, der Statuten ermächtigt, der Schulbehörde die Uebernahme der im XVIII. Bezirke bestehenden Bibelschule zur Kenntniß zu bringen. Die erfolgte Verleihung der Anselm Freiherr von Rothschild'schen Waisenstiftung (21 Plätze ä fl. 100.—) durch Herrn Albert Freiherrn von Rothschild wird genehmigt. Der Präsident Herr kaiserl. Rath Klinger erklärt die Sitzung für geschloffen. Wie«. Am 15. d. M. um 7 Uhr Abends fand in der Militärschwimmschule im Prater in Gegenwart des Generalcommandirenden von Wien und anderer hoher Officiere, sowie hervorragender Persönlichkeiten, das Wettschwimmen um die Meisterschaft von Oesterreich auf der langen Strecke von 1609 Meter 1 englische Meile, statt. Von vier Concurrenten gingen blos drei in's Wasser, wovon Herr M ö d i g e r, ein tüchtiger Schwimmer, nach zwei Längen wegen Krampfes aus dem Wasser mußte. Es blieben nun die zwei Meister S. O r l i k und Otto Wahle übrig. Nach wirklich heißem Kampfe siegle Otto Wahle um eine Secunde, der geschlagene Meister Simon O r l i k schwamm die englische Meile fast um zwei Minuten besser als der deutsche Meisterschwimmer W o l l f. Beide Schwimmer, O r l i k und Wahle, haben sowohl den deutschen als den österreichischen Record geschlagen und sind colossal gut geschwommen. Eine seltene Leistung: 28 Minuten 30 Secunden die englische Meile! Der schnellste und beste Schwimmer des Deutschen Reiches, Töpfer, schwamm die 1609 Meter in 29 Minuten 30 Secunden, der Meisterschwimmer der Welt, T e y e r s in London, in 28 Minuten 27 Secunden. Nun bleibt denk deutschen Meister W o l l f nichts übrig, als seine Meisterschaft über die lange Strecke in Abazzia; er muß, wenn er durchaus gewinnen will, allein schwimmen oder in schwächerer Gesellschaft, denn O r l i k und W a h l e ist er nicht im Stande zu schlagen. Wien. (D e r A n t i s e m i t i s m u s auf dem Kuts chb o ck.) Der Einspänner Berthold Fried trat kürzlich wieder zu seinem früheren Herrn, bei dem er 10 Jahre war, als Kutscher in den Dienst und hatte als solcher auf dem Einspännerstandplatz in der P r a t e r st r a ß e Aufstellung zu nehmen. Dies mißfiel einigen anderen Einspännern dieses Standplatzes aus dem Grunde, weil Fried Jude ist, und sie hänselten und höhnten ihn unablässig. Der Führer dieser antisemitischen Kutscheragitation war der 24jährige Anton Z a d s p a l, der sammt seinen Genossen wiederholt äußerte: „Der S . . jud' hat uns am Standplatz no g'fehlt ....... der muß aussig'hant werd'n" rc. Am 12. Mai setzte Z a d s P a l diese Beschimpfungen ununterbrochen fort und als Fried in Aussicht stellte, er werde sich gegen ihn beschweren, sprang Z a d s p a l zum Wagen und versetzte Fried m i t d e m T a s ch e n m e s s e r, ohne es zu öffnen, einenSchlag, so daßFried blutete. Ein Wachmann stellte Z a d s p a l zum Amt und gestern hatte sich der rohe Kutscher vor dem Bezirksgerichte Leopold st adt wegen Verletzung' des F r i e d zu verantworten. Der Richter fand Zadspal. schuldig und' verurtheilte ihn zu a ch t u n d v i e r z i g Stunden A r r e st, mit der Begründung, er habe von der Verhängung einer Geldstrafe Umgang genommen, da das Motiv in confessioneller Gehässigkeit zu suchen sei. Brünn. Die Deutschnationalen, denen die Badeni'sche Aera trotz alles Sträubens die Einsicht aufgezwungen hat, daß in dem gegenwärtigen Kampfe Kornblumen allein keine genügenden Waffen sind und daß es nothwendig ist, alle Deutschen zu gemeinsamen Angriff zu einigen, sind dadurch in die unangenehme Situation geratheu, ihren Antisemitismus ein wenig „zurückstellen" zu müssen. Da aber der Antisemitismus bei ihnen die Fahne ist, auf welche ihre Anhänger vereidigt wurden, ist es recht kränkend, dieselbe mit Rücksicht auf das deutschfortschrittliche Bundesheer den Sturmcolonnen eingerollt vorantragen zu müssen. Man entschädigt sich zwar hiefür, indem man die Fahne überall, wo allein marschirt werden kann, unter Trommelwirbel um so lustiger flattern läßt, sinnt aber, um diesem unerquicklichen Zustande ein Ende zu machen, im deutschnationalen Obercommando doch bereits darauf, der Fahne ein solches verändertes Aussehen zu geben, daß sie auf der einen Seite antisemitisch, aus der andern aber gemeinbürgerschaftlich ist, so daß sie bei allen Gelegenheiten aufgerollt getragen werden kann. Daher die jetzt plötzlich in Erscheinung getretene Jnterpretationssucht des „richtigen" Antisemitismus, eine Art Reformationszeit, die zwischen „Racenantisemitismus" und „individuellem Antisemitismus" die erlösende Klärung bringen soll. Als ein bezeichnender Versuch, die eingetretenen Schwankungen zu einem Stillstände zu bringen und wenigstens gewisse Juden als Deutsche gelten zu lassen, ist der in dem hiesigen „Deutschen Blatte" aufgetauchte Vorschlag zu betrachten : „Der Nationalverein verlange eine bestimmte schriftliche Erklärung von seinen Mitgliedern, in denen diese sich als Glieder der deutscheu Nation an Eidesstatt verpflichten, der heiligen Sache des deutschen Volkes stets zu dienen. Wir wollen dann sehen, welche Juden deutsch und welche eben — Inden sind. Wir wollen dann jene, welche blos liberal und nicht deutsch sein wollen, nicht etwa wie nationale Gegner sondern als Juden behandeln, d. i. ihnen gegenüber

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