Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 30 (23.7.1897)
- Date
- 1897-07-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 30 Dr. Vloch's WochrnfchrM Sette 615 Graz, Klagenfurt und im Jahre 1885 in Ungarn im antisemitischen Sinne agitirte?" Das sind ja recht hübsche Geständnisse. In den Jahren 1881 und 1885 war Schneider noch ein beschäftigungsloser Mechaniker, der keinerlei Diäten ans öffentlichen Aemtern bezog. Wer hat ihm die Kosten dieser theueren Agitationsreisen bezahlt? Seine Romreise im Jahre 1881 ist charakteristisch. Wenn sich Wedral von dem getauften Advocaten Löw bezahlen ließ, so wußte Schneider eine ergiebigere Quelle anzubohren: er hat sich den Jesuiten verkauft, denn thatsächlich beginnt vom Jahre 1881 ab die intensive Judenhetze in Mitteleuropa. — Mau begreift daher nun, daß Schneider consequenter ist als Wedral. Er ist eben besser bezahlt! In einer am 20. d. M. stattgesundenen Vertrauensmännerversammlung der christlich-socialen Eisenbahner wurde Dr. Max Anton Löw endgiltig begraben. Im Aufträge Dr. Luegers erklärte der Einberufer, Abgeordneter P r o ch a s k a, daß D r. Lueger den getauften I u d e n M a x A n to n L ö w als Führer d e r E i s e n b a h n e r nicht anerkenne.— Abgeordneter B i e l o h l a w e k citirte folgende Aeußerung Lrleger's : „Ich will n i ch t, d a ß D r. L ö w au derSprtze der Organisation stehe". — Dr. Eder berichtete, daß Dr. Lueger gesagt habe: „I ch e r k l ä r e I h u e n, d a ß d i e Partei nichts wissen will von D r. L ö w." — In einer Resolution wies die Versammlung die Führung des „Inden Dr. Max Anton Löw" mit Entrüstnn g zurück. Dieser hatte sich mit seinen Anhängern schon vorher entfernt, Selbst das „Vaterland", welches die Erklärung Wedral's veröffentlichte, sagt sich durch seiueu verantwortlichen Redactenr von dem Renegaten los, der nun gerichtet ist von Juden und Antisemiten! „Verjudung" Mit den Verwandten des Staatssecretärs Grafen Posadowsky beschäftigen sich deutsche Tageszeitungen. Die „Breslauer Morgenzeitung" berichtet: „Zum Ruhme des bisherigen Reichsschatzsecretärs und jetzigen Nachfolgers Herrn v. Bötticher veröffentlichen conservative Blätter gegenwärtig allerhand Mittheilungen. Auch genealogische Angaben über die zum schlesischen Uradel gehörige Familie derer von Posadowsky befinden sich in diesen Blättern. Besagte Angaben schließen mit dem Vermerk, daß der Hofmarschall Graf von Posadowsky auf Schloß Tost, infolge Verheiratung mit einem Mitgliede der Familie Mehner den Namen Posadowsky-Wehner angenommen habe. Das zu hören, ist ja recht anziehend. Aber noch anziehender werden die bewußten Angaben, wenn sie eine Ergänzung erfahren, die sofort geliefert werden soll. Auf Schloß Tost residiren die Posadowsky, wenigstens soweit die Agnaten dieser Familie in Betracht kommen, schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Gegenwärtiger Besitzer der im oberschlesischen Kreise Peiskretscham gelegenen Herrschaft Tost, sowie Besitzer des gleichnamigen Schlosses ist Herr Kurt Guradze, der verheiratet ist mit Sylvia, geborenen Gräfin Posadowsky. Dieser ourch seine Gattin mit der Familie des gegenwärtigen Staatssecretärs des Reichsamts des Innern nahe verwandte Herr Guradze stammt aus einer jüdischen Familie, die noch jetzt in Breslau wohlbekannt ist. Der Name Guradze hat für das Haus Posadowsky mindestens die gleiche Bedeutung wie der Name Wehner." — Ich kann Ihnen ergänzend mittheilen, daß Herr Kurt Guradze als Jude geboren und erst als Jüngling getauft worden ist. Seine Eltern waren erst vor etwa 18 Jahren seinem Beispiele gefolgt. Seine Großeltern aber liegen in der stattlichen, freilich wie es scheint mit Absicht dem Verfalle preisgegebenen Familiengruft auf dem jüdischen Friedhof in Tost, und der Cultusbeamte der kleinen Gemeinde besucht an ihrem Todestage ihr Grab, nachdem er vorher Gottesdienst veranstaltet und Kaddisch gesagt hat. Daß diese fromme Andacht für alle Zeit abgehalten werde, ist durch ein ansehnliches, vom Vater des Herrn Kurt G. gestiftetes Legat gesorgt. Arische Sprachkenntnift. In Nr. 9170 vom 10. Juli d. I. bringt die „Deutsche Zeitung" einen Bericht über den Brand der Silo's in Budapest und knüpft hieran folgende „geistreiche" Bemerkung: „Was so ein Silo für ein Ding sei, das bleibt für Nichtmagyaren ein dunkles Geheimniß, da man von keinem Gebildeten voraussetzen kann, daß er sich für die Sprache des, Bakonyerwaldes und seiner Bewohner interessire. Ist das Correspondenzbureau deutsch oder ungarisch? Was hat dieses Institut für einen Grund, für das inferiore Idiom der leider bis zu den Grenzen deutschen Sprachgebietes vorgeschobenen Asiaten Propaganda zu machen und unverständliche Ausdrücke zu gebrauchen?" — Nun steht die Sache so, daß Silo gar kein ungarisches, sondern ein rein spanisches Wort ist und so viel bedeutet wie Getreidebehälter, Getreidekeller. Dem Unverständigen ist eben alles unverständlich, selbst wenn es in einer Cultursprache geschrieben ist. Der Schriftleituug wäre nun die Anschaffung eines Fremdwörterbuches, in dem die verhaßten Fremdwörter auch „verteutscht" sich finden, dringend anzurathen. Oder gestattet dies der t'nror tentovieus nicht? ll. 8. Bases da Gama und seine jüdischen Genossen. Lissabon, 7. Juli 1897. Morgen, am 8. Juli, begeht das Königreich Portugal und mit ihm die ganze gebildete Welt die 400jährige Erinnerungsfeier der Auffindung des Seeweges nach Ostindien durch Basco da Gama. Bei dieser Gelegenheit geziemt es sich, auch desjenigen Mannes zu gedenken, der, obwohl sein Name iu der Geschichte nicht gefeiert ist, doch Ne spanischen und portugiesischen Entdeckungen wesentlich gefördert, ja, wie man vielleicht behaupten darf, den Ausschlag für die Unternehmung da Gama's gegeben hat. Es war dies der j ü d i s ch e M a t h e m a t i k e r und Astronom Abraham Z a c u t o, ein persönlicher Freund sowohl von Columbus, wie von Basco da Gama. Geboren zu Salamanca, wohin sein Großvater aus Südftankreich eingewandert war, hatte er durch die Vermittelung des dortigen Bischofs an der alten spanischen Hochschule sich den Wissenschaften hingeben dürfen und war dann Professor an derselben geworden, bis ihn später der portugiesische König Don M a n u e l zu seinem Mathematiker und Astrologen am Hofe zu L i s s a b o it machte. Zacuto. war Verfasser eines Almanach perpetuum mit Sonnen-, Mond- und Sternentafeln; diese Tafeln hatte Columbus auf allen seinen Fahrten mit sich, auf denen sie ihm außerordentliche Dienste leisteten. Das besondere Verdienst aber, welches Zacuto sich um die Entdeckungsreisen Basco de Gama's erwarb, bestand darin, daß er eine Schrift des A st r o n o m e n L e v i b e n G e r s o n, in der für die Schifffahrt die Anfertigung eines Instrumentes zur Messung der Sternenhöhe angegeben war, der Vergessenheit entriß und V a s c o d a G a m a auf sie aufmerksam machte. In dieser Schrift — ihr Titel lautet „Der Jacobsstab" — welche lauge Zeit Zacuto selbst, später Regiomontanus zugeschriebeu wurde, bis erst in neuester Zeit unser berühmter Orientalist Professor Dr. Moritz Steinschneider, und fast gleichzeitig der Münchener Geograph Professor 'S. G ü n t h e r, nachwiesen, daß sie von Levi ben Gerson verfaßt, aber fast hundert Jahre vergessen war, und erst durch Abrahaiu Zacllto wieder der Vergessenheit entrissen worden ist, wird ein Instrument, eben „Der Jakobsstab" angegeben, vermittelst dessen zur Bestimmung der geographischen Breite außer den Meridianhöhen der Sonne auch Nachts die jeweilige Höhe des Polarsterns benutzt werden kann. Dieses Jnstument, ans welches Zacuto Basco da Gama hinwies, hat diesem auf seinen Fahrten außerordentliche Dienste geleistet. Dazu kam noch, daß der kühne Seefahrer in seinem jüdischen Freunde nicht nur einen gelehrten Berather, sondern auch einen eifrigen Fürsprecher beim Könige hatte, dessen besonderes Vertrauen Zacuto genoß. Dieser trat warm für die Ausrüstung der Flotte beim Könige ein, und am 8. Juli 1497 ging Vasco da Gama unter Segel. Eine Zahnradbahn ans dem Berge Sinai. Wie aus Suez berichtet wird, projectirt die englische Gesellschaft, die sich in Cairo und Constantinopel um die Concession zum Bau einer' Bahn von Port-Said durch die Sinai- und die arabische Halbinsel nach Bassorah am persischen Meerbusen bewirbt, zugleich auch den Bau einer Zahnradbahn von der zukünftigen Bahnstation El-Tor (Hafenplatz) auf den nahen Berg Sinai. Auf dem Berge, der nur von. einer Seite zugänglich ist, soll das Bahnhofsgebäude dort errichtet werden, wo sich jetzt das von der Kaiserin Helene, der Mutter Constantin's des Großen, aufgestellte steinerne Kreuz befindet, und wo der Tradition zufolge Moses stand, als er die Offenbarung empfing. Die Bahn wird auch an der Höhle vorbeiführen, in welcher der Prophet Elias einige Tage geweilt hat, als er vor den Baalspriestern floh. Verband der Rabbiner Mährens und Schlesiens. In einer der letzten Nummern dirses Blattes veröffentlichte der Schriftführer dieses neugegründeten Vereines einen Bericht über denselben, der nicht gerade die beste Einführung