Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-16 · 29 (16.7.1897) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
29 (16.7.1897)
Date
1897-07-16
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021198--06942-3031246
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Nr. 29 Seite 606 Dr. Vloch's Wochenschrift 900 Francs zusammcnzuarbcitcn nnd zu sparen, für welche Summe sie das neue Scfer-Thora gestern dem Bethause spendete. Es muß dabei erwähnt werden, daß im vorigen Jahre in gleicher Weise eine arme Proselytin eine kostbare Ornamcntur für die heilige Lade dieses Bcthauses auf ihre Kosten hat anfcrtigen lasten. Ter Zug mit der Thorahandschrift bewegte sich also von dem Hause ihres Brotherrn in der Stadt langsam unter den Klängen einer einfachen Musik, wobei jeder Thcilnehmcr der Proccssion ein brennendes Licht in der Hand hatte, von der Stadt durch die Nowartstraße nnd Ncdschid-BustroS den jüdischen Stadttheilen Ncweh-Schalam und Ncweh-Zcdck zu. Anfangs war es kaum mehr als ein Miujan von Männern und wenig mehr als ein Dutzend junger Damen in Festkleidern, die der Thora das Ehrcngeleitc gaben, dann aber wuchs die Menge mehr und mehr an, und an jeder Straßenecke kamen neue Thcilnehmer, um sich dem freudig begrüßten Zuge anznschlicßcn. Dem Zuge waren vom Serail achtzehn Soldaten unter Führung eines jüdischen Polizeiscrgeantcn Türdscheman als Ehrenwache und zugleich znr Aufrechthaltung der Ordnung bcigegcbcn, ohne daß sic aber gcnöthigt waren, von ihrer Ordre Gebrauch zu machen. Tenn im Gcgcntheile schlossen sich, auch zahlreiche Mohammedaner freiwillig an,Um auch ihrerseits mit freudigen Gesängen der Heiligen Schrift ihrer Brüder von Ibrahim die Ehre zu erweisen. Nur von einigen Ausländern konnte man abfällige oder feindliche Bemerkungen hören. An den bedeutenderen Straßenecken blieb der Zug stehen, um das Mischebcrachgebct für Seine Majestät den Sultan Abdul Hamid II. zu sprechen und in endlose jubelnde Hcdadruse auf den geliebten Monarchen auszubrechen. Es war das nichts Gemachtes, ebensowenig wie es vorauszusehen war, daß sich Scphardim, Aschkenasim und Temanim (yemenitische Juden) in gleicher Weise an dem Festzugc betheiligen würden. Bald hörte man aschkenasischc, bald sephardische, bald arabische Melodien, und bald die eine, bald die andere Gruppe trat mit Tanz und Gesang mehr hervor, während man sich allmählich der Grenze von Newch-Zedek und Neweh-Schalam näherte. Hier kamen von allen Bethäusern die anderen Sifre-Thora entgegen, um gewissermaßen den neuen Bruder, der nun fortan mit ihnen gemeinsam das Volk lehren sollte, in Ehren zu bewillkommnen. Immer noch spielte die Musik, die sonst hier zu Lande gleich traurig klingt, ob cs sich um eine Hochzeit oder um ein Begräbnis; handelt, die aber heute so lustig klang, als wäre cs gar keine jüdische Musik, als hätte sie alle die Leiden und Qualen vergessen, die unser Volk betroffen. Inzwischen war der Zug mit den brennenden Lichtern auf mindestens 6—800 Personen angcwachsen und freudig wurde es uns klar, daß hier, wo noch vor zehn Jahren nur eine ganz kleine sephardische Gemeinde und kaum ein Miujan Aschkenasim wohnte, heute eine stattliche jüdische Gemeinde ist von nahezu 4500 Personen. Da begreift man die Begeisterung des Volkes, als beim Einhcben der Thora der Sergeant Türdscheman in voller Uniform das Kaddischgcbct nnd darnach der Ehacham das Gebet für den Sultan verrichtete. Diese Proccssion, die sich von selbst bildete, ohne jede Vorbereitung und spontan, sie ist uns ein Zeichen von dem jüdischen Gefühl, von dem die hiesige Gemeinde getragen ist, von der Toleranz unserer Regierung und den Sympathien unserer arabischen Mitbürger. Dr. L. Der bekannte Porträtmaler Adolf Alberti hat im Aufträge des Curatoriums des israelitischen Blinden- Jnstitutes das Bildniß weiland kaiserlichen Rath es Dr. Bernhard Wölfler gemalt, welches sich durch frappante Aehnlichkeit und meisterhafte Farbengebung auszeichnet. In gleich vortrefflicher Weise malte derselbe Künstler das wohlgelungene Porträt des verewigten Herrn Gustav S i m o n, Präses der israelitischen Cultusgemeinde, welches im Atelier des Künstlers Lindengaffe 8 ausgestellt ist. Wien. (Professor Gruber.) Wie die „Wr. Zeitung" meldet, hat der Kaiser dem mit dem Titel und Charakter eines ordentlichen Professors bekleideten außerordentlichen Professor der Ohrenheilkunde an der Wiener Universität Dr. Joseph Gr über den Orden der Eisernen Krone dritter Classe taxfrei verliehen. Wien. (Ausweis ein gegangener Spenden zum Baue eines Tempels in der Brigittenau.) Spenden vom Bethausvereine Brigittenau 400 fl., Herr Joses Wünsch 50 fl., Herr Jacob Goldner 5 fl., Herr Ferd. Altmann 3 fl., Herr Dr. Max Weißenstein 2 fl., Herr M. Reiter 2 fl., Herr A. Rosenberg & Söhne, Graz 2 fl., Herr D. Schleßiuger, Znaim 2 fl. Summa 466 fl., bereits ansgewiesen 11.359*50 fl., im Ganzen 11.825 50 fl. Wien. (Spend e.) In Folge Aufrufes durch Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Simon Mandl in Kostet zur Rettung eines völlig unverschuldet rninirten Kaufmannes vom Rande der Verzweiflung, dessen wackere, mit allen Tugenden geschmückte Gattill ihni und ihren 7 unversorgten Kindern vor 14 Tagen im blühenden Alter von 47 Jahren durch den Tod entrissen worden, nachdem die schwere Krankheit derselben (Typhus) die letzten Mittelers hopfte, si ld unsvon Herrn Sigmund Doctor in Dürmaul ö. W. fl. 2 und von Herrn Adolf Körner in Drösing ö. W. fl. 2; zusammen ö. W. fl. 4 zngegangen, welche wir der Bestimmung zngeführt haben. Wien. Der Privatdocent Dr. Ernst W e r t h e i m wurde zum Vorstand der Abtheilung für kranke Frauen im Bettina- Stiftungspavillon des Kaiserin Elisabeth-Spitales in Wien ernannnt. Wien. Am 14. d. M. feierte der in weitesten Kreisen der Handelswelt bestbekannte Geschäftsnnd Cvpirbücherfabrikant, Herr Jacques Fischer, II., Obere Donaustraße 85, mit seiner Gemalin Therese, geborene Herzseld, das schöne Fest der silbernen Hochzeit. — Das Jubelpaar erfreut sich seitens des Personales für das freundliche Entgegenkonnnen und die humane Behandlung jedes Einzelnen besonderer Berchrrlng. Die Angestellten, sowohl die der Fabrik als des Bureaus, haben den geliebten Chef corporativ beglückwünscht und voil allen Seiten gehen dem Jubelpaare zahlreiche Gratulationen zu. Holleschau, 11. Juli 1897. Wieder wurde uns einer der besten und würdigsten Männer durch den Tod entrissen. Nach einen! segensreichen, dem Gemeindewohle gewidmeten Leben starb hier Herr Samuel Beer, dessen Andenken in unserer Gemeinde jederzeit hochgehalten werden wird. Einer sehr angesehenen Familie entsprossen, einem ausgedehnten Geschäfte vorstehend, durch besondere Geistes- und Herzensgaben ausgezeichnet, gelang es ihm schon vor vielen Jahren, . den maßgebendsten Einfluß in der hiesigen Gemeinde auszuüben. Nachdem er sich von seinem Geschäfte zurückgezogen, widmete er seine Zeit den freiwillig übernommenen Agenden; besondere Verdienste erwarb er sich um die Hebung nnd Pflege des hebräischen Unterrichtes an der hiesigen Schule. Ein iinposantes Leichenbegängnis; gab hievon Zeugnis;, welcher Werthschätzung sich der Verblichene erfreute. Ehre seinem Andenken! Olmüu. Herr Ignaz Brieß 8enic>r, welcher 1894 als Juror bei der Ausstellung in Antwerpen functiouirte, wurde auch für die diesjährige internationale Ausstellung in Brüssel zum Juror ernannt. Jlittgüuüzsa». (Verlobung.) Fräulein Ottilie S t r a s ch n o v hat sich mit Herrn Einil M e st i tz aus Raudnitz verlobt. Zürich. Die hiesige Verlagsbuchhandlung Caesar Schmidt hat sich veranlaßt gefunden, den Preis des von dem kürzlich in Brüssel verstorbenen, allgemein beliebten und berühmten jüdischen Schriftsteller W. H e r z b e r g vor drei Jahren herausgegebenen populären Werkes „Jüdische F a m i l i e n p a P i e r e" so zu ermäßigen, damit es auch unter dem großen Publicum allgemeine Verbreitung finde. Die neue, vierte Auflage (Volksausgabe) kostet jetzt broschirt nur noch 2 Mark 50 Pfennige und gebunden 3 Mark 50 Pfennige, gegen 4 Mark broschirt und 5 Mark gebunden des früheren Preises. Feuilleton. Die bessere Welk. Novelle von Hermann Menkes. (Fortsetzung.) „Ich lieb' Dich wie das Gan Edlen *), ich Hab' Dich geboren mit großen Schmerzen, süßes Kind, aber ich Hab' von Dir gehabt die Freuden, was man hat nur im Himmel. Ich will leiden, Du sollst kein Agmas nefesch <J) mehr haben." Nach und nach söhnten sich Israels Eltern damit aus, daß ihr Sohn profanen Studien oblag und als dann allerlei Leute zu ihm kamen, denen er Schreibereien besorgte, erfüllte sie dies sogar mit einem gewissen Stolz. Dann lernte Israel Aron Löwenthal kennen, mit dem er gelehrte Gespräche führte; Aron wurde sein Lehrer, studirte mit ihm die Reden und Abhandlungen Lassalle's, Geschichte und Geographie. Beide glichen sie zweien des Weges unkundigen Wanderern, die bald auf den steinigen Strecken der Wirklichkeit schritten und bald sich in die Nebel der Phantastik verloren. 8) Paradies. ,J) Kümmernisse.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.