Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-16 · 29 (16.7.1897) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
29 (16.7.1897)
Date
1897-07-16
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021198--06941-3031245
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 29 Vr. Vloch's Wochenschrift. sentirt. Der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde hat auch den Herrn Dr. Julius Diamant, Rabbiner ans Vukovar zur Abhaltung einer Gastpredigt eingeladen, jedoch hat derselbe mit Rücksicht darauf, daß er infolge der Sympathien, die ihm seine Gemeinde entgegeubrittgt, sein Nichtreflectiren auf diesen Posten angemeldet und demzufolge die Einladung zur Abhaltung der Gastpredigt dankend abgelehnt. Mit einem Appell, sich bei den Berathungen, sowie bei der Wahl ausschließlich au die Sache zu halten und jedes persönliche Moment bei Seite 51t lassen, schloß der Vorsitzende. Herr Oscar W e i ß m a y e r, ergriff das Wort, uni in formvollendeter Ausführung den Antrag zu begründen, es der zu wählenden Commission zur Bedingung zu machen, nur einen solchen Rabbiner zu wählen, welcher schon heute der croati scheu Sprache vollkommen mächtig ist. Herr Dr. W i n t e r schließt sich diesem Anträge an, und ergänzt demselben dahin, daß die Commission die in der Concursansschreibung festgesetzten Bezüge des Oberrabiners herabsetzen möge. Herr Dr. Plachte unterstützt die Ausführungen des Herrn W e i ß m a y e r, während Herr I. N. Schulhof die Ansicht vertritt, daß bei dem Mangel an kroatischen Rabbineu der Vorstand den berechtigten nationalen Anforderungen Genüge geleistet hat, indem er die Kenntniß einer flavischen Sprache dem Bewerber, und die Aneignung der croatischen Sprache innerhalb zweier Jahre dem Gewählten zur Pflicht gemacht. Der Vorsitzende erklärt wiederholt, daß er eine allgemeine Debatte nur über den auf der Tagesordnung stehenden Punkt und mir zu dem Zwecke zugelaffen habe, um im Wege eines Gedankenaustausches die Commission über die Wünsche des Plenums zu unterrichten. Er könne daher den Antrag W e i ßm a y e r im Sinne der Statuten nicht zur Abstimmung bringen. Um jedoch jeden Schein einer Vergewaltigung zu vermeiden, erkläre er sich bereit, daß er über die Frage, ob der Antrag Weißmayer zur Abstimmung zu bringen sei, abstimmen lassen werde. Herr Weiß mayer gibt sich mit diesem Anträge zufrieden. In der hierauf vorgenommenen Abstimmung lehnt die Generalversammlung den Antrag, über den Antrag Weißmayer abzustimmen, mit überwiegender Majorität ab. Den Antrag des Herrn Dr. Winter, die Bezüge des Oberrabbiners auf fl. 1500, inclusive Quartiergeld festzusetzen, bringt der Vorsitzende nicht zur Abstimmung, weil die Festsetzung der Bezüge in die Competenz des Vorstandes fällt. Nun sollte die Wahl mittelst Stimmzettelabgabe vorgenommen werden, allein Herr Weißmayer beantragte die Commission per Acclamation zu wählen. Dieser Antrag wurde angenommen und wurden gewählt die Herren: Dr. Ar m i n s k i, M. Adle r, I. B a u e r, I. Berge r, Leop. B^e r g e r, Marcus Berger, Dr. Diamant, F e l l n e r, F r a n k, Frankl, Dr. Geiger, H 0 r n, I u st u s, K ä st e n b a u m, Dr Klein, M. K 0 h n, K r a m e r, A. K r a u ß sen., M. Kraus, K u n e tz, M. L ö w y, Julius Misk 0 lcz y, Müller, Pfeiffer, Dr. P l a ch t e, Dr. R e i n f e l d, Schulhof, L. Sch w a r z. I. S 0 r ger, E. S p itz e r, B. Springer, W e i ß m a y e r, W i l l h e i m, Dr. Winter und W 0 t i tz. Hierauf erklärte der Vorsitzende die Generalversammlung für geschlossen. — Gleich nach Schluß der Generalversammlung constituirte sich die Commission und vertagte sich auf den 5. Juli. Gestern Abends trat die Commission wieder zusammen und wählte nach dreistündiger Berathung Herrn Dvctor Armand Kami n k a, derzeit Rabbiner am neueil israelitischen Tempel in Prag, zum Oberrabbiner der israelitischen Cultusgemeinde zu Effek-Oberstadt. Gietzen, 4. Juli. (Eine Rede ü b e r I s r a e l.) In der großen Aula der Universität fand anläßlich des Stiftungsfestes der Universität der übliche Festactus statt. Die Festrede hielt der derzeitige Rector, Herr Geheimer Kircheurath Professor Dr. Stade. Das Thema feiner Rede war „Die Entstehung des Volkes Israel." Die Nachrichten der Bibel wurden einer kritischen Prüfung unterzogen und durch die der Inschriften ergänzt. Das Volk Israel entsteht zugleich mit der Stiftung der mosaischen Religion. Mose befreit als Bote des Sinaigottes und Führer einer Conföderation von Nomadenstämmeu von den Aegyptern bedrückte hebräische Nomaden, die mit ihren Befreiern unter der Leitung Moses verbleiben und zu einem Volke verschmelzen. So trägt die Religion Israels von Anfang an historischen Charakter. Nach längerem Aufenthalt in der Wüste von Kadesch erobert auch dieses Volk das Ostjordanland und läßt sich von diesem auch im Westjordanland nieder. Hier verschmilzt Seite 605 es mit den Ureinwohnern des Landes, nimmt deren Acker- und Gartenbaucultur an, geht auf ihre Culte ein und nimmt ihre Heiligthümer in Besitz. Mit der täglichen Beschäftigung ändert sich auch die ganze geistige Art der Eiugewanderten. Aus Nomaden. die auf den Bauer herabsehen, entsteht durch die Verschmelzung mit den Ureinwohnern ein Volk, dem beim Ackerbau wohl ist und das die Wüste für ein Land voller Schrecken hält. Das Israel der historischen Zeit ist ein Product der Verschmelzung der über den Jordan gekommenen hebräischen Nomaden mit den Ureinwohnern. Hiedurch sind aber auch Cultübungen und religiöser Glaube der Ureinwohner in die Religion des Israels der historischen Zeit gekommen. Sind sie auch von der Religion des Sinaigottes absorbirt und ihrer ursprünglichen Bedeutung entkleidet worden, so haben sie diese doch erheblich umgestaltet. In ihr lebt neben den beherrschenden Gedanken der Religionsstiftung Moses die kanaanitische Religion weiter wie klassisches und germanisches Heidenthum im mittelalterlichen Christenthum. Paris. Das Comite de Bien faisance israelite veröffentlicht seinen Jahresbericht, der eine ganz bedeutende Leistung dieses Institutes aufweist. Die Gesammtaufgaben beliefen sich auf nicht weniger als 469.354*35 Francs, mehr als 375.000 Mark, welche in dreierlei Weise verausgabt wurden. Erstens erhielten circa 600 Arme regelmäßige monatliche Unterstützung, zweitens circa 1200 Personen wurden durchgrößere einmalige Stipendien unterstützt, endlich in circa 20.000 Fällen kleinere Beträge aus der Hand verabfolgt. Außerdem wurden 49.470 Anweisungen auf Brod, 13.957 auf Fleisch, endlich 52.134 auf Colonialwaaren vertheilt, wozu im Winter noch 3500 Anweisungen auf Heizmaterial kommen. 2793 Personen erhielten Miethsunterstützung, 2072 Familien, nebst 424 Einzelpersonen bekamen zu Pessach Mazzes. Kleidungsstücke lourden an 225 Personen vertheilt. Medikamente an 251 l. Mit besonderer Sorgfalt nimmt das Comite sich der armen Kinder an, von denen in directer Pflege 80 Waisen und 457 andere Kinder stehen. Die Suppenküche vertheilte 525.000 Portionen. Auch Arbeitsvermittlung wurde neuerdings eingerichtet und 588 Personen wurden auf ihren Wunsch in ihre Heimat zurückgeschickt. Die Einnahmen überstiegen um 768*11 Francs die Ausgaben. Ein Ungeheuers Werk liegt dem Comite ob, aber es herrscht nur Eine Stimme über die außerordentlichen Leistungen desselben. London. Die Delegirten der „Anglo Jewish Association“ und das „Board of Deputies“ haben ein gemeinsames Memorandum über die Angriffe auf die persischen Juden Lord Salisbury überreicht. Man hofft aber, da keine weiteren schlimmen Nachrichten aus Persien eingetroffen sind, daß sich die Wuth des fanatisirten Volkes gegen die Juden wieder beruhigt hat. Der diesjährige Bericht der „Anglo Jewish Association'4 gibt ein Bild von der mannigfaltigen Thätigkeit dieses Vereines, der seine Wirksamkeit gleich der „Alliance israelite universelle44 in drei Welttheilen, Europa, Asien, Afrika ausübt. Die Nachrichten ans Rußland uitb Rumänien, aus Marokko und Persien lauten sehr unerfreulich, dagegen wird aus der Türkei nicht das Geringste von Angriffen gegen die Juden berichtet. Süd-Afrika. Aus Buluwayo kommt die Nachricht, daß die dortigen Juden, schon circa 300 an der Zahl, sich zu einer Gemeinde constituirt haben und daran gehen, eine Synagoge zu errichten. Während die Miitderheit für die Erbauung eines provisorischen Gebäude war, um die weitere Eutwicklung der Stadt abzuwarten, beschloß die Majorität sofort ein stattliches Haus zu erbauen, das seinen Zwecken würdig ist. Am 24. Juni ist der Grundstein feierlich gelegt worden. Der Oberrabbiner Adler wird gebeten werden, der Gemeinde in Buluwayo einen geeigneten Geistlichen zu senden. Die vereinigten jüdischen Gemeinden von der Capcolonie, Natal und Rhodesin haben am 22. Juni dem Gouverneur ein schönes Album überreicht mit der Bitte dasselbe der Königin als ein Zeichen ihrer Loyalität zu übermitteln. Jaffa, den 1. Tammuz. Gestern fand hier die Uebergabe einer neuen Sefer-Thora an die Synagoge der Talmud-Thora statt. Obwohl eine solche Spende weder hier noch dort zu den großen Seltenheiten gehört, so verdient sie doch wegen der begleitenden Umstände, die eilt Licht auf die Lage und die Volksstimmung werfen, wenigstens erwähnt zu werden. Tie Spenderin ist eine gewisse Sima Weinberg, die, aus Rumänien stammend, in noch jugendlichem Alter in das Land Israel kam und seitdem als Dienerin in einem jüdischen Hause arbeitet. Als sie sich nach langjähriger Mühe 400 Francs znsammengespart harte, wurden ihr diese gestohlen, und von Neuem ging sie unverdrossen an ihre schwere Arbeit, wies die ihr geborene Möglichkeit, sich zu verheiraten, zurück, und es gelang ihr, abermals

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.