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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-16 · 29 (16.7.1897) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
29 (16.7.1897)
Date
1897-07-16
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 604 Vr. Vloch's »ochrnptzrM Nr. 39 als bis zu einem nahen Bauplatz, wo er sich hinlegte und bald das Bewußtsein verlor. Er wurde von einer Uhlanenpatrouille in das Spital transportirt. Die Wunde ist an und für sich leicht, ist aber qualificirt als eine schwere Verletzung, in Anbetracht der Waffe, mit welcher sie zugefügt wurde. Dies geschah um 4 Uhr Nachmittags. Nach privaten Mittheilungen begannen nun die Excesse noch am selben Tage Abends, was jedoch von der Polizei bestritten wird. Einige Stunden nach diesem Vorgänge durchzogen nämlich Soldaten in größeren Trupps die von Juden bewohnten Straßen und attaquirten die Passanten, wobei Verwundungen vorgekommen sind. Der „D z i e n n i k Kr ak o w s k i" zählt die Namen von z Wölf an diesem Abend verwundeten Personen auf. Im Polizeiberichte ist nichts davon zu lesen. Samstag, den 3. Juli wiederholten sich die Excesse in verstärktem Grade; nach polizeilicher Meldung sollen an diesem .Tage Hirsch David I s a k und Jacob Alban unerhebliche Contusionen erlitten haben. Sonntag, den 4. Juli wußte schon die ganze Stadt, daß etwas im Anzüge sei, die städtische Polizei meldete von bevorstehenden Excessen der Bezirkshauptmannschaft und ließ am Nachmittag starke Patrouillen die Straßen durchziehen. Die Bczirkshauptmannschaft begnügte sich mit Entsendung einiger Gendarmen. Diese Maßnahmen erwiesen sich in der Folge als gänzlich unzulänglich. Insbesondere mußte es befremden, daß seitens der Militärbehörde nichts geschah, um an gesagten Ausschreitungen vorzubeugen. Gegen 8 Uhr Abends begannen die Excesse. Soldaten durchzogen in Banden zu je 50 Mann die Straßen, stürzten sich unter Johlen und Hurrahgeschrei mit gezücktem Bajonett auf die Passanten und versuchten sogar in die schleunigst gesperrten Hausthor e einzudringen. Laut polizeilicher Meldung wurden verwundet: Pinkas Neugasser (Kopfwunde), Abraham Wachsherz wurde von acht Soldaten von rückwärts angefallen und erhielt eine Bajonettwunde unterhalb der Augen, Klara S e l l i n g e r, Stichwunde in die Hand, Abraham Keller wurde niedergeworfen und geschlagen, Samuel R o h a lt e, Bajonettstich in die Hand. Schmaja Bloch verwundet. An diesen! Abend wurden in der Synagoge in der Neugasse 15 Fensterscheiben cingeschlagen. Trotz dieser Excesse wurden fast gar keine Maßnahmen für Montag getroffen. Es patrouillirten lediglich kleine Abtheilungen unter Führung von Gefreiten. Gegen 6 Uhr Abends begannen wieder Excesse. Die Panik war au diesem Tage allgemein; sämmtliche Geschäfte wurden gesperrt. Die Straßen waren ganz öde. Auf dem Ringplatze sah es ans wie während eines Aufstandes. Die Behörden blieben unthätig. Die Patrouillen ließen die Arretirten wieder in der nächsten Gasse frei. Nur Oberlieutenant Josef Martynowicz ging energisch vor. Die Soldaten waren jedoch durch die überlange Passivität der Behörden völlig demoralisirt; sie parirten einfach nicht. An diesem Tage wurde etwa ein Dutzend Personen verwundet. .Nach dem Berichte des „Dziennik Krakowski" wurde in die Milchhalle des L. H ö n i g eingebrochen; die Soldaten raubten Gebäck und Käse und hieben auf den Eigenthümer un. barmherzig ein. Ein Einbruch wurde beim Uhrmacher Leon Metzger versucht. Der Hauptmann Brozek — um Intervention angegangen -- soll nach dem citirten Blatte geantwortet haben: „Js noch ka Jud' gestorben?" — Soweit die Tbatsachen; die Veröffentlichung der voraussichtlich exemplarischen Bestrafung der Schuldigen ist wohl die geringste Genugthuung, welche die mit Recht beunruhigte Oeffentlichkeit erwarten darf. Krakau. Hochgeehrter Herr Redacteur! Die Excesse in Tarnow, die sich würdig an Chodorow und Schodnica anreihen, haben hier unter der jüdischen Bevölkerung große Aufregung hervorgerufen, und zwar umsomehr, als es der erste Fall ist, daß in einem civilisirten Staate Soldaten, die die Bürger zu schützen haben, friedliebende Bürger am helllichten Tage mit den Bajonneten überfallen, verwunden und beschimpfen. Die hiesigen Blätter bringen spaltenlange Berichte über diese haarsträubenden Vorfälle und mit Ungeduld erwartet man die Entschließungen der Militärbehörde. Bis nun hört man nichts davon, ob eine Untersuchung eingeleitet wurde und ob die Schuldigen zur Verantwortung gezogen wurden. Der hiesige »Dziennik Kiakowski« publicirt die Liste der verwundeten Juden, darunter befindet sich ein vierzehnjähriges Mädchen. Die Nachricht des hiesigen antisemitischen Organs, daß ein Jude einen Soldaten erstochen hätte, ist erlogen. Das Blatt selbst widerruft dieselbe. Das Kaiserjubiläum, das die Völker Oesterreichs mit Jubel begrüßen, gibt auch den Juden Gelegenheit, sich ihrer armen Glaubensgenossen zu erinnern, um denselben Hilfe und Linderung in ihren: Elende angedeihen zu lassen. Fast alle Juden theilen den Standpunkt, den die „Oesterreichische Wochenschrift" seit dem Auftreten des wüthenden Antisemitismus einnimmt, daß, so lauge Stipendien, Spitäler rc. existiren, von denen die Juden direct ausgeschlossen werden, es Pflicht der besitzenden Juden ist, vor Allem für unsere Glaubensgenossen zu sorgen und dieser vor Allem zu gedenken. Den Anfang in dieser Richtung macht der hiesige israelitische Cultusvorstand. Es ist bekannt, daß in Galizien in Folge der mangelhaften Ernährung unserer armen Glaubensgenossen und des großen. Elendes, in dem sie leben, viele derselben rasch dem Siechthum und unheilbaren Krankheiten verfallen. Für diese Unglücklichsten der Unglücklichen ist jedoch bei uns fast gar nickt vorgesorgt, und ohne Obdach und Pflege gehen dieselben zu Grunde. Der hiesige Cultusvorstand, speciell der Präses der Cultusgemeinde, Gemeinderath Herr Dr. Leon Horowitz und der Vicepräses der Cultusgemeinde, Gemeiuderath und Obmann der Spitalssection, Herr Hirsch Landau, bemühen sich seit längerer Zeit mit anerkennenswerthem Eifer, um diesem Uebel wenigstens theilweise abzuhelfen. Vor kurzer Zeit fand hier eine Sitzung der zu diesem Zwecke eingesetzten Commission statt, in welcher nach einem Referate des Vicepräsidenten Herrn Hirsch Landau der Bau einer Anstalt für unheilbare Kranke beschlossen wurde. . Der Bau wird im Frühjahre begonnen werden' und soll die Eröffnung der Anstalt an: Jubiläumstage stattfinden. Das Prvject wurde hier mit lebhafter Befriedigung ausgenommen. Möge dieses erhabene Werk der Nächstenliebe ein neuerliches Zeichen und Denkmal der segensreichen Thätigkeit unseres Cultusvorstandes und ein Sporn zu fernerem Wohlthun für zukünftige Generationen zur Ehre des Judenthums bleiben. Der Präsident der hiesigen Cultusgemeinde, Herr Dr. Leon Horowitz, hat einen längeren Urlaub angetreteu. Die Leitung der Cultusgemeinde hat nun der Vicepräsident der Cultusgemeinde, Herr Hirsch Landau, übernommen. Hochachtungsvoll Leon F e l d m a n n. . Efsek-Oberstadt. (G e u e r a l v e r s a m m m l u n g d e r i s r a e l i t i s ch e n C u l t u s g e n: e i n d e.) Am 4. d. die außerordentliche Generalversammlung der Oberstädter Cultusgemeinde .statt, und welches Interesse der auf der Tagesordnung stehende Punkt, die Zusammensetzung der 36er Commission, welcher statutenmäßig die Wahl des Oberrabbiners obliegt, in allen Schichten der Gemeindemitglieder hervorgerufen, beweist die Thatsache, daß trotz der enormer: Hitze, welche am Sonntag Nachmittag herrschte, °außer den: Vorstände, welcher vollzählig erschienen war, nahezu 150 Gemeindemitglieder an der Versammlung theilnahmen. Der Verlauf der Verhandlungen war ein höchst würdiger, die Reden ruhig und sachlich, die Leitung objectiv und dabei energisch. Den Vorsitz führte Vorsteher Herr Dr. Hugo Spitzer, welcher d:e Versammlung eröffnete und ihre Beschlußfähigkeit constatirte. Zun: Schriftführer wurde der Gemeindesecretär Herr Schwarz bestellt. Zu Verificatoren die Herren Markus F r a n k l und Otto Fellner berufen. Der Vorsitzende berichtete sodann, daß der Vorstand beschlossen habe, die seit den: Ableben des Oberrabbiners Dr. Samuel Spitzer vacante Oberrabbinerstette neu zu besetzen und daß er zu diesen: Beschlüsse durch die Wahrnehmung gedrängt worden sei, daß bei einer längeren Vacanz der Hauptzweck der Religionsgemeinde, ihren Mitgliedern die Befriedigung ihrer religiöse:: Bedürfnisse zu ermöglichen, in Frage gestellt werde. Die Berechtigung des Vorstandes zu diesen: Beschlüsse, ebenso wie zur Festsetzung der Bedingungen und Bezüge folge ar:s den Statuten, welche nur die Creirung neuer Beamtenstellen der Generalversammlung, anheimstelle. Es obliege somit der Generalversammlung die Commission von 36 Mitgliedern zu wählen, welche die Wahl des Oberrabbiners vorzunehmen haben wird. Vorsitzender berichtet, daß in Folge des ausgeschriebenen Concurses 39 Offerte eingelaufen sind. Von diesen wurden fünf von den Competenten selbst zurückgezogen, während vier wegen Nichtvorhandenseins der concursmäßigen Bedingungen von vorneherein abgewiesen werden mußten. Von den verbliebenen 30 Competenten wurden nach reiflicher Prüfung durch den Vorstand 10 Candidaten zu Probepredigten berufen und von diesen zehn wieder werden über Beschluß des Vorstandes fünf Bewerber der 36er Commission zur engeren Wahl Prä-

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