Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 29 (16.7.1897)
- Date
- 1897-07-16
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021198--06939-3031243- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 29 Dr. Vlorh's Mochrnfchrifr. Seite 603 den einige unangenehme Wahrheiten über seine Vorstellung von der Würde eines Bürgermeisters zu hören bekam. Brür, den 12 Juli 1897. Vor drei Jahren berichteten wir, daß der Rabbiner und Seelsorger der hiesigen Cultusgemeinde Herr Dr. Adols Biach im Jahresberichte des hiesigen k. k. Obergymnasiums, an dessen israelitische Schüler er den Religionsunterricht ertheilt, eine Abhandlung schrieb über das Thema: „Wie soll der israelitische Religionsunterricht an Gymnasien ertheilt werden" und im heurigen Jahresberichte stellt sich derselbe Herr wieder mit einer Arbeit ein: „Biblische Sprache und biblische Motive in Wieland's Oberon." In unserer von dem Antisemitismus so durchtränkten Zeit ist es an und für sich schon ein Ereigniß, wenn in dem Jahresberichte eines k. k. Obergymnasiums ein jüdischer Theologe zum Worte gelangt und gar wenn das behandelte Thema ein biblisches ist. Herr Dr. Biach hat durch seine neueste Arbeit den Beweis erbracht, daß er all die großen Kenntnisse, die zum Bibelverständnisse erforderlich sind, in reichen Maße besitzt. Dem Director des hiesigen k. k. Staatsgymnasinms wird es die Gelehrtenwelt Dank wissen, daß er diesen jungen Gelehrten in so ehrender Weise wiederholt im Jahresberichte zu Worte kommen läßt, und wir Inden im Allgemeinen, in Brüx insbesondere, dürfen stolz daraus sein, den Mann als einen der Unfern, als unseren Lehrer bezeichnen zu können. Vutscholvitz. (Großes Schulse st.) Die öffentliche deutsche Volksschule hier feierte anläßlich des bevorstehenden Schuljahrschlusses am 6. Juli in der Schießstätte ein großes Schul- und Jugendfest. Der Ausmarsch der adjnstirten Schuljugend erfolgte gegen 3 Uhr Nachmittags vom Schnlhause über den Marktplatz durch die Liechtensteingasse zur Schießstätte. Den Festzug eröffnete eine Musikcapelle, sodann kam der entsprechend adjnstirte Fahnenträger mit der großen Schulfahne, welchem ein größerer Schnlknabe in vollkommener Generalsuniform folgte. Der Anblick der stramm marschirenden, mit Czako versehenen Schnlknaben, sowie der geschmackvoll geschmückten Schulmädchen wurde durch die vielen kleinen, zumeist schwarz-gelben Fahnen erhöht und gab dem fröhlichen Jngendsestzuge ein interessantes Gepräge. Die Betheiligung an diesem Feste war eine überaus rege und allgemeine ohne Unterschied der Cvnfessivn und Nationalität. Denn nicht nur die Eltern sämmtlicher Schulkinder, sondern auch Schul- und Jugendfreunde fanden sich zahlreich ein. Der Lehrkörper der czechischeu Knaben- und Mädchenvvlrsschule, der Ortsschulrath der Stadtgemeinde, viele k. k. nnd Fürst Liechtenstein'sche Beamte re. fanden sich auf dem Festplatze ein. Das Programm dieses Schulfestes war ein ebenso reichhaltiges als hochinteressantes, denn es wurden von den Schulkindern gewählte Declamationen, zweistimmige Festlieder, Schauturnen, Turnspiele, Gruppenvorträge heiteren und ernsten Inhaltes, patriotische Darstellungen rc. in gelungenster Weise ausgeführt. In den Zwischenpausen wurden die Schulkinder aus langen Tischen mit diversen Speisen und Erfrischungen reichlich versehen. Herr Schulleiter David Gansel drückte in herzlichster Weise den anwesenden Gästen den Dank aus für ihr zahlreiches Erscheinen und schloß mit einem Hoch auf Se. Durchlaucht den souveränen Fürsten Herrn Johann von nnd zu Liechtenst e i n, auf dessen Grund und Boden das schöne Schul- und Jugendfest abgehalten wurde. Hierauf richtete Herr Fabriksdirector Bondy an die zahlreiche Versammlung kernige, begeisternde, dem Zwecke entsprechende Worte, in welchen er die pädagogische Thätigkeit des Lehrers zum Wohle der Schuljugend in gediegener Weise illustrirte und schließlich die Anwesenden anfforderte ans Dankbarkeit auf den Herrn Schulleiter Gansel für dessen ersprießliches Wirken ein Hoch ausznbringen, dem auch von Jung und Alt freudig entsprochen wurde. Auch Herr Med. Dr. Schlesinger erbat sich das Wort, um im Namen der Festtheilnehmer dem Herrn Lehrer G a n s e l als Arrangeur des heutigen Schul- und Jugendsestes für die den Eltern der Schulkinder und allen Festtheilnehmern bereitete Freude durch die vielseitigen, lobenswerthen Leistungen der Schulkinder dankbare Anerkennung anszudrücken, was allseitig zustimmend ausgenommen wurde. Gleichzeitig verdient auch der hiesige Herr Cantor R e i ch n e r lobenswerth erwähnt zu werden, indem sich derselbe mit der Einübung der Festlieder und mehrstimmiger Chöre eifrig bemühte, und die auch alle beifällig zur Geltung kamen. Vor Abmarsch hielt Herr Schulleiter Gansel an die Versammlung und Schulkinder eine patriotische Ansprache und schloß mit einem dreifachen Hoch auf Se. Majestät, unseren allverehrten Monarchen, worauf die Volkshymne von den Schulkindern bei bengalischer Beleuchtung abgesungen wurde. Beim Schnlhause angelangt, wiederholte sich dasselbe Schauspiel und die nach Hunderten zählenden Festtheilnehmer gingen nun nach Hause mit dem freudigen Bewußtsein, einem schönen Schul- und Jugendfeste beigewohnt zu haben, dem auch Jupiter Pluvius au diesem Tage günstig gesinnt war. Troppair» 12. Juli 1897. Der in voriger Nummer d. Bl. enthaltene Bericht über den Besuch von Mitgliedern des Ratiborer Literaturvereines in Troppau bedarf in einem Punkte der Richtigstellung, bezw. Aufklärung. Vor Allem galt der Besuch ausschließlich dem hiesigen literarischen Vereine und war nur nebenher eine Besichtigung des neuen Tempels geplant. Aus diesem Anlasse erbot sich der hiesige Cnltusvorstand zur Veranstaltung eines feierlichen Gottesdienstes mit Damenchor, allem Anscheine nach, um den Gästen die musikalischen Leistungen in der Synagoge vorzusühren. Dagegen verwahrte sich jedoch der allgemein verehrte und auch hierorts hochgeschätzte Obmann des Ratiborer Vereines, Herr Dr. B l u m e n t h a l, einesthetls aus dem Grunde, weil ihm die Abhaltung eines festlichen Gottesdienstes an einem Wochentage als unzulässig erschien, anderseits darum, weil er, dem conservativen Rabbinerverbande angehörig, eilten Reformgottesdienst weder sich noch den Mitgliedern seiner Gemeinde bieten lassen wollte. Zu seiner Ueberraschung fand aber doch der Gottesdienst mit aller modernen Feierlichkeit statt, und Herrn Tr. B l u m e n t h a l blieb aus vorstehenden Gründen nichts anderes zu thun übrig, als die 20 Almuten währende Dauer des wider seinen Willen veranstalteten Gottesdienstes vor dem Tempel zuznbringen, um sich dann seinen Mitgliedern anzuschließen. Lmss. RoZnau. (Z w e i u u d z w a n z i g st e s S p e n d e n-B e r z e i chn i ß.) Zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und eines Asylhauses für lungenkranke arme Glaubensgenossen im Cnrorte R o L n a n sind weiters nachstehende Spenden eingegangen von : Chewra-Kadischa Görlitz Deutschland 8 fl. 70 kr.; Chewra- Kadischa Prestitz, Deutschland 5 fl.; Heinrich Benies Prag 10 sl.; Emanuel Jerusalem Ischl 10 fl.; Michael Ungar Prag 5 fl.; Adols Abeles Budapest 5 sl.; Sigmund Oppenheim Wien 5 fl.; Hermann Pollak L-vhn Wien f> fl.; Rosalie Fischer Wien 5 fl.; Antonie Hescheles Wien 5 fl.; Siegfried Lewie Baden 6 fl.; Ungenannter Roznau 3 fl.; S. Perlberg Taruow 2 sl.; Wilhelm Stern Wien 1 fl.: Ungenannter Wien 1 fl.; Felix Ochs Wien 1 fl.; H. Tauber Lundenbnrg 50 kr.; H. Samek Wien 60 kr.; Julie Goldberger Wien 1 fl.; zusammen 78 fl. 80 kr. Letzter Ausweis 3842 fl. 58 kr., Summa 3921 fl. 38 kr. Dr. L. S. S k r e i n k a, Adolf Pollak, Curarzt in RoLnau. Fabrikant in Prvßnitz. Marcus 9t e u m a n n, Mitglied des Cultusvorstaudes iu Prvßnitz (Mähren). Tarnotv Ein neues Genre von Jndeukrawalleu — bewaffnete Soldaten gegen arme, wehrlose Menschen! Die Schreckenstage von Chodorow und Schodnica sind in Tarnow überboten worden, und man kann in Galizien noch recht hübsche Dinge erleben. Wir sind nur begierig, ob die Herren B Y k, T r a ch t e nb e r g und Genossen auch den Taruower Vorfällen gegenüber sich tapfer aus schweigen, oder ob sie von der Militärbehörde die entsprechende Aufklärung verlangen werden. Ueber die Excesse liegen jetzt ausführliche Berichte vor, denen wir Folgendes entnehmen: Freitag am 2. Juli kam ein Soldat der 10. Compagnie des 57. Infanterie-Regimentes Namens Anton Kolodziej mit zwei Bauern, Johann Prokop und dessen Sohn in die Schänke der Gittel O w i d e und tractirte die Bauern mit Schnaps. Als es zum Zahlen kam, schlichen sich die zwei Bauern davon, der Soldat aber erklärte, nicht er, sondern die Bauern hätten zu zahlen. Es kam zu einem Streit, in dessen Verlauf der siebzehnjährige Sohn der Schankwirthin, Mendel O w i d e dem Soldaten das Bajonett und die Mütze entwand, um dessen Agnoscirung zu ermöglichen, worauf er hinter das kleine Häuschen, worin sich die Schänke befand, flüchtete. Der Soldat, welcher total betrunken gewesen sein soll, stürzte ihm nach und kam nach einer Weile mit einer Stichwunde zurück. Das Bajonett und die Mütze wurden im Flur des Häuschens gefunden, der Soldat nahm sie in Empfang und ging von dannen. Niemand bemerkte, daß er verwundet war. Er konnte sich aber nicht weiter schleppen,