Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 29 (16.7.1897)
- Date
- 1897-07-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 29 Dr. Vloch's Wochrnschrif! Seite 601 zu Gunsten seines Sohnes nach Sicilien übersiedelte, befand sich auch Abravanel in seinem Gefolge. Dort blieb ihm Abravanel bis zu seinem 1495 erfolgten Tode treu ergeben. Die Eroberung Neapels durch den König Carl VIII. von Frankreich war auch für Abravanel verhängnißvoll, denn er wurde sowohl seiner sich daselbst auf's Neue erworbenen Reichthümer als seiner Bibliothek beraubt und hatte wieder mit Noth und Elend zu kämpfen. Trotzdem verzweifelte er nicht und dankte vielmehr dem Allgütigen, daß er endlich in Corfu eine Ruhestätte gefunden hatte. Hier fand er zu seiner größten Freude seinen in der Jugend bereits begonnenen Commentar des Deuteronomium, der ihm abhanden gekomnlen ist, und nach dem er lange Jahre vergeblich fahndete. Mit wahrer Freude ging er an die Fortsetzung desselben. Bald darauf wählte er Monopoli im Königreiche Neapel zu seinem Domicil, wo er eine staunenswerthe literarische Thätigkeit entwickelte. Ungefähr sieben Jahre verweilte er in Monopol', bis er endlich 1503 auf Veranlassung seines Sohnes Josef, der sich bereits als Arzt und Gelehrter einen Namen gemacht hatte, nach Venedig übersiedelte, wo er den Rest seiner Tage ruhig und friedlich verlebte. Hier hatte er auch das Glück, mit seinem hochbegabten ältesten Sohne Jehuda einige Zeit zusammen zu leben. Auch in politischer Beziehung, war er nicht unthätig, da ihm von den hohen Staatsmännern die Rolle eines Friedensvermittlers zwischen der Republik und Portugal übertragen wurde. Im Jahre 1509 beschloß Don Isaak Abravanel in Venedig feilt ruhmreiches, mit dem Kranze der schönsten und herrlichsten Tugenden, mit der Krone der Gelehrsamkeit, der edlen Wirksamsamkeit und des Märtyrerthums geschmücktes Leben im Alter von 70 Jahren. Die hervorragendsten Persönlichkeiten der Stadt gaben ihm das letzte Geleite. Seine irdischen Reste wurden in Padua neben der Ruhestätte des Rabbi Jehuda Menz beigesetzt. Von seinen drei Söhnen Jehuda, Josef und Samuel wurde der Alteste besonders berühmt. Seine Schriften fanden allgemein Anerkennung. Correspondenzen. Wien. (Neuer israelitischer W o hl,t h ä t i g k e i t sv e r e i n.) Jni 3. Wiener Gemeindebezirk hat sich ein israelitischer Wohlthätigkeitsverein mit besonderer Berücksichtigung von Witwen und Waisen gebildet. Das Vereinsstatut erhielt bereits die Genehmigung der hohen k. k. niederösterreichischen Statthälterei. Der Zweck des Vereines ist: 1. Hilfsbedürftigen, insbesondere Witwen und Waisen, Unterstützungen zu gewähren; 2. arme Waisen, die beider Eltern oder auch nur des Vaters beraubt sind, eine bis zur erlangten Erwerbsfühigkeit dauernde Versorgung zu verschaffen (§ 2 der Statuten). — Sitz des Vereines: IU., Rudolfsgasse Nr. 22. Die Vereiusleitung hat sich constituirt wie folgt: Obmann: Dr. Moriz Brunner; Obmann- Stellvertreter : Dr. Herman Elias; Cassier: Phillipp Popper; Schriftführer: Josef Friedl; Schriftführer - Stellvertreter: Max Wolf; Ausschuß: Moriz Glogau, Salo Jaßniger, Leopold Klein, Michael Kohn. Adolf Tausky. Wien. Die „Neue Freie Presse" berichtet im Abendblatte vom 6. d. M. über die seit geraumer Zeit erfolgten Versuche, 'auf die Hörfähigkeit der Taubstnmnien durch Hörübungen einzuwirken und fährt dann fort: Gegenwärtig haben die Hörübungen in Wien an der israelitischen Taubstummenschule im III. Bezirke (Landstraße) eine vortreffliche Pflegestätte gefunden. Zufolge einer Anregung durch ein ehemaliges Vorstandsmitglied hat Professor Urbantschitsch im Februar 1896 seine Methode der Hörübungen an dieser Anstalt demonstrirt, und der umsichtige und tüchtige Director, Herr Dr. Brunner, sowie alle Lehrer dieser Anstalt haben sich der Hörübungen mit voller Hingebung und großem Eifer angenommen. Die vom 1. März bis Ende Juni 1896 fortgesetzten Uebungen ergaben die erfreuliche Thatsache, daß sich von 80 Zöglingen 69 für dieselben geeignet erwiesen, darunter auch eine Gruppe von Kindern, die bis dahin als total taub angesehen wurde, ferner eine andere Gruppe, die nur ein schwaches Schallgehör aufwies. Alle Kinder dieser beiden Gruppen waren durch die Hörübungen binnen vier Monaten dahin gelangt, nicht nur die Vocale oder einzelne Consonanten, sondern sogar Silben oder einzelne Wörter durch das Ohr wahrzunehmen. Die andere Gruppe von Kindern, die anfänglich merkliche Gehörreste besaß, ergab besonders schöne und in einzelnen Fällen geradezu staunenswerthe Hörresultate. Auf Grundlage dieser Erfolge hat sich der Vorstand der israelitischen Taubstummenschule entschlossen, die Hörübungen in dieser Schule einzuführen und zu diesem Zwecke täglich eine eigene Uebuugsstunde angeordnet, welche den Lehrern in Berücksichtigung der großen Mühe, die diese Uebungen erfordern, auch besonders honorirt wird. Der Vorstand hat die damit verbundene beträchtliche Erhöhung des jährlichen Budgets in Anbetracht des eminent humanen Zweckes nicht gescheut und ist auch entschlossen, diese Uebungen in der Folge beizubehalten. Durch diesen hochherzigen Entschluß haben die Hörübungen eine sichere, bleibende Stätte ihrer Förderung erhalten. Da die Hörübungen nach den gegenwärtigen Erfahrungen mehr als dem dritten Theil aller Taubstummen, selbstverständlich in einem individuell sehr verschiedenen Grade zu Gute kommen, so ergibt sich daraus die große Bedeutung ihrer allgemeinen Durchführung; sind doch in Europa allein bei 200.000 Taubstumme! Concertmeifter Grün. Die „Wiener Zeitung" meldete gestern die Verleihung des goldenen Verdienstkrenzes mit der Krone an den am 30. Juni nach dreißigjähriger Thätigkeit aus der Hofoper ansgeschiedenen Coneertmeister Jacob G r ü n. Alle musikalischen Kreise haben die Auszeichuug mit nachhaltiger Befriedigung begrüßt, denn es ist bekannt, welche feste Säule Grün im Wiener Musikleben war und hoffentlich noch lange bleiben wird. Wie viele schwankende Capellmeister Grün durch einen scharfen Geigenstrich im Orchester vor einer Blamage gerettet, wie oft er den Großen auf der Bühne weiter geholfen, erzählt nur die Geheimgeschichte der Oper. In weitesten Kreisen bekannt ist Grün's ausgezeichneter, vorurtheilsloser Geschmack, der ihn an allem Schönen ungetheilte Freude finden ließ; bekannt ist ferner daß Grün zu den allerbesten Violinlehrern der Welt gehört; bekannt ist endlich, daß er vortreffliche Bonmots zu erzählen weiß. Mit so vielen Tugenden mußte er sich ein Heer von Freunden erwerben. Wien. Ein kleines Expeditionscorps von fünf jüngeren Wiener Aerzten, das sich zu Beginn des türkisch-griechischen Krieges der türkischen Regierung in ganz selbstloser Weise angeboten hatte und dessen Dienste von ersterer mit großer Bereit-' Willigkeit acceptirt worden waren, ist wohlbehalten wieder nach Wien heimgekehrt. Es sind dies die Doctoren S ch a l i t, M et a l l, Schwarz, Ster u und D o r n r e i ch. Die Herren hatten sich zu Beginn des Krieges durch den hiesigen türkischen Botschafter mit einer Eingabe an die türkische Regierung gelvendet, daß sie als Juden den Beschluß gefaßt hätten, ans Dank iür die Wohlthaten, welche ihre Glaubensgenossen in der Türkei seitens des Sultans genießen, ihre ärztlichen Dienste ohne Entschädigung der türkischen Armee im Felde anzubieten. Antisemiten vor Gericht. Am 4. October v. I. fand in G a i n f a h r n eine Wählerversammlung statt, welcher auch Reichsrathsabgeordneter Ernst Schneider beiwohnte. Redacteur M a y e r h o s e r forderte den Mechaniker auf, seine Behauptungen über die Ritualmorde auch zu beweisen, und es entspann sich eine Discussion, bei der Herr Schneider arg in die Enge getrieben wurde und schließlich behauptete: Er könne nichts mehr erwidern, da M a y e r h o f e r von den Juden bezahlt sei. Schneider's Gesinnungsgenoffe, der nunmehrige Reichsrathsabgeordnete Rudolf K r u m p v cf, nahm nun auch das Wort, zog auf Mayer Hofer los und sagte unter Anderem, daß ihn Mayerhofer verfolge und so lange verfolgen werde, bis er ihm nicht ein Schweiggeld gebe. Mayer Hofer klagte und K r u m p ö ck wurde von: Bezirksgerichte Baden zu f ü n fz i g Gulden Geldstrafe v e r u r t h e i l t. Kurz darauf brachte K r u m p ö ck eine Gegenklage an. Bei der Verhandlung bezeugte der Kläger mit Handschlag, daß M a y e r h o f e r in der Wählerversammlung in Gainfarn auf ihn zugegangen sei, ihm auf die Schulter geklopft und gesagt habe, er sei ein charakterloser Mensch. Der Einzelrichter verurtheilte Mayerhofer zu einer Geldstrafe von zehn Gulden. Der Verurtheilte meldete die Berufung an, über welche vor einigen Tagen vor einem Appellsenate des Krsisgerichtes W i e n e r - 9c e u st a d t verhandelt wurde. Der Berufung wurde Folge gegeben und Mayerhofer f r e i g e s p r o ch e n Erklärung. In Nummer 20. der periodischen Zeitschrift „Tr. Blvch's Oesterreichische Wochenschrift", vom 14. Mai 1897 wird in den« auf Seite 418 enthaltenen Artikel „Politik im Schulhaufe" der Professor am k. k. Staatsgymnasinm im II. Wiener Bezirke, Dr. Richard C. Kuknla beschuldigt, oaß er in einer gegen