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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-16 · 29 (16.7.1897) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
29 (16.7.1897)
Date
1897-07-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 29 -r. Bloch» Wochrnfchryl. Seite 599 sich rechtzeitig durch die Flucht. Die Güter dieser reichen Familie wurden vom König anneetirt. Auch Abravauel wurde von feinen Feinden bei dem mißtrauischen Könige verdächtigt, daher ihn Joao einladeu ließ, vor ihm zu erscheinen. Abravauel, der sich keiner Schuld bewußt war, nahm keinen Anstand, dieser Einladung sofort Folge zu leisten. Unterwegs aber begegnete ihm ein Freund, der ihm im tiefsten Vertrauen mittheilte, daß der König nichts Geringeres im Schilde führe, als ihn ebenfalls des Hochverrates zu beschuldigen, um ihn aus dem Wege schaffen zu können. Diesen freundlichen Wink beherzigend ergriff er sofort die Flucht. Kaum erfuhr dies der König, als er ihn durch Schergen verfolgen ließ, die ihn aber nicht mehr erreichen konnten. Abravanel nahm seine Zuflucht nach Spanien. Hören wir, wie Abravanel selber seine glücklichen Tage in Lissabon unter der Regierung Alphonso's und seine Leiden unter Joao II. schildert: Wahrhaft glücklich und zufrieden lebte ich in «keinem von meinen theuren Eltern ererbten Hause in Lissabon, der würdigen Hauptstadt Portugals. Ich habe mir prachtvolle Paläste erbaut, der Allmächtige hatte mich mit irdischen und zeitlichen Gütern gesegnet, und mein Haus wurde stets von gelehrten Freunden gerne aufgesucht. Gelehrsamkeit und Religiosität wurden von hier aus verbreitet. Ich gehörte auch 511 den Lieblingen des großen mächtigen, über zwei Meere regierenden Königs Aphlonso, unter dessen milden Regierung die Juden sich des besten Wohlstandes und der Freiheit erfreuten" u. s. w. „Nach dessen Tode kamen traurige Tage. Sein Nachfolger betrachtete die edelsten Rathgeber der früheren Regierung als Verräther. die er zu vernichten beschloß. Auch gegen mich, der ich nie ein Unrecht begangen, war er sehr erbittert, weil ich in früheren Tagen zu den Freunden jener von ihm gehaßten und verfolgten Fürsten und Edlen gehörte. Ich wurde des Hochverrathes beschuldigt, weil man vorauszklsetzen zu müssen glaubte, daß ich gewiß von jenen Fürsten, die als Verschwörer angesehen wurden, zu Rathe gezogen worden bin. Plötzlich erhielt ich den Auftrag, vor dem Könige zu erscheinen. Mchts Böses ahnend gehorchte ich und machte mich auf den Weg. Aber in der Herberge kam ein Mann mir entgegen und rieth mir, der königlichen Einladung ja keine Folge zu geben, da es mein Leben gilt. In Folge dessen sah ich mich genöthigt. meine Heimat, das Weib, das der Allgütige mir zngeführt, die Kinder die er mir gegeben, wie überhaupt mein Alles zu verlassen, um nur das nackte Leben retten zu können" rc. (Einleitung zum Josua-Commentar). Abravanel kam glücklich über die Grenze und wählte Toledo zu seiner neuen Heimat. In einer Bertheidigurrgsschrift, die er von Spanien aus an den grausamen Joao II. gerichtet, betheuerte er wohl seine Unschuld, allein der mißtrauische, Herrsch¬ und habsüchtige König war nicht im Entferntesten geneigt, dieselbe zu beachten, er ließ vielmehr das große Vermögen Abravanels, wie das seines bereits als Arzt practicirenden Sohnes Inda Leon einziehen. Die Familie Abravanels mikßte froh sein, daß ihr die Auswanderung nach Castilien, wo Don Jsak domicilirte, gestattet wurde. In Toledo fand Abravauel eine sehr freundliche Aufnahme. Seine Stammesgenossen wetteiferten mit einander, um ihm, dem allgemein gefeierten Staatsmanne, der durch Ränke und Jntriguen niedriger, gemeiner Verlemnder seines Vermögens beraubt und seiner einflußreichen Stellung verlustig geworden, alle erdenklichen Ehren und Aufmerksamkeiten zu zollen. Wißbegierige Jünger haben sich bald eingefunden, denen er bereitwilligst seinen reichen Schatz vor: Wissen eröffnet hatte. Hier bereute er es sehr, daß er in Portugal seine Zeit und Kraft .mehr dem Staatsdienste als dem Studium des Religionsgesetzes gewidmet, und glaubte die traurige Lage, in die er versetzt wurde, als eine gerechte göttliche Strafe betrachten zn müssen. Er war daher nunmehr bestrebt das Versäumte nachzuholen. Auf Anregung gelehrter Freunde ging er an die Bearbeitung seines Commentares zu den vier geschichtlichen Propheten. In 16 Tagen war der Commeutar zum Buche Josua, in 25 Tagen der zum Buche der Richter und in einem halben Monate der zn den beiden Büchern Samuels vollendet. Diese Arbeiten zeigen von immenser Gelehrsamkeit und gediegener Sprachkenntniß Abravanels. Trotz seiner streng confervativen Richtung war er tolerant und milde gegen Andersgläubige und Andersdenkende. Ja, er verschmähte es nicht, werthvolle Ansichten christlicher Exegeten zu benützen und anzuführen. Lange jedoch war es ihm auch hier nickit gegönnt, sich seinen Liebliugsstndien, wie seiner literarischen Thätigkeit hingeben zu können, da er nach einem halbjährigen Aufenthalte in Toledo seiner staatsmännischen Routine wegen von dem spanischen Köuigspaare Ferdinand und Jfabella zum Finanzminister ernannt wurde, welches hochwichtige Amt er acbr Jahre lang, von 1484 bis zu dem verhängnißvollen Jahre I4!>2 takt- und würdevoll bekleidet hatte. In dieser neuen Stellung gelang es ihm wieder, sich Reichthümer und Schätze 311 erwerben und die Gunst des Königspaares und der Granden zu erringen. Wie in Portugal, war er auch hier bestrebt, feinen Einfluß zu Gunsten seiner bedrückten und verfolgten Glaubensgenossen geltend zu machen. Die Lage der Juden in Spanien war nin jene Zeit eine sehr traurige. Das katholische Königspaar Ferdinand und Jfabella, das Castilien und Aragonien beherrschte, wollte, von religiösem Fanatismus und maßloser Herrschsucht durchdrungen, der Maurenherrschaft in Spanien den Garaus machen. Da jedoch bekanntlich zur Kriegführung eine volle Casse gehört, die dem genannten Königspaar mangelte, so sann man auf allerlei Mittel, um in den Besitz großer Reichthümer gelangen zu koltnen. Ein Hauptmittel für die Füllung der leeren Staatscassen war die Confiseation der Reichthümer jener Personen, die eines Verbrechens beschuldigt und zum Tode verurtheilt wurden. Die Neuchristen oder Marannen galten als die größten Verbrecher, »veil sie im Geheimen dem Judenthum, das sie äußerlich zu verleugnen gezwungen waren, treu anhänglich geblieben. Um ihretwillen wurde im Jahre 1480 in Spanien die Inquisition eingeführt, der bis zum Jahre 1808 nicht weniger als 346.000 Schlachtopfer dargebracht wurden. Nicht blos Marannen, sondern auch Juden, die dieselben unterstützten, um heimlich die religiösen Ceremonien und Gebräuche beobachten zu können, wurden vor das Tribunal der Inquisition geladekr und zumeist zum Tode verurtheilt, um deren Vermögen einziehen zu können. Ja selbst längst verstorbene Marannen wurden von den frommen (?) Mönchen beschuldigt, daß sie Ketzer gewesen feien, und die Folge dieser Beschuldigung war, daß ihre Gebeine aus den Gräbern gerissen und verbrannt und ihre Erben, mochten sie auch zu den ersten Würdenträgern im Staate zählen, ihres Vermögens beraubt wurden, weil man es als rechtmäßiges Eigenthum des Königs betrachten zn dürfen glaubte. „Unter den vielen Opfern, welche noch nach dem Tode dem Glaubensgerichte anheimfielen, befanden sich auch die Eltern und die Großmutter des Bischofs von Segovia D'Juan Arias de Avila. Jnan's Vater, Dingo Arios de Avila, in der Schreckenszeit Ferrero's zum Christenthume übergetreten, ward vom König Ivan zum ^Staatsdienste befördert und von Heinrich IV. iu den Adelsstand erhoben. Sobald der dem jüdischen Stamm entsprossene Prälat, dessen jüngerer Bruder gar zum Grafen von Pugnourostra ernannt worden, erfuhr, was man mit den Gebeinen seiner nächsten Verwandten zn thnn beabsichtigte, vertrieb er die Inquisitoren aus feiner Diärese und wandte sich an das katholische Königspaar mit der Bitte, dahin zu wirken, daß mau diese, die Verstorbenen nicht minder als ihn, den Bischof, schändende Procedur unterlasse. Da aber alle feine Vorstellungen erfolglos blieben, so begab er sich in der Todesstille der Nacht auf den Friedhof, grub die Gebeine der theuren Verwandtell aus und verbarg sie an einem Orte, der den Blicken der Henker verborgen bleiben mußte. Nach vollbrachter That ergriff er die Flucht und schlug seinen Weg nach Rom ein. Die Flucht des Bischofs blieb nicht lange ein Geheimniß. Jfabella schrieb unverzüglich ihrem Gesandten in Rom und ertheilte ihm den Auftrag, schleunigst dem Papst von dem Vorfälle-Kenntniß zu geben. „Ich habe", sagte Jfabella in diesem Schreiben, „durch die Einführung der Inquisition allerdings viel Unheil und Jammer verursacht, Städte, Provinzen und Königreiche der Bewohner beraubt, aber was ich that, geschah aus Liebe (?) zum heiligen Glauben"; nur Lügner und Verleumder, fügte sie hinzu, konnten die freche Behauptung aufstellen, die Liebe zum Mammon hätte sie zur Einführung des Tribunales verleitet; sie hätte nie einen Moravedi von dem Vermögen der Berurtheilten sich angeeignet (?), sie hätte im Gegentheil die Gelder zur Erziehung und Ausstattung der Kinder Verurtheilter verwendet". Vage Behauptungen, in denen nicht ein Körnchen Wahrheit liegt." (Kayserling Geschichte der Inden in Portugal Seite 95). Selbst nichtjüdische Geschichtsforscher, die ans den besten Quellen, nämlich aus den Doeumenten der spanischen Archive geschöpft haben, haben es sattsam nachgewiefen, daß zumeist gemeine Leidenschaften, wie: Geldgier, Herrschsucht intb zügelloser Ehrgeiz die Jfabella zur Einführung der Furcht, Bangen und Grauen verbreitenden Inquisition veranlaßt baden. um

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