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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-16 · 29 (16.7.1897) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
29 (16.7.1897)
Date
1897-07-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 598 Vr. Vwrtz's Wochenfchrtfr Rr. 29 gilbtes Manuscript, auf dem man einige hebräische Verse des Sirach entdeckte; fast gleichzeitig gelangte die Bodleian Library in Oxford in den Besitz eines größeren Sirach-Fragmentes, welches nun zusammen mit jenem Blattte mit photographischen Facsimiles von A. E. Cowley und Ad. Neubauer durch den Druck veröffentlicht worden ist (Oxford, 1897). In anerkennenswerther Selbstlosigkeit enthielten sich die beiden gelehrten Herausgeber von der wissenschaftlichen Ausbeutung des merkwürdigen Fundes, indem sie sich mit dem Verdienst begnügten, der Wissenschaft ein neues Gebiet der Forschung und des Studiums eröffnet zu haben. In der That wird nun die Sirach-Forschung bei Theologen und Philologen noch lange auf der Tagesordnung sein, da durch den wichtigen Fund ein reiches, der Bearbeitung bedürftiges Material den Gelehrten geboten wird. Die Popularisirung der jüdischen Spruchdichtung würde zur besseren Kenntniß des Judenthums und auch zum berechtigten Lrelbstbewußtsein seiner» Bekenner gewiß viel beitragen. Ich habe vor Kurzem im Aufträge der ungarisch-israelitischen literarischen Gesellschaft eine ungarische Uebersetzung der beiden Tractate »Derech erez; geliefert (Budapest 1896) und betrachte ich die weitere Popularisirung der altjüdischen Spruchdichtung für eine wichtige Aufgabe. Aus Anlaß des Erscheinens des hebräischen Sirach-Fragmentcs übersetze ich nun auf Grund eben dieses hebräischen Textes, insoweit er eben hergestellt ist, ein kleines Capitel aus Sirach, überschrieben: „Lehre von der Schamhaftigkeit." Capitel XLI, Vers 14—XLII, 8. „Die Lehre der Schamhaftigkeit höret, Kinder, seiet beschämt, sobald ich richte! Nicht jede Art von Schamhaftigkeit ist empfehlenswerth, und nicht jede Beschämung ist von Nutzen. Schäme Dich vor Vater und Mutter wegen Ausschweifung, vor einem Fürsten und Regenten wegen Trugs: vor Herrn und Herrin wegen Lüge, vor Gemeinde und Volk wegen der Sünde; vor Gefährten und Freund wegen Untreue, und wenn Du Dich in der Fremde aufhältst, wegen Diebstahls; wegen Versagung einer Bitte, wegen Abweisung des Antlitzes Deines Nächsten; wegen Uebertretung von Vertrag und Bund, wegen Ansichreißens des Brodes; wegen Entwendung bei der Vertheiluug von Gaben, wegen Unerwiderung eines Grußes! Wegen des Ausschauens nach einer verheirateten Frau, wegen des Bühlens um ein Mädchen. Wegen eines Freundes, den Du schlltst, und uach dem Geben — schimpfe nicht hernach. Wegen der Weitergabe eines vernommenen Wortes und wegen Aufdeckung eines vereinbarten Geheimnisses. So sei denn wahrhaft schamhaft, damit Du Gunst findest in den Augen aller Menschen!" „In folgenden Dingen jedoch schäme Dich nicht, damit Du die Menschen nicht zur Sünde verleitest! Wegen der Lehre des Höchsten mrd seines Gesetzes und wegen des Gerichts, wenn es gilt, dem Bösewicht zu vergelten. Wegen Abrechnung mit dem Gefährten und dem Herrn und wegen Ausfolgung von Erbschaft und Vermögen. Wegen Pünktlichkeit in Waage und Gewicht und wegen Anschaffung neuen Hohlmaßes. Bei Berechnung von Viel und Wenig und wegen Bestrafung eines treulosen Sclaven. Bor einer bösen Frau ist gut die Verwahrung, aber öffne den Kerker der Schwachen! Zähle, was Du an einem Orte deponirt, gib und nimm Alles schriftlich! (Sei nicht schamhaft) in der Züchtigung eines Thoren und Leichtsinnigen, wie auch eines Alten und Graukopfes, der noch auf Ausschweifung sinnt. So sei denn wahrhaft behutsam, sei bescheiden vor allen Menschen!" Budapest. Dr. Samuel Krauß. Don Isaak Abravanel. Eine biographische Skizze von Dr. M. H. F r i e d l ä n d e r. Die hochangesehene, durch Seelenadel, Herzensgüte, weitumfassende Gelehrsamkeit und diplomatische Routine sich auszeichnende Familie Abravanel leitete ihre Abstammung vom königlichen Hause Davids ab. (Einleitung zum Josua-Commentar.) Ursprünglich hatte diese Familie ihr Domicil in Sevilla in Spanien. Samuel Abravanel, der Großvater unseres Isaak, sah sich während der grausamen Verfolgungen des Jahres 1391 genöthigt, auf kurze Zeit zum Scheine das Christenthum anzunehmen. Er war in des Wortes reinster Bedeutung ein Mäcen, der die Wissenschaft und die Träger derselben unter allen Umständen kräftigst unterstützt hatte. Sein hochbegabter und reichbegüterter Sohn, Don Jehuda Abravanel, verließ Spanien und wählte Lissabon zum Schauplatze seiner Thätigkeit, wo er am königlichen Hofe als Schatzmeister eine nicht unbedeutende Rolle spielte. Im Jahre 1437 wurde ihm daselbst sein Sohn Isaak, dessen Thaten und Handlungen in den Annalen der jüdischen Geschichte verewigt wurden, geboren. Isaak, dessen Geistesschärfe und ungewöhnliche Fähigkeiten allgemein bewundert und angestaunt wurden, genoß frühzeitig eine vortreffliche Erziehung. Er wurde von gediegenen, kenntnißreichen Lehrern mit der biblischen und talmudischen Literatur sowohl, als mit den mannigfachen Fächern der profanen Wissenschaften aufs Innigste vertraut gemacht. Seine Jugendarbeiten, wie „Ateret Sekenim" (Krone der Alten), „Zurot hajesodot" und der Commentar zu „Mischna Thora" (Deuteronomium) waren allein schon geeignet, die Aufmerksamkeit der Gelehrtenwelt auf ihn zu lenken. Isaak Abravanel gehörte aber keineswegs zu jenen Stubengelehrten, die nie aus ihrer Sphäre herauskommen, denen finanzielle Fachkenntniß und staatsmännische Bildung eine terra incognita sind, sondern er zeichnete sich auch als gewiegter Diplomat, wie als gründlicher Kenner des Finanzwesens vortheilhaft aus. Er verkehrte auch fleißig mit den vornehmsten Staatsmännern des Reiches, die dessen gründliche Gelehrsamkeit und edle Tugenden zu schützen und zu würdigen wußten. Sein Ruf verbreitete sich im ganzen Lande und selbst der König Alphonso, dieser leutselige, vornrtheilsfreie, edle Monarch, nahm keinen Anstand, ihn an seinen Hof zu ziehen und zu seinem Finanzminister zu ernennen. Abravanel lebte während der Regierung Alphouso's glücklich und zufrieden, erfreute sich der allgemeinen Hochachtung und Verehrung und war unablässig bemüht, seine durch große Verdienste um sein Vaterland erworbene sociale Stellung zu Gunsten seiner Glaubensgenossen zu verwerthen. Als Alphonso die Hafenstadt Arzilla in Afrika eroberte, wurden nebst vielen Mauren auch 250 Juden von den siegestrunkenen Kriegern als Sclaven im Lande verkauft. Dieses betrübende Ereigniß wirkte deprimirend auf das zartfühlende Gemüth Abravanel's. Er veranstaltete im Vereine eines wackeren Collegen im ganzen Lande zu Gunsten der Gefangenen eine Collecte, die hinreichte, um sie zu befreien. Damit allein aber begnügte er sich nicht. Er wollte auch für ihre weitere Existenz Sorge tragen. Abravanel ersuchte daher in einem höflichen Schreiben den reichsten und angesehensten Juden Italiens, Jechiel Pisa, für die Unglücklichen etwas zu thun. Alphonso hatte nämlich um jene Zeit eine Deputation, die aus Don Lope de Almeida und Dr. Joao Sezira, einem intimen Freunde Abravanel's, bestand, nach Rom entsendet, um dem Papste Sixtus IV. ein Gratulationsschreiben zu seiner Thronbesteigung zu übergeben. Diese Gelegenheit benützte Abravanel, indem er dem Dr. Sezira eine Empfehlung an seinen Freund Jechiel Pisa mitgab, in welcher er den Pisa inständigst ersuchte, den Dr. Sezira sowohl, der ihm versprach, dem Papste die Juden wärmstens zu empfehlen, als dessen hochangesehenen Begleiter in zuvorkommendster und ehrerbietigster Weise zu empfangen und ihnen die Versicherung zu geben, daß das humanitäre Streben des edlen, wackeren Königs Alphonso auch bei den italienischen Juden die allgemeine Anerkennung und Würdigung gefunden, was gewiß nicht verfehlen würde, auf den König, wie auf dessen Diener einen günstigen Eindruck zu machen. Auch Geschenke übergab er dem Dr. Sezira für Jechiel Pisa, wie für dessen Gemalin. Ersterem sandte er sein Werk „Aieret Sekenim" und einen Theil seines noch nicht vollendeten Commentars zu „MischnaThora",und Letzterem, eine treuemaurische Sclavin, die längere Zeit bei Dr. Sezira im Dienste stand und sich die Zuftiedenheit ihres Gebieters und ihrer Gebieterin erworben hatte. (Ozar Nechm. II. 69.) Wie bei König Alphonso stand Abravanel auch bei der mit dem königlichen Hause verwandten Familie Braganza in hohem Ansehen. Fürsten und Adelige waren seine Hausfreunde. Allein als Alphonso Ende August 1481 das Zeitliche gesegnet, wich auch von Abravanel die Sonne des Glückes. Dichte Finsterniß umnachtete seinen Palast und grause Wetterwolken drohten den Horizont seines glücklichen Familienlebens zu verdunkeln. Alphonso's Sohn Joao II., eine düstere, ehrgeizige, herrschsüchtige und eigennützige Gestalt, gelangte zur Regierung. Dem Absolutismus huldigend, glaubte er in den angesehensten und edelsten Staatsmännern, die zu den treuesten Räthen seines edlen und milden Vaters gehörten, Berräther erblicken zu müssen. Während er äußerlich dem Herzog Fernando von Braganza, der im ganzen Lande hochgeehrt und geschätzt wurde, Liebe und Freundschaft heuchelte, trachtete er ihn hinterrücks zu vernichten. Er beschuldigte ihn des Hochverrathes und ließ ihn endlich angeblich ivegen des geheimen Einverständnisses mit dem spanischen Königspaare hinrichten. Die Brüder des Herzogs, über deren Häuptern ebenfalls das Damoklesschwert der Vernichtung schwebte, retteten

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