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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-16 · 29 (16.7.1897) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
29 (16.7.1897)
Date
1897-07-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Vr. Vlortz's Wochrnkchrifl. Nr. SS Seite 592 der jüdischen Bewerber, die thatsächliche Mißachtung der Staatsgrundgesetze auf, so wären jüdische Namen im Amtskalender weit häufiger als dies gegenwärtig der Fall ist. Damit soll sicherlich nicht dem Eabinete Badeni das Wort geredet werden. Was die Juden von der eisernen Hand zu erwarten haben, die dem Tr. Lueger die Thüre des kaiserlichen Audienzsaales ö ffnete, das wurde an dieser Stelle des Wiederholten mit ebensoviel Freimuth als Unzweideutigkeit ausgesprochen. Aber die schönere Zukunft, die Grillparzer's Wort von der Humanität durch die Nationalität zur Bestialität in seiner vollen Bedeutung erkannt haben wird, ist noch ferne, und bis sie herandäinmert, müssen die Juden sich bescheiden und ihr Wahlspruch in den nationalen Kämpfen sei »Hands off!* Hände weg! Nicht anrühren! Schlechter kann es nicht werden. Ebenso wie dem jüdischen Amtswerber cs bisher nichts geftuchtet hat, wenn er zehn Landessprachen inne hatte, und es ihm nur frommen kann, wenn gesteigerte Forderungen die Concurrenz erschweren, der Tüchtigkeit und dem Fleiße Bahn brechen, so wird cs auchderjüdischeGeschäftsm a u n z u e r t r a g e n w i s s e n, wenn d i e G e m e i n d e n d i e Besorgung der Geschäfte im übertragenen Wirkungskreis e i n st e l l e n, wenn bei Eoncessionsverl e i hu n g e n u n d ä h n l i ch e n G e sch ä f t e n des täglichen Handels und Wandels, die Befragung der a n tis e m i t i s ch e n G e m e i n d e v o r st ä n d e a u f h ö r e n und der national-antisemitische Bürgermei st er kein Gutachten mehr ü b e r d c n j ü d i s ch c n B e we rb c r a b g c be n w i r d. In den staatlichen Aemtern sitzen auch Antisemiten, wird man uns antworten. Ueberaus möglich! Sogar höchst wahrscheinlich! Aber die Staatsbeamtenurüform, die der Kaiser verleiht, legt gewisse Rücksichten auf, und der Beamteneid wird auf die Staatsgrundgesetze geschworen, und nicht ein Jeder schwört Eide so — l e i ch t, wie der Bürgermeister von Wien, wie der Herr Dr. Lu e g e r. Jüdische Wurxen. Die Geschichte von der Josefftädtermoral auf der Judeninsel, die wir vergangene Woche in diesen Blättern erzählt haben, wird viel besprochen und eine Reihe von Zuschriften, die uns aus Leserkreisen zukamen, beschäftigt sich namentlich mit jener Constatirung, die wir am Schluffe unsercrer vorwöchcntlichen Ausführungen Vornahmen. Wir wiederholen sie heute, denn sie entspricht vollkommen den Thatsachen. Nach wie vor laufen die Juden in Hellen Haufen dem Ehrencafetier aus der Josefstadt zu. Der Mann, der von seinen antisemitischen Gesinnungsgenossen im VIII. Bezirk nicht leben konnte, wird von den vielgeschmähten Juden gepölzt und nlateriell wieder aufgerichtet. Wenn er auch auf der Judeninsel nicht reuffiren sollte, wenn ihm der Wiener Boden zu heiß würde, er unsere Stadt verlassen müßte und die Luegerarmee bei den nächsten Wahlen einen wackeren Streiter weniger zählen sollte, die Juden sind daran unschuldig, die Juden können nichts dafür. Was in ihren Kräften stand, ist geschehen, um dem Gesinnungsgenossen der Schneiders und der Gregorigs ein sorgenloses, ein angenehmes Dasein zu bereiten. „Kaust nur bei Gesinnungsgenossen! Diese Mahnung, die man im Bergani-Moniteur tagtäglich lesen kann und die gar getreuliche Befolgmig findet, hat es nunmehr auch den — Juden angethan. Daß die Juden sich nicht dazu aufschwingen können, die jüdischen Geschäftsleute verdienen zu lassen, ist eine überaus bekannte Thatsache. Der Eine beruft sich auf seine Bequemlichkeit, die dem näher wohnenden Geschäftsmann den Vorzug gibt vor dem jüdischen Concurrentcn, der am antisemitischen Boycott zu Grunde geht. Dafür ist der Ztveite ein Gewohnheitsmensch, der dem alten Lieferanten trotz der lveißen Nelke und dem „Hoch Lueger!"-Gebrüll treu bleibt, und der Dritte und der Vierte nähren insgeheim die uneingestandene Hoffnung, wem: sie sich von ihren, Glaubensgenossen möglichst abseits stellen, so würden sie mit der Zeit zu „Ausnahmsjuden" avanciren. Für diese verschiedenen jüdischen Pelikane, die den Geldbeutel weit aufteißen, um ihre erbittertsten Gegner und Feinde zu ernähren, gibt es aber eine gemeinsame Bezeichnung, die ihre Eigenart am Besten charakterisirt: Das sind jüdische Wurzen! Jeder Zug stimmt. Die Analogie ist eine vollständige. Wenn man in ein Chantant oder sonst in ein Nachtlocal geht, da kann mün sie sitzen sehen, die Wurzen. Allzu klug und geistvoll schauen sie nicht drein. Gewöhnlich sind sie ein bischen angeduselt, um sie drängen sich Champagnermädchen und Blumenverkäuferinnen: „Geh', schenk' mir das!" und „Zahl' mir Jenes!" Und die dumme Wurzen streut die Banknoten um sich her und merkt gar nicht, wie sie gezupft und gefrozzelt, gehöhnt und gehänselt wird, und wie die feilen Dirnen hinter ihrem Rücken die Zunge hcrausstecken und lange Nasen drehen. So machen es bei uns in Wien die jüdischen Consumenten und die antisemitischen Geschäftskoketten, die sich von den jüdischen Wurzen aushalten lassen, um dann am Wahltag den antisemitischen Stimmzettel herauszuholen und vielleicht mit den Geldern, die sie an den Juden verdient haben, jenen Mob mit Freibier zu regaliren, der den israelitischen Mitbürgern die Fenster einschlägt. Wir haben wiederholt Gelegenheit genommen, diese traurigen Zustände zu kennzeichnen. Die Geschichte von der Josefstädtermoral auf der Judeninsel steht 'nicht vereinzelt da, und auch die „i n t e rconfessio nellen" Anstalten, die von jüdischen Wohlthätern gegründet werden, gehören theilweise in dieses Capitel. Gerade dort, wo jiidischer Edelmuth, jüdische Humanität und jüdisches Capital Tempel des Wohlthuns errichtet haben, wird gewöhnlich in der Folge am eifrigsten darauf gesehen, daß der Stab der Assistenten und der Hilfsärzte sich judenrein erhalte. Gerade dort werden jüdische T o ct o r c n b o y c o t t i r t, und den antisemitischen H e i l k ii n stl e r n bleibt es schließlich überlassen, mit den Kranken, „ohne Unterschied der Eonfession", denen diese Anstalten nach der Intention der Stifter gewidmet sind, fertig zu werden. Wie das bewerkstelligt wird, davon erfährt die Oeffentlichkeit zeitweilig ganz merkwürdige Dinge. Die Geschichte vom „Bettina-Pavillon" haben wir ja bereits erzählt! Es wäre lvirklich hoch ait der Zeit, daß die jüdischen Aerzte endlich merken, wie schlecht ihr ganzes Gehaben in die traurige Gegenwart paßt! Karl Marx und das Iudenthum. (Schluß.) Einst ein großer Mann zu werden, dessen Ruhm über alle Länder himmelwärts steigt, ist das alte Ideal alleridealen Jünglinge. Stets sich hervorzuthun und besser zu sein als die Anderen, läßt schon Homer den ideal angelegten G l au k o s als sein höchstes Ziel verkünden und er gibt seine goldene Rüstung hin, um eine eherne dafür einzutauschen, freilich die eherne des Dionides. Was Homer damit sagen will, ist klar: die Idealisten zahlen immer darauf. So ist auch das Los des großen Mannes nicht halb so beseligend, wie sich's der Jüngling auf der hohen Schule vorstellt. Ja, wenn er ebenbürtige Gesellschaft hätte! Nur glühende Verehrer und giftgeschwollene Feinde zu finden, ist sein Los; das ist ein Stück von der Tragik des Genies, dieser Quintessenz des Menschenthumes. Man hat Marx vergöttert, man fyat ihn verfolgt, doch gibt es noch heute kein ernst zu nehmendes Buch über ihn. Allen ist das Sclaveuzeichen des Für oder Gegen eingebrannt, lauter Parteiliteratur, nirgends die wissenschaftliche Liebe des eindringenden Forschers für ein völlig eigenartiges Object, dessen Wesen es zu erforschen gilt. Was ist denn dieser Marx eigentlich, der mit dem Hauche seines Geistes jene furchtbare Lawine üfts Rollen gebracht hat, die man Socialdemokratie nennt? Welche Rolle spielt er in dem großen Drama der Menschheitsgeschichte? Welche sind seine kennzeichnenden Lehren? Und was bedeutet er für uns Inden, die wir nun einmal nach dem Ausspruche Mephistos bei Lenau 'unserem Wesen nach „Messiasnarren" sind, — Messiasgläubige, würde ein Nichtmephisto sich ausdrücken, ein Volk, das in Zuknnftshoffnungen den Muth findet, alles Ungemach der Gegenwart zu tragen! Wir haben gezeigt, was das -Judenthnm für Marx gewesen ist; wir

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