Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 28 (9.7.1897)
- Date
- 1897-07-09
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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Nr. 28 Dr Vloch's WortzenfchrM Gerte 587 Samuel Kauders 1 fl. Zusammen 74 fl. Bereits ausgewiesen 11.285 fl. 50 kr. Summe 11.359 fl. 50 kr. E. B. Wien, 3. Juli. Das Leichenbegängniß Adolf Mahler's. Unter außerordentlich zahlreicher Betheiligung fand heute das Leichenbegängniß des bei der Eisenbahnkatastrophe flächst Kolomea verunglückten Confectionärs Adolf Mahler statt.' Es erschienen mehrere Vereine, welchen der Verblichene angehörte, io corpore mit ihren Präsidenten. Die Kaufmannschaft war stark vertreten und die Ceremonienhalle am Centralfriedhofe konnte kaum alle erschienenen Trauergäste fassen. — Als Herr Obercantor S ch o r r, in Begleitung eines Doppelquartetts die üblichen Trauergesänge intonirte, blieb kein Auge trocken. Hierauf trat Herr Rabbiner Dr. S ch m i e d l an die Bahre und hielt tiefbewegt die Leichenrede, in welcher er das Unglück durch die Katastrophe im Allgemeinen und das der Familie Mahler insbesondere besprach und hervorhob, daß der in der schönsten Blnthe des Mannesalters hinweggeraffte Adolf Mahler nicht blos ein aufopfernder Gatte und Vater, sondern auch ein guter Sohn in des Wortes vollster Bedeutung war, der nach dem Ableben des Vaters die Erhaltung der Mutter und Geschwister auf sich nahm. Einen erschütternden Anblick boten die Jammergestalten der Angehörigen, und der greise Seelsorger, dem doch ähnliche Scenen nicht neu sind, war selbst so ergriffen, daß er nur mühsam die Function zu Ende führen konnte. Am offenen Grabe widmete Herr Frankl, der Präses des „Vereines reisender Kaufleute" dessen Mitbegründer der Verblichene war, einen tiefempfundenen Nachruf und schloß mit den Worten: Adolf Mahler ist in Ansübung feiner Berufsthätigkeit auf einer Brücke verunglückt. Es besteht aber noch eine zweite Brücke, die niemals einstürzen wird. Es ist dies die Collegialität, die Freundschaft, die Zusammengehörigkeit. Wir werden unseren Collegen Adolf Mahler niemals vergessen. Möge er in Frieden ruhen. Prag. (V e r e i n jüdischer H o ch s ch ü l e r in P r a g.) Am 30. v. M. fand die 4. ordentliche Generalverfainultung des Vereines der jüdischen Hochschüler statt. Zunächst erstattete der Obmann Herr 1.1l. E. Max Winkler den Bericht über die Bereinsthätigkeit im abgelanfenen Semester nnd hob besonders die Snmparhien hervor, die sich der Verein durch seine Veranstaltungen in den weitesten Kreisen erworben hat. Nachdem er allen Gönnern des Vereines, besonders dem Verein Afike Jehnda für die freie Benützung seiner Bibliothek, sowie den löblichen Redactionen für die Aufnahme seiner Berichte den Dank ausgesprochen hatte, winde dem Ausschuß das Absolntorinm crtheit. Das Ergebnis; der Neuwahl für das Wintersemester t 807,08 ist folgendes': Obmann: Phil. Land. I. Pollak; Obmannstellvertreter: M. U. E. Ein. Sachs; Schriftführer: Med. Sind. R. Auspitz; Med. Stud. A. Kansmannn; Cassier: Med. Stud. L. Moll: Bibliothekar : Med. Stud. H. Lederer; Oekonom: Med. Stud. M. Meißner. Bilm, 6. Juli. Am 1. Juli wurde hier der hochangesehene Hausbesitzer Herr Jacob Glaser zu Grabe getragen. Er erfreute sich allgemeiner Hochachtung, sowohl bei seinen Glaubensgenossen, als auch bei den christlichen Mitbürgern. Hunderte Menschen — großentheils christliche Mitbürger — gaben dem Verstorbenen das letzte Geleite; hinter dem Sarge schritten die Cultnsgemeinde, an der Spitze Herr Vorsteher Röhr. Am Grabe hielt unser Herr Rabbiner Se. Ehrwürden Heinrich Brock, nachdem Tranergesänge vom Chor recitirt worden waren, eine tiefergreifeude Grabrede. Se. Ehrwürden schilderte die Vorzüge dieses braven, frommen und gerechten Mannes als Jude und Mensch. Kein Auge blieb thränenleer und tiefbewegt verließen die Zuhörer seine letzte Ruhestätte. „Friede seiner Äsche!" Luck (Böhmen', 29. Juni. Dem Verfasser des bekannten Werkes „Der U n i v e r s a l i s m ns de r m o s a i s ch e n H e i l s l e h r e" ist von Geheimrath Herrn Professor M. L a z a r n S folgendes Anerkennungsschreiben zugekommen: „Hochgeehrter Herr Rabbiner! Ich darf annchmen, daß meine Uebereinstimmiing mit Ihrem Grundgedanken, die Sie den Berichten über meinen Wiener Vortrag entnehmen konnten, Sie zu der gütigen Sendung veranlaßt hat. Ich bitte Sie, den Ausdruck meines herzlichen Dankes dafür empfangen zu wollen. Tie h e h r e n V o r z ü g e Ihres Werkes, namentlich die Wesenheit seines Gnmdprincipes r ü h ui e n s i ch f e l b st. Ich uiöchte sie auf die Nummer 32 im Anhang zu meinem „Der Prophet Jeremias" verweisen. Sie sehen dort, daß ich mit Ihnen die Tendenz der Erzählung nicht in der Opferung, sondern in der Nichtopferung finde. Indem ich Ihrer Schrift vom Herzen die größte Verbreitung'wünsche, verharre ich als Ihr verehrnngsvoll ergebener Lazarus." Szatmar. Am 15. Juli findet hier um halb 4 Uhr Nachmittags die Trauung von Fräulein Flora B ä n y ä s z, Tochter des Herrn Albert B ä n y ä s z, mit dem Apotheker und Drognisten Herrn Arnold Kartfchmaroff in Budapest, Sohn des Herrn Leo Kartfchmaroff ans Groß-Kanizsa, statt. Berlin, 30. Juni. Herrn Sanitätsrath Dr. I. Blumen t h a l ist der Charakter als G e h e i m e r S a n i t ä t s r a t h verliehen worden, eine Auszeichnung, welche von dem großen Kreise der Freunde nnd Verehrer des verdienstvollen Mannes mit aufrichtiger Freude begrüßt werden wird. Bukarest, 6. Juli. Heute fand um 5 Uhr im hiesigen israelitischen Tempel Ltrada Sft. Vineri die Trauung von Fräulein Julie B e ck, Tochter des hiesigen Rabbiners und Predigers Sr. Ehrwürden Dr. M. Beck, mit Herrn Medidnae Dr. Siegmund Kanner statt. Feuilleton. Die bessere Well. Novelle von Hermann M e n k e s. (Fortsetzung.) Gar wild und flehend zugleich klangen die Worte der alten Mutter, der gegenüber Aron stets machtlos gewesen, und so schwur er. Lea konnte nun nicht mehr so oft Weggehen als sie wollte, sie mußte vor dem alten, noch von der Großmutter herrühreudeu Haushaltungsbuch sitzen und rechnen, aber in ihrer Glückseligkeit kamen ihr die Zahlen wie Gedichte vor und sie sang sie. Die Großmutter lauschte und sprach zu sich selbst: „Er ist der Sonnenstrahl, der einmal über das Menschenleben kommt, der in ihr ist; er kommt, aber er erlischt und es bleibt ein langer Schatten, der Schatten des Lebens." Zu Lea aber sagte sie: „Mäßige Deine Freude, Kind — denn einst werden Deine Thränen heißer rinnen; man soll nicht allzuviel frohlocken in seiner Jugend und nicht hadern in den schweren Schmerzen des Lebens. Mich freut Dein Lachen nicht, mich freut's nicht. So froh ist man nur, wenn man liebt, wenn man liebt in Sünden!" „Eine Liebe in Sünden — gibt es die, Grvßmütterchen?" Die Thränen standen Lea in den Augen und sie wagte nicht zu athinen, als sie sah, wie sich das Gesicht der Greisin verfinsterte. „Deine Liebe ist es, Lea, Lea! Denn Du liebst den, dessen Volk uns haßt nnd uns vernichten will." „Man soll die lieben, die uns Haffen, befiehlt das nicht die Religion, Großmutter?" „Du hast kein jüdisches Gefühl mehr, weh geschrieen! Heißt es nicht: Aug' um Ang', Zahlt um Zahn? Und Du liebst einen Menschen, der keine Seele hat — einen Goj? Und deswegell wird Deine tobte Manie (Mutter) keine Ruhe finden im Grab und sie wird weinen, weinen." „O Großmutter, mir graut vor Deinen Worten", rief Lea bebend. „So sag' doch ein jüdisch Wort — bete, bete, bete?" „Ich kann beu lieben Herrgott um Gnade nicht mehr bitten — er hat mir sündige Gefühle gegeben mrd ich will, daß er sie mir nicht aus dem Herzen reißt!" „O heiliger Gott, das Kind hat den Verstand verloren", schrie die Greisin auf. Dann fügte sie schluchzend hinzu, nach Lea's Händen hintastend: „Leale') sündige nicht, reiße die bösen Begierden aus Deinem Herzen; denn Du weißt, der jüdische Gott straft bitter — Du hast es ja gesehen mit eigenen Augen. Die Sarah, die Tochter des Rendars, hat ihre Eltern verlassen und ihre Religion — sie starb im Wochenbett und Grajewa, die als jüdisches Kind geboren wurde, starben alle Kinder, so daß sie verrückt geworden ist — und wenn der Herrgott dafür nicht straft, so straft uns das Gewissen und die Sünde selbst. Sie werden Dich mit Füßen treten und Deine Seele wird sterben in Deinen jungen Jahren und wird hermnirren und noch lebend wirst Dll als Todte herumwandern und kein Glück wird Dir mehr blühen. Denn wer seine Religion verläßt und seine Väter, der ist wie eine Pflanze. die abgeschnitten wurde und weggeführt, während deren Wurzeln noch im alten Erdreich geblieben. Dll weinst? Thränen sind gut und immer heilig. Kind — so weine, weine. Schau, wie Deine Wangen heiß sind. Willst Du Dich hinlegen? Gut — schlafe, ich werde Dir eine Mesusa zu Hünpten legen — und ich werde mit ineinen alten Händen, die ich so oft, so oft in Schmerzen und Kümmernissen gefaltet, auf Deine heiße Stirn legen und Dich segnen. Schlafe, schlafe meine Goldtaube, schlafe Du reine Seele . ." ') Diminutiv für Lea.