Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 28 (9.7.1897)
- Date
- 1897-07-09
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. S8 Vr. Llortz'-i MochrnptzrM. Seite 583 Professor Dr. Hermann Munk, einen der hervorragendsten Vertreter des betreffenden Faches, für diesen Lehrstuhl vorgeschlagen, das zweite Mal sogar priwo loco. Beide Male wurde aber mit allen anderen Vorgeschlagenen, nur nicht mit Professor Munk, der auch Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften ist, unterhandelt. Und als sich sämmtliche Unterhandlungen zerschlugen, wurde die Facultät zum dritten Male aufgesordert, Namen zu nennen. Der Vorgang gibt zu denken. Es sind auch in den letzten Jahren, obwohl seltener als vorher, Inden zu ordentlichen Professoren an preußischen Universitäten, wie Kiel, Breslau, Königsberg u. a., ernannt worden. Eine allgemeine Norm scheint also für diesen Fell nicht zu bestehen. Dagegen aber scheint doch speciell für die Berliner Universität ein Hinderniß obzuwalten, das vielleicht nur das Parlament mit einer dahingehenden Interpellation aufzuklären im Stande. An der Berliner Universität haben bis jetzt nur zwei Inden ordentliche Professoren, und zwar nach heißen Kämpfen, werden können; man braucht nur die Namen dieser beiden Männer, Traube und Goldschmidt, zu nennen, um in ihnen die Erklärung für die Thatsache zu finden, daß es in diesen beiden Fällen doch gelungen, das Hinderniß zu überwinden, welches der Ernennung oder Beförderung von Juden zu ordentlichen Professoren der Berliner- Universität, die ja als solche durchaus keinen confessionellen Charakter hat, wie etwa Halle oder Marburg, bisher entgegengestanden und welches gegenwärtig so stark zu sein scheint, daß man an allen Ecken und Enden einen würdigen Nachfolger des so verstorbenen großen Physiologen sucht, während der würdigste nahe weilt. In einem gewissen Zusammenhänge mit dem oben mitgetheilten steht die Auffassung der Schulbehörden auch in dem folgenden seltsamen Falle, den das „Berliner Tageblatt" mittheilt: Einem jüdischen Schüler russischer Staatsangehörigkeit wurde der Besuch eines bestimmten deutschen Realgymnasiums mit der Begründung von dem Oberpräsidenten v. Goßlcr verweigert, weil „das Gymnasium dortselbst schon von einheimischen jüdischen Schülern nicht nur zahlreich besucht, sondern mit diesen Schülern weit über das Bevölkernngsverbältniß hinaus besetzt" und die Befürchtung zu erwägen sei, „daß durch den Hinzutritt von jüdischen Schülern anderer Staatsangehörigkeit die Anstalt eine Schädigung erfahren" könne. Zunächst bedarf es der öffentlichen Aufklärung, die eventuell im Abgeordnetenhaus gefordert iverden wird, welche Schädigung der Anstalt durch den Hinzutritt.eines jüdischen Schülers gedroht haben würde. Zweitens, warum gerade der Hinzutritt eines jüdischen Schülers diese Schädigung herbeigesührt hätte. Endlich ist es aber ein ganz neuer, um nicht zu sagen, geradezu wider den Geist des Reichsgesetzcs über die Gleichberechtigung der Eonfessionen in bürgerlicher und staatsbürgerlicher Beziehung verstoßender Gesichtspunkt, den der Oberpräsident mit dem Grundsatz aufstellt, daß jüdische Schiller an einer höheren Lehranstalt nur nach Maßgabe des Bevölkerungsverhältniffes zugelassen werden dürften. Uebrigens ist auch auf jener Anstalt Westpreußens ein Mißverhältnis; hinsichtlich der Bevölkerungsziffer thatsächlich gar nicht vorhanden. Wie man uns mittheilt, wird das dortige Gymnasium besucht von 187 evangelischen, 47 katholischen und 39 jüdischen darunter 8 auswärtigen Schülern. Das Realgymnasium ist besucht von 87 evangelischen, 4 katholischen, 6 jüdischen und 2 auswärtigen Schülern. Berlin, 1. Juni. Die von dem verstorbenen Geheimen Commercienrath G e r s o u v. B l e i ch r ö d e r testamentarisch angeordnete, mit einem Capital von einer Million Mark dotirte milde Stiftung, welche zu Ehren seines Vaters den Namen S a m u e l B l e i ch r ö d e r - S t i f t n n g fiihren soll, ist nun endlich ins Leben getreten. In diesen Tagen ist den Testaments-Vollstreckern der Erlaß des Königs vom 12. Mai d. I. zugestellt worden, wonach der Stiftung die Genehmigung ertheilt und derselben auf Grund des Statuts vom 28. November 1896 die R e ch t e einer juristischen Person verliehen worden. Zweck der Stiftung ist: bedürftigen, lungenkranken Personen, die nicht als unheilbar zu erachten sind, är zt li ch e B e h an d lu ng und Pflege in einem eigenen Krankenhause unentgeltlich zu gewähren. Es wird für 20 Betten bestimmt. Der Hellstätteuverein hat unter Zustimmung der Testamentsvollstrecker ein größeres, schön und gesund gelegenes Waldareal bei der Stadt Belzig erworben, von welchem der Bleichröder-Stiftung ein erheblicher Antheil eigenthümlich überlassen ist. Dort baut das Curatorium der Samuel Bleichröder-Stiftung das Krankenhaus selbstständig und auf eigene Kosten und soll sich daran die Errichtung der dem Verein nothwendigen Baulichkeiten anfchließen. Berlin. Rabbiner Dr. Stier und dessen Gemalin feierten am 25. v. M. das Fest ihrer silbernen Hochzeit. — Der Großindustrielle Fritz Friedländer hat den österreichischen Orden der Eisernen Krone Hl. Claffe erhalten. — In Charlottenburg ist am 22. v. M. der Justizrath Dr. Moritz Herrmann, Ritter des Rothen Adlerordens, im 66. Lebensjahre gestorben. — An der Huldigungsfeier, welche die Stadt Bielefeld am 18. v. M. dem Kaiser und der Kaiserin bei deren Anwesenheit auf dem Sparenberge veranstaltete, nahm auch neben der evangelischen und katholischen Geistlichkeit der Prediger der Synagogen-Gemeinde, Herr Dr. Coblenz, infolge einer an ihn ergangenen Einladung theil. — Am 3. Juli d. I. feierte der auch in weiteren Kreisen beliebte und geachtete Lehrer S. Rothschild in Worms a. Rh. das 25jährige Jubiläum seiner Thätigkeit als Religionslehrer daselbst. Jnowrazlaw, 28. Juni. (Geschichte einer A un o n c e.) Der hier erscheinende „Knjawische Bote" enthält folgende in auffallender Schrift gesetzte Anzeige: „Erwiderung a u f d i e Predigt des Herrn Rabbiners D r. K o h n. Die jüdischen Fleischer von Jnowrazlaw sind bereit, ihre Geschäfte Sonnabends und an anderen jüdischen Festtagen zu schließen, wenn der Vorstand und die jüdische Gemeinde ohne Ausnahme sich schriftlich verpflichten würden, nur koscheres Fleisch zu kaufen. Rawitz, 28. Juni. Die rituelle B e k ö st i g u n g jüdischer Z u ch t h a u s g e f a n g e n e r hört vom 1. Juli lailt Erlaß des Ministeriums des Innern auf. Die bisher gepflegte Concentrirung jüdischer Zuchthausgefangener auf einige wenige Anstalten wird eingestellt, die ca. 200 jüdischen Gefangenen werden nach einem ausgearbeiteten Plane auf 25 Anstalten vertheilt. Das Ministerial- Rescript vom 1. Februar 1873 bezüglich der ritualen Beköstigung ist so außer Kraft gesetzt. Da durch die Vectheilung außerdem die Seelsorge erschwert wird, beabsichtigt ein Theil der Rabbiner Preuße n s, au das Ministerium eine Petition um Aufhebung des Erlasses zu richten. Constantinopel, 21. Juni. Die Gattin Sr. Excellenz des Divisions-Generals Dr. Elias Pascha ist zum Vorstandsmitglied des aus den Damen der höchsten türkischen Aristokratie bestehenden Vereins zur Unterstützung der Verwundeten ernannt worden. Den Vorstand bilden außer ihr die Tochter des Großveziers und die Gattin des Botschafters in Paris, Munir Bey. Madame Elias Pascha, welche eine unermüdliche philantrovische Wirksamkeit entfaltet, hat sich namentlich nm das jüdische Schulwesen der Hauptstadt hervorragende Verdienste erworben. Ihrer Initiative danken u. A. der vortreffliche israelitische Frauenverein und das Hilfswerk zu Gunsten der Talmud Thora-Schulen ihr Entstehen, wodurch Hunderte der ärmsten Kinder eine gute jüdische und vaterländische Erziehung und später ausgiebige Förderung in ihrem materiellen Fortkommen erhalten. Iamboli, im Juni. Der Metropolit von Sliwno, Monsignore Ierwaffi, besuchte in den letzten Tagen unsere Stadt. Die hiesigen kirchlichen Behörden benachrichtigten den Director der Alliance-Schule von der bevorstehenden Ankunft und luden denselben ein, sich an dem Festzuge, der dem Prälaten entgegengehen sollte, zu betheiligen, was natürlich geschah. Monsignore Perwafsi ist einer der aufgeklärtesten Prälaten Bulgariens, einer von denen, die aus ihrer toleranten Gesinnung am wenigsten ein Geheimniß machen. Nach den üblichen Vorstellungen ließ Aerwassi dem Herrn Director Erfrischungen anbieten, und lud ihn zu einem ländlichen Mahle ein. Der Prälat versprach, binnen Kurzem zu der jüdischen Gemeinde von Iamboli zu kommen, um zu wiederholen, daß alle Bulgaren Kinder eines Vaterlandes und denselben Gesetzen unterworfen, und daß alle Menschen ohne Unterschied der Religion Brüder seien. Diese Antwort, in diesem Augenblicke und vor einer Zuhörerschaft, die sich aus den Civil- . behörden von Sliwno und Aamboli, Abgeordneten der Sobranje und vielen Delegirten zusammensetzte, hatte eine große Wirkung. Am nächsten Sonnabend hielt Monsignore Perwafsi eine Rede im israelitischen Club. Vor jüdischen Zuhörern sprach dieser orthodoxe Prälat mit Feuer für die Toleranz und das Recht aller Menschen, in Freiheit die von den Vätern ererbte Religion auszuüben. Jaffa, 15. Juni. Am 16. Mai gingen von hier in Begleitung des Gärtners Herrn N. Glückmann aus Ekron 24 Bäume aus den jüdischen Dörfern Rischon-l'Zion und Ekron ab. Leider ist bei der Verladung der 25. Baum, eine prächtige Olive, ins Meer gestürzt. Die Bäume, die für die Hamburger- Allgemeine Gartenbauausstellung bestimmt sind, gingen zuerst nach Alexandrien, wo sie einige Zeit stehen blieben, um am 4. Juni von dort mit dem Dampfer Rhodos nach Hamburg weiterzugehen. Als sie in Alexandrien waren, fand täglich dort