Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 28 (9.7.1897)
- Date
- 1897-07-09
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 584 Nr. 38 Vr. Vloch's »ortzrnkrtzrM lingen wurde durch das bereits erwähnte Salomon Taub'sche Legat ermöglicht. — Durch allerhöchste Entschließung wurde für den erledigten Lehrstuhl der höheren Mathematik an der Klausenburger Universität der außerordentliche Professor in Bon 11, Dr. Ludwig Schlesinger, berufen. — Dr. Alois Popper in Debreczin wurde durch die Verleihung des Ritterkreuzes des Franz Josef-Ordens ausgezeichnet. Troppau, 30. Juni. Am 29. Juni veranstaltete der „Verein für jüdische Literatur und Geschichte" in Ratibor einen Ausflug nach Troppau, um mit dem hiesigen „Jüdisch-literarischen Verein" einige Stunden beisammen sein zu können. Selbstverständlich wurden die geehrten Gäste von unserem Vereine mit der größten Gastfreundschaft ausgenommen. Am Bahnhof von den Vorstandsmitgliedern, den Herren: Dr. Eibenschitz. Spiegel, Eieret, empfangen, wurden sie ins Vereinslocal geleitet, woselbst ein gemeinschaftliches Mahl eingenommen wurde, an dem sich circa 60 Personen, Damen und Herren, betheiligten. Bei Tische wurden manche herzliche Worte gewechselt. Sodann wurde das Museum besichtigt. Da auf dem Programme auch der Besuch unseres herrlichen Tempels stand, so hat der hiesige Cultusvorstand beschlossen, zu Ehren der Gäste den Mincha-Gottesdienst feierlichst zu gestalten, damit den geehrten Gästen Gelegenheit geboten wird,! einem kurzen Gottesdienst, der hier sehr feierlich und erbauend ist. beiwohnen zu können. Hierzu wurde der Vorstand des Ratiborer Vereines, dessen Obmann Herr Dr. Blumenthal ist, von unserem Cultusvorstand eingeladen. Zur angesetzten Zeit füllte sich der Tempel mit den Gästen und einer großen Anzahl hiesiger und auswärtiger Gemeindemitglieder. Herr Obercantor Singermann celebrirte den Mincha-Gottesdienst in gewohnter würdevoller und feierlicher Weise mit Chor und Orgel. Der Gottesdienst war kurz, aber sehr feierlich und erbauend und besonders die Ratiborer Gäste haben sich ungemein lobend darüber ausgesvrochen. Sehr peinlich hat es uns berührt, daß der Obmann des Ratiborer Vereines Herr Dr. Blumenthal, trotz der vielfachen Aufforderung, an der Eingangsthür des Tempels stehen blieb und nur hie und da den Kopf in den Tempel hineinbeugte und dann wieder mit einen anderen Herrn während des Gottesdienstes eine gemüthliche Unterhaltung pflegte! — Dies wurde nicht allein von unserer Gemeinde, sondern auch von einer Anzahl Ratiborer Gästen sehr abfällig beurtheilt! — Nach dem Gottesdienste wurde ein gemeinschaftlicher Ausflug gemacht und nur zu bald rückte die Zeit der Abfahrt für unsere lieben Ratiborer Gäste'heran. Ein großer Theil unserer Vereinsmitglieder geleitete die lieben Gäste zur Bahn und dort gab es Worte des herzlichsten Abschiedes. Den lieben Ratiborer Gästen rufen wir ein herzliches: „Auf baldiges Wiedersehen!" zu. —n—. Bozen. (Ernest Schwärz.) In Bruneck starb, wie schon gemeldet, am 24. v. Mts. der Begründer der Firma „Gebrüder Schwarz (Brauerei und Bankgeschäft) in Bozen", Herr Ernest Schwarz, im 93. Lebensjahre. Geboren in Hohenems (Vorarlberg), kam der Verstorbene in seiner frühesten Jugend nach Tirol, wo er sich mit seinen Brüdern zuerst mit dem Manufacturgefchäfte befaßte und schon in diesem Geschäftszweige das Renomms des Hauses begründete. Mit dem Rückgänge der Manufacturbranche und speciell der großen Bozner Messen sah sich die Firma Gebrüder Schwarz in den 30er Jahren veranlaßt, ihr Interesse der damals in Tirol noch jungen Brauerei- Industrie zuzuwenden und es gelang ihr auch in kurzer Zeit, einen ziemlich namhaften Bierexport nach den benachbarten italienischen Provinzen zu Stande zu bringen. Bevor noch die Gleichberechtigung der verschiedenen Confessionen gesetzlich normirt war, hat der Kaiser in Anerkennung der besonderen Verdienste der Firma den Inhabern derselben die Erwerbung von Grundbesitz in Tirol gestattet. So wurde schon im Jahre 1836 die Brauerei in Gries in Betrieb gefetzt und im Jahre 1848 die Brauerei Vilpian gebaut. Späterhin widmete sich der Verstorbene dem Bankgeschäfte, das er mit großer Umsicht und außergewöhnlichen Fähigkeiten zu leiten verstand, seine Offenheit, sein biederer Sinn, gepaart mit guten Umgangsformen, verschafften ihm die Sympathien Aller, die ihn näher kannten. Er hatte stets einen guten Rath und auch eine offene Hand für alle Hilfesuchenden und es war ihm namentlich kein Opfer zu groß für die Erhaltung des Ansehens seiner Angehörigen. Bis in das hohe Alter, wo es anderen Sterblichen nicht mehr vergönnt ist, an dem Gewoge des Lebens theilzunehmen, nahm er das lebhafteste Jntereffe an allen Tagesereignissen, und es war staunenswerth, mit welch' richtigem Verständnisse der hochbetagte Mann sowohl Politische als volkswirthfchaftliche Angelegenheiten zu beurtheilen wußte. Im vorigen Jahre hatte der Verstorbene das seltene Glück, an der Seite seiner treuen Gattin und im Kreise seiner Kinder und Enkel das Fest der goldenen Hochzeit zu begehen! Das Leichenbegängniß fand unter einer außerordentlichen Theilnahme der Spitzen der Bevölkerung von Bozen-Gries und Zwölfmalgreien statt. Die Leiche war von Bruneck, wo den Verschiedenen der Tod ereilt hatte, mittelst Bahn nach Bozen überführt worden, um hier auf dem israelitischen Friedhofe be erdigt zu werden. Zum Leichenbegängnisse hatten sich Bürgermeister Dr. Julius Perathoner, ferner die Gemeindevertretungen von Zwölfmalgreien und Gries, eine Abordnung des Curvereines, Vertreter der Behörden und viele Leidtragende eingefunden. Am offenen Grabe hielt Rabbiner Dr. Schul lh o f aus Innsbruck eine längere ergreifende Trauerrede, in welcher er die trefflichen Eigenschaften, den überaus rechtlichen und offenen Sinn des Verstorbenen, seine stete Opferbereitwilligkeit und seine hervorragenden geistigen Eigenschaften, sowie das mustergiltige Familienleben des Dahingeschiedenen hervorhob. Die Familie des Verstorbenen publicirt folgende Danksagung : Für die mannigfachen Beweise herzlicher Theilnahme anläßlich des uns so schwer betroffenen Todesfalles unseres geliebten Gatten und Vaters, des Herrn Ernest Schwarz, für die zahlreiche Begleitung zur letzten Ruhestätte und die schönen Blnmenspenden sagen wir allen Freunden und Bekannten von Nah und Fern und insbesondere dem Herrn Bürgermeister Dr. Perathoner, den Vertretungen der Handels- und Gewerbekammer und des Curvereines, der Gemeinden von Gries, Vilpian und Zwölfmalgreien, allen Corporationen und Vereinen unseren tiefinnigsten Dank. Familie Ernest Schwa r z. Bozen, 27. Juni 1897. Lubien bei Grodeck, 4. Juli. Herr Redacteur' Indem ich ans Ihrem geschätzten Blatte entnehme, das; unsere Glaubensgenossen in den Bädern bei Wien von den Antisemiten schlecht behandelt werden, und sic trotzdem ihr Geld den Feinden hingeben, so finde ich es für nöthig, zum Wohle der Menschheit, Folgendes mitzutheilen: Lubien bei Grodeck ist ein altbekanntes, Schwefelbad - dieses Bad liegt in einem großartigen Park, meist Nadelholz — die Lust ist gesund und frisch, im Park selbst befinden sich großartige Anlagen, schöne und gesunde Wohnungen, nicht thcucr, zwei Aerztc, eine Apotheke. Lebensmittel billig, Milch, Butter, Käse, Rahm in Ueberfluß, nicht gekünstelt, sondern in Natur. Geflügel billig. Es herrscht hier kein Antisemitismus, vom Eigenthümer der Anstalt, Baron Bronicki, bis zum letzten Diener sind alle durchaus liberal. Man kennt hier keinen Unterschied zwischen Juden und Christen, Jeder genießt gleiche Behandlung. Die Bäder sind von vortrefflicher Wirkung, ich war selbst Zeuge, als man Krüppel ins Bad auf Rollstühlen führte, und nach 14 Tage gingen diese Kranken selbst ins Bad; ich selbst wurde hier von meinem Rheumatismus nach 4 Wochen geheilt, rathe daher als Menschenfreund Jeden, der an dieser Krankheit leidet, die geringen Kosten nicht zu scheuen und hier Hilfe zu suchen. Ich schreibe diese Zeilen nicht aus Eigennutz, sondern als Menschenfreund und auch aus doppelten Gründen, l. Sind unter den Leidenden Viele, die aus Mangel au größeren Eapitalien, großartige und judcnfeiudliche Bäder nicht besuchen können, daher ewig Krüppel bleiben, und 2. warum soll jüdisches Geld in den Säckel unserer erbittertsten Feinde fließen, welche mit demselben uns untergraben. Ich rathe deshalb Jeden hieher zu kominen, die Reise von Wien bis hieher über Grodeck kostet kaum 7 Gulden mit dem Personenzug, und solange ich hierbleibe, werde ich jeden Gast mit Rath und That bereitwilligst unterstützen. L. M. Berlin. (Zunz-Stiftung.) Für das Jahr 1897 sind ttwa 1100 Mark verfügbar. Meldungen oder Anträge (mit den dazu gehörigen Unterlagen) sind bis zum 1. September 1897 dem Unterzeichneten Vorsitzenden einzureichen. Die Zunz-Stiftun g, ausschließlich der Wissenschaft des Judenthums gewidmet, fördert lediglich streng wissenschaftliche Arbeiten. Berlin, 1. Juli 1897. Curatorium der Zunz-Stiftung: Dr. S. N e u m a n n. Vorsitzender. Dr. Abraham. Berlin, 30. Juni. Eine Angelegenheit, die unserem Jnteressenkreise eigentlich ferne liegt, die uns aber durch die Principien- und Personenfragen, die diesmal in Betracht kommen, sehr nahe geht, hat in dieser Woche die Zeitungen viel beschäftigt, nämlich die Frage der Besetzung des Lehrstuhls für Physiologie an der Berliner Universität, den Du Bohs-Raimond viele Jahre eingenommen hat. Die Vorgänge bei dieser Besetzung sind hinlänglich bekannt. Zweimal hat bereits die Facultät Herrn