Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 28 (9.7.1897)
- Date
- 1897-07-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 28 Vr. Vloch's VvchrnptzrM Seite 583 Enkel des berühmten hebräischen Dichters E r t e r, zum Rector gewählt wurde. Ja noch mehr. Dem Professor Dr. Hilberg ging der Ruf voraus, daß er ein Jude sei, der sich die Wärme der Empfindung für sein Volk bewahrt hat und mit aller Achtung und Werthschätzung des Fremden mit Liebe an seinem Volke hängt. Und trotzdem wurde er gewühlt. Aber sagen wir lieber, er wurde gewählt, weil sein männlich stolzer Sinn, sein offenes Bekenntniß, daß er zur Gruppe der Schwachen gehöre, ihm die Hochachtung seiner College» abgerungen. Die Wahl, die den Rector ehrt, ehrt aber noch mehr seine Wähler. Darum verdient der Name unserer Universität mit Ehren genannt zu werden. Die alraa mater Francisca Josephina ist ein stiller Winkel, wohin das Kriegsgeschrei der Parteien, der blinde Lärm und das Wuthgeheul des Haffes nicht dringen. Die Aula der Universität — das wissen die Hörer — ist unverletzlich, ist sacrosanct. Die bösen Geister werden von der Schwelle verbannt. Möge unsere alraa mater immer eilt Hort des Friedens, der Gerechtigkeit bleiben. Es wird ihr Ruhm sein und das Land wird stolz sein auf ihr herrliches Kleinod. Graz, 30. Juni. Heute hatten sich vor dem Strafrichter sechs U n i v e r s i t ü t s st n d e n t e n zu verantworten, die in angeheitertem Zustande einen argen Exceß vor dem j üd i s ch e n Tempel begingen. Sie entfernten die Brenner der Laternen, entzündeten das Ga s, das in mächtigen Flammen emporschlug, beschädigten das eiserne Gitter vor dem Tempel uitb eröffneten ein S t e i n b o m b a r d e m e n t, wodurch mehrere Fenster zerbrochen wurden. Der Richter nahm an, daß ein Complot nicht vorlag und verurtheilte einen Studenten zu sieben Tagen, einen zu drei Tagen, zwei zu je 48 Stunden Arrest und sprach zwei frei. Graz. (A e m t e r j ä g e r als A n t i s e m it e n.) Man schreibt uns aus Graz vom 1. d.: Das öffentliche Leben hat in beit letzten Jahren hier eine Reihe von Existenzen hervorgebracht, die kaum in einer anderen Stadt Oesterreichs möglich wären. Aber obgleich inan in Graz schon Manches erlebt hat, ist doch eine Enthüllung, welche ein hiesiges Blatt kürzlich brachte, gegenwärtig der Gegenstand lebhafter Erörterung in den sogenannten „politischen Kreisen". Die handelnden Personen in der pikanten Geschichte sind das gewesene Landesausschußmitglied Dr. W a n n i s ch und das gegenwärtige Landesausschußmitglied Dr. von D e rs ch a t t a. Der Erstgenannte, ursprünglich ein Liberaler, sah sich in der letzten Wahlcampagne, um nicht um seine Landesausschußstelle zu kommen, in die Nothwendigkeit versetzt, den Mantel nach dem antisemitischen Wind zu drehen. Unter Ablegung eines entsprechenden Glaubensbekenntnisses meldete er seine Candidatur bei der antisemitischen Parteileitung an, fiel aber zur großen Heiterkeit seiner früheren Parteigenossen trotzdem bei der Wahl glänzend durch. Jetzt erfahren wir, daß er diesen Durchfall niemand Anderem, als dem gegenwärtigen Landesausschußmitgliede Dr. v. Derschatta zu verdanken hatte. Dieser, ebenfalls ein früherer Liberaler, hatte, wenngleich kein Deutscher von Geburt, es vier Wochen vor Dr. Wannisch zweckmäßig gefunden, in das Lager jener Partei überzngehen, welche sich als den alleinigen Hüter des unverfälschten Deutschthums betrachtet. Er brachte es da auch gleich zum Chef der Partei und als solcher lehnte er die Bewerbung des Dr. Wannisch mit der Motivirung ab, daß dieser als Präsident einer „nicht ganz christlichen Actiengesellschaft" den Antisemitismus nicht voll anerkennen könnte. In der That war Dr. Wannisch als Vertreter des Landesausschuffes Präsident der vom Lande snbventionirten Fürstenfeld-Hartberger Bahn. So kam es, daß an Stelle des Dr. Wannisch Herr Dr. v. Derschatta in den steierischen Landesausschuß kam und jetzt ist — eben dieser Dr. Derschatta Präsident der „nicht ganz christlichen Fürstenfeld-Hartberger-Bahn". RoLnau. (E i n u n d z w a n z i g st e s Spenden- Berzeichniß.) Zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und eines Asylhauses für lungenkranke arme Glaubensgenossen im Cnrorte R o z it ci n sind weiters nachstehende Spenden eingegangen von: S. Reich und Comp., Gr.-Karlowitz 20 fl.; Cultusvorsteher Salomon Ehrlich, M.-Weißkirchen 5 fl.; Professor Arnold Pick, Prag 5 fl.; Simon Bock, Tuschina 5 fl.; Alex Karman, Budapest 3 fl.; Oscar Weiß, Wien 2 fl.; Samuel Holländer, Wien 1 fl.; Samuel Weißkopf, Wien 1 fl.; Jacob Schöffer-Lakacz 1 fl.; Stefanie Schönblum, Rzeszow 1 fl. 50 kr.; Husti Wickler, Krakau 1 fl. 50 kr.; Ernestin Wechsler, Warschau 1 fl.; David Preßburger, Wien 1 fl.; Fanni Breyer, Paks 1 fl.; Amalie Morawetz, Wien l fl.; Fanui Langfelder, Arva 1 fl.; Jacob Diamant, Kostelany 50 kr. Summe 51 fl. 50 kr. Letzter Ausweis 3701 fl. 8 kr. Zusammen 3842 fl. 58 kr. — Spenden wollen gefälligst gerichtet werden an Dr. L. S. S k r e i n k a, Adolf Pollak, Curarzt in RoLnau. Fabrikant in Proßnitz. Marcus N e u m a n n, Mitglied des Cultns-Vorstandes in Proßnitz (Mähren). Grost-Errzersdorf. Zweites Spendenverzeichniß zum Bane des Tempels: Herr Josef Türk, Aspern a. d. Donau, 20 fl.; Herreit Ignatz und Jacob Soufflier, Wien, 20 fl.; Herr Salomon Meisl, Oberhausen, 20 fl.; Herr Ferdinand Mandls Groß- Enzersdorf, 20 fl.; Herren Brüder Bnchwald, Floridsdorf, 20 fl.; Herr Heinrich Holz, Wien, 20 fl.; Herr Louis Bab, Wien, 20fl.; Herr Salo Cohn, Wien, 20 fl.; Herr Josef Schaffranek, Jägerndorf, 20 fl.; Herren Brüder Lederer, Prag 20 sl.; Herr Carl Rosenbaum, Groß-Enzersdorf, 20 fl. Summe 220 fl. Mit den bereits ausgewiesenen 1805 fl. zusammen 2085 fl.^ Weitere Spenden mögen an den Miujau-Verein in Groß-Enzersdorf oder an den Gefertigten gesendet werden. Heinrich Reichsf e l d, Obmann des Tempelbau-Comites in Groß-Enzersdorf. Bagnjhely, den 5. Juli 1807. Die israelitische Realschule hat Heuer ihren 35. Jahresbericht herausgegeben. Unter den 150 Schülern, welche diese Anstalt besuchten, gehören 130 der jüdischen Cvnfession an, 20 waren Christen. Zur Jahresprüfung meldeten sich 140, von denen 13 Percent eine durchaus vorzügliche, 27 Percent eine gute, 43 Percent eine genügende und 17 Percent eine ungenügende Fortschrittsnote erhielten. Der Erfolg ist demnach ein guter zu nennen. Erwähnenswerth ist, daß in dieser Anstalt, trotzdem sie der staatlichen Leitung untersteht, S a m st a g kein Unterricht ertheilt wird. Die Schüler feiern den Sabbath, besuchen den Jugend-Gottesdienst, der sich durch nichts von den gewöhnlichen Mussaphgebeten unterscheidet. Jede Classe hat wöchentlich 3 Stunden Religionsunterricht, an allen anderen Mittelschulen sind blos 2 Stunden. Den israelitischen Eltern Ungarns, die es für wichtig halten, daß ihre Söhne auf religiöser Grundlage eine gründliche wissenschaftliche Bildung genießen, ist die Schule empiehlenswerth. Ngch alter, jüdischer Sitte werden unbemittelte Schul«: mit Freitischen, vom Rabbi Weisse-Berein mit Winterkleidern und von dem Verein „Schülerlade" mit Schulrequisiten versehen. Neben der Schule besteht ein „Mittelschul-Verein", der es sich zur Aufgabe machte, für arme Schüler das Schulgeld zu erlegen. Doch die geringe Anzahl seiner Mitglieder und die spärlich einfließenden Beiträge hinderten den Verein in seinem wohlthätigen Wirken. Es wäre wünschenswerth, daß edelgesinnte Glaubensbrüder den Verein in die günstige Lage versetzten, seine Wohlthaten in ausgedehntem Maße ansüben zu können. Welch bedeutende Opfer die israelitische Gemeinde ans eigener Kraft für ihre Realschule bringt, beweist das vor drei Jahren aufgeführte prachtvolle Realschulgebäude, dem Heuer zur Ergänzung ein 216 Quadratmeter fassender Turnsaal mit einem Kostenaufwande von 4500 fl. angefügt wird. Budapest, 20. Juni. Die Frage der Einberufung des L a n d e s c o n g r e s s e s beschäftigt immer weitere Kreise. Die von dem ungarischen Organ der orthodoxen „Durchführungs- Commission" angekündigte Activn hat ihren Anfang genommen. Am 16. d. M. fand eine Conferenz statt, der eine vertrauliche Berathung in P r e ß b u r g vorangegangen war. Auf Antrag des Präsidenten, Herrn Dr. Leopold L i p s ch ü tz, wurde der einhellige Beschluß gefaßt, in Zukunft Alles zu vermeiden, was auf die auf der Basis des Congresses stehenden Glaubensgenossen eine provocirende Wirkung üben könnte. Nichtsdestoweniger wurde beschlossen, mit Rücksicht darauf, daß die durch den Congreß festgesetzte Organisation die Rechte des Rabbinates stark beeinträchtigt, bei dem Cnltus- und Unterrichtsministerium nachdrücklichst dahin zu wirken, daß der Congreß nicht zu Stande komme. Da das Landes-Rabbinerseminar sehr wenige Hörer hat, wird der Regierung ein Memorandum unterbreitet werden, in welchem ersucht wird, den Ichulfond zwischen den beiden Parteien nach einem gerechteren Modus zu vertheilen. — Das leitende Comitä des jüdischen T a u b st u m m e n i n st i t u t e s hielt gestern eine Sitzung ab, in der der Bericht über das zur Neige gehende Schuljahr verlesen wurde. Von den unter der Obhut der Anstalt stehenden 06 Zöglingen wurden; e h n als „ausgebildet" entlassen; die Aufnahme von vierzehn neuen Zög-