Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 28 (9.7.1897)
- Date
- 1897-07-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 582 dr. Vloch's Wochrnschrist Nr 28 :;3 iii; jff >''i I; t Ich werde auf viele Einzelheiten nicht eingehen, da die durchgeführte Verhandlung und die Acten des Ehrenbeleidigungsprocesses der hiesigen Cultusgemeinde Alles klarerwiesen haben; ich weise diesbezüglich sowohl auf dieselben, als auf die genauen Berichte der hiesigen Blätter hin, so daß ich mich in weitere Erörterungen nicht einlasse. Widersprechen muß ich jedoch, weil es unwahr ist, daß i ch die Domesticalsteuer in unserer Gemeinde eingesührt habe, wahr ist es vielmehr, daß dieselbe schon viele Jahre, bevor ich Cultusvorsteher wurde, bei uns existirte, wahr ist es vielmehr, daß seinerzeit der gewesene Präses der Cultusgemeinde, Herr Albert Mendelsburg, der nunmehrige Präses Herr Dr. Leon Horowitz, als auch ich mit aller Energie gegen diese Steuer kämpften, wahr ist es vielmehr, daß die Regierung die Cultusrepräsentanz dazu zwang, diese Steuer einzuführen, wahr ist es auch, daß ich seinerzeit mit dem Präses, Herrn Albert Mendelsburg als Delegirter der hiesigen Cultusgemeinde bei Seiner Excellenz dem gewesenen Cultusminister Baron Conrad in einer Audienz wegen Aufhebung dieser Steuer vorsprach, daß ich damals die Ungerechtigkeit dieser Steuer darlegte und die Aufhebung derselben befürwortete. Wahr ist es auch, daß ich seinerzeit in einer Deputation beim Statthaltereirath Mandyczewski, Referenten der galizischen Cultusangelegenheiteu, die Aufhebung dieser Steuer nochmals befürwortete und daß trotz alldem die Regierung diese Steuer nicht aufheben wollte und auch jetzt nicht aufheben will und fortwährend auf Erhöhung dieser Steuer dringt. Unwahr ist es, daß ich der Dictator der Gemeinde war, unwahr ist es, daß ich von der Domesticalsteuer das Wahlrecht abhängig machte, unwahr ist es, daß i ch die Steuer nach meinem Gutdünken derart vertheilte, daß meine Freunde wahlbetheiligt, meine Gegner jedoch vom Wahlrechte ausgeschlossen waren. Einige vierzig Zeugen, Mitglieder der Steuercommission, haben den Vorgang bei der Besteuerung öffentlich vor Gericht dargestcllt und ich überlasse das Urtheil hierüber der öffentlichen Meinung. Unwahr ist es, daß ich vier Stellen in der Gemeinde mit meinen Verwandten besetzt habe, unwahr ist es, daß ich das Ostermehl zu einem höheren Preise als andere Offerenten liefere, wahr ist es und eidlich vor Gericht bestätigt worden, daß mich die Mitglieder der Cultusrepräsentanz eindringlich und wiederholt baten, daß die Bienczycer Dampfmühle, dessen Miteigenthümer ich bin, die Vermahlung des Ostermehles übernehme und daß die Lieferung einstimmig vom Cultusvorstand übergeben wurde, und daß die Mitglieder der Cultusrepräsentanz bei Gericht ausdrücklich erklärten, daß die Cultusgemeinde durch diese Vermahlung einen großen Nutzen hatte, sowie daß in diesem Jahre, in welchem die Bienczycer Dampfmühle die Vermahlung nicht übernahm, dieselbe der hiesigen Cultusgemeinde um circa 2500 fl. mehr kostete. Unwahr ist es ebenfalls, daß ich meinem Buchhalter den Posten eines Gemeindebuchhalters verliehen habe. Wahr ist es vielmehr, daß der betreffende Buchhalter, bevor ich überhaupt Mühlenbesitzer wurde, den Posten in der Gemeinde erhielt und daß ich bei der Sitzung, wo ihm der Posten verliehen wurde, gar nicht anwesend war. Hochgeehrter Herr Redacteur! Ich berufe mich hier nicht auf den Berichtigungsparagraphen des Preßgesetzes, da die Tendenz Ihres geschätzten Blattes, der muthige und offene Kampf, den Euer Wohlgeboren stets und überall gegen Verleumdung führen, mir Bürgschaft dafür sind, daß sie nicht zulaffen werden, daß Verleumder, mögen sie auch Juden sein, die in so schweren Zeiten Verleumdungen gegen Glaubensgenossen zu schleudern wagen, von Ihnen nicht ungestraft davonkommen. Im Vorhinein herzlichsten Dank für die Ausnahme dieser Zeilen. Genehmigen Euer Hochwohlgeboren den Ausdruck meiner besonderen Hochachtung Ihr ergebener Hirsch-Landau, Vicepräsident der israelitischen Cnltusgemeinde Krakau. Krakau, den 5. Juli 1897. Kolomea, 5. Juli. (Zionismus in Theorie und Praxis.) Der Ziorlismus, eine alte Idee und ein neues Schlagwort, greift immer mehr um sich und zieht besonders bei der großen Masse der jüdischen Bevölkerung unseres Landes, Dank der in dieselbe hineingetrageuen Erregung, immer weitere Kreise — in der Theorie. Doch wie steht es mit der Liebe zum gelobten Laude in der Praxis? Dies ersehen wir aus der einfachen Thatsache, daß in Kolomea, dem Brennpunkte der zionistischen Bewegung, wo ein eigenes zionistisches Organ besteht, sich nicht zwei Knaben finden, die in der Ackerbauschule in Jaffa (Palästina) Aufnahme finden wollten und deren Eltern sich dazu entschließen könnten, ihre Kinder in das Land ihrer Väter zu senden, damit sie dort den heiligen Boden bebauen lernen. Was ist also in der Praxis größer? Die Liebe zum heimatlichen Elend und zu der Verwahrlosung oder zu Zion und Jerusalem? Es will mir scheinen, daß Se. Ehrwürden der Herr Oberrabbiner von Wien nicht so unrecht hatte, als er behauptete, daß die Worte: „Das nächste Jahr in Jerusalem", nicht ernst zu nehmen seien. Czernowitz. In der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" wurde die Gründung des „Vereines christlicher Deutscher" besprochen und daran die sehr richtige Bemerkung geknüpft, daß das Deutschthum in der Bukowina aufhören würde, zu existiren, wenn nicht die Juden als die Träger desselben anerkannt würden. Thatsächlich waren es bisher ausschließlich unsere jüdischen Glaubensgenossen, welche gegen ihr eigenes Interesse einen Stolz darein setzten, die Pionniere deutscher Bildung und Cultur im Buchenlande zu sein. Ich sage: Gegen ihr eigenes Interesse, denn sie haben sich dadurch den Haß oder doch wenigstens das Mißtrauen der autochthonen Elemente, der Rumänen, Ruthenen und Jungczechen, mit welchen in Frieden und Freundschaft zu leben eine Grundbedingung ihrer materiellen Existenz wäre, zugezogen. Es ist ein merkwürdiges Werk, das die Juden da vollbracht haben: ein Land durch und durch zu germauisiren, welches im Westen von den galizischen Polen und den Magyaren, im Osten von Russen, im Süden von Rumänen umschlossen wird. Unsere deutschen Schulen, unsere deutsche Universität, der Gebrauch der deutschen Sprache in Amt, Handel und Verkehr — all' das ist, wenn man es so nennen will, das Verdienst der Juden. Und nun kommen die „christlichen Deutschen" und statten ihnen hiefür den Dank in derselben Weise ab, in welcher ihre Stammesbrüder im Lande der „Intelligenz und fromnien Sitte" alle Hingebung und Begeisterung unserer Glaübensgenosien für die Entwicklung des deutschen Volksthums belohnt haben und wie die Deutschvolklichen Schönerer'scher und Steinwender'scher Couleur die Mithilfe der Juden zur Rettung des Deutschthums vor der slavischen Hochflut!) zu belohnen gedenken: mit einen! Fußtritt. Heißt es doch schon, daß den Juden in dem gegenwärtigen Sprachenkampfe nur eine Schonzeit bewilligt sei. — Nun haben freilich unsere Glaubensgenossen in der Bukowina vor denen in Jnnerösterreich und Böhmen Einiges voraus: Mit ihnen steht mtb füllt das Deutschthum. Sie können sich gegen das Häuflein „christlicher Deutscher" sehr erfolgreich zur Wehre setzen und sie werden dies auch thun. Längst sind unter ihnen - timmen laut geworden, welche zu friedlichem Einvernehmen mit den einheimischen Nationalitäten riethen, und diese Stimmen verstärken sich in deni .Maße, als die „christlichen Deutschen" sich auf einen Sonderstandpuukt stellen. Trumpf gegen Trumpf! Nicht das Deutschthum ist es, für welches die Juden sich begeistern, sondern die höhere Gesittung und Bildung. Wenn aber die deutsche Cultur sich mit dein eklen Schlamme des Antisemitismus besudelt, dann sinkt ihr Werth unter jenen der angeblich „inferioren", in Wahrheit aber weit edleren Nationalitäten herab. Czernowitz. (Alma mate r.) Das Wahrwort des geistvollen römischen Dichters : inter arma silent Musae will auch sagen, daß wahre und echte Wissenschaft unverträglich ist mit den Fragen des Tages und unbeeinflußt bleibt von der Zeitströmung. Sie verdiente nicht, Wissenschaft zu heißen, wenn sie die Aufregung des Tages mitmachen wollte; ihre Wahrheiten wären Jrrthümer und Lügen, wenn sie unter dem Eindrücke der wechselnden Leidenschaften stünden. In die Hallen der universitas literarum dringt nicht das Getöse der Welt. Der Gelehrte sitzt gebeugt über seinem Buche und über seinen Kopf hinweg geht die wilde Jagd des Lebens. Unter den deutschen Universitäten ist die Czernowitzer die jüngste wohl, doch nicht die letzte. Man nennt ihren Namen mit allen Zeichen der Achtung, man weiß, welch' vielseitige Förderung die Wissenschaft durch die Gelehrten unserer Universität erfährt, wie viele Männer von wissenschaftlicher Bedeutung hier wirken und gewirkt haben. Was aber unsere Universität in die Reihen der ersten Pflegestätten wahrer Wissenschaften stellt, ja geradezu höher stellt, ist die Thatsache, daß sie sich von beit Einflüssen des Tages völlig freigehalten hat, daß sie im wahrsten Sinne des Wortes freisinnig ist. Für das Studienjahr 1897—98 wurde Prof. Dr. Isidor H i l b e r g zum Rector der Universität gewählt. Es ist bereits das zweite Mal, daß ein Jude, notabene ein ungetanster Jude, jjJBCäL