Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 28 (9.7.1897)
- Date
- 1897-07-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 576 Vr- Vlortz's Wortzrnfttzrifl. Nr. 28 Stelle der Commission auf Grund seiner Angaben sich deutliche und wahrheitsgetreue Vorstellungen von seinem Betriebe machen könnte. Bei Punkt 7 (Betriebsort) sind beim Hauptbetriebe die Filialen oder Niederlagen desselben Veranlagungsbezirkes zu erwähnen, bei Punkt 8 diejenigen in anderen Bezirken; bei Punkt 10 der Sprengel, wohin man hauptsächlich seine Geschäfte macht; bei der Zeit (Punkt 11) namentlich, ob der Betrieb ununterbrochen oder nur an gewissen Tagen der Woche oder in gewissen Monaten des Jahres stattfindet. Bei den ferneren Angaben ist immer im Auge zu behalten, daß der durchschnittliche Stand der Dinge aus dem Zeiträume vom 1. Juki 1896 bis zum 30. Juni 1897 zugrunde zu legen ist und daß die Commission Anhaltspunkte gewinnen soll, ob die mittlere Ertragsfähigkeit des betreffenden Unternehmens so groß, größer oder kleiner sein dürfte als bei den meisten Unternehmungen derselben Art. Mit Rücksicht darauf werden namentlich die Punkte 15, 16, 17, 18 nämlich Hilfsarbeiter, motorische Kräfte, Anlage- und Betriebscapital mit reiflicher Ueberlegung wahrheitsgetreu auszufüllen sein. Es ist dies nicht so leicht wie es aussieht. Ist die mitarbeitende Frau oder sind die mitarbeitenden Kinder als Hilfsarbeiter anzuführen? Gewiß! Das Formular der Erklärung ladet ausdrücklich dazu ein, zumal man für mitarbeitende Familienglieder bei der Einkommensteuer die Beköstigung abziehen kann. Bei Gelegenheit! Wie, wenn man die Erwerbsteuererklärung nicht zugestellt bekommt? Soll man sich da noch selbst anmelden? „Es darf nicht erst eine Aufforderung der Steuerbehörde abgewartet werden", sagt Pensch*), der beste Erläuterer des Steuergesetzes. Gewiß! Die Formulare werden den Steuerpflichtigen bei der Steueradministration (Bezirkshauptmannschaft) unentgeltlich zur Verfügung gestellt. Auch eine Anleitung zur Ausfüllung des Formulars erhält man über Ansuchen unentgeltlich. Nach dem 1. August 1897 wird jeder Erwerbsteuerpflichtige, der noch keine Erklärung abgegeben hat, zur Abgabe binnen 8 Tagen aufgefordert werden, mit oder ohne Verhängung einer Strafe; nach den 8 Tagen wird die Steuer über seinen Kopf hinweg bestimmt. Die Erklärung kann auch mündlich bei der Steuerbehörde erfolgen; doch thut man in diesem Falle wegen des zu erwartenden Andranges gut, nicht bis zu den letzten Tagen des Monates zu warten. lieber die Angaben, betreffend das Capital rc, über das Hausirwesen und andern Details nächstens mehr. Der Stoff ist fast unerschöpflich und voll lebendigen Interesses für Jeden, der sein Nachdenken nicht leeren Träumen, sondern den Interessen des Lebens widmet. Vom Jahrmarkt des Lebens. Jofefstädtermoral auf der Judeninfel. Die Josefftadt ist ein prächtiger, beneidenswerther Bezirk. Nicht nur, daß sie verhältnißmäßig „judenrein" ist, sie ist mehr als das, sie ist eine der Wiener Hochburgen des Antisemitismus, in allen drei Wahlkorpern entsendet sie treue Luegermannen in den Gemeinderath und den Reichsrath, im Landtag ist es die allerdings unchristliche Langweile des Professor Schlesinger, die diesen Bezirk repräsentirt. Die Moral des achten Wiener Gemeindebezirkes ist beileibe keine „Judenmoral", keine Spur! Sie ist reine, unverfälscht arische — wie nennen wir es doch? — Josefstädtermoral. Und die Josefftädtermoral gewinnt an Boden, sie macht Fortschritte, sie erobert Gebiete, die ihr auf den ersten Blick verschlossen erscheinen. *) Das Gesetz vom 25. Oktober 1896, betreffend; bte directen Personalsteuern (Verlag Perles) I. Theil,. Seite 134, Anmerkung 3. Die Josef städtermoral auf der Judeninsel! War da ein Josefstädter Cafetier, der seiner edlen Seele einen großen Entschluß abgerungen hatte. Nachdem er davon nicht leben konnte, was ihm seine antisemitischen Glaubens- und Stammesgenossen zu verdienen gaben, dachte er, daß der edle Zweck die jüdischen Geldmittel heilige. So schwer es ihm ankonrmen mochte, er unternahm einen KreuMg in die Leopoldstadt. Auf der Judeninsel, neben dem Carltheater, that er ein neues Geschäft auf und bestand siegreich den furchtbaren Seelenkampf, künftighin vor jüdischen Gästen zu scharwenzeln und vor jedem x-beliebigen Kohn zu katzenbuckeln. Aber die antisemitische Katze läßt das Mausen nicht; womit wir durchaus nicht an die Nebenbedeutung des Wortes mausen gleich stehlen erinnert haben wollen. Als der Herr Cafetier an die Einrichtung seines Locales ging, ließ er einen anerkannt tüchtigen Geschäftsmann, einen Lusterfabrikanten, kommen und nahm gar keinen Anstand, sich von diesem Manne, der ein Jude ist, einen Ueberschlag machen zu lassen. „Gut", hieß es dann, „ich bin mit Ihren Preisen einverstanden; aber jetzt machen Sie mir vor Allem die Zeichnungen. Ich bin doch neugierig, wie sich die Luster ausnehmen werden!" Die Zeichnungen werden schleunigst verfertigt und säuberlich abgeliefert. Und jetzt? . . . Jetzt kommt zunächst ein Schlußpuukt. Der jüdische Fabrikant hörte jetzt lange, lange nichts, weder von seinen Zeichnungen, noch von der Bestellung. Das Nächste, was er vernahm, war, daß ein anderer Fabrikant, der einzige ausgesprochene Antisemit in der Branche, ein christlich-socialer Würdenträger, die Lieferung erhalten habe und daß die Arbeit schnell und leicht von statten gehe. Um so schneller, um so leichter, als der antisemitische Fabrikant nach seinen, des Juden Zeichnungen, arbeitete, die ihm der Ehren-Cafetier aus der Josefstadt zur Verfügung gestellt hat. Und was kommt jetzt? Jetzt kommt ein großer, großer Gedankenstrich. Wie man die Prakticirung dieser unverfälscht arischen Josesstädternwral zu benennen hat, mag der Leser im Strafgesetzbuche Nachlesen. ' Jedenfalls bietet der mitgetheilte Fall wieder einmal einen. drastischen Beleg für die grundsätzliche Verschiedenheit zwischen jüdischem Lug und Trug und christlicher Geschäftsehrlichkeit. Noch eins! Die Juden in der Leopoldstadt laufen in Schaaren diesem arischen Cafetier zu — denn . . . mm, so sind nun einmal leider die Juden. Sie haben einander bekommen und sind doch nicht glücklich! Lueger ist Bürgermeister der Haupt- und Residenzstadt Wien! Die Wiener Wähler, die Lehrer und Beamten haben ihren Lueger, ihren Bürgermeister bekommen, Lueger hat seine Majorität im Wiener Gemeinderath, seinen judenreinen Stadtrath bekommen, ja, er rühmt sich öffentlich, freie Hand sogar seitens der hohen Regierung bekommen zu haben, er hat die Gasgesellschaft unter die Hand bekommen, er hat sogar Aussicht, durch Jntriguen die Wiener Tramway zu bekommen, das Judenthum will er sogar schon längst vernichtet haben, und nun müssen wir es erfahren, daß der Besitz des so heiß Ersehnten, all das große Gelingen doch nicht glücklich machte. Dieses Geheimniß wurde uns durch eine Rede kund, welche der dem Unwillen der Stadt Preßburg glücklich entronnene Wiener Bürgermeister Dr. Carl Lueger in Hainburg wuthschnaubend zum Besten gab. Dort sprach er, wenn die „Neue Freie Presse" wahrheitsgemäß berichtet hat, die folgenden denkwürdigen Worte: „Rothschild kann mich lieben! Der Reizes kann mich lieben! Der Popper kann mich lieben!" Ist das die Sprache eines Glücklichen, dessen lange schinachtende Liebessehnsucht so glänzend befriedigt wurde? . Die Sprache meines lieben Dr. Carl Lueger? Die Sprache eines Mannes, der ausgezogen ist, das christliche Volk zu befreien, und dem es gelungen ist? Die Sprache eines Mannes, von dem ein katholischer Priester vergleichend mit feinem Heiland öffentlich gesagt hat, wenn sein Werk von Gott ist, wird es gelingen. Nein, solche Redensarten, bei welchen selbst der roheste Geselle scheu um sich blicken würde, ob sie kein anständiger Mensch zufällig gehört hat, bekunden vielmehr verhaltenen Ingrimm, ohnmächtige Wuth, ähnlich wie ein nächtlicher Einbrecher es gegenüber einem für das. Brecheisen zu festem Schlosse em-