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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-09 · 28 (9.7.1897) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
28 (9.7.1897)
Date
1897-07-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 572 Nr. 38 Vr. Vlortz's Wochenschrift Einkommen zu sichern auf die Habsucht, den Egoismus und die Unehrlichkeit der Inden geschimpft, „die kein anderes Ideal als das Geld haben". — „Wie kann man das sagen", fragt unser Autor, „wenn man sieht, wie vier Millionen russischer Juden bereit sind, Vermögen, Glück und Ruhe zu opfern, um ihrer Religion treu zu bleiben? Man sagt ihnen: „Hier ist ein großes reiches Land, in dem sich dem Handel und der Industrie ein weites Feld eröffnet, Ihr könnt einen reichen Antheil daran haben, wenn Ihr nur dem Popen die Hand küßt; man sagt den begabten, nach Wissen strebenden jungen Leuten: eine rasche Carriöre steht Euch offen, Ihr könnt das glänzendste, den Ehrgeiz beftiedigende Ziel erreichen, wenn Ihr nur Euren veralteten Glauben entsagen wollt". — Und die alten wie die jungen Juden, die wohlhabenden wie die armen ziehen es vor, das durch schwere lange Arbeit.erworbene Vermögen zu opfern, die liebe Heimat zu verlassen, Roth und Elend in der Fremde zu leiden, um nur ihrer Religion treu bleiben zu können. Ebenso sehen wir bei uns in Oesterreich die Juden, und gerade die Minderbemittelten am meisten, Zurücksetzung, Benachtheiligung, Behinderung in ihrem Erwerb -und Verspottung, denen sie doch so leicht durch die Taufe entgehen könnten, geduldig ertragen und in ihrem Glauben ausharren. „Alles nur des Geldes wegen, Alles nur, um die Christen auszubeuten" schreit der antisemitische Demagog, dem sein Antisemitismus reichlich Diäten und Gehälter, von andern Nebenverdiensten gar nicht zu reden, einbringt. Und wie sehen die „ehrlichen" Russen ans, welche den jüdischen Ausbeuter bekämpfen? Schmerkine schildert uns das Treiben der judenreinen „Bank Skopia" in Rjäsan, welche neunzehn Jahre lang in der schändlichsten Weise schwindelte, Bilanzen fälschte u. s. w. und deren Treiben erst ein großartiger Proceß im Jahre 1883 ein Ende machte. Bei fast allen Eisenbahnen, sagt er, waren unter Alexander II. Juden als Ingenieure, Beamte oder Unternehmer beschäftigt und nie hat man ihnen etwas vorzuwerfen gehabt; beim Bau der sibirischen Bahn, von dem Juden principiell ausgeschlossen sind, hat man dagegen 45 Millionen Francs gestohlen. _ Ein würdiger Repräsentant arischer Ehrlichkeit ist der russische „Kulak", von dessen Geschäftsführung uns Schmerkine ein köstliches Bild nach den Schilderungen des russischen nationalökonomischen Schriftstellers Nemerowitsch-Dantschenko gibt. Der Kulak bewohnt gewöhnlich ein großes fast festungsartiges Haus, das er nur verläßt um, in die Kirche zu gehen; er trägt schmutzige Kleidung und lebt wie ein Schwein, obwohl er manchmal Millionär ist. Schon in aller Frühe schickt er seine Helfershelfer aus, um den zu Markte ziehenden Bauern aufzulauern. Trifft der einen Bauer mit Getreide, so fragt er ihn, wieviel er verlangt, und der Bauer glaubt recht schlau zu sein, wenn er 50 Kopeken für das Pud verlangt, während der Marktpreis nur 40 ist. „Gut ich zahle sie Dir", antwortet der Commis und der Bauer, über den guten Preis entzückt, läßt sich von ihm das Haus des Kulak zeigen, wo das Getreide abzuliefern ist. Dort angekommen, sagt der mißtrauische Bauer: „wir haben den Preis mit 50 Kopeken abgemacht". „Gewiß", antwortet der Kulak, „fürchte Dich nicht, wir sind ehrliche Leute, nicht wie die Juden, nicht um eine Million würde ich Dich betrügen. Wieviel hast Du denn"? „120 Pud", antwortet der Bauer. „Hundertzwanzig! Du wirst doch einsehen, daß ich Dir nicht zahlen kann bevor das Getreide gewogen ist, am Ende sind es vielleicht gar nur sechzig. Aber früher müßten wir in die Kirche gehen, um zum lieben Gott zu beten, was würde sonst ans unserer armen Seele werden". Nach diesem Durchbruch der nationalen christlichen Gesinnung wird das Getreide gewogen, und es wiegt nur 72 Pud! „Wie ist das möglich, ich habe es doch zu Hause genau gewogen", schreit der Bauer. „Deine Waage taugt nichts, meine Waage ist eine kaiserliche, da stehen ja noch die Gewichte, zähle selbst nach, Dummkopf, glaubst Du, man wolle Dich betrügen?" Inzwischen ist das Getreide bereits ins Magazin geschüttet worden, wobei durch ein Loch im Boden ein großer Theil in den Keller geflossen ist. Der Bauer findet, daß das Gewicht nur 72 Pud beträgt und obwohl er den Betrug an der Waage nicht entdeckt, merkt er doch, daß die Sache nicht mit rechten Dingen zugeht und will sein Getreide zurückhaben. Der Kulak hat nichts dagegen, bleiben ihm doch jedenfalls die in die Keller geflossenen 40—50 Pud, und der Bauer ist froh wenn der Kulak sich schließlich herbeiläßt, ihm für 70 Pud zu zahlen. Bei der Verladung für den Markt tritt wieder eine andere Waage in Function und dem Fuhrmann werden 50 Pud für 60 zugewogen. Die zehn Pud fehlen natürlich bei der Ablieferung. Der Kulak verlangt dafür Ersatz, der Fuhrmann wird Dieb gescholten und ist noch froh, wenn er mit dem Verlust des Frachtlohnes davon kommt. Solche Betrügereien werden jahrelang ungestraft ansgeübt, denn die Kulaks helfen einander, die Vorgänge spielen sich alle im geschlossenen Hause des Kulak ab und dem einzelnen Bauer stehen stets als Zeugen die Bediensteten des Kulak gegenüber, die stets zu Gunsten ihres Herrn aussagen. Gelingt es einmal unter hundert Fällen einem ehrlichen energischen Richter, den Betrug zu constatiren, so findet sich stets ein armer Commis, dem die Schuld aufgebürdet und der bestraft wird, während der Kulak als frommer ehrlicher Mann frei ausgeht. Es ist begreiflich, daß man in solchen Gegenden, welche unter dem Treiben der Kulaks leiden, die Ankunft jüdischer Getrcidehändler mit Freuden begrüßte. Seit ihrer Etablirung will kein Großgrundbesitzer mit den Kulaks Geschäfte machen, denn wenn auch diese nicht so wie die Bauern übers Ohr gehauen wurden, betrogen wurden sie stets vom Kulak auf die eine oder die andere Weise. „Die Juden aber", erklärte ein Grundbesitzer dem Berichterstatter, „handeln ehrlich und Honnet" Die Juden, klagt man, nehmen für Vorschüsse auf Getreide hohe Zinsen und beuten die Grundbesitzer aus. Wie verhält es sich damit in der Wirklichkeit? °Jm Gouvernement Jekaterinoslaw begnügen sich die Juden mit mäßigen Zinsen; nur in seltenen Fällen nehmen sie 25 Percent, ja in noch selteneren 50, 60 bis 100 Percent; im Gouvernement Cherson gewöhnlich nur 18. Der wohlhabende christliche Bauer läßt sich dagegen für sein Geld 24, 80, 100, 175 bis 200 Percent, der Großgrundbesitzer ungefähr ebensoviel zahlen, der Pope (Geistliche) „begnügt" sich mit 60 bis 100 Percent, aber seine Gattin, die Popadja, nimmt manchmal über dreihundert Percent. In den nicht von Juden bewohnten Gouvernements zahlen ganze Gemeinden, die doch mehr Sicherheit bieten als der einzelne Bauer, den christlichen Geldgebern 200, 300, ja mitunter 500 Percent, mindestens aber 75. Die judenfeindliche Zeitung „Wilnaer Bote" belobte die Behörden der Stadt Schitomir, daß sie den jüdischen Wucherern in Wolhynien das Handwerk gelegt haben, „leider", setzt sie hinzu, „wird die Bevölkerung von den christlichen Wucherern, die an ihre Stelle getreten sind, noch rücksichtsloser ausgebeutet". Man müßte fragen, warum können die Behörden dort nicht auch den christlichen Wucherern das Handwerk legen? sagt Schmerkine, wenn man nicht wüßte, daß die Behörden gar nichts gethan haben, da die Inden freiwillig das Geldgeschäft aufgegeben haben, wie es ihnen nur möglich wurde, auf anständigere Weise ihren Lebensunterhalt zu erwerben. Wo sie es noch betreiben, begnügen sie sich, wie selbst judenfeindliche Blätter zugeben, mit geringeren Zinsen als die christlichen Geldverleiher. In Moskau, berichten die „Russischen Nachrichten", pflegten die privaten Pfandleihanstalten 3 Percent Zinsen per Monat zu nehmen, seitdem die Juden ihre Anstalten schließen mußten und die christlichen von dieser Concurrenz befreit wurden, lassen sie sich 5 Percent, das ist 60, und mit den Spesen 70 Percent jährlich zahlen. Im Allgemeinen ist vom Staatsrath constatirt worden, daß der Zinsfuß in den Gouvernements, aus denen man die Juden ausgetrieben hat, empfindlich gestiegen ist. Noch schädlicher erwiesen sich die Folgen der Austreibung der Juden beim Getreidehandel. Schmerkine widmete ihnen mehrere auf ämtlichen statistischen Daten beruhende Capitel seines Werkes, aus denen wir nur das Wichtigste und Interessanteste hervorhebeil wollen. Die Ausschaltung der Juden aus dem Getreidehandel in den Gouvernements, aus denen sie vertrieben wurden, verursachte eine Verringerung des Verbrauchs, schlechtere Preise für den Producenten, höhere für den Consumenten. Die von der Concurrenz befreiten orthodoxen Russen verkauften 1 Pud Getreide, das ihnen einschließlich der Transportkosten auf 40 Kopeken zu stehen kam, für 1 Rubel und 70 Kopeken, verdienten also 300 Percent. In den von Mißwachs betroffenen Gegenden kauften sie alles Getreide auf, sperrten es ein und erhöhten stets die Preise, wie die Noth zunahm. Während in einigen Gouvernements Ueberfluß herrschte, nahm in anderen die Hungersnoth immer mehr zu. In Winnitza, wo den Juden der Aufenthalt erlaubt ist, kostete 1891 1 Pud

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