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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-02 · 27 (2.7.1897) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
27 (2.7.1897)
Date
1897-07-02
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 27 Dr. Vloch's WochrnptzrM Seite 567 kleines Fenster hatte mit Fettpapier, anstatt der Scheiben beklebt; vor derselben, auf dem nur dürftig bewachsenen Sand- { boden stand ein Weib im Lumpen gehüllt und bereitete an dem Feuer ein Abendbrot. Auf der Schwelle saß ein schmutziges, kränkliches Kiild und spielte mit einem Hunde, der immer bellte. „Nicht wahr, das alles ist schön? sagte Lea leise „denken Sie sich, nicht einmal das habe ich in meinem Leben je gesehen." „Armes Kind — ja nun weiß ich, warum Sie sich nach einer besseren Welt sehnen, Lea. Aber diese Sehnsucht, Kind, die ist selbst das Glück. Jede Erfüllung ist eine Enttäuschung, ich habe diese bittere Wahrheit schon oft empfunden. Darum ein Hoch der Sehnsucht!" Glück, Sehnsucht — die beiden Worte klangen in ihr, während sie durch das kleine Kieferngehölz ging; sie dachte über die Worte nach, aber sie fühlte nur den einen Wunsch in sich, diese Augenblicke festzuhalten. „Ich bin jetzt sehr glücklich!" Die Worte elltfuhren ihr von den Lippen; er neigte sich zu ihr herab und küßte sie. Durch das Laub und Geäste fielen noch einzelne Sonnenlichter wie Goldflecke; sie kamen und gingen, sie leuchteten in die glückstrunkenen Gesichter, daß sie wie geblendet emporschauten — dann erloschen sie ganz und die Dämmerung kam. Gebrochen und gedämpft kam zu ihnen der dumpfe Gesang der Flößer. * * Täglich, wenn nur die Sonne schien und die Luft klar und hell war, kam Lea nun zum alten Nußbaum, der einsam am äußersten Ende des Pfarrhofgartens stand; von hier konnte der Blick frei und unbehindert schweifen über die schier endlose Heide. Das war ein gar schönes Plätzchen; an einem der Zweige des Baumes war ein kleines Vogelbauer befestigt indem ein Canarienvogel sein Unwesen trieb. Die Blätter rauschten und hie und da fiel in das dichte Gras eine von den reif gewordenen Früchten, deren Dust den Garten erfüllte. Hier malte er sie als „Steppenmärchen", während sie glückselig in die Landschaft hinschaute. Oder sie plauderten über Gott und Welt; sie erzählte ihm ihre kleinen Geheimnisse und Sorgen und einmal als sie in ihren goldigen Kümmernissen zu schluchzen begann, kam seine Mutter mit Tellern voll rosiger Knödel bewaffnet und sie mußten essen ohne Rettung lange und und tüchtig, während ihre Augen noch feucht waren. . . . Zuweilen war er faul und malte gar nicht, sondern las ihr die süßen, einsamen Gesänge des Schewtschenko und Mickiewicz vor, während sie lauschte mit gerötheten Wangen und leuchtenden Augen. Sie verspätete sich oft und es peinigte sie dann, wenn ihr Vater sie fragend anschaute. Sie liebte ihn noch immer heiß und grenzenlos, aber selbst in dem Momenten wenn sie bei ihm war kam es ihr vor, als weilte er in weiter Ferne und seine Worte klangen ihr gedämpft und hilflos, daß sie sie nicht verstand. Sie lauschte zerstreut, wenn er ihr erzählte; in ihren Ohren klangen die Lieder des Schewtschenko wie Wladomir sie ihr mit einer klangvollen Stimme vorgelesen und sie hörte das Rauschen des Nußbaumes. „Hörst du mir nicht zu?" zürnte er ihr. Wo weilst du jetzt Lea?" Sie wollte ihm sagen: „In der bessern Welt" — allein sie besann sich und küssend bat sie ihm um Verzeihung. Mit zitternden Fingern glättete er ihr reiches Haar. „Das Kind träumt, es träumt wie ich einmal geträumt habe; wäre sie jetzt nur weniger glücklich, ich wünsche es." So sprach Aron laut zu sich, während Lea in die Küche ging. „Da sehe ich jetzt, o Aron, mit meinen blinden Augen besser als du — wart' ich sag' dir, das Unglück kommt, es kommt. Bist du denn kein Vater, Aron? Rette dein Kiud, ich beschwör' dich beim einzigen Gott von Abraham, Jsak und Jakob. Das Mädel liebt einen Christenmenschen und dein Mund schweigt und deine Hände ruhen müßig im Schoß." „Was soll ich thun, Mutier, was soll ich nur thun? Soll ich ihre Augen, die so glücklich schauen wieder sehend machen und ihr unser Elend zeigen? Sie wird schon ftühzeitig genug erwachen. Verheiraten sollst Du sie, Arele, verheiraten, das Hab' ich Dir gesagt. Das mußt Du mir schwören, bei meinem alten Leben. Als brave jüdische Frau will ich sie sehen, bevor Du mich hinaus trägst. Ich werd' sonst keine Ruhe finden im Kewer (Grab). Darum schwöre, schwöre!" (Fortsetzung folgt.) Gellert über die Juden. Zn den berühmten Schriftstellern, welche bereits im vorigen Jahrhundert den Juden volle Gerechtigkeit widerfahren ließen, gehört auch, was wenig bekannt sein dürfte, der fromme Dichter Gelle r t. Drei Jahre vor der Veröffentlichung des Lessing'schen Lustspieles „Die Juden" schrieb Gellert bereits seinen Roman „Leben der schwedischen Gräfin von G . . .", welchem Klopstock volle Bewunderung zollte. Ich beabsichtige hier keine Kritik jenes Romanes zu schreiben, in welchem ein polnischer Jude eine bedeutende und ehrenvolle Rolle spielt, und will mich nur mit der Gellert'schen Schilderung des Juden beschäftigen, die von denr edlen Herzen des zu seiner Zeit allgemein verehrten deutschen Moralisten Zeugniß gibt. Gellert's Jude ist kein „Schacherjude", der mit alten Hosen und Hasenfellen handelt, sondern ein reicher Kaufmann, der von Polen nach Sibirien Handel treibt. Seine Haupttugend ist die Dankbarkeit, und diese ist bekanntlich eine der bei den Juden am häufigsten anzutreffenden guten Eigenschaften. Man sieht also, daß Gellert die Juden kannte und nicht aufs Geradewohl idealisirte. Lessillgs Jude hat den Baron aus Räubenhänden gerettet, derjenige Gellerts ist von dem nach Sibirien verbannten schwedischen Grafen G. gerettet worden, als er mit seinem Pferde in den Schnee versunken und fast schon erfroren war. Dafür entwickelt er einen unermüdlichen Eifer und unerschöpfliche Freigebigkeit um seinem Erretter zu dienen. Durch seine Fürbitte und durch sein Geld setzt er es durch, daß der Graf von der Zwangsarbeit befreit und in ein lichteres und geräunügeres Gefänguiß gebracht wird. Er bringt ihm bequemere Kleidung, Decken und Pelzwerk zum Schutz gegen die Kälte, besucht ihn oft und „niemals ohne ihm eine Gutthat zu erweisen". Er verschafft ihm wieder die Gesellschaft eines lieben Mitgefangenen, von dem er getrennt worden war, und befördert Briefe an dessen Frau in die Heimat. Dabei zeigt dieser Jude eine sehr gute Kenntniß von Menschen und Dingen und weiß dem Gefangenen Mittel und Wege anzugeben, wie er die Gunst des strengen Gouverneurs gewinnen und dadurch einer milderen Behandlung theilhaftig werden kann. Als eine mitleidige Frau dem Grafen einige Juwelen schenkt, besorgt ihm der Jude den vortheilhaften Verkauf, für fünftausend Thaler. „Aber, was wollt ihr mit so vielem Gelde anfangen?" ftagt er den Grafen, „man könnte es Euch über kurz oder lang nehmen." Er gibt ihm daher nur tausend Thaler baar und läßt bei seiner Abreise das Uebrige bei einem andern eben so ehrlichen Juden zurück. Als ihm der Graf zweihundert Thaler zur Belohnung für seine Dienste aufdrängt, schenkt sie der Jude dem Gouverneur, damit er dem Gefangenen ferner günstig bleiben solle. Nach seiner Abreise vertritt ihn ein anderer Jude, besucht öfters den Grafen und erweist ihm allerlei Gefälligkeiten. Nach der Freilassung des Grafen ist es wieder dessen Freund, ein gefangener Engländer, dem sich der Jude gefällig erweist. Auf den Rath des Juden nimmt der Graf bei seiner Heimreise von seinem Gelde nur wenig baar mit, denn es könnte ihm auf der Reise bis Moskau zehnmal gestohlen werden. Für das Uebrige gibt er ihm vier Wechsel auf Juden in Moskau, „damit ich", erzählt der Graf, „wenn ich einen verlöre, doch nicht um alles käme; so ehrlich handelte dieser Mann an mir." In Moskau bekam der Graf von dem Juden das Geld für seine Wechsel bis auf einen von 150 Rubel. „Der Jude, der mir ihn bezahlen sollte, war in die elendesten Umstände gerathen, und seine Mitbrüder versicherten mich, daß sie binnen einem Jahre das Geld für ihn erlegen wollten, wenn er es nicht thun könnte. Ich zerriß darauf den Wechsel und gab dem armen Juden noch zehn Thaler von dem übrigen Gelde." In Holland, wo der Graf nach seiner Befteiung mit seiner Frau wohnt, erhält er nach einiger Zeit den Besuch des Juden, den seine Geschäfte dahin geführt hatten und der von ihm in herzlichster Weise ausgenommen wird. Die Gräfin sagt von dem Juden: „Sein Herz war wirklich seiner ehrlichen und einfältigen Miene gleich und feine Sitten gefielen durch sein Herz. Er war schon bei Jahren und sein grauer Bart und sein langer polnischer Pelz gaben ihm ein recht ehrwürdiges Ansehen. Die freundschaftliche Art, mit der wir mit ihm umgingen und ihm unsere Erkenntlichkeit zu bezeugen suchten, rührte ihn ausnehmend." Acht Tage bleibt er der Gast des Grafen und zieht sich jeden Abend auf eine halbe Stunde in sein Zimmer, zurück um zu beten. Vor der Abreise sagt er dem Grafen: „Sie wissen, daß ich mehr Vermögen habe als ich und meine Frau bedürfen. Ich habe hier in der Bank ein Capital von zehntausend Thalern zu beheben. Erlauben Sie mir die Freude, daß ich's Ihrer kleinen Tochter

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