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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-02 · 27 (2.7.1897) · page 20

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
27 (2.7.1897)
Date
1897-07-02
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Seite 568 Vr. Vlvch's Wochrnfthrist Nr. 37 schenken darf, und nehmen Sie den Schein von mir an." — „Wir versicherten ihm", erzählt die Gräfin, „daß unsere Umstände so beschaffen wären, daß wir nicht Ursache hätten, ihm einen Tbeil von seinem Vermögen zu entziehen; allein er beklagte sich daß wir seine Gutwilligkeit verachten wollten und zwang uns, das Geschenk anzunehmen. Er ging darauf zu unserer Tochter Md knüpfte ihr noch ein sehr kostbares Halsband um den Hals. Er beschenkte auch das unglückliche Mädchen, welches ich zu mir genommen hatte, sehr reichlich und eilte alsdann, was er konnte, um sich seinen Abschied nicht noch saurer zu machen. Der rechtschaffene Mann! Vielleicht würden viele von diesem Volke bessere Herzen haben, wenn wir sie nicht durch Verachtung und listige GewalLthätigkeiten noch mehr niederträchtig und betrügerisch in ihren Handlungen machten, und sie nicht oft durch unsere AuMhrung nöthigten, unsere Religion zu Haffen." Diese Worte der „schwedischen Gräfin" können wir wohl als den Ausdruck von Gellert's Anschauung von den Juden betrachten. Und sollte er seinen Juden ganz aus der eigenen Phantasie geschöpft haben? Man glaubt, daß Mendelsohn das Vorbild zu Lessing's Nathan gewesen sei. Vielleicht hat auch Gellert unter seinen Bekannten manchen braven ehrlichen Juden gehabt, vielleicht sogar einen „polnischen", wozu ihm ja die Leipziger Messen Gelegenheit boten! M. Landau. Neu erschienene Werke. 1. Flavii Josephi. Antiquitatum Judaicarum Epitome ed. Ben. Niese, Berlin, Weidmann 1896, S. 369 (M. 15) 4°. Zum ersten Male wird dieser Auszug aus den Alterthümern des Josephus herausgegeben als Ergänzung zu der großen Josephusausgabe. 2. Paul Bolz: Die vorexilische Jahvehprophetie und der Messias. In ihrem Berhältniß dargestellt. Göttingen, Wandenhocek & Ruprecht, 1897. (M. 2.80). Bolz stellt das Vorhandensein und die Wirksamkeit der messianischen Idee in der vorexilischen Zeit keineswegs in Abrede. Was er leugnet, ist nur, daß der Messiasgedanke vom Anfang an ein Bestandtheil der prophetischen Predigt gewesen sei. Des Verfassers fleißige und scharfsinnige Schrift wird als Anregung, das Messiasproblem vom Neuen zu erörtern und zu klären, begrüßt werden dürfen. 3. Urtext und Uebersetzungen der Bibel in übersichtlicher DarstellMg (S- A. d. Artikel Bibeltext und Bibelübersetzung a. d. 3. Aufl. der Real-Encyklopädie für protestantische Theologie). Leipzig, 1897. (M. 3.) 4. Bonevetsch N.: Studien zu dem Commentar Hippolyts zum Buch Daniel und Hohen Liede. Leipzig, Heinrichs (M. 3). 5. Philonis Alexandrini opp. quae snpers. Yol. I. Ed. L. Cohn enthielt: 1. de opificismundi, Legum AllegoriarnmLib.I, III. Decberubim, desacrificiis Abelis et Caini. Quod deterias potiori in sidiari Soieat (M. 9). VoJ. II ed. P. Wendland: de posteritate Caini; de gigantibus; Qnod Dens sit immutabilis; De agricultnra; De plantatione; De ebrietate; De sobrietate; De confusione linguarum; De migratione Abrahami. Berlin, Reimer, (M. 9), 2 Bände (M. 18). 6. Reville Alb. llssus de Nazareth, Ed. crit. 2 Bände, Paris, Fischbacher (M. 15). 7. Sabatier. Ang. esq. d’nne philosophie de la religion d'aprds ia psychologie et l’histoire. Paris, Fischbacher (M. 7.50.) 8. Glasberg. Die Beschneidung in ihrer geschichtlichen, ethnographischen, religiösen und medicinischen Bedeutung. Unter Mitwirkung von M. Steinschneider u.- A. Berlin, C. Boas (M. 6). 9. D a l m a n G. Das alte Testament ein Wort Gottes. Leipzig, Heinrichs. 50 Ps. (Ein sehr beachtenswerther Vortrag.) 10. Kautsch. Abriß der Geschichte der alttestamentlichen Schriften. Freiburg i. B., Mohr (M. 6.50). 11. F r i e d l ä n d e r M. Das Judenthum in der vorchristlichen griechischen Welt. Ein Beitrag zur Entstehungsgeschichte des Christenthnms. Wien, M. Breitenstein (M. 1.50.) (Recension von Pros. Schürer in Theol., Lit. $bc. 12.) 12. Wellhaus en. J. D. arob. Josippus. (Abth. d. Gott. Gesellsch. d. wiffensch. Philos., hist. Claffe 1, 4.) Berlin, Weidmann, 4°. (M. 2). „Jüdischer Volkskalender", (Dritter Jahrgang), befindet sich im Drucke und erscheint Anfangs August l. I. Derselbe enthält, neben dem Kalendarium und einem großen informativen Theile, außerordentlich gelungene Beiträge aus der Feder der bedeutendsten jüdischen Schriftsteller der Jetztzeit: S. I. Abramowicz, I. L. Peretz, M. Rabinowicz, R. Brainin u. A. m. Der Kalender erscheint in einer Auflage von 15.000 Exemplaren und eignet sich deshalb vorzüglich für alle möglichen Geschäftsanzeigen, die recht billig berechnet werden. Adresse: Verlag des „Jüdischen Volkskalenders" in Lemberg. Berichtigung. Zu dem in unserer Nummer 24 erschienenen Artikel „Association und Organisation" ersucht uns der Verfasser der betreffenden Broschüre, Herr Dr. Ludwig Ernst, richtigzustellen, daß der Preis derselben nicht, wie wir irrthümlich angegeben haben, 5 kr., sondern 50 kr. pro Stück beträgt. Eine Aenderung des Preises stünde nicht dem Verfasser, sondern dem Verleger zu. Briefkasten H. St. Daß der Bürgermeister von Wien, Herr Dr. Lueger, der sich den Anschein gibt, als ob er mit dem Brieftaschen- und Riscontodieb M i t t e r m a y e r nichts gemein habe, mit demselben eine Spritzfahrt nach Preßburg unternimmt und mit ihm Arm in Arm die Sehenswürdigkeiten der Stadt besichtigt, ist in der That sehr interessant. Die Abzugrufe, die dem „Herrn von Wien" beim Verlassen der Preßburger Kapnzinerkirche von der angesammelten Volksmenge zutheil wurden, dürsten ihm belehren, daß seine Macht und sein Ruhm über den Schatten des Wiener Stefansthurmes nicht weit humusreichen. Die^ schleunige Flucht Dr. L u e g e r's mittelst Fiakers hat auch die Preßburger darüber belehrt, wie groß der Männesmuth des Wiener Stadtoberhauptes ist. .Herrn Jgn. Schwarz, Wien. Wir wollen doch zuerst den Erfolg Ihrer Eingabe beim Priorat abwarten. F. K. Das ist ja recht nett! Sie schreiben uns, daß bei der Illumination für Lueger auch die Fenster des in der Stefaniestraße Nr. 11 wohnhaften Portiers der „Neuen Freien Presse", Namens S ch u st e r, beleuchtet und mit dem Bildnisse des „Herrgottes bou Wien" geschmückt waren und daß dessen Frau die Werkelmänner für die Ausspielung des Luegermarsches besonders bezahlt. Das ist also ein Schuster, der nicht bei seinen Leisten bleibt! G. W.» Wien« Das Schicksal des Dr. Max Anton L o e w geht auch uns nahe! Der Mann hat, wie er selbst sagte, Vater und Mutter verlassen, um sich der christlichen Streitarmee anzuschließen, er hat den Glauben seiner Väter öffentlich geschmäht, seine Glaubensgenossen in schäm- und ehrloser Weise beschimpft — und nun weisen ihm die Herren G r e g o r i g und Schneider die Thüre und Ersterer erinnert an die dunklen Geschichten des Leopoldstädter Spar¬ und Vorschußvereines St. Josef, welche die erste Staffel zur Carriere Dr. Loew's bildeten. Diese Geschichten wurden vor vier Jahren in der hiesigen „Volksstimme" besprochen und Dr. Loew hat sich beeilt, die betreffende Nummer aufzukaufen. Doch das hat ihm nichts genützt. Gregorig hat sie dennoch gelesen und gibt nun dem „Judenstämmling" den verdienten Fußtritt. Der wackere Dr. Loew hat nun die Wahl zwischen der Knechtung seiner ehemaligen Glaubensgenossen und jener seiner antisemitischen Parteigenossen. Berthold N—f. Da haben Sie die deutschnationalen stecken im bengalischen Lichte! Herr Hofmann v. Wellenhof erklärt, daß nach Beendigung des Sprachcnkampfes die „Schonzeit für unsere gewisse Mitbürger aus dem Osten vorüber sein und wieder etwas unangenehme Zeiten für diese sehr geehrten Mitbürger kommen" werden. Und für diese Sippe tragen noch immer Juden ihre Haut zu Markte! F. Leider ist das noch immer der Fall, und zwar auf Grund eines alten Vertrages. B. B.» Wien. Der Kohlenhändler Simbach, II., Lessinggasse, ist ein fanatischer Antisemit. Unseren Glaubensgenossen zur Darnachachtung. Ginge sendet. Geehrte Redaction! Völlig überrascht lese ich soeben in Nr. 26 der „Oesterreichischen Wochenschrift" von heute, 26. Juni 1897, daß zu meinem (angeblich bevorstehenden) 70- Geburtstage, „von Seiten der Religionslehrer umfassende Vorbereitungen u. s. w. gemacht werden." Ich danke hiermit jenen sehr geehrten, ungenannten Herren sehr herzlich für ihre mich sehr ehrende Absicht, die ich als eine mir sehr angenehme That begrüße. Der Tag, dem sie gilt, ist längst in einer mir entsprechender Stille verjährt. In Hochachtung Rabbiner Wilh. S o r. Druck v. L. Beck * Sohn, Wien, VHL, Lercheafelderstr. 46, Hecmrrgeber u. verantw. Sebacteur: D«. Josef G. Bloch. —

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