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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-02 · 27 (2.7.1897) · page 18

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
27 (2.7.1897)
Date
1897-07-02
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Seite 566 Dr. Vloch's »Vchrnkchrtst Nr. 27 St. Petersburg, der unter den Ehrenvorsitz des Präsidenten der Akademie der Wissenschaften, Großfürsten Konstantin Konstantinowich, vom 15. bis 24. August dort abgehalten wird. Olmütz. (Confirmation.) Im neuen israelitischen Tempel fand letzten Sonntag Bormittags in Gegenwart eines alle Räume des herrlichen Hauses füllenden Publicums die feierliche Confirmatio n einer Anzahl von Mädchen und Knaben statt. Die Prüfung der Confirmanden, sowie den damit verbundenen Gottesdienst leitete Rabbiner Dr. Oppenheim. Die rituellen Gesänge rccitirle mit Entfaltung seiner herrlichen Stimmpracht Obercantor Schlesinger, begleitet von einem schönklingenden, kräftigen Chor, in welchem auch die Herren von Borkovsky und Burkgraf mitwirkten. Czernowrtz. Zum Rector der hiesigen Universität wurde für das Studienjahr 1897/98 der Professor der classischen Philologie Dr. Isidor Hilberg gewählt. Königiuhof. Fräulein Olga Wessely hat sich mit Herrn I. U. Dr. Emil Singer aus Sarajevo verlobt. Berlin, 20. Juni. Dem Kaufmann, Herrn Dr. jur. G. Caro ist der Charakter als königl. C o m m e r z i e n r a t h verliehen worden. Berlin, 21. Juni. Dem Privatdocenten in der medicinischen Facultät der hiesigen Universität Herrn Dr. Gustav B e Lire nd und dem Privatdocenten an der Technischen Hochschule Herrn Dr. Georg G a l l a n d ist das Prädicat „Professor" beigelegt worden. Frankfurt a. M, 21. Juni. Die Heidelberger medicinische Facultät hat dem Frankfurter Arzte Dr. Friedrich Julius Stieb e l, der vor fünfzig Jdhren in Heidelberg zum Doctor. der Medicin promovirt wurde, ein Glückwunsch- und Erneuerungsdiplom übersendet. Melbourne, 27. Juni. Unter den zahlreichen Gratulanten, welche im Aufträge australischer Körperschaften zu dem 60jährigen Regierungsjubiläum der Königin Victoria nach London reisten, befand sich auch ein hiesiger Glaubensgenosse, Herr L e v y, welcher die Adresse der Fabrikanten von Victoria, deren Verein er selbst vor Jahrzehnten gegründet hat, überbrachte. Die bessere Welk. Novelle von Hermann Menkes. (Fortsetzung.) Hie und da stand eine einsame Hütte, wie versunken in den hohen Gräsern, ganz fern bewegte sich unendlich langsam ein Fuhrwerk, wohlbepackt und ächzend. Gedämpft klang das Hühott des Fuhrmannes. Er zog der russischen Grenze zu, die unweit lag. Leise und monoton zirpten die Grillen und fast endlos dehnte sich der Weg. Da und dort leuchteten kleine Kalkgruben, stand eine einsame Birke mit zarter Silberrinde, sie bewegte ihre Blätter nicht. — Es herrschte vollständige Windstille. Leise zuerst, dann immer stärker seine Stimme erhebend begann Wladomir zu singen und ganz leise, als spräche sie zu sich selbst, fiel Lea ein. Endlich kam man in das saubere Dörfchen und sie traten in das Hochzertshaus ein, das festlich geschmückt war. Die Trauungsfeierlichkeit war bereits vorbei. Das waren lustige Leute, die da versammelt waren. Hochgewachsene Bursche mit martialischen, sonnengebräunten Gesichtern, breithüftige Mädchen und Frauen mit langen Zöpfen und rothen Korallen an den Hälsen; die buntfarbigen Kleider schillerten in den Sonnenstrahlen, die in die Stuben hineinleuchteten. Und wie sie tanzten, den Krakowiak und die Kolomyjka und schwer stampften die Füße. Dann flogen sie hin, als ob sie plötzlich Flügel bekommen hätten. Es lag wie ein heißer glühender Dunst von Jugend, Fröhlichkeit nnd Kraft in der Stube. Die Clarinette schrillte und die Baßgeige brummte, Alles wirr durcheinander — dann kamen schmerzliche langgezogene Töne, es war der kleine rothe Schmul, dessen Geige plötzlich eine Seele bekommen hatte, daß sie weinte und jubelte. Auch die Braut, jung zart und schön weinte am Halse ihrer Mutter heiße Thränen über das lieblose Leben, dem sie entgegenging. Einige Minuten wurde es dann still, dann kreisten die Becher, wie ein Sturm erhob sich dann Freude und Lust in den Seelen dieser Jugend, die sonst nur die Sorge und die schwere Arbeit kennt. Mächtige, tiefe Stimmen erhoben sich im Chor und sie drangen weit hinaus bis in die Sülle der einsamen Steppe. Sie sangen ein Lied kummervoll und fröhlich zugleich, ein Lied das ihr Schicksal erzählte — vom Getreide, das ver-, dorrt, vom Hunger und von vergeblicher Hoffnung, von Freuden die entfliehen, wie ein kurzer Frühlingstag und von der vergeblichen Pein, die wiederkehrt, wie die dunkle Nacht. Und dann von der Liebe, die sterben muß. Als der Tanz dann wieder begann, kam Wladomir auf Lea zu. „Komm, mein Märchen, auch wir wollen tanzen". Mit ihrem gerötheten Gesichtchen schaute sie zu ihm empor; „Ja, und wir wollen froh sein, als ob tvir jetzt in einer besseren Welt wären . . Er legte seinen Arm um ihre schlanke Taille und fast feierlich, mit dem melancholischen Ernst, den der Sclave auch beim Tanz zuweilen hat, schwebten sie dahin. Unter all den rauhen Gesichtern sahen sie wie zwei Königskinder aus, die sich in eine Bauernstube verirrt hatte. Der kleine weiße Schleier war von ihrem Haupte geglitten und ruhte auf ihren Schultern, dann lösten sich auch einzelne kleine Löckchen ihres Blondhaares, in ihren großen dunklen Angen war ein Ausdruck zaghafter Freude. Jnrmer mehr kam dann Leidenschaft in ihre, anfangs trägen Bewegungen. Sie waren nun die einzigen Tänzer. Mit einem plumpen Ausdruck der Bewunderung standen die Andern im Kreise herum und schauten zu. Die Clarinette schwieg, die Baßgeige brummte nicht mehr, nur der rothe Schmul saß mit geschlossenen Augen da und schluchzte und jubelte auf seiner alten Geige. Blitze zuckten plötzlich auf draußen in der Schwüle und hellrothe Lichter übergoßen die Gestalten. Sie zuckten jäh auf und erloschen, dann kamen mächtige Donnerschläge, daß das Haus erzitterte. Die Beiden aber tanzten weiter; Leas Schleier war ganz heruntergeglitten, aber sie hielt ihn in der einen Hand krampfhaft fest, während ihr Haupt an seine Schulter sich lehnte. Plötzlich beendete Schmul. sein Spiel mit einem schrillen kreischenden Ton, alle Blicke wendeten sich der Thüre zu. In derselben stand der Gutsherr in Begleitung seines Schreibers. „Hoch", rief jener mit näselnder Stimme, indem er mit seiner Reitgerte fuchtelte, „eine lustige Gesellschaft, eine feine Hochzeit — das Alles, weil ich meine Leute so schlecht behandle — was, ihr liebes Gesindel?" „Wir fallen zu Füßen Herr Wohlthäter", schrien alle im Chor, ehrerbietig grüßend. „Ich werft mich zu Füßen dem Herr Grafleben", rief Schmul sich so tief verneigend, daß sein langer Bart fast den Erdboden berührte. „Und ich wer' dem Herr Grafleben aufspielen. ein Tusch, ein fein Stückel, ich soll so leben — den Sockolmarsch was lieben alle Polen, ihr Reich soll auferstehen!" Und wüthend strich er auf seiner Geige los. „Wirst Du still bleiben, rother Hund — von mir kriegst du keinen rothen Heller." „Aber einen silbernen Gulden. Herr Grafleben — hehehe!" „Pack Dich!" schrie der Gutsherr und hieb mit seiner Gerte auf die Geige des Musikanten. „Gewalt geschrien! jammerte der Jude, wie kann man so ein schlechtes Herz haben und die Geige von einem armen Musikanten schlagen; lieber schlagen Sie mich auf den Buckel und nicht auf mein Jnstrnmentchen, was is' mir theuerer als meine Seligkeit". Schmul hatte in seinem Leben der Schläge und Püffe genug bekommen und er hatte sie stillschweigend hingenommen, aber jetzt krümmte sich seine Gestalt zusammen und er weinte. Lea und Wladomir hatten sich inzwischen hinausgeschlichen. Es hatte zu regnen aufgehört, der Himmel heiterte sich auf, auf allen Gräsern blitzten und funkelten die Tropfen im Sonnenlichte, es troff von den Bäumen und Dächern und von den Gärten stieg ein feuchter Dunst empor. Die Beiden gingen durch das Dörfchen, an der stillen Dorfkirche vorbei und an dem im goldigen Sonnenschein daliegenden Ortsfriedhof, wo einige Kinder einen Drachen emporsteigen ließen. Immer mehr versank das Sonnenlicht und ein seiner durchsichtiger Nebelschleier lag über die Steppe. Sie standen am Strande des breit sich dahinschlängenden Flusses und sahen der Arbeit der Flößer zu, die sich daran machten auf ihren Flößen, die schwer und breit auf den Wellen schaukelten, wegzuziehen. Es waren derbe Gesellen mit einem finstern Ausdruck auf ihren rauhen aphatischen Gesichtern; seltsam contrastirte dazu das lustige Lied, das sie mit heiseren Stimmen sangen. Hart am Ufer stand eine fast zusammengesunkene Hütte, die nur ein

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