Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 27 (2.7.1897)
- Date
- 1897-07-02
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021169-3021196--06898-3031200- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 564 Vr. Vloch's Wortzrnschrist Nr 27 am 22. Juni trotz der Demonstrationen wiederholt werden wird und man bewunderte den Muth der Direction, die es wagen wollte, nochmals die erhitzten Leidenschaften zu erregen. In letzter Stunde ist jedoch die Vorstellung abberufen worden, angeblich auf persönlichen Wunsch des Autors, des Oberstaatsanwalts-Stellvertreters Herrn Theodor Ritter v. K a l i t o w s k i. Die Wuth des hiesigen antisemitischen Organs ist darob außer Rand und Band getreten, so daß demselben durch eine Confiscation der Maulkorb angelegt werden mußte. Auch das hiesige sogenannte demokratische Organ, das mit den Antisemiten liebäugelt, hat sich gegen die Tendenz des Stückes enschieden und scharf gewendet. Hier spricht man allgemein, daß die Sistirung der Borstellnng auf direkten Befehl aus Wien erfolgt ist. Wie dem auch sei, die Affaire wirst ein merkwürdiges Licht auf unsere Zustände. Die Berathungen über die Statuten für die hiesige Cultusgemeinde sind dieser Tage zum Abschlüsse gebracht worden und werden die Statuten demnächst der Statthalterei zur Genehmigung vorgelegt werden. Hervorragenden Antheil an dem Zustandekommen derselben sowie an der Berathung über dieselbe haben genommen: der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Gemeinderath Herr Dr. Leon Horowitz, der Bice-Präsident der Cultusgemeinde, Gemeinderath und Handelskammerath Herr Hirsch Landau, Gemeinderath und Cultusvorsteher Advocat Dr. I. Popper, Cultusvorsteher, Advocat Dr. Sigmund Klein, die mit unermüdlichen Eifer die Angelegenheit zu einem gedeihlichen Abschluß brachten und denen Dank für diese ihre Tätigkeit gebührt. Jetzt ist es Sache der Regierung den Statuten Gesetzeskraft zu verleihen und dieselben zu genehmigen. Während die anderen Kronländer das Gesetz vom Jahre 1890 über die Cultusgemeinden schon eingeführt haben, ist dasselbe in Galizien trotz so langer Zeit noch nicht eingeführt, wiewohl die Einführung desselben im Interesse der Juden gelegen ist. Am Samstag den 26. Juni l. I. fand hier aus Anlaß des 253jährigen Jahrestages des Ablebens des Erbauers, der nach ihm benannten Synagoge Jisig Jekeles, eine Gedenkfeier in der genannten Synagoge statt. Die Synagoge, die eine Sehenswürdigkeit Krakaus ist, legt Zeugniß ab für die damalige Entwicklung der Architektur der Juden die Jeden in Erstaunen setzen muß. An der Gedenkfeier nahmen der Präsident der Cultnsgemeinde Herr Dr. Leon Horovitz, der Vicepräsident der Cultusgemeinde Herr Hirsch Landau, sowie viele Cultusvorsteher theil. Die Gedenkrede, die tiefen Eindruck auf die Zuhörer übte, hielt der Rabbiner-Stellvertreter Dr. Ehrwürden Herr Ch. L. Horovitz. Pees, 28. Juni. (Grundsteinlegung.) Aus T ö k e- T e r e b e s wird dem „R. P. Journal" vom 22. d. M. geschrieben: Das Städtchen Töke-Terebes im Zempliner Komitat war gestern der Schauplatz eines ebenso solennen wie hochherzigen Aktes. Die hiesige israelitische Gemeinde besaß nämlich einen bescheidenen alten Tempel, der ihr seinerzeit von den Ahnen der gräflich AndrLssy'schen Familie zum Geschenk gemacht wurde, im Vorjahre aber ein Raub der Flammen ward. Da die Mitgliederzahl der Gemeinde inzwischen bedeutend gewachsen ist, erwies sich der frühere Bauplatz als zu klein. Die israelitische Gemeinde wandte sich daher an unseren ebenso edlen wie wahrhaft liberalen Gutsherrn Grafen Theodor A n d r ä s s y um Überlassung eines angrenzenden, ebenfalls sein Eigenthum bildenden Bauplatzes. Der Gras gewährte nicht nur bereitwilligst dieses Gesuch, sondern er spendete auch, wie bekannt, zum Bau 20.000 Stück Ziegel. Dieser edlen That setzte Graf Andrässy gestern die Krone auf, indem er, unserer Einladung Folge leistend, zur Grundsteinlegung unseres neuzuerbauenden Tempels persönlich erschien. Er wurde vom Gemeindevorstand mit Begeisterung empfangen und vom Rabbiner mit einer Ansprache begrüßt. Graf Andräffy erwiderte in enthusiastisch aufgenommener Rede, indem er in flammenden Worten die Zuhörer zur Religiosität und Vaterlandsliebe anspornte. Unter den brausenden Eljenrufen aller Anwesenden schwang nun Graf Andräfsy den ihm auf einer silbernen Tasse überreichten Hammer und machte mit demselben die üblichen drei Schläge, worauf die anwesende Stadtrepräsentanz und die Intelligenz des Ortes das Gleiche that. ° Olmütz. (Ehrun g.) Der Seelsorger der israelitischen Cultusgemeinde, Herr Prediger Dr. Berthold Oppenheim hat im Laufe der letzten Tage aus Anlaß der Vollendung des von ihm angeregten und thatkräftigt geförderten Tempelbaues sichtliche Zeichen der Verehrung erhalten, deren er sich bei allen Gemeindeangehörigen ausnahmslos erfreut. Die Mitglieder des Gemeindevorstandes widmeten dem Herrn Rabbiner eine in der L a ch n i k'schen Kunstanstalt angefertige, prachtvoll ausgestattete Adresse, deren Inhalt von dem innigen Verhältnisse zwischen Seelsorger und Gemeinde deutlich Zeugniß gibt. Auf den reich und geschmackvoll verzierten. Einbande der Adresse ist die Widmung: „Aus Anlaß der Einweihung des israelitischen Tempels in Dankbarkeit gewidmet, von dem Ausschüsse der israelitischen Cultusgemeinde" ersichtlich. — Von mehrenen jungen Damen der Gemeinde wurde Herrn Dr. Oppenhei iu, ein in emaillirter Bronce künstlerisch ausgeführter reich mit Edelsteinen und Filigran gezierter Fächer, dessen feinciselirte Blätter mit den Bildnissen der reizenden Spenderinnen versehen sind, mit nachstehender Widmung überreicht: „Zur Erinnerung an die Tempelweihe am 11. April 1897 in Dankbarkeit und Verehrung gewidmet von den jungen Mädchen der Gemeinde Olmütz". Das herrliche Kunstwerk stammt aus dem Atelier Fried. Böhm & Soh n in Wien und gereicht der genannnte Firma zur Ehre. Holleschan. Unsere Gemeinde hat einen herben Verlust erlitten. Am 10. Juni verschied nach kurzem Leiden Herr- Jacob Beer im 86. Lebensjahre, zum großen Schmerze der Seinigen, zum Leidwesen der Gemeinde, znm allgemeinen Bedauern feiner zahlreichen Bekannten und Freunde. Herr Jacob Beer war ein Mann von gewinnender Liebenswürdigkeit, nicht nur in den Gesetzestrenen, sondern in allen Kreisen unserer Stadt jüdischen und nichtjüdischen Bekenntnisses beliebt. Es gab kein Werk der Wohlthätigkeit ohne Unterschied der Confefsion, an dem er sich nicht hervorragend betheiligte, stets fand man bei ihm eine offene Hand. Liebe und Gerechtigkeit, Offenheit und Ehrlichkeit, verbunden mit wahrer Frömmigkeit, waren die Züge seines Charakters. Das Leichenbegängniß fand Freitag den 11. Juni Vormittag statt, und die große Menge Leidtragender, die aus Nah und Fern herbeigeströmt war, so wie die große Menge von Beileidskundgebungen, bewies die allgemeine Hochachtung und Verehrung, deren sich der Verblichene erfreute. An feiner Bahre hielt unser allverehrte Rabbiner, Herr Dr.?acob Treimann eine herzergreifende, die ganze Trauerversammlnng zu Thränen rührende Gedenkrede. I. M. RoLuau. (Zwanzigstes S p e nd e n - V e rz ei ch - n iß.) Zur Errichtung eines israelitischen Friedhofes und eines Asylhauses für lungenkranke arme Glaubensgenossen im Curorte R o z it ei n sind weiters nachstehende Spenden eingegangen von: Chewra Kadischa Fiume 10 fl.; Chewra - Kadischa Groß- Tapolczan 5 fl.; Chewra-Kadischa Troppau 2 fl.; Humanitäts- Loge Kaßel 5 fl. 85 kr.; Humanitäts-Loge Kreutzburg 5 fl. 85 kr.; Wilhelm Barcheles, Proßnitz 5 fl.; Doctor Lindner, Franzensbad -5 fl.; Max Breitenfeld, Leitomischl 5 fl.; S. Hirschfeld, Warschau 16 fl. 55 kr.; Springfeder, Warschau 1 fl.; Benj Edelstein, Tarnow 5 fl.; Brüder Perlberger, Tarnow 3 fl.; Ignatz Teltsch, Wygoda 10 fl.; S. L. Rosin, Lemberg 5 fl.; Hermann Weiß sen., Budapest 5 fl.; Moritz Treu, Wien 2 fl.; Almaszi, Budapest Ist.; S. König. Meran 1 fl.; Em. Klein, Wien 1 fl. 80 kr.; M. Mahler, Wien 1 fl.; Carl Neurath, Wien 1 fl.; Rudolf Kretz, Wien 1 fl.; Steiner, Galantha 1 fl.; Mekor Hachajm, Prag 2 fl. Summe 101 fl. 5 kr. Letzter Ausweis 3690 fl. 8 kr. Zusammen 3791 fl. 13 kr. Indem den edlen Spendern hiemit für ihre Hochherzigkeit der innigste Dank votirt wird, ergeht an die gutherzigen Glaubensgenossen, namentlich an die frommen Brüder- und Frauenvereine, deren Satzungen in der Hilfe für die leidende Menschheit und die Bestattung der Inden nach ritueller Vorschrift gipfeln, im Hinblick auf das bisherige ungenügende Sammlungsergebniß der wärmste Appell, nach ganzen Kräften mitzuwirken, die angestrebten, von reinster Humanität eingegebenen Zwecke zu fördern, und in dem Bewußtsein den Lohn des Allmächtigen zu finden, zur Abstattung der geschilderten erbarmungswürdigen und bejammernswerthen Scenen, welche sich alljährlich bei der Beerdigung von verstorbenen Glaubensgenossen abspielen, beigetragen und mitgewirkt zu haben, daß armen jüdischen Lungenkranken während ihrer Cur in RoLnau, ein, wenn auch nur bescheidenes Asyl geboten werden könne. Spenden wollen gefälligst gerichtet werden an Dr. L. S. S k r e i n k a, Adolf Pollak, Curarzt in RoLnau. Fabrikant in Proßnitz. Marcus N e u m a n n, Mitglied des Cultus-Vorstaudes in Proßnitz (Mähren).