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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-02 · 27 (2.7.1897) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
27 (2.7.1897)
Date
1897-07-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 27 Vr. Bloch » Wochenschrift. und ist es besonders staunenerregend, was die Kleinen aus der Religionslehre, der deutschen Sprache und dem Rechnen leisteten. Mit bewuuderungswerthem Verständniß und herrlicher Ausdrucksweise beanworteten sie alle an sie gestellten Fragen heiter und lustig, so daß sie die Zuhörer zu Begeisterung förmlich hinrissen. Der neue hebräische Lehrer, Herr David M 0 s c a n a, ließ die KiuderHebrüisch lesen und pruste daun die Größeren hebräische Grammatik. Es geschah dies mit rühmenswerther Geläufigkeit und Exactität. Auch allerliebste Schullieder wurden von den Kindern mit Harmoniumbegleitung, unter der bewährten Leitung ihres tüchtigen Chormeisters und Cantors, Herrn Isidor L ö w i t, munter vorgetragen. Zum Schlüsse hielt Herr Drrector G r 0 a g eine tiesempfundene, geistvolle Ansprache, sowohl an die Zöglinge als auch au die anwesenden Gäste und betete schließlich für den Kaiser und seine erlauchte Familie, für die Anstalt; für ihre Lehrer und Zöglinge, woraus die Volkshymne gesungen wurde. Herr Director G r 0 a g empfing allseitig warmen, wohlverdienten Dank für seine unermüdliche Sorgfalt, die er seit vielen Jahren diesem Institute so hingebungsvoll und so selbstlos widmet. Reichenberg, 21. Juni. Freitag den 18. d. M. starb nach kurzem Krankenlager hier im 45. Lebensjahre JUDr. Ignaz Ullmann, ein Mann, wie solche Leute immer weniger werden. Erhalte sich durch Fleiß und Mühe selbst fortgeholfen, um Etwas zu werden. Sein Vater war Localrabbiner in Schönlinde, noch aus der alten Schicke, kam dann später nach Luk, wo er auch nicht glänzend gestellt war, und so hat er vom Hause nicht viel, oder besser gesagt nichts zu erwarten. Er maturirte mit Auszeichnung, blieb an der Facultät bei seinem ausdauernden Fleiße, er promovirte, kam daun her als Concipieut in die Kanzlei des verstorbenen Dr. Elger, welcher nachher Bürgermeister der Stadt Reichenberg wurde. 1882 eröffnete der Verblichene seine Advocatenkanzlei hier und hatte gleich im Anfänge ziemlich Beschäftigung. Da er ein tüchtiger Jurist war, so wuchs seine Clientel zusehends. Er verschied an einer Blinddarmentzündung. Professor Singer war zu dem Patienten aus Prag berufen worden, leider aber ohne zu Helsen. Als der Verblichene fühlte, daß die Anslösung nahe, ließ er Freitag Vormittag die Kinder zu sich kommen und segnete sie. Ullmann war ein guter Jude. Er war sehr bescheiden in seinem Wesen und Umgang und wurde zum Vorsteher-Stellvertreter gewählt. Bei seinem Leichenbegäuguiß zeigte sich's, welche Hochachtung der Mann hier genoß. Vertreten waren viele Beamte des Kreis- und Bezirksgerichtes, viele Professoren der Staatsmittel- und Gewerbeschule und sonst viele Bürger und Private. Am Grabe hielt der Rabbiner Dr. Emil H 0 f m a n n einen warm empfundenen Nachruf, iit dem er das Familienleben des Verstorbenen in ehrender Weise schilderte. Nach dem Rabbiner zeichnete der Cultnsvorsteher Heinrich Langstein in gediegener Weise, wie der Dahingeschiedeue ein treuer Berather der Cultnsgemeinde gewesen, er gelobte, daß die Gemeinde stets seine Rathschläge befolgen werde. Endlich sprach auch der Obmann des Vereines Philantrvpia (B!nai Brith) Max Schnabel, über den Verlust, den dieser durch dessen Tod erlitten. Dr. Ullmann war zweimal vermählt. Die erste Frau war die Tochter des Eisenhäudlers Sigmund Weil, sie starb bald nach ihrer Niederkunst. Die zweite Frau ist eine geborene Winternitz aus Josesstadt, sie schenkte ihrem Gatten drei Kinder, 2 Knaben und 1 Mädchen. Lemberg. (Antisemitismus in G a lizi ett.) Wir erhalten folgende Zuschrift: Löbliche Redactivn! Als Beitrag zur Geschichte des in Blüthe stehenden Antisemitismus, erlaube ich mir Ihnen folgende Mittheilung zu machen, welche das sonderbare Wort eines jüdischen Deputirten Galiziens, welches Sie in Ihrem vielgelesenen Blatte vom 11. d. M. reproduciren, das man nämlich in Galizien keinen Antisenlitismus kennt, über den Haufen wirft. Ich kam in Lemberg mit zwei Geschäftsfreunden au dem Cafe Schneider vorüber, wo wir ein Gläschen Cognac nehmen wollten. Wir occupirten ein Tischchen, ich rief den Kellner, bei welchem ich den Cognac bestellte. Wir warteten einige Zeit, aber weder Kellner noch Cognac war zu sehen, ich rief ein zweitesmal, aber auch dann kam der dienstbare Geist nicht, ich wurde ungeduldig und läutete recht vernehmbar, worauf mir ein Bursche die beigebogene Karte, auf welcher die Worte standen: „Hier ist ein antisemitisches Kaffeehaus, und mir ist es verboten etwas zu geben", reichte. Seite 663 Ich wollte den Kellner oder Inhaber des Geschäftes aussnchen und Letzter» zur Rede stellen, warum er eigentlich seine Firmatafel nicht mit dem Spruch versieht, beide Creaturen waren jedoch unsichtbar. Nun was sagt der Herr 'Abgeordnete dazu, wenn derartiges in der Hauptstadt Galiziens, dem Sitz der Intelligenz, m der Tagesordnung ist. H«hachte„d Jos. Berger. Krakau. (D er K r a k a u e r P r 0 c e ß.) In auswärtigen, das heißt in uichtgalizischen Blättern ist die Verhandlung, welche am 10. d. M. vor dem Krakauer Schwurgericht begann und am 14. d. M. mit einem Vergleiche endigte, ein „Sensationsproceß" genannt worden. In Galizien selbst wird man an die Angriffe des Redactenrs der „Gerechtigkeit" gegen den Krakauer Cultnsvorstand und an die Anklage, welche dieser gegen den „Mann der Gerechtigkeit" erhob, den Maßstab der Gewohnheit anlegen. Denn Herr R e ich e n b e r g — dies der Name des Journalisten — ist nach den Mittheilungen der obgenannten Blätter kein Cato und sein Typus findet sich nicht allzu selten im Osten unserer Monarchie. Er ist der Geschästsjournaiist, wie er im Buche steht und der nach seinem eigenen Geständniß nur zur Feder gegriffen hat, um für sich eine sorglose Existenz herauszuschlagen. Aber auch die eidlich erwiesenen Vorgänge im Schoße des Krakauer Cultusvorstandes, welche diesen zu einem keineswegs ehrenvollen Rückzüge zwangen, find in Galizien nichts Neues, und wir haben dieselben in unserem Blatte des Oesteren besprochen. Der Sachverhalt ist folgender: Herr Reichenberg, der persönliche Ursache hat, dem Bicepräsidenten des Krakauer Cultusvvrstandes gram zu sein, erhob gegen diese Körperschaft in seinem Blättchen „Gerechtigkeit" sehr schwerwiegende Vorwürfe, unter Anderem, daß der Vorstand ans offenkundigem Lug und Trug bestehe, daß der Vorstand die Gemeindemitglieder bei der Besteuerung betrüge, daß der Vicepräsident Hirsch.Landau vier Stellen der Gemeinde mit seinen Verwandten besetzt habe, daß Landau das Ostermehl der Gemeinde zu einem höheren Preise liefere als andere Offerenten und endlich, daß derselbe seinen Buchhalter zugleich den Posten eines Gemeindebuchhalters verliehen habe, um sich selbst zu entlasten. Das Beweisversahren war für Herrn Hirsch L a n d a u ein sehr ungünstiges und derselbe mußte erneu lendenlahmen Ausgleich mit einer sehr fragwürdigen Ehrenerklärung acceptiren. Wichtiger als die einzelnen Facten, welche da erwiesen wurden, war die öffentliche Existenz der Stellung, welche Herr Hirsch Landau im Cultusvorstande einnahm. Er war der Diktator der. Gemeinde, er führte eine Domesticalsteuer ein, von der er das Wahlrecht abhängig machte und die er nach seinem Gutdünken derart vertheilte, daß seine Freunde wahlberechtigt, seine Gegner vom Wahlrecht ausgeschlossen waren? Solchen Landau's, solchen Gemeindevaschas, welche die Abgeordneten für Reichsrath und Landtag, die Mitglieder der Handelskammer, des Gemeinderathes und Cultusvorstandes durch die virtuose Handhabung des Wahlapparates ernenne n, findet man in allen großen Gemeinden Galiziens. Auch in Brody sind wir ihm begegnet, nur hieß er dort nicht Hirsch, sondern Moses. Das Resultat dieser Corruptirung des öffentlichen Lebens durch einzelne Persönlichkeiten zeigt sich dann in der Entsendung von Abgeordneten wie Dr. Byk, Dr. T r a ch t e n b e r g zc, die sich scheuen, für die Interessen ihrer jüdischen Glaubensgenossen auch nur mit einem Worte einzutreten. Solche Leute sind einfach die Handlanger des Polenclubs und der Regierung und da gilt das Sprichwort, daß eine Hand, die andere wäscht. So werden unsere Glaubensgenossen in Galizien um des persönlichen Bortheiles Einzelner willen verkauft und verrathen, und die natürliche Folge davon ist der Haß aller Unterdrückten gegen die Juden, ein rapides Anwachsen des Antisemitismus, denn die Großen verschulden und unter welchen die Kleinen leiden müssen. Der Krakauer Proceß ist lehrreich nach mancherlei Richtungen. Trotzdem fürchten wir, daß die Landau, Byk und Genoffen nach wie vor das Heft in Händen behalten und nach der Devise fortarbeiten werden, welche Schreiber dieser Zeilen von Herrn Moses Landau in Brody gehört hat: „Wir sorgen für uns, was geht uns die Zukunft an!" F. Krakau. Die Erregung über die Aufführung des antisemitischen und antisocialistischen Tendenzstückes „Die Bolksverführer" im hiesigen Sommertheater hat sich noch nicht gelegt. Gesteigert wurde dieselbe als es bekannt wurde, daß die Aufführung

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