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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-07-02 · 27 (2.7.1897) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
27 (2.7.1897)
Date
1897-07-02
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 562 Dr. Vloch's Wortzenkrtzrifl. Nr. 37 Für das Schuljahr 1897/98 wird die Eröffnung eines Vorbereitungs-Lehrcurfes für Religionslehrer provisorisch versuchsweise in's Auge gefaßt und wird der entsprechende Be.trag hiesür genehmigt. Betreffs Herbeiführung eines Zusannuenwirkens in Angelegenheit des Armenwesens wird vorläufig die Erlassung der nachstehenden vom Obmanne der lll. Section, Baurath von Goldschmidt, verfaßten Circulars an mehrere Vereine beschlossen. „Hochgeehrter Vorstand! Behufs Förderung rationeller Armenpflege im Gebiete der Wiener israelitischen Cultusgemeindc scheint es wünschenswerth, unter den verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten Wiens ein gemeinsames Vorgehen anzubahnen, damit zur Lösung des schwierigen Problems, die Armurh zu bekämpfen und zu lindern, eine möglichst sichere Grundlage gewonnen werden könne. Tie Vereine, welche wir vorläufig um ihre Mittvirkunq ersuchen, sind die folgenden: 1. Armenanstalt der israelitischen Cultusgemeindc; 2. Israclirischcr^Frauen-Wohlthätigkeits-Vcreiu, I. Bezirk; 3. „Chewra-Kadischa", I.' Seitenftettcngasse 4; 4. Verein zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen der israelitischen Cultusgemeindc in Wien; 5. Israelitische Allianz zu Wien; 6. „Frauenhort", israelitischer Fraucnwohlthätigkeitsvercin für den Bezirk Alsergrund; 7. „Osten", kaufmännischer Unterftützungsverein, Wien; 8. Verein zur Unterstützung israelitischer Handwerker und Kleingewerbetreibender; 9. Philantropischer Verein in Wien. Es ist selbstredend, daß die Wohlthätigkeits-Anstalten oder Vereine in ihrem anerkannt höchst ersprießlichen autonomen Wirken, welches ja für jede einzelne Corporation statuarisch fcstgestellt ist, nicht im Mindesten eingeschränkt werden sollen und können. Wir stellen mit Gegenwärtigem lediglich das Ersuchen, uns die Listen der Ihrerseits unterstützten Israeliten, sowie der zugewiesenen Baarbeträge (von 5 fl. aufwärts) oder Naturalien, periodisch (etwa zweimal, mindestens aber einmal im Monat) bekannt geben zu wollen. Tie hierfür zu verwendenden Trucksorten werden wir (nach beiliegendem Formulare) bcistellen. Tie Mittheilungen der Vereine werden seitens unseres Armcn- Amtcs in einem Register systematisch zur Eintragung gelangen, wodurch das umfassende statistische Materiale, über welches wir bereits heute verfügen, im allseitigen Interesse namhaft vermehrt werden wird. Dieses Register wird den am Verbände theilnehmenden Vereinen zur Einsicht bereit gehalten werden. Es ist zu hoffen, daß sich durch die näheren Beziehungen zwischen unserem Armen-Amte und den verehelichen Wohlthätigkeits-Anstalten alsbald weitere Bcrührungspunftc ergeben werden, zum Zwecke der Ausgestaltung und Verhesierung der Armenpflege im Schoße unserer Cultusgemeindc. Allfällige Kosten für Copiaturcn, Briefporto ec.?c. werden wir auf Verlangen bereitwilligst liquidiren. Indem wir einer geneigt zustimmenden Antwort entgegensehcu, erbitten wir eine solche ehethunlichst, damit die geplanten Arbeiten mit Beginn des H. Semesters 1897 in's Werk gesetzt werden können. Mit besonderer Hochachtung Ter Vorstand der israelitischen Cultusgemeindc." Im Zusammenhang hiermit wird beschlossen, die von mehreren hervorragenden Genieindemitgliedern dem Cultusvorstande überreichte Denkschrift, betreffend eine Reform der Armenpflege ehestens in Berathung zu ziehen. Die Zinsen der „Marie Daffinger-Stiftung" per fl. 84 werden vier armen Familien, die „Clara Kahane-Heiratsausftattungs-Stipendien", 2 Plätze ä fl. 205, zwei armen Bräuten zugewendet. Der von der Section erstattete Vorschlag zur Verleihung von 21 „Anselm Freiherr von Rothschild'scheu Waisenstipendien" ä fl. 100 an den Stifter Freiherrn S. Albert von Rothschild wird angeiwmmen. Schließlich wird beschloffen, für die am 9. Juli 1895 verstorbene Baronin Sofie Todesco am Todestage, beziehungsweise bei dem alljährlich in Erinnerung an die verstorbenen Familienmitglieder stattfindenden Requiem, die üblichen Gebete abzuhalten. Schluß der Sitzung: 7 Uhr Abends. Wien. („Ferienheim".) Vorige Woche inspicirten die Vicepräsidenten des Vereines „Ferienheim", Frau Julie Fialla und die Schriftführerin Frau Antonie Gras, die seit Anfang des Monates Juni neuerlich eröffnete, seit Jahren bewährte Vereinscolonie P e t r a u in Mähren, in welcher derzeit etwa 30 Mädchen der Wohlthaten des Landaufenthaltes theilhast sind. Unterkunft, Verpflegung und pädagogische Leitung wurden vortrefflich befunden, der Gesundheitszustand und das Aussehen der Colonisten ließ nichts zu wünschen übrig, so daß dieselben nur schweren Herzens der nächsten Serie von 50 armen Kindern, welche kommende Woche Nachfolgen, Platz machen werden. Hoffentlich wird auch diesen der gleiche Fortschritt in physischer und moralischer Beziehung zu Theil werden, den bei allen Colonisten zu erreichen das stets mühevoll angestrebte, aber auch stets in vollstem Maße erreichte Ziel des thätigen Vereinsvorstandes bildet. Wien. (Die Chewra-Kadischa.) Geehrter Herr Redacteur! In der Nummer 25 vom 18. d. M. brachten Sie den letzten Sitzungsbericht des hiesigen Cultusvorstandes und wurde in derselben über Beschwerden gegenüber der Bruderschaft Chewra- Kadischa gesprochen. Diese Mittheilung in Ihrem geschätzten Blatte veranlaßt mich, eine Anregung zu geben, in der Hoffnung daß dieselbe auf fruchtbaren Boden fallen wird. Die Bruderschaft Chewra-Kadischa, die Rettungsgesellschaft des Alten Testamentes, wird in Wien von der jüngeren und mittleren Generation der Judenschast fast gar nicht beachtet, sie gilt mehr oder weniger nur als eine jüdische Entreprise des pompes funebres Die Chewra-Kadischa finden wir aber überall als erste Vereinigung. Wo selbst nur wenige Juden wohnen, zum großen Theile auch dann, wenn nicht einmal ein Gotteshaus, sondern nur ein improvisirter Betsaal vorhanden ist, wird gar Vieles zum Wohle des Einzelnen und der Gesammtheit geschaffen. Hier würde die Ausbreitung des Vereines und die Bekanntmachung der Statuten der Chewra-Kadischa sowohl dem Vereine selbst, wie auch der Zusammengehörigkeit der Inden nur nützlich sein, da sehr viele Glaubensgenossen aus ihrer Indolenz gegenüber dem Judenthum aufgerüttelt würden und gar mancher sich einer jüdischen Vereinigung anschließt, der noch vor wenigen Jahren jede jüdische Gemeinschaft gemieden hat. Die Berechtigung dieser Annahme waren ja auch die zahlreichen kleinen Vereine, die sich in den letzten Jahren constituirten und deren Programm identisch ist mit den Satzungen der Chewra-Kadischa. Es ist aber auch klar, daß der große alte Verein seinen Mitgliedern, weil genügend organisirt und fundirt, mehr leisten wird können, wie die kleinen, nur mit schwachen Mitteln gegründeten Vereine. Ja, ich wundere mich selbst und frage mich: Warum hat die löbliche Bruderschaft nicht schon ans eigener Initiative an die stärkere Propagirnng gedacht, da diese doch selbst gesehen haben muß, wie klein die Mitgliederanzahl im Verhältniß zur Zahl der Gemeindemitglieder ift? Ich erlaube mir daher folgenden Vorschlag zu machen: Einbeziehung sämmtlicher Bruderschaften der ehemaligen Vororte und der früheren Bezirksvereinigungen der alten Bezirke und deren Conditionirnng als Tochteranstalten oder Filialen. Weiters Zusendung der Statuten an alle Mitglieder der Cultusgemeinoe, sowie Herabminderung der Einkaufs- oder Einschreibgebühr und Abstufung der Mitgliedsbeiträge und dementsprechend auch der Beneficien. Indem ich Ihnen, hochverehrter Herr Redacteur, für die gütige Aufnahme bestens danke, zeichne ich mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst B. B u ch w a l d. Wien. Wie wir erfahren, wurde dem Altmeister der Ohrenheilkunde in Oesterreich, Professor Dr. Josef G r u b e r, der vor Kurzem mit Rücksicht auf seinen im laufenden Studienjahre stattfindenden siebzigsten Geburtslage im Sinne der akademischen Vorschriften um die Pensionirung angesucht hatte, in der letzten Sitzung des medicinischen Professvrencollegiums einstimmig ein „Ehrenjahr" gewährt und auch dementsprechend an das Unterrichtsministerinm relationirt. Ein) aus Collegen, Schülern und Verehrern bestehendes Comite trifft bereits Vorkehrungen zur Ehrung des tim die Entwicklung seiner Wissenschaft hochverdienten, sich vollster geistiger und körperlicher Frische erfteuenden Gelehrten. Wien, 28. Juni. In Anwesenheit des Gemeindepräsidiums, der Herren Marcus R u s s o und Licco A d u t t, und im Beisein zahlreicher Gäste fand gestern in der hiesigen türkisch-israelitischen Volks- und Religionsschule die Jahresprüfung und Schlußseier statt. Herr Director Emanuel G r o a g legte diesmal auf's Neue dar, mit welch gewandter, liebenswürdiger, allseitig anerkannter Meisterschaft er es versteht, den Kleinen stziner Schule die mannigfachsten Lehrgegenstände beizubringen. Es war geradezu epochemachend, was die Kleinen alles zu Wege brachten

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