Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 27 (2.7.1897)
- Date
- 1897-07-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 27 Dr B Lochs WochrnfchrifL Seite 561 Freilich, hätte der Verfasser mit der geschichtlichen Betrachtung, auf deren Boden er sich principiell gestellt hat, durchgehendes Ernst gemacht, so hätte er den Dekalog Ex. 20 nicht für mosaisch erklären dürfen, und er hätte sich dann von der geschichtlichen Bedeutung des Moses wohl ein etwas anderes Bild gemacht (Vergleiche Smend, alttestamentliche Religions-Geschichte § 31 ff.). Dann würde aber auch seine Beurtheilung der priesterlichen Thora der vorprophetischen Zeit und die Würdigung der prophetischen Thütigkeit, die er lediglich als eine reformatorische auffaßt, etwas anders ausgefallen sein. Im Einzelnen will ich noch Folgendes erwähnen: Der Dekalog Ex. 34 darf nicht als ein Auszug aus dem Bundesbuch Ex. 20„:l/—23,10 bezeichnet werden. Es darf ferner nicht gesagt werden, daß mit der Zusammenarbeitung des JED. P. zugleich der definitive Abschluß des ersten Theites des alttestamentlichen Kanons gegeben sei. Zwar hatte dieses Werk sofort eine einzigartige autoritative Geltung, aber das hinderte nicht, daß man noch mancherlei Zusätze hinzufügte (vergleiche Cornill's Einleitung in dem Alten Testament, 2. Auflage, S. 86). Doch ist es jedenfalls erfreulich, daß die von der historisch-kritischen Erforschung des Alten Testaments festgestellten Thatsachen immer mehr Beachtung finden und daß man von Tag zu Tag mehr erkennt, daß die Ergebnisse dieser Forschung mit religiöser Betrachtung der alttestamentlichen Geschichte nicht in Widerstreit liegen. Das vorliegende Buch kann Jedem, der sich schnell über die Geschichte der alttestamentlichen Thora unterrichten will, empfohlen werden. 3) Stenzel A. Weltschöpsung, Sintfluth und Gott. Die Urüberlieferung auf Grund der Naturwissenschaft erklärt. 1894 (M. 4.50.) i Der Verfasser geht von der Betrachtung aus, daß wir es zwar ungeheuer weit gebracht hätten in der Erkenntniß, daß es uns aber doch nicht gelungen sei „den Anfang der menschlichen Geschichte festzustellen und den Ursprung des Gottesglaubens und der Religion nachznweisen". Vielfach liege daran die Schuld in der Lückenhaftigkeit und Entstellung der Urüberlieferungen über den Anfang der Dinge. Es sei nun Aufgabe der Wissenschaft, diese alten Traditionen ihrer Ausschmückungen zu entkleiden und „die eigentlichen Elemente" derselben „bloßzulegen". Dann könnten die alten Ueberlieferungen wohl mit der Wissenschaft vereinigt werden. Daraufhin werden nun vom Verfasser in einem ersten Abschnitte die Kosmogonien der Bibel der Babylonier, Egypter, Inder, Tibetaner, der nordisch-germanischen Völker und der Amerikaner durchgenommen, und als Resultat dieser Untersuchung springt heraus, daß es sich hier durchaus nicht um Weltschöpsung, sondern nur um Neuschöpfung, um Neugestaltung der durch eine große Fluth verwüsteten Erde handelte. Besonders in Gen. I haben wir nicht einen Welt-Anfang, sondern vielmehr das Ende der Sintfluth und den Bericht über das, was nach ihr geschah. Das Capitel fei blos aus Mißverstand so verstellt worden. Die Sintfluth sei die eigentliche Urbegebenheit, von der die alten Ueberlieferungen handeln. Folgen demnach die Berichte über die Sintfluth in der Bibel, bei Josephus, bei den Jndogermanen, Jraniern, Hellenen, Germanen, Russen, Chinesen und Egyptern, worauf der Verfasser die Sintfluth als eine plötzliche, kurze, heftige Katastrophe in Beginn unserer Geschichte vor circa 5200 Jahren erklärt, eine ungeheuere Hochfluth der nördlichen Meere, hervorgerufen durch die Fernwirkung der Sonne und des Mondes, deren Ende noch heute die Juden am Verföhnungstage feiern (!!) (S. 139). Dadurch gewinnen wir auch die richtige Anschauung von der biblischen Gottesvorstellung. Der Sintfluth¬ und Schöpfnngsgott war ein Komet mit zwei Schweifen (!!) (S. 150). Wir bekommen ihn neben dem Titelblatt unseres Buches sogar abgebildet zu sehen. Darauf Passen auch seine Namen el „der Helle", „Leuchtende" (!) im dual (!) elohim, sogenannt wegen der zwei Schweife oder k’rubim, ebenfalls dual, verwandt mit hereb zwei Schwerter — zwei Streifen (S. 145) u. dgl. m. — Unangenehm, aber für uns tröstlich ist es, daß im Jahre 7132 dieser zweischweifige Gott die Erde wieder mit einer Sintfluth heimsuchen wird (S. 180). 4) Smith G. 21. The historical geograpby of the Holy Laad. 1895. Der.Verfasser nennt sein Werk eine historische Geographie Man würde aber sehr irren, wenn man hier eine vollständige Sammlung des historischen Materiales auch nur für die Zeit des Alten und Neuen Testamentes erwarten würde. Nur in knappster Auswahl werden bei den einzelnen Städten und Ortschaften die wichtigsten Quellenstellen und die Hauptdata ihrer Geschichte genannt. Eine erschöpfende Materialsammlung lag offenbar ganz außerhalb des Planes des Verfassers. Seine Absicht ist vielmehr die, zu zeigen, wie die Geschichte des Landes bedingt ist durch seine physische Beschaffenheit. _ Sehr umfangreiche Abschnitte beschäftigen sich nicht mit der Geschichte, sondern mit der Natur des Landes. Die Bodengestaltung, Gebirge und Ebenen, Flußläufe und natürliche Straßenzüge werden eingehend beschrieben; desgleichen die klimatischen Verhältnisse, Fruchtbarkeit und Bodenproducte. Auf Grund dieser Beschreibung wird dann gezeigt, wie durch die Natur des Landes vielfach der Gang seiner Geschichte bedingt ist; welche Landschaften dem Verkehre offeil standen, welche andere umgekehrt eine Abschließung der Bevölkerung mit sich brachten. Besonderes Augenmerk wendet der Verfasser den militärischen Operationen zu. Man könnte zuweilen meinen, daß hier ein Officier schreibt, der das Land vor Allem unter strategischen Gesichtspunkten betrachtet. In diesem Zusammenhang erfährt namentlich die Geschichte Israels in der alttestamentlichen Zeit in ihren Hauptwendepunkten eine treffende Beleuchtung. Oft werden umfangreiche Stellen aus dem Alten Testament mitgetheilt, um sie durch Aufzeigung ihres geographischen Hintergrundes zu erläutern. Dabei hat der Verfasser eine besondere Gabe anschaulicher Darstellung. Er läßt die Geschichte wirklich vor dem Auge des Lesers dramatisch sich abspielen. Daß er mit solcher Anschaulichkeit die Landschaft und ihre Geschichte schildern kann, beruht auf der lebendigen Anschauung, die er selbst von dem Lande durch eine zweimalige Reife nach Palästina gewonnen hat. Man merkt überall, daß die Landschaften, die er schildert, ihm selbst vor Augen stehen, so ist das Buch ein äußerst werthvolles Hilfsmittel zum Verständniß der Geschichte, namentlich des Alt-,, Testamentes!' In dem so geschilderten Rahmen wird aber doch auch den Einzelheiten sorgfältige Beachtung geschenkt. Alle wichtigeren Orte werden erwähnt und bei jedem die bedeutsamsten Momente aus seiner Geschichte hervorgehoben. Nur darf man nicht eine vollständige Statistik erwarten. In dem, was der Berfaffer gibt, erweist er sich aber als ein gründlich orientirter Fachmann, der auch die Einzelfragen mit selbstständigem Urtheil beherrscht. Die Karten, welche dem Werke beigegeben find, zeichnen sich durch Klarheit und Anschaulichkeit in der Schilderung der Terrainverhältnisse aus. Dr. A. Correspondenzen. Wien. (A us der Plenarsitzung des Eultus- Vorstandes vom 28. Juni 1897.) Vorsitzender: Präsident kaiserl. Rath H. Klinger. Beginn der Sitzung halb 4 Uhr Nachmittags. Der Vorsitzende bringt nachstehende Spenden zur Kenntniß: Von A. B. mittelst Postanweisung für verschämte Arme fl. 100.— Von Frau Ehartotte Alschech zur Vermehrung des Eapitales der „Rosa Adlergeborene Alschech- Stiftung".. 25.— Von Herrn Wilhelm Zierer zum Andenken an seine am 22. Juni d. I. verstorbene Mutter, Frau Charlotte Zierer für Armenzwecke _.. 1000.— Von Herrn und Frau Marie Jakobi für das Altersversorgungshaus .. eine Nähmaschine. Den Spendern wird der Dank votirt. Der Vorsitzende berichtet, daß im Sinne des § 26, lit. m und n des Statutes vom Vertretercollegium verabfolgte Gnadengaben, Unterstützungen und Aushilfen, sowie einzelne nicht präliminirt gewesene Ausgaben zur Kenntniß zu nehmen, respective zu genehmigen sind. (Geschieht.) Der Entwurf für einen Schuldschein über das dem Bethausvereine im X. Bezirke gewährte unverzinsliche Darlehen per fl. 4000 wird genehmigt. Das Maunheimer-Kinderasyl und der Verein „Ferienheim" werden als Institutionen, welche für den Bereich des ganzen Cultusgemeindegebietes dienen und nicht auf einen einzelnen Bezirk beschränkt sind, auf die Spendentafel der Gemeindebethäuser ausgenommen. Der Religionslehrerverein „Palme" erhält pro 1897 eine im Budget vorgesehene Subvention von fl. 500.