Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 27 (2.7.1897)
- Date
- 1897-07-02
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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<8>cite 558 Vr. Violas Zvoapnptznn Nr. 27 Eiue chinesische Satire gegen den Antisemitismus. Der als Schriftsteller bekannte chinesische Militär-Attache in Paris, General Tschenk-ki-Tong, -hat im Jahre 1890 im „Gaulois" einen „Die Inden in China'' betitelten Artikel veröffentlicht und darin eine geistreiche Persiflage des Antisemitismus gegeben, worin er speciell die europäische Civilisation in gewissen Fragen noch nicht aus der Höhe der gewöhnlich von Europäern so gering geschätzten chinesischen Cultur erblickt. Es heißt daselbst u. A.: „Die Inden kamen im zweiten Jahrhundert vor der christlichen Acra unter der Han-Dynastie nach China. Sie theilten uns mit, daß Fremde sie aus ihrem Vaterlande vertrieben Härten, indem man sie außer anderer Unbill zwingen wollte, ihren Glauben zu verlassen. Sie erklärten uns, daß auch sie gleich uns heilige Bücher hätten, daß ihr Gesetzgeber, der ihnen diese Bücher gegeben, ihnen befohlen habe, alle Tugenden zu üben und alle Laster zu hassen, daß er ihnen ferner ausdrücklich befohlen habe, ihre Eltern zn ehren, ihre Nächsten wie sich selbst zu lieben und daß er ihnen absolut verboten, Böses zu thun, ja ihnen sogar vorgeschrieben habe, ihrem Feinde im Unglück Hilfe zu leisten, daß endlich, als .sie noch in ihrem Lande weilten, daß Gesetz sie verpflichtete, einen gewissen Theil ihrer Ernte ausschließlich Wittwen, Waisen und Fremdlingen zu widmen. Man fand, daß die ganze Moral sich derjenigen nähere, welche von der Religion des Cvnfucius gelehrt wurde Die Juden fügten hinzm daß sie nur an einen einzigen Gott glaubten und daß der Bildercultus bei ihnen, ebenso wenig wie bei den Schülern unseres großen Philosophen, bestehe. Alldies, sowie ihre Speise- und Gesundsheitsgesetze erschienen sehr gut und sehr logisch, so daß unsere Ahnen sich beeilten, ihnen ohne jede Bemerkung das Bürgerrecht zu verleihen. Sie wohnen auch seit zweitausend Jahren in der schönen Provinz von Ho-Nan, ganz besonders in der Gegend von Kai-Fong-Fu. Wir haben uns niemals über sie zu beklagen gehabt, weil wir ihnen niemals Böses zufügten. Wir haben sie nie in Ghettos gesperrt, sie sind auch dem Reste der Bevölkerung nicht fremd. Sie unterscheiden sich von derselben durch die Beobachtung gewisser hygienischer Regeln und durch die Feier gewisser Feste, welche sie an die Erlangung ihrer nationalen Unabhängigkeit und an die Verkündigung ihrer Moralgesetze erinnern. Dies genirt uns garnichts. China dachte niemals daran, den Juden die Ausübung gewisser Metiers zu untersagen, noch weniger, sie durch Gesetze zu zwingen, ausschließlich vom Trödel oder vom Geldgeschäft zu leben. Sie üben auch alle Professionen aus und sind Ackerbauer, Arbeiter, Kaufleute und Anderes. Da überdies ihre heiligen Bücher sie zum Lesen anhalten, so sind sie im Allgemeinen sehr unterrichtet, was unseren Gelehrten nur gefallen kann. Es ist deshalb nicht selten, daß Juden unsere schwersten Prüfungen bestehen, und die ihnen übertragenen administrativen und politischen Funktionen ausüben. Und bei diesen Prüfungen, wo jeder Candidat mit seinem Zivilstand, die Namen seiner Ahnen und Lehrer angeben muß, hat man niemals Jemanden nach seiner Religion gefragt; das sind nur Dinge, die das Gewissen des Betreffenden angehen. Anderseits haben wir niemals eine kleine Zahl von ihnen dessen zu beschuldigen gehabt, daß sie zu viel Vermögen erwarben, daß sie wuchern. Ich füge hinzu, daß, wenn wir solche Vorwürfe zu machen hätten, wir dieselben nicht auf Leute einer bestimmten Race oder Religion specialisiren würden. Denn bei uns müssen die Gesetze ein allgemeines Gepräge haben und auf Alle ohne Unterschied des Glaubens oder Herkunft angewendet werden. Unsere Ahnen haben socialen Nebeln durch eine ökonomische und politische Hygiene vorgebeugt, während Europa allzu häufig zur socialen Chirurgie Zuflucht nimmt. In China gibt es keine Antisemiten, weil daselbst religiöser Fanatismus niemals bekannt war. Blicke ich auf die letzten zwei Jahrtausende der menschlichen Geschichte zurück,^ so sehe ich auf der einen Seite Europa unaufhörlich von Kämpfen zerissen, die einen wesentlichen metaphysischen Charakter besitzen, während anderseits unser alter äußerster Orient friedlich und still lebt, fern von Discussionen, die nichts zu lösen vermögen und die stets nur Haß, Krieg und Unheil gestiftet haben. Ich kann also mit Recht behaupten, daß in dieser Frage der Glaubensbekenntnisse und der Rechte des menschlichen Gewissens ein großer Theil der Bewohner Europas noch nicht so weit gelangt ist, um die Freiheit wie — in China zn begreifen." Der Erfinder der athmosphärischen Eisenbahnen, das heißt derjenigen, bei denen der Druck der Luft die bewegende Kraft bildet, war ein Judeder Maschinist Jacob S amu da, was gewiß nur Wenigen bekannt ist. Derselbe wurde am 24. August 1811 geboren und -starb in jungen Jahren am 13. November 1844. Er versuchte zuerst 1839 in der Nähe von London bei Wormwood-Scrubs nach eigener Erfindung eine Eisenbahn, welche durch atmosphärische Luft getrieben lvurde; dann bmüe er Anfangs 1844 die Liilie zwischen Kingstown und Dalkey, etwa 3 Kilometer lang. Dieser Versuch übertraf alle Erwartungell so sehr, daß er bald in England rrnd Frankreich nachgeahmt lvurde. Leider starb der begabte Techniker lioch im selben Jahre — und zwar durch eine zweite Erfindung, eine Maschinerie in einem eisernen Dampfboot, die ihm und sechs Anderen das Leben kostete, indem beim ersten Versuche die Unvorsichtigkeit eines Arbeiters das Ausströnlen des Dampfes in den Raum, wo sie standen, herbeiführte, so daß sie erstickten. Aber Samuda's Arbeit besteht und sein Name wird immer in Ehren gehalten werden, denn auf dem von ihm entdeckten Princip beruhte auch die spätere Erfindung der pneumatischen Bahnen und des Rohrpostbetriebes. Für uns ist es besonders wichtig, diesen hervorragenden Antheil eines Inden auch auf technischem Gebiete von Neuem in Erinnerung zn bringen. Eine Biographie Samuda's wurde nach seinem frühen Hinscheiden in der englischen jüdischen Zeitschrift „Voice of Jacob“ 1884 Nr. 30 veröffentlicht. Uriah Philipps Levy, der Abschaffer der Prügelstrafe in der Marine der Vereinigten Staaten Amerikas. Nach Beendigung seiner Studien trat Uriah Levy 1812 in die Marine. Die Vereinigten Staaten befanden sich zn der Zeit in einem neuen Kriege mit Großbritalinien. Der junge Seemann diente zuerst auf der Brigg Argus, die ausgeschickt war, die durch die feindliche Flotte gebildete Blockade zu durchbrechen und den bevollmächtigten Minister Crawfvrd nach Paris zu bringen. Die gefährliche Mission gelang vollkommen, die Brigg trieb die englische Handelsflotte in die Flucht und zerstörte 21 Schiffe, von denen eines einen Werth von mehr als 3 Millionen hatte. Bei dieser Gelegenheit bewies Levy so tiefes Berständniß und so hohen Muth, daß der Gouvernenr ihn zur Belohnung zum Schiffslieutenant ernannte. Im Jahre 1837 wurde er zum Commodore, zu dem damals höchsten Rang in der amerikanischen Marine, befördert. — Zu dieser Zeit lvurden noch körperliche Züchtigungen auf den amerikanischen Kriegsschiffen häufig angewandt. Geleitet von seiner hochherzigen Gesinnung und der Achtung vor Menschenwürde schaffte der Commodore an Bord des von ihm befehligten Schiffes dieses Strafmittelab. Er gab damit das Zeichen zu einer Reform, die bei der ganze n Marine bald darauf eingeführt wurde. Uriah Levy starb im Jahre 1862, während seiner ganzen glorreichen Laufbahn hat er stets eine herzliche Zuneigung zu seinen Glaubensgenossen bewahrt und bekundet. Seine irdischen Reste ruhen auf dem israelitischen Friedhofe Cypress Hill zu Nem-Iork. Auf seinem Grabe erhebt sich ein marmornes Ehrendenkmal, ans welchem durch folgende Worte auf die schönste That seines Lebens hingewiesen wird : „V a t e r der Abschaffung d e r Kö r p e r st r a f e i n d e r Ma r i n e d e r V e r e i n ig t e n Staaten." Zur Naturgeschichte des Duells liefert Sacher-Masoch in seinem „Du sollst nicht tödten" einen luftigen Beitrag. Beide Contrahenten sind hier Inden. In einer Gesellschaft in dem croatischen Bergland Zagorien war zwischen, zwei jüdischen Cavalieren ein Wortwechsel, einer Dame wegen, entstanden, bei dem der erst kürzlich geadelte Herr v. Broda seufzend die Worte Goethe's vor sich hinmurmelte: „Nach Golde drängt, am Golde hängt doch Alles". Da erhob sich Baron Krouenfels entrüstet und rief: „Sie sind ein Jude!" Die Folge dieses Wortwechsels war eine Herausforderung. Man entschied sich für Pistolen und das Rendezvous sollte am nächsten Morgen in dem Eichenwalde von Granic stattfinden. Broda war nicht lange nach Hause zurückgekehrt und hatte kaum begonnen, seine Papiere zu ordnen, als der Rabbiner Salomon bei ihm erschien: „Sie wollen sich duelliren?" waren die ersten Worte des weisen, gütigen Alten. „Ja." — „Und noch mit einem Juden? Nein, Herr v. Broda, Sie dürfen, Sie werden nicht auf einen Menschen schießen." „Verzeihen Sie, aber von Ehrensachen verstehe ich mehr als Sie." „Glauben Sie?' erwiederte der Rabbiner lächelnd, „nun, wir werden sehen. Sie glauben, die Ehre kann nur durch Blut abgewaschen werden? Mein lieber Herr v. Broda, eine Ehre, die makellos ist, braucht nicht erst gewaschen zu werden