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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-25 · 26 (25.6.1897) · page 19

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
26 (25.6.1897)
Date
1897-06-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nr. 26 Vr. VLoch's Wochenschrtst. Berlin. Frau Baroniu Clara Hirsch de Gereuth aus Paris hat der Schriftstellerin Jda Oppenheim für den dem Andenken des verewigten Philantropen gewidmeten Artikel in der „Oesterreichifchen Wochenschrift" in einem eigenhändigen Schreiben den Dank ausgesprochen. Berlin, 4. Mai. Zu wissenschaftlichen Zwecken haben die beiden Classen der Akademie der Wissenschaften neuerdings wieder verschiedene Beträge bewilligt. Die philosophischhistorische Classe bestimmte 832'50 Mark für Professor Dvctor Dessau in Charlotten bur g, Sohn des Herrn Dr. Dessau aus Fürth, zur Bearbeitung des zweiten Bandes der Prosopographie der römischen Kaiserzeit und 500 Mark für den Oberlehrer Dr. E l l i n g fx zum Zwecke bibliothekarischer Untersuchungen über neulateinifche Literatur in Süddeutfchland und Oberitalien. Bon der physikalisch-mathematischen Classe erhalten: Professor Dr. Paschen in Hannover: 1100 Mark zu Versuchen über die Energie in den Spectren schwarzer Körper, Professor Dr. D r e ch s e l in B e r n: 1500 Mark zur Fortführung seiner Untersuchungen organischer Jodverbindnngen bei Thieren auf der zoologischen Station irr Neapel, Dr. Norbert Herz zur Zeit in Heidelberg: 1000 Mark zur weiteren Reduktion der von ihm auf der von Kuffner'schen Sternwarte in Wien beobachteten Zonen. Paris. Der Grand-Rabbin Lazare W o g u e wurde zu Grabe getragen. Er war einer der hervorragendsten Juden Frankreichs gewesen. Fast 40 Jahre lang wirkte er als Professor des Hebräischen am jüdischen Seminar. 1895 wurde er zum Ritter der Ehrenlegion ernannt. 17 Jahre war er Herausgeber des „Univers Jsraelite". Zahlreiche Werke und Beiträge tit der Presse stammen von ihm; er leitete noch vor seinem Tode die von dem französischen Rabbinat übernommene Uebersetzung der Bibel. Grand-Rabbin Zadoc Kahn hielt die Trauerrede, auch der Director des Seminars, M. Lehmann, hielt eine Ansprache. Eine Abtheilung Marinesoldaten erwies dem Verewigten, der ein Alter von über 80 Jahren erreicht hatte, die militärischen Ehren. Washington, 17. Juni. Der frühere amerikanische Generalconsul in Wien, Julius G o l d s ch m i d t, wurde zum Generalconsul der Vereinigten Staaten in Berlin ernannt. London. Die soeben herausgegebene Lebensgeschichte von Isabel Burton lenkt das allgemeine Interesse wieder auf diese ungewöhnliche Frau, die an der Seite ihres Gatten die halbe Welt bereist hat. Burton war bekanntlich trotz feiner ausgezeichneten Fähigkeiten nicht sehr glücklich in seiner Carriöre, und nachdem er als englischer Consul in Damascus außer manchen anderen Conflieten einen Zusammenstoß mit den dortigen Juden gehabt hatte, glaubte er alle Mißerfolge seiner späteren Laufbahn jüdischem Einfluß zuschreiben zu sollen. Der eigentliche Grund seiner Abberufung aus Damascus war aber nicht der Streit mit den Juden, auch nicht seine Conflicte mit den englischen Missionären, seine Differenz mit den Drusen, der Zusammenstoß mit den Griechen von Nazareth, nicht einmal seine Zwistigkeit mit dem Bali (Generalgouverneur von Syrien), sondern der allzugroße Eifer seiner Frau für die katholische Kirche und allerhand dunkle Verhandlungen mit Eingeborenen der Provinz. Nichtsdestoweniger widmete Burton seinen ganzen Haß gerade den Juden, denen er Schuld gab, mit den reichen und mächtigen Israeliten Englands in Verbindung zu stehen und diese sowie die von ihnen beeinflußte Regierung gegen ihn aufgehetzt zu haben. Er trug kein Bedenken, die albernsten Märchen über Juden und Judenthum durch Wort und Schrift zu verbreiten, wie er überhaupt in literarischen Dingen ganz scrupellos war. Er erwarb ein Vermögen durch das monströseste Buch, das je in der englischen Sprache erschienen ist und seine Frau vernichtete nach seinem Tode ein Manuscript, das jenes Buch noch überbot. Unter diesem Gesichtspunkte muß man es betrachten, wenn er an einer Stelle erklärte,daß dieJuden inDamascus die Mohammedaner auf die Christen gehetzt hätten, um selbst ungestört im Trüben fischen zu können. Burton's Behauptungen dürfen eben nicht anders betrachtet werden, als die eines modernen Antisemiten. Bombay. Professor S t a f f k i n e, der seit einem halben Jahr hier in der Bekämpsung der Pest thätig ist und mehr als 10.000 Menschen geimpft hat, hat jetzt von der indischen Regierung eine Anerkennung in Form eines außerordentlichen hohen Gehaltes empfangen. Dieselbe hat ihm ein monatliches Seite 543 Einkommen von 2000 Rupien gleich 4000 Mark ansgesetzt und ihm den Betrag für die ganze Zeit seiner Thätigkeit nachgezahlt. Bologna. Mr. Belliti, der Redacteur der hiesigen antisemitischen Zeitung „Jl Public»", ist zu zwei Jahren Gefüngniß und 2000 fl. Strafe verurtheilt worden, weil er den jüdischen Advocaten Eugenio Jachia verleumdet hat. New-Hork. In Sioux City ist eine jüdische Dame, Gemeindevorsteher geworden. Es dürfte wohl das erste Mal fein, daß eine jüdische Gemeinde eine Frau an ihre Spitze beruft. Wunderbar ist dies freilich nicht in einem Lande, wo das theologische Seminar der großen großbritannischen Kirche kürzlich eine Frau zum Pfarrer befördert hat. Jaffa. lieber die Eisenbahn zwischen Jaffa und Jerusalem lauten die Nachrichten, sowohl hinsichtlich der Verwaltung und des Betriebes, wie auch des Verkehrs recht güilstig. Der Transport an Maaren betrug im vergangenen Jahre von Jaffa nach Jerusalem 15.000 Tonnen, in umgekehrter Richtung 12.000 Tonnen. Zur Zeit ist die Bahnverwaltung darum bemüht, die Bewilligung zur Errichtung eines Quais im Hafen von Jaffa zu erhalten, um die Verladung der Jmportwaaren direct von den Schiffen auf die Bahn zu ermöglichen, wobei auch ein Anschluß der Linien an's Zollamt geplant ist, welches jetzt fast zwei Kilometer von der Bahn entfernt liegt. Feuilleton. Nus demTeben eines jüd.Ndvoralen. Bon Dr. M. H. Fried länder. Einer der hervorragendsten Redner und Vorkämpfer gegen Vornrtheile des XIX. Jahrhunderts war unstreitig Adolf Crömienx, der 1796 zu Nimos im südlichen Frankreich das Licht der Welt erblickt hatte. Er selbst erzählte die Geschichte seines Ursprunges in folgender Weise: „Ich bin in Wahrheit ein Sohn des Schreckens. Mein Vater gehörte der Municipalität unter der Schreckensregierung au, aber er ließ, so oft er konnte, ein Opfer entschlüpfen und gab den nichtvertheidigten Priestern häufig Pässe. Als nach dem 8. Thermidor das Blatt sich wendete, zog sich ein Gewitter über dem Haupte meines Vaters zusammen. Die Opfer aber, welche er gerettet, gaben Zeugniß für ihn; doch wagte man es nicht, meinen Vater aus dem Gefängnisse zu entlassen, aber man erlaubte meiner Mutter, ihn zu pflegen, und dieser Jndulgenz verdanke ich mein Dasein." In seiner Geburtsstadt absolvirte Adolf Crsmieux die Gymnasialstndien und widmete sich später in Paris der juridischen Laufbahn. In Folge seiner großen, hinreißenden Beredtsamkeit und ungewöhnlichen oratorischen Begabung erwarb er sich frühzeitig einen glänzenden Ruf und gelangte zu solcher Popularität, daß er nach der Februarrevolution 1848 zum Justizminister und zum Mitgliede der provisorischen Regierung ernannt wurde. Seine ersten Lorbeeren als Advocat errang er sich auch in Südfrankreich. Ein Pariser Berichterstatter der „Neuen Freien Presse" Nr. 554 theilt Folgendes hierüber mit: „Beim Beginn der Restauration hatten sich im Süden förmliche Banden gebildet, welche auf die ehemaligen Republikaner Jagd machten. Die Regierung, weit entfernt, die Verbrecher zu bestrafen, zeichnete sie noch aus. So fiel der alte Marschall Brun, der Vertheidiger Frankreichs, in den fürchterlichsten Tagen. Cremieux wagte es, den Mörder, einen Lastträger Namens Trestaillvns, vor Gericht zu ziehen und dessen Berurtheilung durchzusetzen. Damit kehrten bei der Bevölkerung der Muth und das Sicherheitsgefühl wieder. Das Prestige der Missethäter war verschwunden und Cremieux hatte sich einen Namen gemacht. Talma, der sich um jene Zeit in Aix befand, wollte den jungen Advocaten sprechen hören. Nach der Verteidigung eines auf den Tod Angeklagten ging der große Mime auf ihn zu, und ertheilte ihm Lobsprüche. „Ich muß eilen, Kleider zu wechseln", sagte Cremieux, „ich bin ganz von Schweiß durchnäßt." — „Man darf sich nie echauffiren", sagte Talma, „wenn man recitirt". — „Und wie machen denn Sie es?", meinte Cremieux. — „Ich", erwiderte Talma, „bin immer hier (auf's Herz zeigend) ganz ruhig, nur da arbeitet es", fügte er (die Hand auf den Kopf legend) hinzu. Ein anderes Mal verteidigte Cremieux einen Mann, der angeklagt worden war, die Älarsailleuse gesungen zu haben. Der Vertheidiger trug den

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