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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-25 · 26 (25.6.1897) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
26 (25.6.1897)
Date
1897-06-25
Page
– (sequence 16)
Language
German
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^eitc 540 Br. Bwltz's Wochrnschrlfi. Nr 26 Aussiger und Teplitzer Bezirke wird Herr M a s s i n Hahn als eilt streng rechtlicher, edler und selbstloser Charakter geehrt und geschätzt. Bei seinen ausgebreiteten Geschäftsbezielmngen ist das Wirken des Jubilars ein wahrer K i d u s ch - H a s ch e n. Der beste Beweis dasür ist das antisemitische Blatt in Bilin, welches vor einiger Zeit die jüdischen Oekonomen und Geschäftsleute unserer Gegend mit erdichteten Verleumdungen bewarf. Dieses judenfeindliche Blättchen konnte nicht umhin, einen so allgemein beliebten und geachteten Mann, wie Herr M. Hahn in Karbitz, als Ausnahmsjudcn zu bezeichnen, der alle Hochachtung verdient. In allen seinen guten und edlen Werken wird der Jubilar von seiner edlen Gattin unterstützt. Frau Regina Hahn steht ihrem Manne als wahre Esches-Chajil zur Seite uud fördert alle feine gottgefälligen Bestrebungen, sie ist eine würdige Tochter der rühmlichst bekannten frommen Familie Schiff aus R a u d n i tz, der sie entstammt. So möge es denn dem edlen Jubelpaare gegönnt -sein, das Fest der goldenen Hochzeit im Kreise seiner Kinder und Enkel in Gesundheit und in ungetrübter Freude zu begehen; möge es fortwirken segensreich ad meah schonim. Czernowitz. Klagt der Jude, daß er keine Staatsanstellung erlangen kann und zum Handel gedrängt wird, wie im Mittelalter, den man ihm aber wieder zum Vorwurfe macht, so heißt es, er kann sich ja dem Gewerbe und der Landwirthschast zuwenden! Dabei wird ihm die staatliche Förderung nicht fehlen, obwohl es kein Geheimniß ist, daß die Regierung unmöglich dem Gewerbestande und der Landwirthschast aufhelfen kann, weil sie weder die Consumtionsfähigkeit steigern, noch Absatzgebiete sichern, noch die Lasten mildern, noch die auswärtige Concurrenz zu beheben vermag. Aber schon den ernsten Willen der Regierung dazu würden wir Juden mit Dankbarkeit begrüßen, wenn es auch nur eine platonische Hilfe wäre. Doch die Regierung heuchelt nur, wenn sie die Juden ihrer Geneigtheit versichert, sie im Gewerbe und der Landwirthschast, wenn auch nur moralisch, zu unterstützen; kommt es zum Ernst, macht sie s beim Gewerbe und der Landwirthschast gerade so wie beim Staatsdienste. — Der Jude wird verdrängt. Einige armselige Freiplätze in der hiesigen Obstbanmschule sind ausgeschrieben und in der Concurrenzansschreibung wird der Taufschein verlangt, als ob die Wissenschaft, aus der Scholle den richtigen Ertrag zu ziehen, die Naturkräfte auszunützeu, die Erde zum Paradies zu gestalten, etwas mit der Confession zu, schaffen hätte. Diese Concurrenzausschreibung trägt die Unterschrift des Baron Nikolaus Mustatza! Desselben Mustatza, der bei den letzten Wahlen in Philosemitismus machte, um die Stimmen der Juden zu erhalten. Dieser Mustatza, welcher schon die Rumänier au die Polen verschacherte, sucht sich nun die Gunst der Jesuiten, die jetzt die erste Geige im Staate spielen, zu sichern durch de» Autisemitisnms. Der Verfall der Sitten kann durch nichts besser bezeichnet werden, als durch die Charaktere, die jetzt eine politische Rolle spielen. Man muß wenigstens ein dreifacher Renegat sein, um zu einer leitenden Stelle zu kommen. Äia Lueger in Wien hat unser Baron Mustatza mehrmals die Farbe gewechselt, bis er endlich als Antisemit sein Ziel erreichte, der Leiter der Politik des Landes zu werden, das jetzt wie das Reich von der katholisch-polnischen Propaganda beherrscht wird. Bislang hat es Juden gegeben, die im Dienste dieser katholischpolnischen Propaganda, die Judenschaft gegen die Antochthonen hetzten, denn nur wenn diese Zwei sich feindlich gegenüberstehen, kann der Pole im Lande herrschen. Gott sei Dank, diese „führenden" Juden sind abgethan. Unserer Judenschaft sind die Augen aufgegangen, daß sie nur an dem Grabe ihrer freiheitlichen Rechte schaufelten, wenn sie die Römlinge noch unterstützen, die mit der Forderung des Taufscheines für die Armen in der Obftbaumschule ihren ersten Machtversuch machten, die Inden auf der ganzen Linie zurückzudrängen. London. Der Jewish Board of Guardians beschäftigte sich in seiner Sitzung vom 10. Mai mit der Frage, aus welche Gründe die hohe Quote der Juden des Ostends, welche an der Schwindsucht erkranken und sterben, zurückzuführen sei. Da die bisherigen auf privatem Wege erlangten Informationen sich als durchaus ungenügend erwiesen, ja nicht einmal die Thatsache ganz zweifelsfrei feststeht, obwohl sie allgemein geglaubt wird, so wurde zunächst eine Commission unter dem Vorsitz von A l g e r n o n S i d n e y gewählt, welche die nöthigen statistischen Daten einwandfrei zu sammeln hat. Berlin, 15. Juni. (Nachträgliches vom 25jährigen Jubiläum der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums".) Eine hübsche Ergänzung und zugleich einen gemüthvollen Abschluß fand die Jubiläumsfeier in einem F e st c o m m e r s, den die Hörer am Abend des 27. Mai im Hotel zum „König von Portugal" veranstalteten und zu welchem sich eine große Zahl von Gönnern und Freunden, sowie viele ehemalige Hörer der Lehranstalt,' zum Theil aus weiter Ferne, und, last not least, eine stattliche Schaar von Damen eingefunden hatten. So waren unter Anderen erschienen: Herr Sanitätsrath Dr. N e u m a n n, Professor Dr. P h i l i p p s o u und der für die materielle Sicherstellung des Instituts und seiner Hörer so verdienstvolle Commercienrath Simon. Professor Lazarus, durch Unwohlsein ferngehalten, hat durch eine herzliche Depesche seine Theilnahme bekundet. Das Lehrercollegium war vertreten durch : Dr. B a n e t h, Rabbiner Dr. M a y b a u m und Dr. Schreiner und nur Professor S t e i n t h a l seines Gesundheitszustandes wegen verhindert. Von Universitätsprofessoren stellten sich ein: Dr. L. Geiger, A p p e r t und Andere; von Rabbinern und zum Theil ehemaligen Hörern : Dr. R o s e n z w e i g, Prediger Dr. L e v i n (von der Reformsynagoge), Dr. K a m i n k a (Prag), Dr. Richter (Filehne), Dr. H o ch f e l d (Franknrt a. d. O.), Dr. Hannes (Spandau) und viele Andere; ferner Dr. G. K a r p e l e s, C. E. Frau z o s, Syndicus Minden, viele Lehrer und Leiter von Religionsschulen, Deputirte der jüdischtheologischen Vereinigung „A m i c i t i a" und des literarischen Vereines aus Breslau, der Berliner akademischen Vereine „für jüdische Geschichte und Literatur", „Vereinigung jüdischer Studirender", „Akademischer Bibelverein" re. rc. Zugleich liefen von Nah und Fern zahlreiche Telegramme und Glückwunschschreiben ein. So vom Lehrercollegium des jüdischtheologischen Seminars in B r e s l a u und insbesondere von Dr. L e w y daselbst, früher Docent an unserer Hochschule; schriftliche Gratulationen von den Hörern des H i l d e s h e i m e r'schen Seminars, ein herzliches Telegramm vom T h e o l o g e n v e r e i n in Wie n, von Professor Dr. Klein, Rabbiner in Stockholm, Rabbiner Dr. G e l b h au s in Wien, Dr. Poznanski (Warschau), Dr. Samuel (Essen) und vielen anderen in der Ferne weilenden ehemaligen Hörern; ferner aus Berlin: Rabbiner Dr. K l e m p e r e r und Dr. Oppenheim, Geheimrath Krone r, Abraham Marcus e, Sanitätsrath Dr. Boas und Dr. Jastrowitz und endlich voni Vorstand und Repräsentanz der hiesigen jüdischen Gemeinde — sie Alle haben es sich nicht nehmen lassen, wenigstens schriftlich ihre Theilnahme zu bekunden. Der Commers selbst, eingeleitet durch einen Kaiser-Salamander, nahm einen allseits befriedigenden Verlauf. Die Eröffnungsrede hielt Dr. Warschauer, aus den Jubilar Professor S t e i n t h a l toastirte Dr. Joseph, auf das Lehrercollegium Land. jur. Cohe N, der zugleich namens der Hörer allen Festtheilnehmern ein kostbares Gedenkblatt, die Porträts sämmtlicher bisheriger Docenten der Lehranstalt (Geiger, Cassel, Frankl, Müller, Lewy, Steinthal, Maybaum, Schreiner und Baneth) enthaltend, überreichte. Dr. L e w i t gedachte in seinem Toaste der Verdienste der Curatoren; Dr. Walter der Ehrengäste und des D. I. G. B. Collegialen Gruß entbot den anwesenden ehemaligen Hörern Dr. I e l s k i, die akademischen Vereine begrüßte herzlich der Vorsitzende Dr. Warschauer. Aus der Zahl der Erwiderungen sei nur kurz verwiesen auf die launige Rede des Sanitätsrathes Dr. N e u m a n n, die humorvolle Rede des Professor Dr. P i l i p p s o n, die bescheiden au des Vaters Verdienste anknüpfende Rede des Professor Geiger, auf den Dank S t e i n t h a l's durch seinen Neffen Dr. Lazarus und besonders auf die herzlich mild-mahnende Antwort des Lehrercollegiums durch den derzeitigen Vorsitzenden Dr. Ban e t h und auf die ernst-eindringlichen Worte des Herrn Dr. Schreiner, der, an eine in der Vormittagsfeier geäußerte Warnung vor „Stubengelehrsamkeit" anknüpfend, die vielgeschmähten „Stubengelehrten" wieder zu Ehren brachte und seinen Hörern die entgegengesetzte Mahnung an's Herz legte, Stubengelehrte zu werden, da das Judenthum zur Zeit keinen Ueberfluß daran habe. Damit war der officielle Theil des Commerses zu Ende. Die Stimmung der Fidulitas wurde wirkungsvoll vorbereitet durch eine geist- und humorvolle Rede des Herrn W o r m s, die auch der ernsten Pointe nicht entbehrte. Wie lange die gemüthvolle Sitzung die Einzelnen noch beisammen hielt, wer will's verrathen? Sicherlich aber haben Alle,

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