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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-25 · 26 (25.6.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
26 (25.6.1897)
Date
1897-06-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 533 Vr. Vloch's »ochenkrtzrifl Nr. 26 Wie eine Ironie auf die neuesten Bestrebungen der Antisemiten, die jüdischen Bürger des Deutschen Reiches zu „Fremden" zu stempeln, liest es sich, wenn Lamprecht am Schlüsse dieses Capitels sagt: „Allein, wenn sich auf dem Gebiete der Finanzverwaltung die Spuren einstiger jüdischer Einwirkung verwischen ließen, so blieb diese Einwirkung doch jedenfalls in der Gesammtgeschichte der Territorialbildung nicht ohne tief eingreifende Ergebnisse. Wohl schwerlich wird sich in anderen deutschen Territorien die Bedeutung des jüdischen Einflusses bis zur Mitte des XIV. Jahrhunderts in ebenso sicherer Weise veranschaulichen lassen, wie in Trier — wo wird uns denn überhaupt ein gleich übersichtliches Bild einer Landesfinanzverwaltung gezeigt — indeß wird es doch möglich sein, in den meisten Territorien einzelne Spuren einer in analoger Weise ausgebildeten Einwirkung aufzuweisen. Ist dies aber der Fall, so kanndenJuden ein bemerkenswerther, wenn auch erzwungener Antheil an der Entwicklung des deutschen Territoriums, und damit des modernen deutschen Staates nicht abgesprochen werden." Anker den Inden Daghestans.*) Von Nemirowitfch-Dantschenko. „Es ist wunderbar, wie im Reiche der Berghöhen der Geist sich bedrückt fühlt. Ringsum ist Alles so ungeheuer groß. In stolzer Erhabenheit stehen diese Riesen da, mit funkelnden Schneekronen, auf denen das unerreichbare blaue Himmelszelt ruht. Waldesdickicht, in das kein Sonnenstrahl zu dringen vermag, bedeckt den steilen Fuß der Berge. In seinem feuchten und stillen Halbdunkel tauchen die gehörnten Köpfchen hübscher Gemsen auf. Vom Hochgebirge herab donnern rastlos die Wasserfälle, die Gott weiß seit wie vielen Jahrtausenden die Gipfel der grauen Felsen dort unten aushöhlen und als krystallklare Bäche weiter eilen. Solch ein Bach bricht sich Bahn durch den feuchten Wald, durchdringt die Mengen verfaulender Zweige vom Sturm entwurzelter Bäume und besprengt mit kühlendem Naß die orangefarbenen Schwämme, die gleich Mützen über den feuchten Grund zerstreut sind. Und wenn er in ein Mandelgebüsch geräth, bedeckt er sich ganz mit rosenfarbenen Blüthen. Man sieht die klare Fluth nicht mehr unter dieser duftenden Schicht Blüthenblätter, die ein leiser Wind von den Zweigen gestreift, die kaum merklich über ihnen schwanken. Und dort, eine Strecke weiter, wo das Mandelgebüsch fein Ende findet, breitet sich ein ganzes Meer von Veilchen aus. Kommst Du hierher, so verschwinden hinter den grünenden Wipfeln der Dich umgebenden Kastanien die Berghöhen — und das Gehirn beginnt wieder zu arbeiten, es fühlt aufs Neue seine Macht! Es ist so angenehm inmitten des grünen Reichs und so behaglich unter diesem schattigen Laubdach. Ich erwachte früh am Morgen, und das erste, was ich sah, waren diese wunderbaren Berge mit den großartigen Felswänden, mit den unruhigen Nebelbildungen, die, ihre Umrisse ändernd, die düsteren Felsen mit dem dunkeln Blau umfaßten. Dorthin zog es mich. Dieses verlockende Blau wirkt ganz eigenartig auf die Seele, es bezaubert durch feine Unbestimmtheit. Man weiß ja, daß es dort eben solche Auls mit flachen Dächern gibt, aber doch vermuthet man dort etwas Märchenhaftes, Verlockendes, Unbekanntes. Hier ist Alles schon erforscht, wir sind seiner überdrüssig geworden, aber das wahrhaft Poetische, Freundliche, Fesselnde ist dort, namentlich hinter diesem geheimnisvollen Blau. — Chacham! Chacham! hörte ich hinter mir rufen. Durch das Fenster blickt ein zottiger Kopf, hinter ihm wird Mahomed-Ogly sichtbar. In der Hütte brannte schon ein Herdfeuer und in einem kleinen Kesiel über demselben kochte und brodelte es. Da sah es genau so aus wie in Lappland; der Herd war mit Bruchsteinen umfaßt, ein Lehmrohr führte zum Dach empor. Man bedeckt es gleichfalls mit einem Brett und belastet dieses mit Steinen. Eine Unannehmlichkeit haben diese Hütten: man kann ,*) Aus dem hochinteressanten Werke „Israel in Waffen" (Leipzig, H. Roskoschny 1893. S. 107 ff.) dieses Autors, worin er die SiÜen der Juden Daghestans im Kaukasus auf meisterhafte Weise schildert. nicht in sie eintreten, man muß hineinkriechen. Die Thür ist niedrig. Die Eingänge aus einer Stube in die andere sind noch schlimmer: es sind nur Löcher, Schlupflöcher für Thiere. Dafür herrscht überall sehr große Reinlichkeit. Man merkt, daß die Wände häufig mit Kalk beworfen werden, der Lehmboden ist festgestampft, und kein Unrath liegt auf ihm. Die verschiedenen Geschirre funkeln auf den Wandbrettern, in den Ecken stehen große, schöne gravirte Krücken. Es gibt auch silberne, die auf großen kupfernen Untersätzen prangen, auf deren jedem eine der fetten Kühe, die Pharao im Traum gesehen, Platz finden würde. Auch Spiegel sind vorhanden, doch von der Gattung unserer Bauernspiegel, die zwei Nasen statt einer zeigen, ein Straußenei statt des Auges und eine Art riesigen Igels statt des struppigen Hauptes unseres Wirthes. Rings um den Spiegel hingen Säbel, Pistolen, Gewehre, Kinshals, auch zwei türkische Aatagans. Die Pistolen haben silbernen, emaillirten Beschlag, die Gewehre sind mit Silber aus gelegt. Bis zur Decke aufgethürmte Betten und übereinander gestellte Koffer vollenden die Einrichtung der Stube. Das Dach wird von einem hölzernen Pfeiler, einer Art nicht besonders schönen Säule gestützt. Der Pfeiler ist ganz mit Waffen behängt. Da ist eine ganze Waffenniederlage. Die Juden im Gebirge sind ebenso stolz auf dieses todtbringende Geräth wie die Tschetschenzen und Lesghier. Ein zerlumpter Angehöriger dieses Israels in Waffen, der uns durch alle möglichen Lumpen überrascht, die alle Reize seines kräftigen, wenn auch nicht besonders schönen Körpers offen hervortreten lassen, prunkt unbedingt mit einem Paar Pistolen, deren Griffe mit Silber beschlagen sind, oder mit einem prächtigen Kinshal, dessen Griff dicht mit Türkisen besetzt ist. Hier, in der Wohnstube des Kunaks, sah es sehr hübsch aus. Helles Tageslicht drang durch die offenen Fenster und holte aus dem Halbdunkel hervor die bunten Muster der an den Wänden aufgehängten Seidenstoffe, die purpurrothen Ueberzüge der cylinderförmigen Kissen, die hellgrüne Bettdecke, und erzeugte Tausende von Funken, als es über die Niederlage der verschiedenartigen Waffen hinglitt. Ein altes Mütterchen mit verschleiertem Gesicht brachte einen kuban'schen Teppich herein und breitete ihn auf dem Boden aus. Wäre ich ein wirklicher Chacham, d. i. ein jüdischer Gelehrter, ein Rabbi gewesen, hätten die Hauswirthe bei meinem Empfang eine ganze Reihe feierlicher Vorschriften beobachtet. Den ganzen Tag hätten mich Schaaren von Besuchern umgeben. Alle Neuigkeiten des Auls wären in ihren Erzählungen mir enthüllt worden, weil „der Gast sich in keinerlei Weise langweilen darf". Meinerseits wäre auch ich verpflichtet gewesen, tausendmal zu erzählen, weshalb, woher und wohin ich reise, und was mir unterwegs zugestoßen, welche Völker ich gesehen und welche Gebräuche diese Völker beobachten, ferner alle Neuigkeiten aus den von mir besuchten Gegenden mitzutheilen, von meiner Familie und von meiner Vaterstadt Alles zu erzählen, was ich wußte, von der Politik Firengistans (Frankreichs) zu sprechen, von der Hinterlist der Engländer und von gelehrten Mullahs, denen die Juden, unbeschadet ihres Glaubens die größte Verehrung entgegenbringen. Es wäre schwer anzugeben, vor wem sie mehr Ehrfurcht hegen — ob vor dem Rabbiner oder vor dem Mullah, der alle möglichen Schriftstücke für sie verfaßt, ihnen Rathschläge ertheilt, eine Art Friedensrichter ist, sie in die Geheimnisse der Magie und der Zauberkunst einweiht. Wenn der Chacham arm ist, beschenkt man ihm mit Geld und Brod, und bis zum nächsten Dorfe gibt man ihm das Geleite, so daß ein Rabbiner das ganze von „Israel in Waffen" bewohnte Gebirge durchwandern kann, ohne auch nur eine Kopeke auszugeben. Im Gegentheil wird er noch viel Geld von dort forttragen. Mein Hauswirth war durchaus kein Alltagsmensch. Er war das echte Musterbild eines kriegerischen Gebirgsbewohners. Mahomed-Ogly stellte mir ihn als einen Helden vor, der es seinerzeit mehr als einmal mit uns ausgenommen hatte. In der That hatte Mamre-Aga (weshalb mein Begleiter ihm die Bezeichnung „Aga" beilegte, weiß ich nicht) aus den jungen Leuten seines Auls infolge des Aufrufes Schamyls eine kleine Schaar gebildet, die den Russen hart zusetzte. Dieser verwegenen Schaar schlossen sich einige benachbarte Mohammedaner an, die es durchaus nicht schimpflich fanden, sich einem Führer vom Stamme Israel unterzuordnen. Mamre-Aga war aber nicht nur ein kriegerischer Gebirgsbewohner, sondern er galt auch für einen gewandten Späher — selbstverständlich zu Gunsten der

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