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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-25 · 26 (25.6.1897) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
26 (25.6.1897)
Date
1897-06-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 26 Vr. Bloch'» VochrnkchrM. Sette 529 sie Juden sind, man entzieht ihnen trotz des Staatsgrundgesetzes das Recht des Staatsdienstes, man verlangt laut und öffentlich den Taufschein, es empört sich jedes Rechtsgefühl, die jungen Leute halten Protestversammlungen ab und trachten ihre Existenz und Zukunft zu retten, alle Zeitungen sind voll von dieser 'Angelegenheit — und siehe da, endlich wird eine Interpellation überreicht, aber unsere Abgeordneten, die Juden Galiziens, die eine jiidische Bevölkerung von 600.000 Seelen hinter sich haben, fertigen nicht die Interpellation, bringen sie also zu Falle, denn der Justizminister kann mit Recht sagen, daß die Sache nichts auf sich hat, da die galizisch-jüdische Gruppe sie nicht fertigen wollte. Ob der Polenclub unsere Abgeordneten ersucht hat, nicht zu fertigen, ist gleichgillig, zumal da er dazu nicht berechtigt war, weil laut Clubregel in Angelegenheiten, die eine Religionsgenossenschaft betreffen, jedes Clubmitglied frei ist. Wir sind neugierig, ob die lutherischen Clubmitglieder sich hätten abhalten lassen, wenn die lutherischen Rechtspraktikanten wegen ihrer Religion präterirt worden wären! Die Herren Abgeordneten müssen nicht vergessen, daß sie nur ex titulo Jndenthnm gewählt worden sind. Sie graben selber den Boden ab, auf welchen! sie stehen. Wozu brauchen wir sonst gerade jüdische Abgeordnete °? Wir wollen aber diesmal nicht zu streng mit unseren Abgeordneten ins Gericht gehen. Wir hören, daß gewisse Zufälligkeiten und Mißverständnisse mit im Spiel waren. Uebrigens haben unsere Abgeordneten diesmal die Unterlassung nach Kräften gut zu machen getrachtet, indem sie collectiv beim Justizminister persönlich Beschwerde in dieser Angelegenheit erhoben und eine entsprechende Abhilfe z n g e s a g t erhielten. Zmn Besuche des Königs von Sram in Wien. Ter Besuch des Königs von Siam bei 2v. Majestät dein Kaiser und sein Aufenthalt in Wien veranlaßt einen Abonnenten der „Oesterr. Wochenschrift", uns nachstehende Mittheilungen zu übersenden: TaS Königreich Siam gehörte bis in die neueste Zeit zu den Ländern, welche von den Inden grundsätzlich gemieden wurden, weil die Religion und die Sprache ihrer Bevölkerung sie von einer Ansiedlnng abgeschreckt haben. Tie Religion der Siamesen in bekanntlich der erasseste Buddhismus: in einem weißen Elephanten verehren sie das Smnbol der höchsten Gottheit. Ihre Sprache, welche zu dem indo-chinesischen Sprachzweige gehört, steht in gar keiner Berwandtschaft zu den semitischen Sprachen, welche die Juden dieses Welttheils inir solcher Vorliebe und solchem Eifer pflegen. Tie Inden Asiens kamen daher über dcri Ganges, den Hcmptstrom Indiens, in welchem Lande neben beit einheimischen auch die beiden semitischen Sprachen, das Arabische und das Persische, ungemein verbreitet sind, nicht heraus, und Ealcntta war noch vor vierzig Jahren die letzte jüdische Gemeinde Süd- und Ostasiens. Die jüdischen Gemeinden, welche sich heute in Hongkong, Shanghai und Yokohama finden, datiren erst ans der neuesten Zeit und wurdeil von dorthin eingewanderten englischen, deutschen, französischen nnd amerikanischen Juden gegründet. Auch nach Siam sind in der neuesten Zeit einzelne Inden gekommen, um dort zeitweilig zu bleiben, aber dauernd wollte sich keiner daselbst nieder lassen. So starb vor mehreren Jahren in London ein galizischer Jude Namens G o l d in a n n, der ans seinen abenteuerlichen Wanderungen durch das östliche Asien auch nach Siam kam, wo er etliche Jahre verblieb und dasselbe dann mit großen Reichthümern wieder verließ. Tiese Scheu der Inden vor Siam und seinen Bewohnern konnte indeß den europäisch erzogenen und hochgebildeten König dieses Landes, Ehulalonkorn, nicht abhalten, einen jüdischen Kaufmann, Herrn S ch ö n b e r g e r, zu seinem Consul in Wien zu ernennen, und er lieferte so den Beweis, daß Bildung und Wissen von allen confessionellen Vorurtheilen frei macht. Ein anderer Glaubensgenosse hat sich die Ginist dieses Fürsten in so hohem Grade.erworben, daß dieser ihm gestattete, einige Minen auf der Halbinsel Malakka, die noch zu L-iam gehört, auszubeuten, und ihm zugleich auch jede mögliche Unterstützung dabei zusagte. Derselbe heißt Angelo L u z z a t t i, stammt ans der oberitalienischen Stadt Asti und ist seinem Berufe nach Ingenieur. Herr Lnzzatti, der bisher in Indien gelebt nnd gewirkt hatte, kam mit einem Empfehlungsschreiben des Bicekönigs dieses Reiches, Lord T u f f e r i n, an den englischen Gesandten in Bangkok, der Hauptstadt Siams, nach dieser Stadt; es gelang ihm, sich bald die Sympathien der dortigen europäischen Eolonie, besonders des englischen Gesandten, zu erwerben, so daß er schon nach kurzem Aufenthalte Zutritt in die besten Häuser und Kreise fand. Bald darauf wurde er auch vom Könige Chulatoukoru zur Audienz befohlen, und die Gunst des Landesfürsten öffnete ihm die Pforten zu den Ministern und Großen des Reiches. Einen besonderen Freund fand er an dem Minister des Auswärtigen, Prinz Chrom Mon Teva Wongtze, der gleich seinem Souverän eine gründliche abendländische Bildung besitzt. Unser Glaubensgenosse verstand es, sich in kurzer Zeit bei diesem Staatsmanne so beliebt und geachtet zu machen, daß dieser ihn in Begleitung eines hohen siamesischen Functionärs und auf einem eigens dazu ausgerüsteten Kriegsdampfer nach der Halbinsel Malakka schickte, damit er die ärarischen Bergwerke durchforsche, und er gab ihm auch die nöthigen Empfehlungsschreiben an die dortigen Statthalter mit. Nach Bangkok zurückgekehrt. überreichte er seinen! Gönner, dem Minister des Auswärrigeu, ein Memorandum über die Ergebnisse seiner Forschungsreise, das dieser dem Könige unterbreitete. Letzterer befahl das Schriftstück in's Siamesische zu übertragen, auf Staatskosten drucken und im ganzen Laude vertheilen zu lassen. Als Lohn für seine Arbeit erhielt der Amor des Memorandums von der Krone ein Stück Land in der Provinz Bangtaphen, das zehn Meilen lang und vier Meilen breit ist, überwiesen, um auf demselben Nachgrabungen nach Gold anstellen zu lassen. Dem Beispiele des Königs folgend, beeilten sich die Minister, ebenso auch die Großen des Landes und viele in Bangkok residirende einheimische und fremde Capitalisten, Herrn Luzzatti beträchtliche Summen zur Verfügung zu stellen. Viele Europäer in Bangkok, die sich schon seit Jahren vergeblich bei der siamesischen Regierung bemüht haben, um die Concession zur Ausbeutung einiger Bergwerke zu erlangen, sahen es mit Neid, daß Herrn Luzzatti binnen kurzer Zeit das gelungen ist. wonach sie schon seit Jahren vergebens gestrebt. Ter „Siam Weekln Adversiror", der in Bangkok erscheint, nannte diese Eoncessionsertheilung an Herrn Lnzzatti, „eines der wichtigsten Ereignisse im Königreich Siam." Eine tragikomische Rolle spielt jetzt der jüdische Judenfresser Dr. Max Anton L ö w. Er hatte sich an die Antisemiten herangebiedert und offenbar gedacht, daß es doch nicht das Privilegium arischer Advocaten sein könne, mit dem Antisemitismus Geschäfte zrt machen nub das Glück ihrer Kanzleien auf ihn zu gründen. Mit gutgespieltem Fanatismus stellte er bei der Vertheidigung des Pfarrers Deckert seinen festen Glauben an den von den Juden prakticirten Ritualmord zur Schau und wetteiferte mit Schneider und Gregorig in der Colportirung der albernsten Uebertreibung des Judenfraßes. Nun meinte er endlich für voll gelten zu dürfen, und da die Christlich-Socialen darangehen, die Eiseilbahnerorganisatioll zn benützen, um im Trüben zu fischen und Vereine zu gründen, an denen Herr Guttenberg sein Wohlgefallen haben kann, glaubte Dr. L ö w seine Stunde gekommen, trat als Redner in Versammlungen auf ititb suchte Einfluß auf die zu gründende Organisation zu gewinnen. Ob er Präsident oder vielleicht nur Rechtsconsulent der christlich-socialen Eisenbahner werden wollte, ist nicht ganz klar geworden. Sicher aber ist, daß er von Schneider und G r e gori g im „Deutschen Bolksblatt" ganz unzweideutige Fußtritte bekommt, so daß die k. k. Staatsbahnbediensteu, bei denen er sich eingenistet hat, ganz verblüfft sind; sie hatten gedacht, sicher zu gehen, wenn sie sich einen fanatischen Antisemiten einwirthschaften, und werden nun belehrt, daß sie einen Juden erwischt haben. Der arme Dr. L ö w hat sich umsonst prostituirt. Alan muß jedoch sagen, der Schneider ist da grausam, aber logisch; man kann doch das antisemitische Gewerbe, fast das einzige, das seinen Mann noch nährt, nicht auch noch durch die jüdische Concurrenz zugrunde richten lassen. („Arb.-Ztg.") Daniel Sanders. K l e o n R a n g a b e, der griechische Gesandte zu Berlin, hat an den Bruder des jüngst verstorbenen Daniel Sanders, Herrn Senator Alexander Sanders in Sttelitz, folgendes Beileidstelegramm gerichtet: „Ihr verewigter Bruder stand in engen titerarischen Beziehungen niit meinem Baker und seit zwanzig Jahren mir mir selbst. Ich beweine mit Ihnen den schmerzlichen Verlust. Ter große Gelehrte und Philhellene wurde in Griechenland allgemein geehrt, und das dankbare hellenische Volk wird ihm ein ewiges Andenken bewahren." Andrew White. Der wiederum zum Botschafter der Vereinigten Staaten in Berlin ernannte Dr. Andrew D. White, der unser Vaterland in vieljährigem Aufenthalte kennen lernte, hat unter dem Titel „N e n - D e u t s ch l a rr d" eine Schrift herausgegeben (Göttingen, Bandenhoeck und Ruprechts Verlag: 1 Mark), deren Charakter bündig gekennzeichnet wird durch den an die Spitze gestellten Ausspruch „einer der treuesten Seelen, die die alte Welt je der neuen geschenkt hat" : „Gott segne Deutschland! Die Zukunftsgeschichte des Menschengeschlechts und die menschliche Cultur bedürfen seiner." Darin heißt es j Wenn ich Deutschland irreligiös schelten höre, so muß ich des Wortes des Herrn gedenken: „Ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen" und ich rufe mir die großen und guten Männer — Katholiken, Protestanten und Inden —, welche zn allen Zeiten an der Besserung und Veredlung der Nation gearbeitet haben, nnd die unendliche Zahl Terer, die in Folge dessen besser und edler geworden sind, in das Gedächtniß zurück. Jüdische Aerzte. In einem Artikel von G. S e l l e über „K u r b r a n d e n b n rg i 1 ch e Leibärzte älterer Zeit" sinder sich folgender intere'- santer Passus: „Neben den Leibärzten des Kurt ü r st e »

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