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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-25 · 26 (25.6.1897) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
26 (25.6.1897)
Date
1897-06-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 526 Dr. Vlortz^s Wochenptzrifr Nr. 26 heidnifch-franzöfifchenGeistderGleichberechtigungund heischte die Erneuerung des alten Fluches. Kurz nach der Geburt des Knaben erging ein Edict, das alle Juden vor die Wahl stellte, entweder sich taufen zu lassen oder auf jede amtliche Stellung und Thätigkeit zu verzichten. Marx's Vater, ein angesehener jüdischer Rechtsanwalt und Notar, Advocat beim Landgericht, fügte sich dem Unvermeidlichen und trat mit der Familie zum Christenthum über. Zwanzig Jahre später gab der zum Manne herangewachseue Knabe die erste Antwort auf diesen Gewaltstreich in seiner Schrift über die Judenfrage. Und sein ganzes Leben war eine Antwort und war dieRevanche" Man sieht die Bedeutung, welche Liebknecht dem jüdischen Ursprung seines über das Grab hinaus verehrten Meisters und der gewaltsamen Bekehrung der Eltern desselben zuschreibt, offenbar auf Grund des Eindruckes, welchen ihm dessen Aeußerungen hinterlassen haben. Weniger bekannt als die Persönlichkeit des Vaters und die Thatsache, daß noch der Großvater nicht Marx, sondern Mordechai hieß, dürfte die Abstammung der Mutter fein; sie hieß mit ihrem Mädchennamen „Preßburg" und stammte von ungarischen Juden ab, die sich schon im 17. Jahrhundert in Holland niedergelassen hatten. Es war also ein Haus echt jüdischen Ursprunges, freilich durchtränkt von Voltairianismus, in dem Carl Marx aufgewachsen ist. Demgemäß schreibt auch ein Schriftsteller, Max Lorenz, welcher nicht übel Lust hätte, sich seinen eigenen königlich-preußischen Socialismus augsburgischer Confession, fern von aller jüdischen Concurrenz, eiuzurichten, in seinem Buche über „Die marxistische Socialdemokratie" (Leipzig 1896, Seite 49): „An dieser Stelle kann jetzt zusammenfassend constatirt worden, daß der Marxismus drei Bestandtheile in sich enthält: französischen Materialismus, deutsche Dialektik, englische Wirklichkeit. Und diese Drei sind zu Eins verbunden, nicht durch einen Franzosen oder Deutschen oder Engländer, sondern zusammen ge schweißt im Feuer jüdischen Geistes." Kann man bei Karl Marx von jüdischem Geiste sprechen? Sind seine Werke nicht vielmehr von unjüdischem und antijüdischem Geiste durchdrungen? Zur Klärung dieser Frage wird sich in unserer nächsten Nummer Gelegenheit bieten. £. Der sonderbare Festgast. Als die Rettungsgesellschaft ihr neues Heim eröffnete, da sah man unter den Festgästen Herrn Dr. Carl L n c g e r, den Bürgermeister von Wien. Dr. Lueger war heiter und aufgeräumt; auf seinen siegesbewußten Mienen spiegelt sich das selbstzufriedene Lächeln gethaner Wicht und freudiger Genugthuung ob des schönen Erfolges, den das ernste Streben humandcnkcndcr Männer endlich erreicht hatte. Ja, eigentlich hat Herr Tr. Lueger Riecht. Wenn wir einen Augenblick die Personen vergessen, die hier in Frage kommen, und uns den Genuß vergönnen, an die hiesigen Verhältnisse nicht zu denken, dann versteht man cs, wenn sich der Bürgermeister einer großen Stadt dessen freut, daß der reinen Humanität, der edlen, unterschiedslosen Nächstenliebe ein wohnlich Heim geschaffen wurde, llnd da mag sich der erste Bürger der Stadt in die Brust iverfcn und sich sagen, daß jenes Gemeinwesen, welches seiner Leitung anvertraut ist, Männer von humanem Denken und von opsermüthiger Freigebigkeit zu den Seinen zählt. . . . Darum also hat Tr. Lueger Veranlassung genommen, der Einweihungsfeicr des neuen Rcttungsgesellschafts-Heims beizuwohnen. Er fühlte sich als der berechtigte Vertreter jener Wohlthätcr mit dem offenen Herzen und dem offenen Geldbeutel, die es durch ihre munificentcn Spenden ermöglichten, daß die Schöpfung Jaromir von M u n d y's auf die gesicherte Basis materieller Gesundung geführt werde. Und die Funclionäre der Rettnngsgescllschaft sollten die Gelegenheit haben, den schuldigen Dank an die Gönner des Institutes deren berechtigtem Vertreter von Mund zu Mund abzustatteu. Und wo gibt es einen würdigeren Repräsentanten des wohlthätigcn Wien, als unseren Bürgermeister? Dr. Lueger hat so oft, freilich gegen gutes Geld, jüdische Mandanten vertreten, daß er es sich diesmal gestattete, sich jüdischen Elicntcn — aufzudrängen. Jene Juden, die nicht müde werden, die Rettungsgesellschaft immer auf's Neue zu beschenken, jene jüdischen Wohlthätcr, die bei freudigen und traurigen Anlässen, bei Hochzeiten und bei Geburten, sowie in ihren Testamenten jenes Institutes gedachten, dessen segensreiches Wirken vor Allem den armen ch r i st l i ch e n Proletariern zugute kommt, waren bei der Nettungsgesellschafts-Feier durch Dr. Lueger vertreten. Man konnte sic nicht Alle einladen. Einmal sind ihrer zu Viele, und dann sind gewiß arme und dürftige darunter, die zwar ihr Schärflein auf dem Altar der Nächstenliebe niederlegten, aber in ihrem zerschlissenen Arbeitsrock nur schlecht in den farbenreichen Prunk der Festversammlung gepaßt hätten. Wie gut ist cs, wenn man die Sache von diesem Gesichtspunkte betrachtet, daß wir einen Bürgermeister haben, der alle Farben spielen kann, außer — Scha m rot h, den es nicht touchirt, daß er und die Seinen in blinder Gehässigkeit demselben Institut den Todesstoß versetzen wollten, an deren Ehrentag nunmehr die Luegers und Strobachs ihre gesammelten Heucheleien und Unwahrheiten um eine neue bereichern. Der Festgast Dr. Lueger hat bei diesem Anlasse auch wiederum ein Wort unseres kaiserlicheil Herrn gehört. „Mein lieber Dr. Lueger" vernahm, wie der Monarch der Rettungsgesellschaft das Wort von den „bewährten Traditionen" znrief, denen das Institut zu seinem eigenen Heil und Segen „treu bleiben" müsse. Denselben Traditionen, die zu entwurzeln und zu vernichten die Partei des Dr. Lueger sich in ohnmächtiger Minirarbeit seit Jahren bemüht. Das war ein Kaiserwort, das vor Hunderten gesprochen wurde und Tausenden ins Herz ging. Nicht in der uncontrolirbaren Einsamkeit des Andienzsaales ist es gefallen, sondern von dem hellen, klaren Licht der Ocffentlichkeit wurde es bestrahlt. An diesem Kaiserwort läßt sich nicht drehen und nicht deuteln, keine jesuitischen Eommentare, keine gefälschten Eommuniguäs können es aus der Welt schaffen. In der Ansprache, die der K a i s e r an den Grafen L a m ez a n richtete, hat der sonderbare Festgast, „mein lieber Doctor Lueger" schlecht gepaßt. ._ Königin Victoria. London, Juni 1897. In allen Theilen des großen britischen Reiches, in welchem die Sonne nicht untergeht, feiert man diese Woche das Jubelfest der sechzigjährigen Regierung der Königin Victoria. Wenn England schon seit Jahrhunderten der Schirm der Freiheit, das Asyl der politisch Verfolgten aller Welt gewesen, die an der Küste Albions gelandet, hier ein neues ungehindertes Leben in Geschäftigkeit und Fleiß beginnen konnten, so ist es dies unter der glorreichen Regierung der Königin Victoria in noch höherem Maße geworden, deren hervorragendste Herrschertugend der Schutz der Schwachen ist, der Schwachen in jeder Gestalt: der Armen, der Kinder, der Frauen, der Kranken, für welche jeder Gattung während der letzten sechzig Jahre in England mehr als in allen früheren Jahrhunderten zusammen und mehr als auf dem ganzen Continent geschaffen worden ist, an Wohlfahrtsgesetzen und Einrichtungen; und zu den Schwachen gehören auch die politisch Verfolgten, die mit dem Fluche Kains beladen, heimatlos gemacht sind, und alle Pressionen der continentalen Mächte nach dem 48er Sturmjahre haben nicht vermocht, England zur Auslieferung der hieher Geflüchteten zu bewegen. Die Schwächsten aller Schwachen sind aber die Juden, und wenn sie auch schon seit den zweihundert Jahren, in welchen ihnen der Zugang zu der mächtigen Insel wieder geöffnet ist, hier unangefochten gelebt haben, so ist ihre vollständige Emancipation, doch erst unter der erlauchten jetzigen Herrscherin erfolgt, die eine wahre Freundin der Juden genannt werden kann und diese Judenfreundlichkeit allen ihren Unterthanen, dem ganzen großen britischen Volk mitgetheilt hat, so daß England letzt in Bezug auf antisemitische Strömung eine Ausnahme von ganz Europa, selbst von Frankreich macht. Hier können die antisemitischen Apostel, die gewiß auch England

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