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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-25 · 26 (25.6.1897) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
26 (25.6.1897)
Date
1897-06-25
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Ar. 26. Dl». BIOCll’S Jahrgang XIV. Centralorgan für die gesannnten Interessen des H. k. PoysparksUrn-Amt j Clearingverkehr! Nr. 810.976. i LrdnrNon und Adminigrslton:! Wien! t I., Jf»im KugaxtsnPtalU la* Telephon - Nr. 6535. « ■ --- --* - —■-- Wien. 25. Juni 1897. --^-— Erscheint jeden Freitag. -—fr- Brief-Adresse: Wien, I., Hauptpostamt — Fach. Telegramm-Adresse: Bloch's Wochenschrift Wien. Jndenthums. — D Bepigaorsta flir Srsterrrtch: f| Halbjährig 4 fl. 8 JIr. j| Einzelexemplare 38 kr. I lür’a AualanL: halbjährig 8 fl. — 10 Kr. ganzjährig 10 „ — 20 „ | Anzeigen: Die 4mal gespaltene Petitzeile 13 kr. >! »-■^= ^--Ak Inhalt. Leitartikel: Das „Judenthum eines Karl Marx". - Der sonderbare Festest. — Königin Victoria. — „Ungarn und die Juden". — V o m Jahrmarkt des Lebens: Spaltung im Lager der Zionisten. „Wozu brauchen wir jüdische Abgeordnete?" Zum Besuche des Königs von Siam in Wien. (5'ine tragikomische Rolle. Daniel Sanders. Andrew White. Jüdische Aerzte. Wider den Antisemitismus. Juden und Protestanten in Frankreich. Das Jahr>eitlampchen. - Einfluß der Juden auf den Handel und die Cultur im Mittelalter. — Unter den Juden Daghestans. Renan, Heine und Koheleth. Korrespondenzen: Wien, Mähren, Marienbad, Krakau, Jaroslan, Tcpliu, Czernowio, London, Berlin, Dresden, Würzburg, Algier, 'Athen, Konstantine, Helsingfors, Petersburg. — V e r m i s ch t e s : Wien, Groü-Cuzersdorf, Prag, Karlsbad, Lemberg, Berlin, Paris, Washington, London, Lemberg, New-Pork, Jaffa. — Feuilleton: Ans dem Leben eines jüdischen Advocaten. Die bessere Welt. — Literarische Notiz. — Briefkasten. — Inserate. Das „Judenthum" eines Karl Marx. Was ist Judenthum? Ist es eine Religion, ein Volksthum, eine Gesinnung, eine Geistesanlage? Geheimnißvoll, bei Hellem lichtem Tag, zieht das Judenthum durch die Ahnensäle der Geschichte dahin und über ihre Schädelstätten hinweg; wer will es erkennen und sagen: ich umfasse es und beurtheile es nach Recht und Gerechtigkeit sammt allen seinen Ausläufern, sammt allen seinen Segnungen, sammt allen seinen Verirrungen? In den doppelten Schleier ihrer heiligen Sprache und ihrer uralten Sitte gehüllt, schreitet die Tochter Zions dahin und klagt um das Los ihrer Söhne am Grabe der Völker, Die Israel verfolgt haben. Wird es Tag in den Köpfen, so zieht ihr eine Wolkensäule voraus, aus der jüdischer Unternehmungsgeist sich befruchtend ergießt wie der Regen über die durstige Erde; wird es dunkel in der Welt, so leuchtet wie eine Flammensäule jüdisches Schristthum und jüdische Ueberzeugungstreue den Völkern voraus im Kampfe für die Freiheit des menschlichen Gewissens, der menschlichen Arbeit. Wenn man den Juden gerade nichts Anderes vorzuwerfen weiß, so hält man ihnen ihre revolutionären Denker vor, ihren Heine, ihren Lassalle, ihren Marx, namentlich den Letzteren. Sein „Einbruch in die moderne Gesellschaft" soll „echt jüdisch" sein; nur ein Jude habe eine so zersetzende Kritik an der modernen Gesellschaft üben können, wie der Begründer der weltbedrohenden „Internationalen" nnd der weltunterwühlenden Socialdemokratie; dabei übersieht man offenbar Friedrich Engels, den waschechten Arier, seinen intimsten Geistesbruder und Mitarbeiter. Gleichwohl lassen wir es uns meistens ganz gerne gefallen, wenn Earl Marx als der Gewaltige, der dem neunzehnten Jahrhundert so gut wie Darwin oder Bismarck seine Signatur gegeben hat, unseren Reihen zugezählt wird. Hie und da versucht man ihn freilich in jüdischen Kreisen abzuschütteln. Carl Marx sei gar kein Jude gewesen, heißt es dann, nie habe er in einer Synagoge sein Gebet verrichtet, schon als sechsjähriges Kind sei er zu Trier am Rhein „mit Erfolg" getauft worden. Aber mit dieser Ableugnungsmethode kommt man nicht weit; denn das Erste, worauf der Blick jedes Beobachters verweilt, das Erste, was von jeher an Carl Marx registrirt worden ist, war fein Judenthum. Kein Wunder! Schon sein Aeußeres war unverkennbar das des Juden, von dem schwarzen, mähnenartig gewellten Haupthaar, dem glühenden Auge, den buschigen Augenbrauen und dem dichten, krausen, schwarzen Vollbart bis zu dem schief zugeknöpften Rock des weltvergessenen, spiegelentfremdeten Stubengelehrten Ein polizeiliches Signalement des 34jährigen Revolutionärs registrirt als besondere Kennzeichen: ,,a) Erinnert in Sprache und Aeußerem etwas an seine jüdische Herkunft, b) Ist schlau, kalt und entschlossen." Dementsprechend ist auch das Erste, was Freund und Feind an Carl Marx hervorhebt, sein Judenthnm. In der anekdotenreichen Schrift, welche sein treuer Schüler und Verehrer, der greise SocialistenführerL i e b k n e ch t, unter dem Titel „Carl Marx zum Gedächtniß" gegen Ende des vorigen Jahres veröffentlicht hat, beginnt der Lebensabriß mit folgenden Worten, welche auch, abgesehen von Marx, für jeden I u d e n ihr selbstständiges Interesse besitzen: „Am 5. Mai 1818 wurde zu Trier — in der ältesten deutschen Stadt — zwischen den Denkmälern römischer Cultur und den noch frischen Spuren der französischen Revolution, die das Rheinland vom mittelalterlichem Wüste gereinigt halten, in einer jüdischen Familie ein Sohn geboren: Carl Marx. Erst vier Jahre waren verflossen, seit die Rheinprovinz von Preußen in Besitz genommen worden war, und die neuen Herren beeilten sich, im Dienste der „Heiligen Allianz" christlich-germanisches Wesen an Stelle des heidnisch-französischen zu setzen. Die heidnischenFranzosen hatten die Gleichberechtigung Alles dessen» was Menschenantlitz trägt, in den deutschen Rheinlanden verkündet und von den Juden den Fluch tausendjähriger Verfolgung und Unterdrückung abgenommen, sie zu Bürgern undMenschen gemacht. Der christlich-germanische Geist derzeitigen Allianz" verdammte den

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