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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-18 · 25 (18.6.1897) · page 22

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
25 (18.6.1897)
Date
1897-06-18
Page
– (sequence 22)
Language
German
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Seite 622 Vr. B Lochs Wochen,chrtfL Muster einer braven, sorgsamen Hausfrau, und so ist es denn kein Wunder, daß in der Guth'schen Restauration, II., Stephaniestraße Nr. 6—8, Küche und Keller auf das Beste bestellt sind und das Restaurant immer gut besucht ist, auch von Bewohnern anderer Bezirke. Frau Guth ist eine herzensgute Frau und im Stillen hat sie schon manchen Wohlthätigkeitsact verübt. Herr Guth ist Bürger von Wien und seit seiner Vermählung Gastwirth. Der überaus glücklichen Ehe entsprossen ein Sohn und vier Töchter, von welch' Letzteren eine mit dem Hof- und Gerichtsadvocaten Dr. Heinrich Wald verheiratet ist, eine zweite Tochter vermählte sich Sonntag den 13. d. M. Den silbernen Hochkamen an ihrem Ehrentage zahlreiche Gratulationen und Geschenke zu. Brün«, 17. Juni. Heute fand um 12'/, Uhr im hiesigen israelitischen Tempel in Anwesenheit vieler Tuchfabrikanten und hervorragender Persönlichkeiten der Geschäftswelt die Trauung von Frl. Bertha Eckstein, Tochter des Tuchgroßhändlers Herrn Laza r Eckstein mit Herrn Dr. M ax H erd a u statt. Gr.-Meseritsch. (Todesfall.) Am Donnerstag den 3. Juni l. I. wurde Herr David Kellner, Dampfmühlenbesitzer in Rossitz, hierorts zu Grabe getragen, ein Mann, der durch sein langjähriges humanes und gemeinnütziges Wirken große, unvergängliche Verdienste um unsere Gemeinde sich erworben hat. Durch frommen, gottergebenen Lebenswandel, durch Wohlthätigkeitssinn und durch vorzügliche Charaktereigenschaften erfreute sich der sel. Verstorbene allgemeiner Beliebtheit und stand in- und außerhalb der Geschäftswelt in großem Renommee. Als Mitglied des hiesigen Stadtverordneten-Collegiums, namentlich aber als Cultusvorsteher wirkte er äußerst verdienstvoll und seiner Initiative, seiner Umsicht und energischen Thatkraft ist die Erbauung eines neuen Tempels, wozu er Opfer an Geld, Zeit und Mühe brachte, hierorts zu danken. Dadurch hat er sich ein Monument gesetzt, das noch späten Geschlechtern seinen Ruhm verkünden wird. Sein Leichenbegängniß gestaltete sich zu einer allgemeinen, großen Trauerkundgebung. Es wurde ihm die seltene Ehre zu Dheil, daß sein Leichnam in den Tempel getragen und vor der Estrade aufgestellt wurde. Nach Absingung der üblichen Trauerpsalmen durch Obercantor Steiner, bestieg Herr Rabbiner Dr. Weiner die Kanzel, um der tiefbewegten Trauerversammlung ein treues Bild von dem Leben und Wirken dieses ausgezeichneten Mannes zu geben. In der Friedhofcapelle widmete Herr JUDr. Rosenfeld, als Schwiegersohn, dem theueren Verblichenen einen Nachruf, wobei er tiefbewegt Worte des Dankes und die heilige Versicherung aussprach, den Hinterbliebenen Schützer und Hüter zn sein. Am offenen Grabe sprach noch Herr Obercantor Steiner nach Verrichtung des üblichen Seelenheilgebetes im Namen der Gemeindefunctionäre Worte des Abschieds. Der unübersehbare Leichenzug gab Zeugniß von der hohen Achtung und Werthschätzung des Verblichenen. An der Leichenfeier betheiligten sich corporativ: Der Stadt- und Cultusvorstand von Gr.-Meseritsch und die israelitische Schuljugend daselbst, dann der Gemeinderath, die Feuerwehr und die Bergbau-Gesellschaft von Rossitz, sowie viele Trauergäste und Honoratioren. I. St. Czerrrowitz. (Todesfall.) Am 13. Juni ist unser Glaubensgenoffe Herr Berisch Nathansohn nach langem schweren Leiden im 61. Lebensjahre in Breslau verschieden und am dortigen Friedhofe beerdigt worden. Podwoloczyska, 3. Juni 1697. „Ein jeder Druck erzeugt einen Gegendruck" und die hiesigen Aufgeklärten sahen die Nothwendigkeit ein, sich ein eigenes Bethaus, wo im Sinne der alten „Aschkenasim" gebetet werde, zu gründen. Sie waren bis vor etwa anderthalb Jahren sozusagen zerstreut — an Tagen der „Seelenandacht", der „Jahreszeiten" konnte man sie zersplittert in verschiedenen Bethäusern, wo ausschließlich „sephardisch" gebetet wird, finden — ein Aschkenas- Minjan existirte hier nicht, obleich die Zahl unserer Modernen stets eine recht nennenswerthe war. Rosch-Haschanah und Jom-Kipur mußte in Ermangelung eines geeigneteren Locales in der Börse gebetet werden — der Borbeter trug den „Aschkenasim" sephardischen Text vor! Einigen wackeren Männern ward es jedoch Vorbehalten, ein ausschließlicher Aschkenas-Bethaus zu creiren, das nun in schönster Blüthe steht und sechzig Mitglieder zählt, die dazu mit mannhafter Stärke halten. Am 1. d. M. gaben sie das erste Sefer - Thora aus eigenen Mitteln. Das war aber eine Genugthuung, wie die Thora das Bindemittel, der Kitt aller Juden, die alle um sich brachte, die intelligentesten Männer unseres Ortes und deren Frauen. Die Ber- Nr. 25 sammlung war distinguirt und der Augenblick des erhaben-feierlichen Ortes begeisterte sie — sie schaarten sich um ihre Thora. Der unermüdliche selbstlose Berwaltungsrath: die Herren Robert Wiesel. Simon Messing, Max Messing und Adolf Wurzel ernteten wohlverdienten und tiefgefühlte» Dank von allen Mitgliedern. Schwungvoll war der Gruß des Schriftführers Herrn Wurzel; kraft- und sastvoll der Toast des Herrn Sch. Günsberg — reichlich waren die Spenden zu Gunsten des Bethauses — echt jüdisch-brüderlich der Abendschmaus. In gehobener Stimmung und später Nachtstunde ging die Gesellschaft, nachdem das Sefer der Lade übergeben und das Kaiserlied begeistert gesungen und von der Musik bekleitet wurde, auseinander und der erste Morgenthau reifte in den Köpfen unserer für alles Schöne und Erhabene sich begeisternden Frauen den Entschluß, dem Sefer» Thora einen „Kesse r" zu widmen, dem Verdienste die Krone aufzusetzen. — Möge ihr Vorhaben bald realisirt werden. Iwri. Karlsbad. (Ordens-Verleihung.) Anläßlich der Einweihung der neuerbauten russischen Kirche verlieh der Kaiser von Rußland dem Stadtrathe Dr. F l e i s ch n e r den Stanislausorden. E. B. Proftnitz. (Verlob u n g.) Fräulein Hoff, Tochter des verewigten Rabbiners Dr. E. Hoff, gesegneten Andenkens, hat sich mit Herrn Wilhelm I u d i g, Vertreter der Großkinkindaer Dampfmühle, verlobt. Amstetten, 13. Juni 1897. Ueber Erlaß der hohen k. k. niederösterreichischen Statthalterei vom 12. Mai 1897, Z. 38.451, ist der Name der israelitischen Cultusgemeinde Mbs a/D. in den Namen Israelitische Cultusgemeinde Amstetten umgeändert worden. Wartberg. Frl. Anna Popper, Tochter des Oekouoiiteit und Vorstandes der hiesigen israelitischen Cultusgenieinde Herrn Max P o p p e r, hat sich mit Herrn Adolf Schlesinger, Chef der Weingroßhandlungsfirma Ignaz Schlesinger in Komorn, verlobt, Amsterdam. Es hat sich hier ein Verein zu dem Zwecke gebildet, das Haus, in welchem Spinoza (in Rheinsberg bei Leyden) von 1660— 63 gelebt hat, zu erwerben und in ein Spinoza-Museum umzuwandeln. Paris. Der Maler Edouard Emile y P e r e i r a B r a nd o n, dessen meisterhaft ausgeführte Fresken in Santa Brigitta in Rom so berühmt geworden sind, ist gestorben. 1831 als Sohn portugiesischer Juden in Lissabon geboren, studierte er bei Montfort in Paris; Corot war sein intimer Freund. St. Petersburg. Der berühmte Bildhauer Antokolsky hat den Auftrag erhalten, für das Nationalmuseum eine Statue Alexander III. auszuführen. Ramsgate. Dem 60jährigen Regierungsjubiläum der Königin zu Ehren hat Mr. Maurice Beddington auf der Insel Thanet einen großen Bauplatz zur Errichtung des Reconvalescentenheims für Frauen, welches die Grafschaft Surrey zur Erinnerung an den glorreichen Tag zu erbauen beschlossen. San Francisco. Rev. Isidore M y e r s ist zum Rabbiner der „Ohabei Sholom" gewählt worden. Tunis. Herr P a r i e n t e, der ausgezeichnete Director der Knabenschule in Tunis, ist zum Officier (höherer Angestellter) des öffentlichen Unterrichts ernannt mordest. Neu-Seeland. Miß Ethel Rebecka Benjamin ist zum Advocaten am Obersten Gerichtshof in Neu-Seeland ernannt worden. Sie ist die erste Dame, die zur Praxis zugelaffen worden ist. Miß Benjamin ist die älteste Tochter (von 12 Kindern) des Mr. Henry Benjamin in Dunedin und noch nicht 25 Jahre alt. Feuilleton. Die bessere Welt. Novelle von Hermann Menkes. Karg und arm an Farbe ist der Frühling der galizischen Einöde; langsam, zögernd und unter heftigen Kämpfen vollzieht sich sein Kommen. Der Winter war rauh und erbarmungslos gewesen, reich an Schnee und Sturm und arm an Nahrung für die wenigen Bewohner des einsamen, entlegenen Dorfes Surowice. Die Noth stieg und stieg und in allen Hütten war der Hunger Gast. „Ein Gast, schlimmer als die Pest!" klagten die Bauern und sahen verzweifelt darein. An ein dürftiges Leben und schwere Arbeit waren sie gewöhnt, aber im letzten Jahre kam eine große Mißernte und der Steuereintreiber war härter als je. Wladimir

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