Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-18 · 25 (18.6.1897) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
25 (18.6.1897)
Date
1897-06-18
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021194--06850-3031150
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 518 Dr Vloch's Wochrnfchrtst Nr. 35 Prag, Jnowrazlaw, Kremsier, abgesendeten besonders herzlich gehalten sind. Zwei Tage später, am ersten Schewuothtage war der Gefeierte in der Rombachsynagoge von Seite seiner zahlreich versammelten Gemeinde Gegenstand fortgesetzter inniger Ovationen. Die letztverflossenen Tage gestalteten sich auch in anderer Hinsicht zu einer denkwürdigen Zeit für die jüdische Bevölkerung der ungarischen Hauptstadt. Zu Beginn der abgelaufenen Woche wurde nämlich ein schlichter, kinderloser, jüdischer Kaufmann zu Grabe getragen, der, wie sein nun veröffentlichtes Testament zur Verwunderung der Welt documentirte, einer der edelsten Sterblichen war, die je unter uns hienieden gewandelt sind. Salomon Taub hieß dieser kaum gekannte Philantrop, der mehr als 600.000 Gulden, die größere Hälfte seines durch ehrlichen Handel und Sparsamkeit mühsam erworbenen Vermögens jüdischen und hauptstädtischen Wohlthätigkeitsinstituten vermachte. Den Hauptantheil an Legaten erhielten: das Adele Brody- Kinderspital, das zu erbauende israelitische Bliudeninstitut und das zu errichtende jüdische Gymnasium, je 100.000 fl. Einige Tage später schied auch eine edelherzige Frau, Witwe Jacob Boschan, geb. Csillag, aus dem Leben, die ihr einen Werth von 200.000 fl. repräsentirendes, vierstöckiges Haus, gegen die Uebernahme der Verpflichtung zur Auszahlung einiger kleinerer Legate, dem Landes-Rabbinerseminar testirte. Die Humanität hält also reichliche Ernte in den von jüdischen Händen sorg- und mühsam aufgehäuften Schätzen. Die Besitzer derselben suchten nicht darin die Befriedigung ihres Daseins, ihr Vermögen an wohlbesetzten Tafeln, in fashionablen Weltcurorten, in Turffreuden kurz in der Nachäffung aristokratischer Gewohnheiten zu genießen, sondern erquickten sich bei Lebzeiten an den beseeligenden Gedanken, mit ihrem im Schweiße ihres Angesichtes erworbenen Gelde die Noth und das Elend ihrer Mitmenschen zu lindern. Kann es angesichts solcher, bei uns Gott sei Dank eben nicht sporadischen Erscheinungen Wmrder nehmen, wenn der Antisemitismus bei uns, so oft er sein Haupt erheben will, von Niemandem gestützt, immer wieder ohnmächtig in den Schlamm seiner Brutstätte zurücksinkt und selbst Kirchenfürsten bei jeder sich darbietenden Gelegenheit die alten Tugenden unseres Stannnes rühmend hervorheben, wie dies gerade in den letzten Tagen, am 4. d. M., auch der edle Bischof von Neusohl, Dr. Karl Rimely that, als ihn während seiner Firmungsreise auch die Altsohler jüdische Gemeinde begrüßte und er auf ihre Ansprache Folgendes erwiderte: „Sehr geehrte Abordnung! Empfangen Sie für Ihr freundliches Erscheinen und Ihre herzlichen wünsche meinen innigsten Dank. Seien Sie versichert, daß ich stets der beste Freund der Israeliten war, da ich Jahre hindurch ihre Tugenden, ihren Fleiß und ihre lautere Vaterlandsliebe schätzen lernte. Wenn ich jetzt in die Tiefe meiner Seele blickte, so nehme ich wahr, daß der Friede auch unter verschiedenen Confessionen aufrecht erhalten werden kann, wenn Jeder seine Pflicht treulich erfüllt. Bei den Israeliten bewunderte ich stets besonders die Heiligkeit des Familienlebens, welche man eigentlich nicht sattsam rühmen kann. An dem Aufblühen unseres guten ungarischen Vaterlandes sind wir Alle, ohne Unterschied des Glaubens, gleichgestellte Arbeiter, weshalb ich Sie versichere, daß ich unter den in meinem Kirchensprengel wirkenden Seelsorgern die Achtung für die Israeliten immer pflegen und verbreiten werde. Ich danke Ihnen nochmals für Ihr freundliches Erscheinen, das mir zur großen Ehre gereichte." B. M. Budapest. Das Pester israelitische Spital, dieses musterhaft geleitete humanitäre Institut, veröffentlicht soeben seinen Bericht pro 1896, der ein umfassendes Bild von der segensreichen Thätigkeit dieses Krankenhauses bietet. Das Spital hat im Millenniumsjahr, das 92. Jahr feines Bestandes, das 55. seit Errichtung des Fabrikengassen-Spitals und das 8. seit der Einweihung des neuen Spitals erreicht. Im abgelaufenen Jahre ist das Spital auf dem Gipfel seiner bisherigen Thätigkeit angelangt. Es wurden 1580 bettlägerige Kranke (gegen 1528 im Vorjahre) gepflegt, und zwar auf der internen Abtheilung 806, auf der chirurgischen 536, auf der ophthalmologischen 238; unentgeltlich gepflegt wurden 464 Kranke, darunter 239 Nichtjuden. Die Gesammtzahl der ambulanten Patienten betrug 15.155, die Zahl der ambulanten Ordinationen 54.984'55 Percent der ambulanten Patienten waren Nichtjuden. Die Gesammtzahl der behandelten Kranken betrug 16.735 (gegen 15.867 im Vorjahre.) Die Armenärzte (Dr. Jakob Erdelyi, Dr. Simon Budai, Dr. Moriz Neumann und Dr. Leopold Nädas) behandelten 5618 Kranke, so daß die Gesammtzahl der behandelten Patienten 24.476 betrug. Die gesammten Ausgaben des Spitals beliefen sich auf 69.607 fl. 17 kr. Der Jahresbericht bringt zunächst eine reich illustrirte Geschichte des Spitals aus der Feder Dr. Felix Rözsa's, daun folgt die literarische Thätigkeit der ordinirendeu Aerzte und hierauf der eingehende Bericht über die einzelnen Abtheilungen des Spitals. An der Spitze dieser Abtheilungen stehen die sowohl als Specialärzte wie als Schriftsteller zu den Ersten ihres Faches gehörenden Primarärzte Professor Berthold Stiller, Spitalsdirector und Leiter der internen Abtheilung; Universitätsdocent Dr. Jonas Bäron, Leiter der chirurgischen Abtheilung; Professor Dr. Adolf Szili, Leiter der ophthalmologischen Abtheilung. Ueberdies ordiniren an der Anstalt die namhaften Specialisten Docent Dr. Adolf Onodi, Dr. Emerich Berczeller und Dr. Sigmund Szenes. Zum Schluffe fei noch der großen Verdienste des Präsidenten der Spitalscommiffion Leopold Keppich und des Oeconomen Julius Adler gedacht. Das Testament eines Wohlthäters. In aller Stille hat man vor drei Tagen einen Greis zur ewigen Ruhe bestattet, der — erst jetzt nach seinem Ableben — durch besonders hochherzige Stiftungen von sich reden macht. Wie aus dem behördlich geöffneten Testament des am 6. d. M. verblichenen Kaufmannes Salamon Taub ersichtlich ist, hat er einen erheblichen Theil seines Vermögens, nahezu 700.000 Gulden, hauptstädtischen Wohlthätigkeitsvereinen und Humanitären Instituten ohne Unterschied der Confession testirt. Taub erreichte ein Alter von 85 Jahren. Er war Hagestolz und lebte seit zwanzig Jahren in stiller Zurückgezogenheit, einfach und bescheiden. Durch seine Redlichkeit und seinen Biedersinn erwarb er sich bedeutendes Vertrauen, so wurde der sparsame Kaufmann ein steinreicher Mann. Taub sparte immer, um für die Armen und Nothleidenden möglichst viel geben zu können. Er hinterläßt — wie man uns mittheilt — ein Vermögen von anderthalb Millionen Gulden. In besonders munificenter Weise gedachte er des Adele Brüdy-Kinderspitals, welchem er 20.000 fl., des freiwilligen Rettungsvereines, der Akademie der Wissenschaften 2000 fl. der beiden Waisenhäuser der israelitischen Cultnsgenreinde, denen er je 30.000 fl. gespendet haben soll. Er hinterließ ferner 12.000 fl. mit der Bestimmung, daß mit dieser Summe ans den königlichen Versatzämtern die mit weniger als fünf Gulden belehnten Pfänder verschämter Armer ausgelöst werden sollen. Für ein jüdisches Gymnasium ferner für das neue Asyl jüdischer Blinden, je nahezu eine Viertelmillion, dem jüdischen Spitale 20.000 fl., dem israelitischen Handwerker- und Ackerbauverein 10.000 fl., dem Siechenhause 5000 fl., dem jüdischen Stipendiumfonde 3000 fl., zur Bekleidung armer Altofner Schulkinder 2000 fl., dem Budapester Kinderasyl wie dem Asyl für Obdachlose je 1000 fl., dem Pester israelitischen Frauenvereine wie der Volksküche je 10.000 fl., dem Taubstummeninstitut 20.000 fl., dem Budapester kaufmännischen Spitale, dem Blindeninstitut, dem Clotild-Vereine und dem Journalisten-Pensionsfond je 500 fl., ferner 15.000 fl. für arme jüdische Schüler vom Lande rc. rc. Bei Abfassung des Testamentes hat den Verewigten ein Neffe, Herr Carl Bachruch, berathen, zu Vollstreckern seines Testaments hat der Verblichene die Herren Jacob Deutsch, Präsident des israelitischen Waisenhauses, ferner Alexander Wahrmann und Samuel Fleischl ernannt. Todesfall. Am 5. d. M. verschied Herr Eduard Stricker, Besitzer der Gäcser Tuchfabrik, der größten und ältesten im Lande, im 73. Lebensjahre. Herr Eduard Stricker war ein hochangesehener Mann, den man sowohl wegen seines hochehrenhaften Charakters, als wegen seiner Güte und Menschenfreundlichkeit schätzte. In Gäcs hat er einen Tempel und eine Schule erbaut. Sein Leichenbegängniß gab Zeuguiß von dieser besonderen Werthschätzung, deren er sich erfreute, da sich das Trauergeleite aus den Angesehensten der Gemeinde und der Bürgerschaft recrutirte. Auch der Pfarrer von Gäcs, sowie die Fabriksarbeiter waren da und diese trugen den Sarg des Verewigten, der ihnen stets ein gütiger Herr war. Seine edle Gattin, ein werkthätiges Mitglied des Pester israelitischen Frauenvereins, ein häufiger Gast an den Stätten der Armuth, wo sie Trost und Hilfe spendet, und drei Töchter beweinen in dem Verewigten den zärtlichen Gatten und Vater. Budapest. Der ungarische Juristenverein hielt am 30. Mai l. I. unter Vorsitz des Geheimrathes C a r l Cs em eg y seine Jahresversammlung ab. Gewählt wurden folgende Glaubensgenossen: Hugo Beck, Bicepräsident; Ladislaus

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.