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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-18 · 25 (18.6.1897) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
25 (18.6.1897)
Date
1897-06-18
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 516 Vr. Vloch's Wochrnkchrtfi Nr. 35 trachtete dieselben gleichsam als Unterpfand der Liebe. Nach längerer Zeit kam endlich der Fürst von seiner weiten Reise zurück und rief bei seiner Ankunft ganz erstaunt seiner Gattin zu: „Ich bewundere, meine Tochter, Deine Treue gegen mich, wie Deine seltene Ausdauer!" „Ware ich nicht", entgegnete sie, durch die vielen Verschreibungen, die Du mir gemacht, von Deiner wahren aufrichtigen, innigen Liebe und Treue zu mir überzeugt gewesen, wahrlich die Spöttereien und ironischen Redensarten meiner Freundinnen und Nachbarinnen würden mich wankend gemacht haben." So verfahren auch die Völker mit Israel. Sie rufen ihm höhnend zu: „Euer Gott hat sich von Euch entfernt, seine Herrlichkeit thront nicht mehr unter Euch." Israel erträgt aber resignirt und gottergeben diese Spottreden, verfügt sich in seine Synagogen und Lehrhäuser, nimmt die Thora zur Hand und liest in derselben die Verheißungen: „und ich wende mich zu Euch, ich breite Euch aus und nehme meinen Wohnsitz wieder unter Euch, ich wandte unter Euch" (3 M. 26, 9—13), die es besänftigen und ermuthigen. Wenn aber die Zeit der Erlösung herauuahen wird, wird Gott der Herr seinem Volke zurufen: „Ich bewundere Euere Treue und seltene Ausdauer." Israel antwortet dann: „Herr der Welt, hättest Du uns nicht die Thora mit ihren Verheißungen und herrlichen menschenbeglückenden Lehren verliehen, wahrlich wir wären in Folge der uns von den Völkern, die wir als unsere Freunde und Mitbrüder betrachten, zugefügten Schmach und Schande wankend gemacht worden." Das ist eben der Sinn der Worte. „Doch erwidere ich dies meinem Herzen, und Hoffnung kehrt zu ihm (Gott) zurück." Ebenso hat der Psalmist ausgerufen: „Hätte mich nicht Deine Thora erfreut und erquickt, wahrlich, ich wäre in meinem Elende zu Grunde gegangen." (Psalm 19.): „So hoffet und vertrant auf Gott und rufet täglich zweimal inbrünstig aus: „Höre Israel, der Ewige, unser Gott, ist ein einig einziger Gott." (Midr. v. Echa 3.) Correspondenzen. Wie». Der berühmte Ohrenarzt Professor Dr. Josef G r u b e r vollendet am 3. August sein 70. Lebensjahr. Aus diesem Anlasse findet am 16. October d. I. eine von den hervorragendsten Vertretern der Oiiatrie in Europa veranstaltete Jubelfeier statt; zur Erinnerung an dieselbe wird eine Bronceplaquette mit dem Reliefbildnisse des Jubilars augefertigt werden, welche an die Schüler und Verehrer des Gefeierten vertheilt werden wird. Cougreß der Ohrenärzte. Am 27. und 28. d. M. findet in Wien unter dem Vorsitze des Präsidenten der Oesterreichischen otologischen Gesellschaft, Professor Adam Pollitzer, der Congreß der österreichischen Ohrenärzte statt. Auf der Tagesordnung stehen unter Anderem Vorträge der Professoren Gruber, Pollitzer und Urbantschitsch, der Docenten Gomperz und Pollak, ferner des Dr. Falta (Szegedin), Dr. Hammerschlag, Dr. Panzer und Dr. Svira (Krakau). Wie». (A u s w e i s.) Eingegangene Spenden zum Baue eines Tempels in der Brigittenau: Herr Adolf Weiß 100 fl., Herr Heinrich Weiner ft'ir Blocks 30 fl., Herr Eduard Steiner 20 fl., Herr A. M. Opper 10 fl., Herr E. H. Beer 5 fl., Herr Salomon Rose 5 fl., Herr Alb. Perlhefter 5 fl., Herr. Moriz Dinkelspiel 5 fl., Herr Rudolf Fleischer 2 fl., Herr Alois Kolben 2 fl., Herr Dr. B. Wald 1 fl., in Summa 185 fl., bereits ausgewiesen 10.990 fl. 50 kr., im Ganzen 11.175 fl. 50 kr. Grotz-Enzersdorf, 10. Juni. (Feierliche Grundsteinlegung.) Heute Vormittags fand hier die solenne Grundsteinlegung zu dem vom hiesigen Minjan-Vereine anläßlich des 50jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät des Kaisers zu erbauenden Gotteshause in überaus erhebender Weise statt. Die Feier gewann ein besonderes Lustre durch die Anwesenheit des Herrn Bezirkshauptmannes Statthaltereirath Freiherr v. Hock, welcher in Begleitung des Statthaltereiconcipisten Herrn Dr. v. M a u t h n e r um '/,10 Uhr mit der Dampftramway hier eintraf und bei seiner Ankunft von Herrn Bürgermeister March er, sowie vom Ehrenpräsidenten des Tempelbau-Comites, Herrn Josef Winkler, feierlich begrüßt wurde. Bor dem Bauplatze des neuen Gotteshauses war eine von Reisig und Draperien umsäumte Estrade errichtet worden, welche mit den^ Bildniffe des Kaisers, sowie mit Fahnen und Wappen geschmackvoll decorirt war. Hier hatten sich um 7210 Uhr die Herren Cooperator Ott als Vertreter ' des hochwürdigen Pfarrers, Landesgerichtsrath Eich in ge r, Adjunct Sicking er, Gemeinderath M a y e r h o f e r, k. k. Gutsverwalter Brandl, Oberlehrer Z i l l i n g e r, Lehrer H e i ß l, ferner der Floridsdorfer Rabbiner Dr. S. R o s e m a n n im Ornate, de'' Präses der Cultnsgemeinde Floridsdorf Dr. Jacob König mit den Vorstandsmitgliedern Emanuel G r ü n w a l d und Frischm a n n, ferner als Vertreter der Minjan-Vereine in Korneuburg und Aspern die Herren Lederer unb G a l l i a eingefunden. An der Spitze des Tempelban-ComitLs und der Mitglieder des hiesigen Minjan-Bereines erwartete der Obmann Herr Heinrich Reichsfeld den Herrn Bezirkshauptmann, welcher vom Herrn Bürgermeister M a r ch e r zum Festplatze geleitet wurde. Hier richtete Herr R e i ch s f e l d an den Herrn Statthaltereirath eine warm empfundene Ansprache, in welcher er der Freude über dessen Erscheinen Ausdruck gab und ihn einlud, den Ehrenplatz auf der Estrade einzunehmen. Nachdem Freiherr von H ö ck dieser Einladung Folge geleistet, trat der Ehrenpräsident, Stadtarzt Doctor Sigmund Bauer, vor und begrüßte die Versammlung, schilderte die Geschichte des ,,Minjan- Vereine s" seit dessen Entstehen und zeichnete in scharfen Worten die Idee zur bleibenden Erinnerung an die 50jährige glorreiche Regierung Seiner Majestät unseres erhabenen Kaisers und Herrn, Kaiser Franz Josef I., einen Vereiustempel in Groß- Enzersdorf neu zu erbauen, bis zum Jahre 1898 fertigzustellen und im Jubiläumsjahre einzuweihen. Im Namen des Comitss spricht er allen Gönnern und Freunden des Tempelbaues für die thatkräftige Unterstützung des patriotischen Werkes den Dank aus und schließt mit der Bitte an den hochgeehrten Herrn Statthaltereirath, er möge die Gewogenheit haben, die officielle Grundsteinlegung des zur Feier des 50jährigen Regierungsjubiläums unseres vielgeliebten Kaisers Franz Josef I. einzuweihenden Tempelgebäudes vorzunehmcn! Herr Statthaltereirath Freiherr von Hock erwiderte hierauf Folgendes: Geehrte Festversammlung! Mit großem Vergnügen habe ich der an mich ergangenen Einladung zu dieser schönen Feier Folge geleistet; mit großem Vergnügen deshalb, weil in dem Werke des Minjan-Bereines, das hier zur Thar werden soll, ein durch Opfermuth und durch die Hingebung an ein gemeinsames Ziel zustande gekommenes Unternehmen verwirklicht wird. Sie haben, geehrter Herr Doctor, soeben darauf hingewiesen, daß dieses Werk auch der Ausdruck patriotischer Gesinnung sei. Ich begrüße dasselbe auch in diesem Sinne auf das Freudigste nnd anerkenne, daß dasselbe der Unterstützung, welche es bei den Behörden gefunden, würdig ist. Lassen Sie mich die Hoffnung aussprechen, daß dieser Tempel eine Pflegestätte wahrhaft religiösen Geistes sein und bleiben werde, und wenn ich hieran noch eine Bitte fügen darf, so ist es die, daß an dieser Stätte der Andacht Dasjenige gefördert werde, was die Menschen verbindet, und nicht Dasjenige, was sie scheidet. Wie dieses Unternehmen durch Gemeinsinn und den Opferwillen Aller in's Werk gesetzt wurde, so möge es auch in Hinkunft weitergeführt werden in der Richtung der Gemeinsamkeit nack Außen hin, und möge darüber, was die einzelnen Glaubensgemeinschaften trennt, nie vergessen werden, was sie vereint. Mit herzlicher Freunde constatire ich, daß hier auch der hochwürdige Vertreter der katholischen Pfarrgememde erschienen ist, den ich auf das Wärmste begrüße. Es gereicht mir dies zu besonderer Befriedigung, weil ich darin ein Anzeichen erblicke, daß vie Vertreter der katholischen Kirche mit den geistlichen Funktionären Ihrer Glaubensgemeinde das Bestreben bekunden, freundsctaftlich und ich möchte sagen kameradschaftlich nach dem gleichen Ziele hinzuwirken. Das bietet die Gewähr, daß auch in Zukunft der Geist der Duldung, der Toleranz in dieser Stadt walten werde. Seien Sie überzeugt, daß die politische Behörde, daß die Regierung Seiner Majestät unseres geliebten Kaisers, des Kaisers, dem wir Alle die gesetzlichen Grundlagen unserer Verfassung verdanken, stelsbereitseinwird, fürJH re st aalsbürgerlichen Rechte schützend und wahrend einzutreten. Sie selbst aber mögen dazu beitragen, den Geist der Eintracht und d er Toleranz unter der Bürgerschaft dieser Stadt, zu erhalten und zu kräftigen. Und damit rufe ich Ihrem Werke ein herzliches „Glück auf!" zu. Lebhafter Beifall folgte diesen tief ins Herz dringenden Worten des Chefs der politischen Behörde. Nunmehr überreichte Herr Winkler dem Bezirkshauptmann den blumenumwnndenen Hannner, mit welchem derselbe die üblichen drei Hammerschläge auf den Grundstein führte. Ihm

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