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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-18 · 25 (18.6.1897) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
25 (18.6.1897)
Date
1897-06-18
Page
– (sequence 14)
Language
German
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^eite 514 Br. Vloch's Wochrnschrtfi. Nr 25 Ewige, bin heilig (3. M. 13. 2.). Weiche vorn Bösen und thue Gutes! (Ps. 34. 15.). Liebe deinen Nächsten wie dich selbst (3. M. 19. 18). Lernet Gutes thun, trachtet nach Recht, sprechet das Recht, dem Gewalt geschehen, schaffet Recht der Waise, führet den Streit der Witwen! (Jesaj. 1. 17.). Wenn deinen Hasser hungert, gib ihm Brod zu essen, und wenn ihn dürstet, gib ihm Wasser zu trinken (Spr. 27. 21.). Wenn dein Feind fällt, so freue dich nicht, und wenn er stürzt, frohlocke dein Herz nicht! i Spr. 24. 17.). Wie ein Eingeborener von euch sei auch der Fremdling, der sich aufhält bei euch, und liebe ihn, wie dich selbst (3. M. 19, 34.). Möchte doch jeder Christ dies glauben und erfüllen, vorzüglich in der Gegenwart und das Gebot, das wir zuletzt angeführt. Nein, den aus dem Senfkorn großgewordenen und den Bedrängten Trost verheißenden Baum wird Israels Glauben nicht zerstören. Das Reich Jesu, welches, alle Hindernisse besiegend, sich ausbreitete, wird nicht in engere Grenzen gedrängt, denn es ist ein Reich des Lichtes, welches gedeiht, der Wahrheit, welche unüberwindlich siegt; die Pforten der Hölle triumphiren nicht über dasselbe. „Ein nicht minder gefahrloses Element ist das bürgerliche Glaubensbekenntniß der Israeliten für die Verfassungen der christlichen Staaten. Ja, es ist die Stütze, die Kraft der letzteren; denn umsichtig bestimmt cs das Verhältniß der Obrigkeit zu den Unterthanen und ihre gegenseitigen Verpflichtungen: „Fürchte den Ewigen, mein Sohn, und den König, mit Anderswollendeu lasse dich nicht ein (Spr. 24. 21.). Unseres Lebens Odem ist der Gesalbte des Ewigen (Klaget. 4. 20.). Wer hätte ausgestreckt seine Hand gegen den Gesalbten des Ewigen, und wäre ungestraft geblieben? (l. Sam. 26. 9.). Den Befehl des Königs beobachte, und zwar wegen des Schwures Gottes (Koh. 8.2.). So werden die Unterthanen belehrt, ihren heiligen Pflichten gegen ihren gekrönten König nachzukommen. Aber auch dem Fürsten spendet die heilige Schrift Lehren: „Und es geschehe, wenn er sitzt auf dem Throne seines Königreiches, so soll er bei sich schreiben, die Abschrift dieser Weisung auf ein Buch aus dem, das von den Priestern, den Leviten ist. Und die soll er bei sich haben, und darin lesen alle Tage seines Lebens, danrit er lerne den Ewigen, seinen Gott zu ehrfürchten, zu beobachten alle seine Worte dieser Weisung und dieser Gesetze, um sie auszuüben; daß sein Herz sich nicht erhebe über seine Brüder, und daß er nicht abweiche von dem Gebote rechts oder links, damit er lange lebe bei seinem Königreiche. (5. M. 14. 18—20.) Liebe und Treue bewahren den König, er stützt durch Liebe seinen Thron. (Spr. 20. 23.). Die heilige Schrift heißt uns auch mit Achtung und Ehrerbietung dem Vorgesetzten zu begegnen, die das Alte Testament kostbare Gefäße nennt. (Jerem. 24. 34.). Richtern sollst du nicht fluchen, und einen Fürsten in deinem Volke nicht verfluchen. (2. M. 22. 27.). Die Richter werden sosgendermaßen ermahnt: „Sehet zu, was ihr thut, denn nicht für Menschen richtet ihr, sondern für den Ewigen und er ist bei euch in Sachen des Rechtes. (2. B. Chron. 19. 6.). Kennet kein Ansehen im Gerichte, den Kleinen wie den Großen höret; fürchtet euch vor Niemand, denn das Gericht ist Gottes." (5. M. 1. 17.). Die Richter sollen das Volk richten nach gerechtem Gericht! Du sollst das Recht nicht beugen, du sollst kein Ansehen kennen und keine Bestechung nehmen, denn die Bestechung blendet die Augen der Weisen und verdreht die Worte der Gerechten. (5. M. 16. 15—19.). Die heilige Schrift lehrt auch das Vaterland lieben: „Und sucht das Wohl der Stadt, wohin ich euch weggeführt habe, und betet für sie zum Ewigen, denn in ihrem Wohl wird euch wohl sein. (Jereni. 29. 7.). — Indem wir nunmehr zur Einsicht gelangten, wie die alttestamentlichen heiligen Bücher die gegenseitigen Verhältnisse unter den Bürgern ordnen urrd Gesetze vorschreiben, deren Erfüllung als starke Stützen die Verfassung auftecht erhalten und das Gemeinwohl sichern; liegt kein Grund vor, warum wir die bürgerliche Verfassung durch die Lehre Israels bedroht sinden sollen. „Die also widerlegte und zum Schweigen gebrachte Schadenfreude sucht aber andere Quellen, die, aus dem Glauben Israels entspringend, die Menschheit mit Gefahr bedrohen sollen; mit Eifer behaupten die neckischen, von Schadenfreude schäumenden Lippen, daß der Talmud, welchen die Juden in Ehren und hohem Ansehen halten, fürchterliche Principien, gehässige Gesinnungen lehrt und befiehlt, die mit dem Geiste der heiligen Schrift in Widerspruch stehen. Auch auf diesen Einwurf wollen wir antworten.- Die Bestandtheile des jerusalemischen und babylonischen Talmuds, die Mischna und die Gemara, enthalten die ältesten mündlichen Ueberlieferungen, die über Mosis Lehre von gelehrten Rabbinern niedergeschriebenen, belehrenden, erläuternden, aufklärendeu Theorien, geschichtliche Erörterungen und Bemerkungen, welche eine tiefe, reiche Wissenschaftlichkeit, einen erhabenen Jdeengang, einen edlen Geist und eine strenge Moral abspiegeln und beweisen; hie und da finden sich — dies ist nicht zu leugnen — auch in diesem Werke menschlicher Geister manche Jrrthümer, schmerzliche Klagen verfolgter, unterdrückter Männer, natürliche Ausbrüche erlittener Ungerechtigkeit. Beachtet aber wohl, daß der Talmud trotz seiner Werthschätzuug, in welcher er, gleich wie die Traditionen bei den Christen, vor den Augen der Israeliten steht, keinen Vorzug über die ursprünglichen Bücher des Alten Testaments erlangt hat; denn die eifrigsten Lobreduer dieser Traditionen bekennen, daß der Talmud beiweitem nicht geeignet ist, im praktischen Leben allgemein angewendet zu werden, daß derselbe durchaus keine Unfehlbarkeit, noch in seinem ganzen Umfange verpflichtende Kraft besitzt; ja noch mehr, der Talmud ist den wenigsten Juden bekannt. Wie aber tausend urrd tausend irrthümliche Behauptungen einzelner christlicher Religionslehrer und Schriftsteller, so haben auch falsche Behauptungen einzelner Rabbinen die ursprüngliche reine Quelle nicht verdorben. Wie eine Religion beschaffen ist, wird aus ihren Früchten zu erkennen sein; denn nach der Lehre Jesus wird Gott dadurch verherrlicht, wenn man viele Früchte hervorbringt. Bedenken wir doch wohl, welche Heiligkeit der Eid vor dem wahren Israeliten hat; wie selten unter ihnen die Laster der Trunkenheit und der Unkeuschheit Vorkommen, welche Pietät ihre größtentheils glücklichen Ehebündnisse und Familien charakterisirt; welche Mäßigkeit in der ganzen Ordnung ihres Lebens herrscht. Wir müssen wohl anerkennen und bekennen, daß ein solche Früchte treibender Glaubensbaum mit seinem Schatten die Saat der Tugend nicht ertödtet — diese Tugenden sind vielmehr erwünschte, sichere Stützen'des bürgerlichen Lebens, erfolgreiche Mittel zur Förderung des Wohlseins. Wäre es nicht überflüssig, mit Beispielen zu belegen, welche Opfer Israeliten für die heiligen Zwecke der Menschheit brachten, welchen Eifer sie bethätigt haben für das Vaterland, das ihnen die Hoffnung gewährte, der bürgerlichen Rechte theilhaftig zu werden? Sie haben sich als wackere Baterlandsvertheidiger, als Unterstützer der Armen und Bedrängten, als Wohlthäter ihrer Nebenmenschen bewährt. Sind doch die sich emporstreckenden Wölbungen dieser heiligen Stätte, in welchen wir Gott lobpreisen, Zeugen ihrer hilfeleistenden Bereitwilligkeit! „Was hält uns also zurück, gegen sie gerecht, erbarmungs- und liebevoll zu sein? Etwa der Unterschied ihres Glaubens, der heilig und die Wurzel unserer Religion ist — oder die Zweige und Blätter ihres Glaubens, wie sie in den Ceremonien ihres Gottesdienstes zur Erscheinung gelangen? Ach, wir stehen ihnen doch so nahe! Jesus selbst bekennt: „Das Heil kommt von den Juden (Joh. 4. 22.)" Paulus, der große Apostel der christlichen Kirche, macht auf die geistige und körperliche Verwandtschaft aufmerksam: Was haben die Juden Vortheile? Ueber alle Maßen viel. Zum ersten, ihnen ist vertrauet, was Gott geredet hat (Röm 3. 12.)." „Die Israeliten sind meine Verwandten nach dem Fleische, denen gehört die Kindschaft und die Herrlichkeit, der Bund, das Gesetz, der Gottesdienst und die Verheißung, welche auch sind die Väter, aus welchen Christus herkommt nach dem Fleische (Röm. 9. 35.)." Ja, indem unser göttlicher Meister spricht: „Wenn ihr Mosis glauben würdet, so würdet ihr auch mir glauben (Joh. 5. 5. 6.)" erklärt er, daß die Israeliten nur wahrhaftig Israeliten sein, nur wahrhaftig an Mosis glauben müssen, um Jesu zu begegnen. Wieder der Apostel Paulus lehrt: „Ist der Anbruch heilig, so ist.der Teig heilig, und so die Wurzel heilig ist, so sind auch die Zweige heilig. Ob aber nun etliche von den Zweigen zerbrochen sind,unddu,dadu ein wilder Oelbaum wärest, bist unter sie gepfropft und theilhaftig geworden der Wurzel und des Saftes un Oelbaume; so rühme dich nicht wider die Zweige. Rühmst du dich aber wider sie, so sollst du wissen, daß du die Wurzel-nicht trägst, sondern die Wurzel trägt dich. So sprichst du: Die Zweige sind zerbrochen, daß ich hineingepfropft würde. Ist wohl geredet. Sie sind gebrochen, um ihres Unglaubens willen. Du stehest aber durch den Glauben; sei nicht stolz, sondern fürchte dich. Hat Gott der natürlichen Zweige nicht verschonet, daß er vielleicht deiner auch nicht verschonet. Darum schaue die Güte und den Ernst Gottes, den Ernst an denell, die gefallen sind, die Güte an dir, sofern du an der Güte bleibest, sonst wirst du auch abgehauen werden. Und jene, so nicht bleiben in dem Unglauben, werden sie eingepftopst werden; Gott kann sie wohl wieder einpfropsen. Denn so du aus dem Oelbaume, der von Natur wild war, bist aus-

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