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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-18 · 25 (18.6.1897) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
25 (18.6.1897)
Date
1897-06-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 512 Dr. Vloch's Wochenlchrtst. Nr. 25 Athenäum. Die Lectüre dieses Studiums, das sich im Aprilheft der „Reforme Sociale", die eine kostbare Fundgrube für statistische, öconomische und fociologische Daten über das heutige sociale Leben in allen civilisirten Ländern ist, vorfindet, erweckt lebhaftes Interesse. Und das Interesse dieser Forschungen des Professors Ferroglio ist desto größer, weil heute über einen Theil unserer Gesellschaft ein neuer und heftiger Hauch des Antisemitismus weht, von dem mau die Resultate erst jüngsthin bei den Wahlen in Oesterreich gesehen hat; ein Antisemitismus, dem sich nicht einmal Italien gänzlich entzieht, wo dieses anachronistische Gefühl genährt wird, nicht blos wie anderswo, von öconomischen Ursachen allein, sondern von einer wirklichen und eigenthümlichen consessionellen Propaganda, die wieder die katholische Jntransigenz zur Basis hat. Wieviel Hebräer gibt es? Bevor er den gegenwärtigen Betrag der israelitischen Bevölkerung angibt, forscht Ferroglio nach, welches war die Anzahl der Hebräer in der alten Zeit, in der Epoche ihrer größten Macht. Diese Untersuchung ist interessant vom demographischen Gesichtspunkte aus und liefert zugleich das Kriterium, um die Expensionskraft einer Race zu ermessen, welche, weil sie sich keine fremden Elemente assimilirt hat, weder die numerische Stärke, noch den moralischen Einfluß anderer mehr assimilirenden Völker erreichte, obgleich diese nicht so alt waren, wie das hebräische Volk. Dieser'Vergleich wird möglich in seinen allgemeinen Linien, weil das hebräische Volk seit seinem Urbeginue viel Bedeutung dem „Zählen" beilegte, das bald sich auf das ganze Volk erstreckte, bald wieder aus speciellen Motiven auf gewisse bestimmte Kategorien von Personen beschränkt war und wurde überdies (das Zählen) zur Grundlage bei der Vertheilung des Landes genommen, da dessen Ausdehnung verhältnißmäßig von der Anzahl der Personen, dem es zugetheilt ward abhing. Wir veröffentlichen jetzt blos diesen Theil der Forschungen des Professors Ferroglio und behalten uns vor, in einer nächsten Nummer das Resultat seiner statistischen Studien über die Juden von heute zu bringen. Das jüdische Volk, obwohl sein Charakter von dem de^ Römer sehr verschieden war, kannte doch wie dieses die Wichtigkeit des Census. Dieses Volk, das unendliche Schwierigkeiten und große Kämpfe zu besiegen hatte, erreichte es dennoch, Länder zu erobern, die ihm bestimmt waren, und es gelang ihm stets, jedes fremde Element zu eliminiren, da es sich weder mit den Völkern vermengte, die es besiegt hatte, noch mit jenen, von denen es besiegt wurde, es fühlte oft das Bedürsniß, die Zahl zu kennen, auf die es sich belief, und besonders jene der streitbaren Männer, die es dem Feinde entgegenstellen konnte. Schon in der Bibel finden wir solche Zählungen erwähnt, deren Resultate in besonderen Registern niedergelegt wurden. In ihrem Steuersysteme war vom mosaischen Gesetze eine eigene Steuer für jede männliche Person, welche das Alter von zwanzig Jahren hatte,_ die das Alter repräsentirte, in dem die Zählung stattfand, festgesetzt. Sollen wir nun unter diesen Zählungen eine auswählen, die uns am nächsteil die vollständige Anzahl des hebräischen Volkes in einer Epoche seiner größten Ausdehnung angibt, da müssen wir uns an jene halten, die unter David, und zwar gegen das Ende seiner glorreichen Regierung, die vierzig Jahre andauerte, und die mit jener feines Sohnes Salomo den Culmiuationspunkt der althebräischen Geschichte bildet, stattfand. Das Resultat der unter David vorgenommenen Zählung wird von der Bibel in zwei verschiedenen Texten iviedergegeben. Der erste derselben befindet sich in Capitel XXIV des zweiten Buches Samuel und der zweite in Capitel XXI des ersten Buches der Chroniken. Auffallenderweise stimmen diese zwei Texte nicht mit einander überein. Jndeß gibt das Buch Samuel den Vorgang beim Census mit größeren Details wieder als das Buch der Chroniken. Mit der Vornahme dieses Census wurde Joab sammt einigen Feldherren betraut. Ihre Aufgabe war es, zu zählen, wieviel Männer tauglich waren, das Schwert zu ziehen, sowohl im Königreiche Israel, als auch im Königreiche Juda. Nach dem Texte von Samuel tvar das Resultat, das Joab dem Könige David überbrachte, daß es in Israel 800.000 und in Juda wieder 500.000 waffenfähige Männer gab. Ferroglio nun, um aus diesen Ziffern die vollständige Anzahl des hebräischen Volkes zu deduciren, mnthmaßt, daß unter den waffenfähigen Männern jene inbegriffen sind, die zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahre standen. Die Altersgruppen nun, die sich Zwischen 20 und 50 Jahren befinden, bilden im Durchschnitt 40"4 der Bevölkerung. Auch muß man nach den Lehren der Demographie stets beachten, daß beide Geschlechter sich immer das Gleichgewicht halten. Mit Zugrundelegung des Textes von Samuel gab es in Israel 800.000 und in Juda wieder 500.000 waffenfähige Männer. Halten wir nun die oben angegebenen Proportionen fest, so hätten wir für das männliche Geschlecht folgende Ziffern: Israel. Juda. 40 % 800.000 500.000 60 % 1,200.000 750.000 Total 2,000.000 1,250.000 was dann zusammen 3,250.000 ergeben würde. Und nehmen wir nun wirklich an, daß beide Geschlechter , sich in der Zahl stets das Gleichgewicht halten, so hätten wir 3,250.000X2 6,500.000. * * Nach dem Text der Chroniken würde jedoch die Anzahl der Hebräer noch größer sein. Nach diesem Texte würde auch die für Israel allein angegebene Zahl größer ausfallen, denn dort heißt es. man habe in Israel 1,100.000 und in Juda wieder 470.000 waffenfähige Männer gezählt und hätte es daher, wenn wir die schon erwähnten Kriterien auweuden in Israel in Juda 40 °/0 1,100.000 470.000 60% 1,650.000 705.000 Total 2,750.000 1,175.000 gegeben. Vereinigen wir dann beide Totalitäten, so hätten wir einen Complex von 3,925.000 Männern und multipliciren wir diese Zahl dann mit zwei (für die zwei Geschlechter), so hätten wir 3,925.000 X 2= 7,850.000. Zu dieser Zahl müßten wir noch die Stämme Levi und Benjamin, die unter diesem Census nicht inbegriffen waren, hinzufügen. Ferroglio nimmt nun mit Zugrundelegung verschiedener Daten für Levi 190.000 und für Benjamin 424.000 an. Die Gesammtzahl des Volkes Israel würde also zur Zeit Davids (1017 Jahre vor der allgemeinen Zeitrechnung) folgende gewesen fein: Betrag der von David gezählten Stämme 7,850.000 „ des Stammes Levi 190.000 „ „ „ Benjamin in Proportion von 5-77 % 424.000 Total 8,464.045 Vergleichen wir nun die Gesammtheit der Hebräer nach dem Texte von Samuel (6,500.000) mit jener der Chroniken (8,464.045), so würde sich zwischen beiden eine Differenz von 1,964.045 ergeben. Christliche Stimmen über den Judenhaß. Von De. M. H. F r i e d l ä n d e r. (Schluß aus Nr. 23.) Es kann aber nicht geleugnet werden, daß es zu allen Zeiten und besonders in unserem Jahrhundert erleuchtete, ehrliche christliche Gelehrte und Priester gegeben, die den Judenhaß als eine Sünde entschieden verurtheilt und das Treiben der Judenfeinde schonungslos gegeißelt haben. So zum Beispiel hat der selige Paul Török, Superintendent, in der reformixten Kirche zu Budapest <tm vierten Advent-Sonntage des Jahres 1839 in seiner Predigt für die Emancipation der Juden sich im hohen Grade begeistert. In dieser Rede, die 1841 erschienen, heißt es wörtlich: „Ich muß nunmehr die Aufmerksamkeit meiner christlichen Zuhörer auf eine hochwichtige Frage lenken, die ebenfalls der Geist unseres Jahrhunderts angeregt und der Erörterung unterzogen hat. „Ich meine die Angelegenheit der unterdrückten und jetzt um Befreiung flehenden Israeliten. Die Wichtigkeit der Angelegenheit verdient es und Euer christlich milder Sinn gestattet es, daß ich hierüber jetzt besonders spreche. „Gott der Herr gebe mir eine Zunge des Geübten, damit ich wisse anzupassen dem Müden das Wort" (Jesaj. 59. 4). „Eine dreifache Scheidewand trennt von uns die Israeliten, die der Religion, der Nationalität und des Standes. — Diese Hemmnisse standen bis jetzt der Bereinigung mit ihnen im Wege, und doch könnte die Scheidewand, wenn wir nur Menschen und Christen sein wollen, mit Anwendung aller unserer Kräfte niedergerissen werden. Und es wäre wohl ein verdienstvolles Unternehmen, mit ausgestreckten Armen die Gedenksäule unsere

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