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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-18 · 25 (18.6.1897) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
25 (18.6.1897)
Date
1897-06-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 508 9t. Vloch's WochenschrM Nr. 35 dem Vertreter-Collegium, da diesem nach der Geschäftsordnung Gegenstände zugewiesen werden, welche zwei Sectionen beschäftigen. Der Bericht des Vicepräsidenten Dr. Stern sei mißverstanden worden, denn derselbe wollte offenbar sagen, daß die Sache nicht eingeschlafen sei, im Plenum jedoch erst dann zur Erörterung gelangen könne, wenn sie die Sectionen passirt haben werde. Es sei allgemein bekannt, daß der Vorstand seit seiner Wahl sich förmlich in Permanenz befinde, denn es sei sehr viel Arbeit zu leisten, aber Alles könne nicht sofort erledigt werden. Selbstverständlich werde alsbald auch der in Rede stehenden Angelegenheit, die sich schon sehr lange hinziehe, näher getreten werden; sei es doch die erste und wichtigste Aufgabe, für die Cultusbedürfnisse der Gemeindemitglieder zu sorgen. Vicepräsident Stern gibt zu, daß diese Angelegenheit schon seit Jahren sich wiederhole, doch konnte der ftühere Vorstand vor Bewilligung des neuen Statutes dazu keine klare Stellung nehmen. Der gegenwärtige Vorstand habe sich bekanntlich seit seiner Constituirung hauptsächlich mit den finanziellen Angelegenheiten befassen müssen, so daß viele andere und aucb wichtige Dinge Zurückbleiben mußten. Da er seinerzeit sich mit dem Statut befaßt habe und als Obmann der IV. Section die Finanzlage der Gemeinde kenne, glaubte er, sich vorerst mit den Obmännern der Bethausvereine besprechen zu müssen, um eine Klärung der Ansichten herbeizuführen und zu berathen über die gestellten Begehren und über die Möglichkeit der Erfüllung. Die Sache sei daher noch nicht reif genug für einen Beschluß im Plenum, das Präsidium habe über den Stand der Dinge Kenntniß gegeben. Herr Architekt Fleischer beantragt, den Vorständen der Bethausvereine schriftlich die Gründe bekanntzugeben, weshalb chre Angelegenheit bisher noch nicht entschieden wurde. Es folgen dann Berichte der II. (Schul-)Section. (Referent Vicepräsident Dr. K o h n.) Der Bibliothek der Gemeinde wird für dieses Jahr zu der Subvention von 500 fl. noch ein Betrag von 250 fl. als Superdotation bewilligt. Dem Talmud-Thora-Verein werden im Sinne des Sectionsbeschlusses außer der Jahressubvention von 2000 fl. vro 1897 noch weitere 450 fl. zur Errichtung einer 5. Classe in der Vereinsvolksschule votirt. Es folgt das Referat, betreffend die periodischen Jnfpectioneu der Religionsschulen durch delegirte Mitglieder des Vorstandes. Der Referent führt aus, daß dem Vorstand daran gelegen sei, durch eigene Wahrnehmung sich von den Fortschrittten im Religionsunterricht zu überzeugen, und deshalb soll bei aller Würdigung der Gewissenhastigkett seitens der amtlichen Jnspectoren vom § 82 des Statutes Gebrauch gemacht und von Vorstandsmitgliedern die Jnspection vorgenommen werden, die ihre Wahrnehmungen dem Vorstände zur Kenntniß zu bringen haben. Es haben sich bisher' die Herren Dr. Berger, Dr. Grünfeld, Dr. Spitzer, Dr. Steiner und Baurath Stiaßny freiwillig gemeldet. Vicepräsident Dr. Stern regt die Ausarbeitung einer Instruction als Directive für diese Jnspectionen an. Herr Dr. Berger ist der Ansicht, daß doch auch das Rabbinat sich an diesen Jnspectionen betheiligen sollte. Herr Dr. Steiner stimmt dieser Auffassung zu und erklärt die Jnspection des Comite's für eine Art Superrevision, durch welche weder den bestellten Jnspectoren mit Mißtrauen begegnet, noch den Lehrern wehe gethan werden soll. Auch er tritt für die Heranziehung speciell des Oberrabbiners Dr. Güdemann ins Comite ein. Nachdem Referent Dr. K o h n sich dieser Anschauung accommodirt, werden die Anträge angenommen. Herr Baurath v. Goldschmidt referirt namens der Ul. Section über den Rechnungsabschluß der „Chewra-Kadischa" und stellt den Antrag, es sei dem Verein der Dank des Vorstandes auszusprechen und anzuregen, daß die Betheilung Armer mit Medicamenteu einvernehmlich mit der Centralarmenstelle vorgenommen werde und ob nicht bei der großen Inanspruchnahme des Bereinsvorstandes auch gewöhnliche Mttglieder der Chewra zur Theilnahme an Leichenbegängnissen Armer herangezogen werden könnten. Herr Vertreter Hieldburghäusser führt als Obmann-Stellvertreter der Chewra aus, daß jeder Arme, der um die Verabreichung von Medicamenten bitte, berücksichtigt werde; auf diese Weise werden jährlich 4- bis 5000 fl. ausgegeben, was bei einer Einnahmepost von 12.000 fl. gewiß eine namhafte Summe sei. Es werden alle Recepte geprüftob sie taxenmäßig berechnet wurden. Bezüglich der Betheiligung an Leichenbestattungen sei schon zur Zeit des Bestandes des alten Friedhofes ein Turnus unter den Vereinsmitgliedern eingeführt worden, viele hatten zugesagt, doch sei die Sache mit der Zeit wieder in Vergessenheit gerathen. Uebrigens sei die Erfüllung dieses Wunsches bei der heutigen Ausdehnung sehr schwer, der Verein könne leider nicht allen Ansprüchen gerecht werden, doch werde er die Anregungen nach Möglichkeit berücksichtigen. Herr Dr. Spitzer nimmt gleichfalls den Verein in Schutz. Die Chewra habe nur den Zweck, Kranke zu unterstützen und Leichen zu begleiten. Das letztere thun auch besonders die jüngeren Mitglieder regelmäßig, insbesondere bei Leichenbegängnissen Armer. Er hält die Anregungen zwar dankenswerth, hätte aber lieber concrete Vorschläge entgegengenommen. Herr Dr. Steiner sieht in den Anträgen der III. Section durchaus kein Mißtrauen gegen die Chewra-Leitung, sondern es soll in manchen Beziehungen Wandel geschaffen werden, denn Niemand könne die Reformbedürftigkeit und Verbesserungsfähigkeit dieser Institution leugnen. Herr Salo Cohn ist für eine Anpassung des Vereines, entsprechend den geänderten Verhältnissen und für ein Zusammenwirken mit der III. Section. Herr Dr. Grünfeld erwähnt,, er selbst habe einmal die Recepte eines ganzen Jahres geprüft und habe auch Mängel vorgefunden. Viele lassen sich von Professoren und renommirten Aerzten für theures Geld Recepte verschreiben und kommen dann zur Chewra und verlangen die Medikamente umsonst. Er anerkenne die große Opferwilligkeit des Vereines, allein es müsse gegen die Unzukömmlichkeiten vorgekehrt werden. Die Anträge der III. Section werden sodann angenommen, ebenso wird der Antrag auf Subvention per 3000 fl., an den Waisenverein zum Beschluß erhoben. Hiemit schließt die öffentliche Plenarsitzung. In der hierauf stattfindenden vertraulichen Sitzung wurden u. A. folgende Gegenstände behandelt: Wegen der nothwendig gewordenen Erweiterung der Bureaux-Localitäten gegen das Nachbarhaus des Gemeindehauses, I., Seitenstettengasse, wurden die entsprechenden Beschlüsse gefaßt. Dem Vereine „086h Tow“ wurde bis auf Widerruf die Bewilligung ertheilt, Betversammlungen abzuhalten. Dem Bethausvereine „Brigittenau" wurde zu der normalmäßigen Subvention von fl. 250 für das Jahr 1897 eine außerordentliche Subvention von fl. 150 gewährt. Ebenso wurde dem Bethausvereine „Liwias Chen“ zu der normalmäßigen Subvention von fl. 100 für das Jahr 1897 eine Erhöhung von fl. 50 gewährt. Die Dr. Adolf Sacks'schen Stipendien für Techniker im Betrage von je fl. 300 wurden — von 99 Bewerbern — an 14 Techniker, die Dr. Adolf und Emanuel Stern-Stipendien für Rigorosanten der Medicin im Betrage von je fl. 100 wurden an 6 Mediciner und das Wolf Jsak Nassau'sche Stipendium per fl. 43 an einen Mediciner verliehen. Sohin wurden einige Personalien erledigt und die Sitzung um 9 Uhr Abends geschlossen. Vom Jahrmarkt des Lebens. Zwei Interpellationen. Wir haben vor Kurzem über die vollkommen ungerechtfertigte Präterirung eines verdienten jüdischen Beamten bei der Buchhaltung des Wiener Magistrats berichtet. Bei der ersten Concursausschreibung war dieser Beamte, dem auch seine christlichen Collegen die höchste Achtung zollen, der einzige Bewerber. Der Stadtrath beschloß nun, es sei ein zweiter Concurs auszuschreiben, und gleichzeitig forderte Licebürgermeister Dr. N e u m a y e r die Collegen des Bewerbers auf, sich an diesem zweiten Concurs zu betheiligen. Ueber diesen perfiden Vorgang richtete Gemeinderath Dr. Stern am 4. Juni d. I. an den Bürgermeister Doctor Lueger folgende Interpellation: „In einem der letzterschlenenen Amtsblätter Nr. 43 findet sich — allerdings sehr verspätet — der Bericht über die Stadtrathssitzung vom 13. Mai, in welcher über Antrag des Herrn Bicebürgermeisters Dr. Neumayer die Besetzung der erledigten Rechnungs- Revidentenstelle 9. Rangsclasse beschlossen wurde.

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