Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 25 (18.6.1897)
- Date
- 1897-06-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Leite 506 Nr. 25 Vr. Vwch's »ochenlchrtfl Einberufer. hinter denen keine einzige jüdische Gemeinde steht, im Namen der Judenheit das Wort führen, nnd wir sind überzeugt, daß kein Rabbiner oder Vorsteher einer deutschen Gemeinde auf dem Congresie erscheint, und daß in solcher Weise vor aller Welt dargethan werden wird, daß die deutsche Judenheit mit den Tendenzen der Zionisten nichts gemein hat. Dr. S. M a y b a u m-Berlin. Dr. H. V o g e l st e i n-Stettin." Die Redaction der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" fügt dieser Zuschrift nachstehende Redactionsnote an: „Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die überwiegende Majorität der deutschen und auch der österreichischen Rabbiner über diese Frage genau so denkt wie ihre beiden Collegen in Berlin und Stettin, und ebenso bereit sein würde, dieser Abwehrerklärung beizutreten. Auch von Herrn Prediger Dr. D. Leimdörfer in Hamburg ist ein sehr entschiedener Protest gegen den Zionismus und die mit demselben engverbundenen national-jüdischen Bestrebungen uns zugegangen, der in einer der nächsten Nummern zum Abdruck gelangen wird. Der Chief-Rabbi von England, Dr. Hermann Adler, der Grand Rabbin von Frankreich, Zadoc Kah n, und der Großrabbiner der Türkei, Mose L e v i, haben in nicht weniger entschiedener Weise wiederholt gegen diese neue Bewegung sich ausgesprochen." Einigermaßen überraschend sind die Enunciationen gegen den Zionismus in dem Maccabäer-Club in London, wo die Ideen Herzlls anfänglich einer freundlichen Aufnahme begegneten. Von dort wird berichtet: London, 30. Mai. Der Naeeabaeans-Club veranstaltete am vorigen Sabbath-Abend ein großes Festessen zu Ehren der von der Palästina-Reife heimgekehrten Gesellschaft, bei welchem Herbert B e n t w i ch und I. Zangwill die Sprecher waren. Beide erzählten befriedigt von den Eindrücken, die sie auf der Reise gemacht haben, aber die Schlußurtheile, zu denen sie gelangten, waren doch recht verschieden. Bentwich sprach, freilich sehr enthusiastisch, als Mann des praktischen Lebens, schilderte, was er gesehen und von Anderen gehört hatte und verglich dasselbe mit den beängstigenden Darstellungen, welche man früher von dem heiligen Lande entworfen hatte; wenn schon die Gegenwart sich so viel besser erwies, so sah er für die Zukunft die besten Erfolge voraus. Zangwill dagegen war skeptischer und meinte, daß die bisherigen Erfolge, die er gesehen, nicht gar so große seien, um von einer Zukunft des Landes sprechen zu können. Allerdings gab er zu, daß er nur einige Städte kennen gelernt und der großen Karawanenstraße gefolgt sei, während er über die übrigen Th eile des Landes kein Urtheil habe. Von den Colonien selbst habe er nur ganz wenig in Augenschein genommen, eigentlich nur Rischon le-Zion, das einer Oase in der Wüste gleiche. Sehr günstig sprach sich Rev. Emanuel, welcher gleichfalls an der Reise theilgenommen, über die Colonien aus, indem er besonders betonte, daß man im heiligen Lande zwischen den Ju^en der Städte Jerusalem, Liberias, Hebron und Safed und denen in den Colonien unterscheiden müsse. Während ihn bei den Ersteren Manches sehr verbesserungsbedürftig erscheint, haben die Letzteren ausnahmslos seine wärmsten Sympathien gefunden. Zangwill und Emanuel warnten beide vor de in Nationalismus Herzlls, der dem gesundenKern der zionistischen Bewegung nur schaden könne. Auf denselben Standpunkt haben sich die Londoner Chowewe Zion gestellt, indem sie nicht nur die Betheiligung an dem Münchener Congreß ablehnten, sondern sich auch energisch gegen dessen Veranstaltung überhaupt erklärten. New-Uork, 1. Juni. Auch der „Board of Jewisli Ministres of New-Yorkuv der etwa den Rabbiner-Verbänden in Europa entspricht, hat in seiner letzten Sitzung sich mit dieser Frage beschäftigt und folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung verwirft energisch den Plan des Dr. Herzs» Palästina durch Kauf zu erwerben. Sie protestirt gegen die Zionisten- Conferenz in München, welche sich mit dieser Angelegenheit beschäftigen wird, und dagegen, daß man aus dieser Conferenz Schlüsse gegen den Patriotismus der Juden in den Ländern, in denen sie leben, ziehen könnte. Die Versammlung beschließt, die C o l o n i s a t i o n Palästinas zu fördern und die Auswanderung dorthin zu unterstützen, sofern dieselbe in den den Verhältnissen entsprechenden Grenzen bleibt und von der Türkei gestattet wird. Die Versammlung sympathisirt mit jeder intelligenten Bemühung, das bisherige System der'Chalnkah zu verbessern. Sie verlangt, daß die Anregung jüdischer Fragen bei einem diplomatischen Congreß oder bei den Großmächten nur in Uebereinstimmuna mit der Alliance Isra61ite, der Anglo-Jewish Association und der Union of American Hebrew Congregations of the United States geschehen darf. Endlich erklärt die Versammlung, daß sie jeden Versuch perhorrescirt, in Palästina einen jüdischen Staat aufzurichten, es sei denn in der von Gott bestimmten Zeit und in dem von ihm vorgesckrieben'n Wege." Diese Beschlüsse dürften so ziemlich der Stimmung der großen Mehrzahl unserer hierländischen Glaubensgenossen entsprechen. * * * Auch für die zionistische Bewegung liegt eine Kundgebung vor. Das „Landeseomitö der Zionisten in Bulgarien" richtet einen „Appell an das Judenthum und seine getreuen Söhne", an alle Rabbiner, Lehrer und an die jüdische Jugend zur Beschickung des Münchner Zionisten-Congresses, der eine „jüdische Nationalversammlung" werden soll. In dem Aufrufe heißt es: „Der chatten unserer ruhmreichen Ahnen, die heiligen Laute unserer göttlichen Propheten, das unschuldige Blut unserer Märtyrerlegionen am Altäre des Judaismus, das erdrückende Geschick unserer gemarterten Brüder, sowohl in barbarischen als auch in civilisirten Länder, der gute Name und die Ehre des Volkes der Bücher, die Interessen der Cultur und des Fortschrittes, das Wohl der gesammten Menschheit und unserer Menschenwürde machen es uns zur heiligen Pflicht, alles Theure und Liebe zu opfern, um der schauderhaften, Jahrtausende alten Diaspora ein Ende zu machen, damit doch auch wir zur Verwirklichung des Volksideales — der Freiheit auf eigenem Land und Boden, zu einer wirklichen Freiheit gelangen, wie sie Israel bei sich zu Hause hatte, um der auf unserer Cultur gegründeten civilisirten Welt den Beweis zu erbringen, wie lebensfähig und sittenstark, trotz aller verhängnißvollen historischen Peripetien, der nationale jüdische Körper noch ist, wie viel Einrichtungen von Weltbedeutung das Judenthum der Menschheit noch außer seiner Heimat zu geben wissen wird, ganz so wie einst das Sittengesetz, die heiligen zehn Gebote!" Auffallend und geradezu störend ist die Anonymität dieses Aufrufes. Aus welchen Mitgliedern besteht dieses bulgarische „LandescomitS?" Wer sind die Verfasser, wer die Versender dieser Flugschrift? Befürchten die Herren eine Schädigung ihrer Interessen oder ihrer socialen Stellung durch offene Parteinahme; für den Zionismus, oder besorgen sie, daß die Kundgebung ihrer Namen die Sache des Zionismus schädigen würde? Nus der öffentlichen Plenarfchung des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde am 14. Juni 1897 unter dem Vorsitze des Präsidenten kaiserlichen Rathes Heinrich Klinger Der Präsident, kaiserlicher Rath Klinger, eröffnet die Sitzung, begrüßt die Versammlung und läßt nachstehende Spenden zur Kenntniß bringen: Von den Herren Gustav und Alfred Freiherren von Springer für den „Verein zur unentgeltlichen Verpflegung Brustkranker auf dem Lande" „Dr. Wölflerheim" fl. 2000. Von einer ungenannt sein wollenden Dame als - Widmung für eine Heiratsausstattungs-Stiftung, für ein armes braves Mädchen fl. 5000. >; Bon Herrn Ernst Wolf, Weingroßhändler in Simmering, für Wohlthätigkeitsinstitnte 100 fl. (Wurde der Speiseanstalt zugeführt.) Von Herrn Ludwig W e i s h u t für arme Bräute 10 fl. Von Herrn Friedrich Mendel zur Vertheilung an eine arme Braut (anläßlich der silbernen Hochzeit der Eheleute Sigmund und Therese Mendel) 50 fl.