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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-18 · 25 (18.6.1897) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
25 (18.6.1897)
Date
1897-06-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 25 Vr. Vloch's VochenptzrM Leite 505 Die Hauptsache wird natürlich die Aufbringung der Mittel sein. Möge das Schicksal des einem wahren Bedürfnisse des modernen Judenthums so sehr entsprechenden Vorschlages auch nach dieser Richtung ein freundliches sein. Möge die Dienstbotenschule Dr. Kurrein's unter unseren wohlhabenden und ihre Dienstbotenmisöre unermüdlich beklagenden Damen ihre einfluß- und auch sonst reichen Schützerinnen finden! * Zur Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen in München ergeht folgende Bekanntmachung: „München, im Juni 1897. Die München-Loge B'ne B'rith in München hat beschlossen, ihre Thätigkeit auf dem Gehiete werkthätiger Nächstenliebe durch Ausbildung jüdischer Krankenpflegerinnen in thunlichster Bälde zu eröffnen. Zu diesem Behuse sollen jüdische Mädchen und Frauen aus Bayern auf Kosten der München- Loge in den jüdischen Hospitälern zu Berlin, Frankfurt a. M. oder Köln zu K r a n k e n s ch w e st e r n herangebildet werden. Die Lehrzeit ist eine einjährige; während derselben erhalten die auszubildenden Schülerinnen vollständig freie Station (Kost, Wohnung, Heizung und Wäsche), ferner einen Zuschuß von 30 Mark vierteljährig; ebenso werden die Kosten für Reisen vergütet, soweit dieselben von der Loge gewünscht werden. Nach Abschluß der Lehrzeit stellen die ausbildenden Aerzte der Schülerin ein Reifezeugniß aus; das sich alsdann für die herangebildeten Schwestern bietende Arbeitsfeld sichert denselben eine ebenso auskömmliche als würdige Existenz. Die insbesondere auf diesem Gebiete in anderen großen jüdischen Gemeinden gemachten Erfahrungen haben vollauf bestätigt, daß der Beruf als Krankenpflegerin ein materiell lohnender ist und eine hochgeachtete sociale Stellung gewährt. Es ergeht daher an die j ü d i s ch e n Mädchen und alleinstehenden Frauen, welche sich diesem Berufe widnlen wollen, die Aufforderung, ihre bezüglichen Aufnahmsgesuche bis spätestens 15. September a. c. bei Herrn Rabbiner Dr. W e r n e r in München einzureichen. Voraussetzung für die Aufnahme ist, daß die Bewerberin zwischen dem 21. uod 36. Lebensjahre steht, sich eines tadellosen Rufes erfreut, vollständig gesund und arbeitsfähig ist und Uebung in den einfachen häuslichen Verrichtungen besitzt. Jedem Aufnahmegesuch sind beizulegen: a) ein von der Bewerberin selbst verfaßter Lebenslauf, b) ein Geburtsschein, c) Schulzeugnisse. In München wohnhafte Bewerberinnen wollen sich außerdem noch persönlich bei Herrn Dr. Eugen D ö r n b e r g e r, Klenzestraße 37 (Sprechstunde 2—3 Uhr) oder bei Herrn Dr. Richard Spielmann, Karlsplatz 19, (Sprechstunde 3—4 Uhr) vorstellen, welche Herren auch zu weiteren mündlichen Mittheilungen gerne bereit sind. Wir bemerken ausdrücklich, daß die jüdischen Krankenschwestern durchaus keine Verpflichtung eingehen, diesem Berufe dauernd anzugehören, sondern daß denselben der Austritt aus dem Pflegerinnenberufe nach vorausgehender, vierzehntägiger Kündigung jederzeit freisteht; endlich bemerken wir noch, daß den Schülerinnen und zukünftigen Schwestern die Bethätigung ihrer religiösen Ueberzeugung seitens der Loge gewährleistet wird. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß sich in München und den anderen Gemeinden Bayerns eine genügende Zahl geeigneter Candidatinnen für diesen zwar beschwerlichen, aber um so ehrenvolleren und reiche ideale Befriedigung verheißenden Beruf finden wird; dadurch kann der beste Beweis dafür erbracht werden, daß unsere Glaubensgenossen auch auf diesem Gebiete praktischer Nächstenliebe anderen Confessionen nicht nachstehen. Möge unser Ruf nicht verhallen! Unversorgten Mädchen und beruflosen Frauen bieten wir Gelegenheit, sich eine wahrhaft edle Existenz zu gründen; möge ein Jeder in seinem Kreise dafür wirken, daß dieses Werk gelinge zum Segen unserer Mitschwestern und zum Segen der Kranken! Eugen Beer, Rechtsanwalt. Dr. Hermann B l ä t t n e r, Rechtsanwalt. Louis Dannhauser, Privatier. Dr. Eugen Dörnberger, prakt. Arzt. Max Engländer, Kaufmann. Adolf Fränkel, k. b. Hoflieferant. Sigmund Fränkel, Großhändler. Dr. Heinrich Frankenburger, Rechtsanwalt. Leopold Guggenheimer, Kaufmann. Dr. I u l i u s Kahn, Rechtsanwalt. M. P. Kirchdörfer, Commercienrath. Dr. phil. Eugen Merzbacher, Numismatiker. Julius Neuburger, Großhändler. Michael Nußbau m, Privatier. Abraham Ofner, Rechtsanwalt. Dr. R ichard Sielmann, prakt. Arzt. Dr. Coßmann Werner, Rabbiner. Julius Würzweiler, Bankier. Zur zionistischen Bewegung. Proteste und Warnungen aus Deutschland, England und Amerika. Eine zionistische Stimme aus Bulgarien. Die „Allgemeine Zeitung des Judenthums" in Berlin, Nr. 34 vom 11. Juni, publicirt an leitender Stelle nachstehenden Protest: „Das war eine schöne Bescheeruvg! Unmittelbar vor dem Feste welches uns mehr als jedes andere in Erinnerung bringt, daß Israel von Haus aus die Bestimmung hatte, „ein Reich von Priestern" zu sein, erhielten wir aus Wien die neue Zeitung der ,,Zionisten", „Die Welt" genannt, worin für den Congreß der Nationaljuden der auf den 25. August d. I. nach München einberufen ist, Stimmung gemacht werden soll. „Die Zeitung ist ein Unglück, das abgewehrt werden muß. So lange die Zionisten hebräisch schrieben, waren sie nicht gefährlich, jetzt, da sie deutsch schreiben, muß man ihnen entgegentreten. Nicht, um sie zu widerlegen. Denn was soll man mit Leuten reden, die auf der einen Seite für ein Nationaljudenthum schwärmen und auf der anderen Seite sich über die österreichische Regierung beklagen, daß sie von dem Bewerber um eine Secretärstelle in der Bukowina den Taufschein fordert? Wenn die Bestrebungen der Zionisten von den österreichischen Juden gebilligt würden, dann dürften diese sich nicht beklagen, daß sie von der Regierung als Fremde behandelt und von den Staatsämtern ausgeschloffen werden." „Nur weil wir aus vollster Ueberzeugung zu unseren Landsgenoffen sagen können, daß wir lediglich in religiöser Beziehung eine besondere Gemeinschaft bilden, daß wir aber in nationaler Hinsicht uns vollkommen eins mit ihnen fühlen und die geistigen und sittlichen Ziele des theuren Vaterlandes mit gleicher Begeisterung erstreben, dürfen wir auf volle Verwirklichung der Gleichberechtigung dringen und jede Verkümmerung derselben als eine Verletzung unserer heiligsten Gefühle empfinde».* „Was soll man ferner dazu sagen, wenn die Herren so naiv sind, zu glauben» daß die westeuropäischen Juden ihr Geld dazu hergeben werden, dem Türken Palästina abzukaufen und eine jüdische Organisation zu schaffen, welche die ganze Entwicklung des Judentums auf den Kopf stellt? Ueber das Nationaljudenthum hat die Geschichtevor achtzehnhunüert Jahren durch die Auflösung des jüdischen Staates und die Einäscherung des Tempels entschieden, und es ist mit eine der höchsten Errungenschaften der neueren jüdischen Wissenschaft, daß sie dieser Auffassung die weiteste Verbreitung unter den Juden aller Culturländer verschafft hat. „Eine völkerrechtlich gesicherte Heimstätte" wollen die Zionisten für diejenigen Juden schaffen, „die sich an ihren jetzigen Wohnorten nicht assimiliren können oder wollen*'. Aber wo sind denn die Juden, die sich nicht assimiliren wollen? Daß sie es in manchen Ländern zur Zeit noch nicht kann en, legt uns gerade die Pflicht auf, in Gemeinschaft mit den edelsten und besten Männern aller Bekenntniffe für die Aufhebung von Ausnahmegesetzen zu kämpfen. Gegen eine derartige Denunciation sowie gegen den Schimpf, den uns die Zionisten dadurch anthun, daß sie von einer „Jud ennoth" sprechen, von welcher sie die Mächte befreien wollen, verwahren wir uns auf das Entschiedenste, und wir wiffen uns hierbei in völliger Uebereinstimmung mit allen jüdischen Gemeinden des deutschen Vaterlandes." „Die Zionisten aber fragen wir, in wessen Namen und Auftrag sie denn reden? wer ihnen ein Mandat ertheilt hat, einen Congreß> der nicht einmal in Przemysl, Grodno oder Jassy am Platze wäre' nach München einzuberufen? Wir verwahren uns dagegen, daß die

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