Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 24 (11.6.1897)
- Date
- 1897-06-11
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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^erte 498 Dr. Vlorh's Wochrnschrist. Nr 24 des 50jährigen Regierungsjubiläums Sr. Majestät unseres Kaisers zu erbauenden Gotteshauses statt. Lemberg. (T r a u u n g.) Am 20. Juni findet im hiesigen israelitischen Tempel um 4 Uhr die Trauung von Frl. Rudolfine T h o m, Tochter des Herrn Leo Thom, Großindustriellen und Ritters des Franz Josef-Ordens, mit Herrn Wilhelm B i e ls ch o w s k y, Besitzer des Rittergutes „Keßbürg" (Westpreußen), statt. Aölu, 23. Mai. Ein Bazar zu Gunsten der Bewahra n st a J t u li b Kochschule erbrachte den namhaften Betrag von 12.000 Mark. Das überaus segensreich wirkende Institut, das unter Leitung der Frau Rabbiner Dr. Plato steht, hat vorgestern für den Preis von 53.000 Mark ein eigenes Grundstück erworben. Als ein ferneres Ehrenzeugniß für den Opfersinn unserer hiesigen Glaubensgenossen verdient mitgetheilt zu werden, daß für den beabsichtigten Neubau des Hauses des „Vereins z u r F ö r d e r u n g de sH and Werks unter den Juden" 40.000 Mark gespendet wurden. Hamburg. (Auf Wunsch Sr. Excellenz des Grasen von W a l d e r s e e), Generaloberst der Cavallerie, übersandte der Prediger der Deutsch-israelitischen Gemeinde, Herr Dr. D. Leimdörfer, eine größere Anzahl von Exemplaren der unter dem Titel „National und Religiös" erschienenen, im hiesigen Tempel gehaltenen Centennarrede zur Vertheilung an Soldaten israelitischer Confession im IX. Armeecorps. Die zum Besten der Kaiser Wilhelm-Stiftung veröffentlichte Rede, die sich durch Schwung und Vaterlandsliebe ausgezeichnet, erregte die Aufmerksamkeit weitester Kreise und hatte für den auf dem Gebiete deutscher Kanzelberedsamkeit hervorragenden Autor manche Anerkennung seitens hochgestellter Persönlichkeiten zur Folge. Bukarest, 28. Mai. Zwei Polizeibeamte in Bacau, welche überführt wurden, daß sie einige Juden derart gemartert hatten, daß zwei von ihnen sofort starben und die anderen lebenslänglich Krüppel bleiben werden, wurden zu 100 Franks Geldbuße verurtheilt. Das ist rumänische „Justiz"! Paris, 22. Mai. Eine jüdische Dame, welche ungenannt bleiben will, hat 2'/- Millionen Francszu einer Stiftung gespendet, welche an Frauen und Mädchen ohne Unte rschied des Glaubens, die unverschuldet aus Reichthum in Armuth gerathen sind, jährliche Renten ä 3000 Francs gewährt. Paris. Madame Jules Porges, die Schwägerin der verunglückten Madame Theodore Porges, hat ihr Haus, das in der Nähe der Unglücksstätre sich befindet, sofort nach der Katastrophe für die Verwundeten zur Verfügung gestellt und sie selbst gepflegt. Die Regierung hat ihr nun die goldene Medaille verliehen. Brüssel. Vergangene Woche überreichte Se. Majestät der König Leopold persönlich Herrn Jacob Simon, einem in Brüssel lebenden Deutschen, die goldene Medaille und Krone. Herrn Simon wurde die Ehre zutheil, weil er mit eigener Lebensgefahr zwei Menschen vom sicheren Tode rettete. Der heldenmüthige Mann hat schon sieben Medaillen für ähnliche tapfere Thaten erhalten, so hat er vier Personen vom Ertrinken errettet. London. Fräulein Ella Pancera's erstes Concert in der St. James Hall war ein ungeheurer Erfolg. Es finden noch zwei Concerte statt. London. Miß Alice Joseph, die ausgezeichnete Mathematikerin, ist vergangenen Montag hier im Alter von 24 Jahren gestorben. Sie war Assistent für Mathematik an Bedford College und erst vor Kurzem zum „Demonstrator" an der medicinischen Hochschule für Frauen ernannt worden. Sie war ein ungewöhnlich reizendes Geschöpf und ungemein beliebt. London. Der Chief-Rabbi ist officiell vom Bischof von London eingeladen worden als Vertreter der jüdischen Gemeinde dem Dankgottesdienst in der St. Pauls-Kathedrale am Jubiläumstage beizuwohnen. London. Lord Roseberry hat für den Baufond der Edinburgher Synagoge 50 Pfund gespendet. London. Die Münzensammlung des verstorbenen Mr. Hyman Montagu hat in London 35.700 Pfund (fast 430.000 Gulden) und in Paris 363.000 Francs erzielt. Haag, 1. Juni. Vom berufenster Seite werden wir ersucht, mitzutheilen, daß in dem benachbarten S e e b a d e Schevenin gen keim jüdischer Metzger wohnt, der als rituell zuverlässig anerkannt werden kann, daß Jeder, der daselbst eigene Küche führt, das Fleisch leicht aus Haag beziehen kann, sich jedoch über die Zuverlässigkeit des Lieferanten beim Rabbinat erkundigen muß, da hier jüdische Metzger wohnen, welche ihre Maaren als koscher anpreisen, die tatsächlich laut Erklärung des Rabbinats als absolut trefa zu erachten sind. Stockholm. Rabbiner Dr. Klein in Stockholm, welcher im vergangenen Winter im Aufträge des Königs von Schweden, vor dieseni, einem Theile der Hofgesellschaft und den angesehensten Gelehrten des Landes eine Reihe von Vorträgen über „Christenthum und Judenthum" gehalten hat und dafür vom König eine goldene Medaille mit der, Inschrift: „In «ui meiuoriam" erhielt, ist aus demselben Anlasse von der philosophischen und theologischen Facultät Upsala zum Professor ernannt worden. Petersburg. Die Kaiserin-Witwe hat an die Herren David und L. Poliackoff ein eigenhändiges Schreiben gerichtet, in welchem sie ihnen für ihre reichen Spenden zu Gunsten des kaiserlichen Waisenhauses ihren Dank ausspricht. Ihre Majestät ist die Präsidentin des betreffenden Instituts. Constantinopel, 26. Mai. Unsere Stadt gibt ein erfreuliches Bild von dem guten Verhältnisse der Juden mit den anderen Nationen, was erneute Bestätigung in der Thatsache findet, daß Herr Großrabbiner Mose L e v i und der griechische Patriarch mit einander Besuche ausgetauscht haben, „um das herzliche Einvernehmen zwischen den jüdischen und christlichen Unterthanen des Sultans öffentlich zu documentiren." Johannesburg, 4. Mai. Der Pessach-Gottesdienst i wurde in unseren beiden Synagogen mit großer Feierlichkeit abgehalten. Die Synagogen waren festlich geschmückt und erfreulicherweise gut besucht. In der alten Synagoge sprach Rev. j M. L. Harris über den Text 2. Buch Kön. 23, 21, indem , er unter Anderem ausführte, daß in allen Ländern, wo die Juden die Speisegesetze beobachten, die Sterblichkeitsquote außerordentlich niedrig ist, in Johannesburg dagegen, wo die Beobachtung dieser Vorschriften bereits zur Seltenheit geworden ist, die Juden auch zur Sterblichkeitsziffer einen Antheil stellen, der ihrer Seelenzahl vollständig entspricht. In der neuen Synagoge predigte Rev. I s a a c s und forderte zur Sammlung von Geldern für , ein jüdisches Krankenhaus in Johannesburg auf, welches bei dem starken Wachsthum der Bevölkerung in der That zu einer Nothwendigkeit geworden ist. Feuilleton. Mein einziger Cylmderhut. (Ein Blatt aus der Preßburger Jeschibah.) Nur wenige Tage nach meiner Bar-Mizwah-Feier führte mich mein Vater auf die Jeschibah nach Preßburg. Er beeilte sich mit diesem Schritt, weil ich eigentlich fürs Stndiren bestimmt und vorbereitet war und blos als Dankopfer für seine Genesung nach langer Krankheit zum „Lernen" geweiht wurde. Wie leicht hätte aber Satan die Ausführung dieses frommen Gelübdes vereiteln können, wenn es nicht rasch vollzogen worden wäre! Ich kam nach Preßburg noch mit langen Haaren und einnn weichen Filzhut mit breiter K r ä m p e, welche beide damals Attribute eines „Studenten" waren. Mein älterer Bruder, der bereits in Preßburg war und den mit vielen Beneficien verbundenen, nur an sieben der vorzüglichsten Bachurim ertheilten Rang eines „Schobses-Bachurs" einnahm und unter dessen Obhut ich kommen solltegönnte mir in den ersten Tagen noch alle erdenklichen Freiheiten, ungefähr wie man dem Delinquenten vor der Execution alle Wünsche erfüllt. Ich besichtigte die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten und gewann Preßburg lieb. Aber endlich mußte doch einmal auch die „Einkleidung" vor sich gehen. Und eines schönen Tages fiel mein langes Haar, bis auf die zwei Schläfenbüschel, unter der Scheere eines zu dieser Execution eigens bestellten Bachurs. Wenn es wenigstens die weichen Hände einer Delilah gewesen wären! Allein der rothbärtige, widerliche Junge lachte dabei noch so grausam, während ich wie eine junge Braut weinte, der man den Kopfschmuck abschneidet. Und als er fertig war, setzte mir mein Bruder, der ihm assistirte, schnell, damit ich keinen Augenblick barhäuptig sei, ein bereit gehaltenes Sammtkäppchen, fast nicht größer als die Tonsur eines Galuchs, auf. Diese Sammtkäppchen waren eine Specialität der Industrie der Preßburger Gasse, wie die Tefillin von Jzekel Sofor, welche beide Artikel