Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 24 (11.6.1897)
- Date
- 1897-06-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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£>eur 492 Dr. V Loch s Wochenschrift >lLr. 24 Zir dem Franzosen Massebieau und dem Engländer Conybeare gesellt sich nun als Dritter auch ein deutscher Philologe mit einer eingehenden Vertheidiguug der Echtheit von Philos Schrift über das beschauliche Leben. Von vornherein sei der Leser daraus aufmerksam gemacht, daß uns noch kein Philokritiker vorgekommen ist, der in dieser Weise in der griechischen Literatur, in die Philo einzuordnen ist, belesen wäre als der Verfasser. Wenn wir also hier kurz sein müssen, so wolle der Leser die reichen Details der Beweisführung zur Ergänzung selbst heranziehen. Der Verfasser beginnt damit, daß mit Sicherheit nicht vom Neueil Testament und den apostolischen Vätern, sondern erst von Alexandria aus ein von Philo ausgehender Einfluß constatirt werden könne. Origines hatte nachweisbar eine Sammlung von Philoschriften. Bei Clemens von Alexandrien und Origines findet zuerst deutliche Benutzung Philo's statt. Von Alexandria wanderte die Kenntniß Philo's nach Caesarea. Zu den hier tradirten Schriften gehörte auch de Vita coutemplativa, die also schon von dieser ältesten Ueberlieserung des frühen 3. Jahrhunderts für echt gehalten wurde, wie sie denn als solche auch bei Lactantius vorausgesetzt wird. Nachdem die äußere Ueberlieferung erörtert ist, untersucht der Verfasser die Stellung unserer Schrift sowohl innerhalb des philonischen Schriftthums, als in der jüdischen Literatur. Die Einleitung von de Vita coutemplativa mit ihrer Hindeutung aus eine unzweifelhaft echte Schrift Philo's, worin eine Schilderung der Essener als Vertreter des »praktikos bios“ enthalten sei, bezieht sich nach dem Verfasser nicht auf Onoä omnis probus über, sondern auf die sogenannte Hypothetika bei Euseb. VIII. II. Ein dritter Abschnitt des Verfassers beschäftigt sich mit „Sprache und Stil der Schrift" äs Vita contempiativa. Hier erhalten wir eine reichhaltige, gegen Conybeare hie und da kritische Sammlung des sprachlichen Materials an Worten, Wendungen, Formen, wobei der Verfasser zuletzt auf einen Punkt eingeht (S. 730 t) der sehr wichtig ist, nämlich auf die Behandlung der Partikeln. Hier stößt die Annahme einer Nachahmung des philonischen Stils in äs Vita eoutsmplativa auf große Schwierigkeiten, -da auf dieser» Gebiete ein Schriftsteller unwillkürlich in feine eigene Weise zurückzufallen und vom nachgeahmten Borbilde abzuweichen pflegt. — Sodann betrachtet der Verfasser „Die Schilderung der Therapeuten" in äs Vita coutemplativa. Dieselbe ist offenbar theilweise so von der Phantasie dictirt, daß es sehr schwer ist, das wirklich Historische festzustellen. Auch Verfasser sieht sich genöthigt, hier starke Abstriche zu machen. Aus einem Verein von Verehrern Gottes und der Tugend, der über viele Orte in der Welt, auch in Barbarenländern, verbreitet ist, „wird ein nichts eben bedeutender Verein von Juden, die unter Verzicht auf ihren Besitz sich zu gemeinsamer Gottesverehrung zusammengethan haben" (S. 737). Die Untersuchung „des Ursprunges der Therapeuten" stellt mit Recht zunächst die zahlreichen unzweifelhaft jüdischen Züge ihres Cultus und ihrer Askese fest, an denen Luciu's Hypothese scheitert, da es doch nicht gelingen kann, hierin verhülltes Christliche nachzuweisen. Daraus ergibt sich dem Verfasser die nähere Bestimmung, daß wir es hier mit einem Verein von jüdischen Schriftgelehrten zu thun haben. Zuletzt beschäftigt sich der Verfasser mit den Hypothesen, die in äs Vita coutemplativa verkappte christliche Askese finden wollen, wie dies in alter Zeit Eusebins und in neuer Lucins gethan haben. Man muß wohl dem Verfasser zugeben, daß in de Vita coutemplativa keine Schilderung eines christlichen Mönchslebens gefunden werden kann. Ziehen wir die Summa, so müssen wir deni Verfasser zugestehen, daß es von der sprachlichen Seite aus Philo's Verfasserschaft äs Vua coutemplativa aufs Höchste wahrscheinlich gemacht hat; andererseits aber muß doch auch hervorgehoben werden, daß die inneren Schwierigkeiten immer noch ein Hinderniß für diese Annahme bilden, das auch vom Verfasser noch nicht ganz überwunden ist. 5. E. Meyer: Die Entstehung des Judenthums 1896. Als Parergon zur Geschichte des Perserreichs (im noch ausstehenden 3. Bde. seiner Geschichte des Alterthums) hat Eduard Meyer unter obigem Titel soeben eine Studie über die biblischen Quellen für die Geschichte der jüdischen Gemeinde von 538—445 ausgehen lassen, deren Ertrag für die historische Forschung von ungeahnter Bedeutung ist. Auf Grund einer peinlich genauen und in der That erstmalig methodischen Unternehmung der in Ezra und Nechemia vorliegenden Urkunden und Docuulente hat Meyer bewiesen, daß die traditionelle Anschauung über die Genesis des Judenthums im Wesentlichen völlig richtig ist, und daß vor ihr Köster's Sturmlauf gegen die Tradition (bet bersiel van Israel 1893) und die auf den Trümmern der Ueberlieferung von ihm errichtete Construction einer Geschichte der jüdischen Gemeinde im sechsten und fünften Jahrhundert in nichts zusammensinkt. Welche Schätze in diesem Theile des Werkes des Chronisten verborgen liegen, davon freilich hatte die bisherige Forschung kaum eine Ahnung, und es ist das Verdienst des Historikers, hier die Fehler der unmethodischen und beschränkten Forschungsweise der Theologen aufgedeckt und verbessert zu haben. Meyer's Unternehmung ist von so eminenter Bedeutung, daß sie über die Kreise der alttestamentlichMr Fachgenossen hinaus studirt werden muß. Das Ganze gliedert sich in vier Capitel: I. Die persischen Urkunden in Ezra 4—7. 2. Ergebnisse und Folgerungeil. 3. Das jüdische Gemeinwesen vom Exil bis auf Nechemia. 4. Das Gesetzbuch Ezra's. Dieser Analyse der Quellen ist dann auf Seite 234—243 ein kurzer Aufriß der durch sie erschlossenen historischen Entwicklung angefügt. 6. Robertson I. Die alte Religion Israels vor dem achten Jahrhundert vor Christo nach der Bibel und nach den modernen Kritikern. Deutsch von Orelli 1896. Dieses Buch gehört zum besten, was irr den letzten zehn Jahren über alttestamentliche Dinge geschrieben worden ist. Mit den Hauptwerken der neuen Schule durchaus vertraut, untersucht der Verfasser den ganzen stolzen Aufbau der Geschichte und Religion Israels durch die siegesgewissen modernen Baumeister, namentlich in seiner Grundlegung (der vorprophetischen Zeit) mit stets gleicher unerschütterlicher Ruhe und Besonnenheit, über die nur hie und da die Lichter eines wohlberechtigten Humors Hinspielen und zeigt unter Einem unwiderleglich, wie in fast allen entscheidenden Behauptungen die moderne Entwicklungstheorie von den sichersten Quellen verlassen m\b darauf angewiesen ist, mit Hilfe des thatsächlich erst zu beiveisenden Entwicklungsschemas die Quellen zu beschneiden, zu verdächtigen, zurecht zu machen. Auf Grund einiger Beobachtungen aus der Vogelperspective wird von den Kritikern der Gang der israelitischen Geschichte ein für allemal festgestellt und alle Zeugen daraufhin verhört und nach diesem Maße beurtheilt, eventuell mit Verdacht entlassen und weggeschickt, ob sie sichin jenes" Schema fügen, ftüher namentlich die Geschichtsbücher, jetzt aber auch die Propheten. Einer der glänzendsten Abschnitte des Buches ist der Nachweis, daß das Bild der Vergangenheit und das religiöse Urtheil über sie bei Amos und Hosea, den Hauptheiligen der neuen Schule, genau das Gleiche ist wie in den „deuteronomistisch übermalten" Geschichtsbüchern. Die ganze Beweisführung des Verfassers läuft darauf hinaus, daß die einzigartigen Vorzüge der Religion Israels, ein stark ethisch bestimmter Monotheismus, ihr von allem Anfang an eigen waren in Kraft einer specifischen göttlichen Offenbarung und daß jeder Versuch, jene Vorzüge auf dem Wege natürlicher Entwicklung von roheren zu feineren Vorstellungen herzuleiten, in unlösbare Schwierigkeiten und unmögliche Annahmen verwickle. Es bleibt dabei, daß hier eine Geschichte 8ui generis, nicht unter einen Hut mit heidnischen Religionsformen zu bringen vorliegt; vernünftige Entwicklung ist dabei so wenig ausgeschlossen, daß sie vielmehr erst in der Geschichtsbeleuchtttng der biblischen Autoren zu ihrem vollen Rechte kommt. Es ist nicht möglich, hier über den reichen Inhalt des Werkes ausführliche Rechenschaft zu geben; wir sähen es gerne in den Händen aller Derer, denen die um sich greifende Verzauberung durch die neue Schule noch ein Ohr für andere Stimmen offen gelassen hat. Die deutsche Uebersetzung ist vortrefflich; ihr Bearbeiter verdient den wärmsten Dank dafür, daß er diese im besten Sinne polemische Schrift nicht nur dem Theologischen, sondern jedem gebildeten biblisch-interessirten deutschen Leserkreis zugänglich machte. 7. B e n e w e t s ch N. Das slavische Henochbuch. 1896. Mit einer sehr werthvollen Gabe beschenkt Benewitfch die Theologie. Hat er doch durch seine Veröffentlichung des Buches der Geheimnisse Henoch's eine Schrift zum ersten Mal zugänglich gemacht, deren Origines gedenkt und auf welche die „Testamente der 12 Patriarchen" Bezug nehmen. Der Inhalt zerfällt in drei Hauptabschnitte. Im ersten Abschnitt (e. 4—20) erzählt Henoch seine Reise durch die sieben Himmel. Er wird von zwei Engeln in den ersten Himmel erhoben, dann in den zweiten, dritten, vierten bis zum siebenten. Es wird genau berichtet, was er in jedem geschaut hat. Der