Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 24 (11.6.1897)
- Date
- 1897-06-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr.. 24 Vr. Vloar s JPDthenfitirttt. Sette 49 i richtsverhandlungen, Steuereinschätzungeu, Acten aus den Archiven von Dorfgemeinden und Tempeln. Zn solchen mehr oder weniger officiellen Sachen kommen jedoch auch Stücke von völlig privatem Charakter, lch meine eine große Menge wirklicher Briefe und Briefchen des verschiedensten Inhaltes. Schon ans der vorstehenden Charakteristik dürfte hervorgehen, welche Bedentung die Pnblication für den Philologen, den Historiker und den Juristen haben muß Aber auch der Theologe darf sie begrüßen, ohne daß das Gefühl in ihm erwacht, er sei wieder einmal zn kurz gekommen. Zunächst erweitern einige der bekanntgegebenen Nummern unmittelbar unsere Kenntnis der Geschichte des Indenthums und des Christenthnms. N. 511 ein Stück, so alt-etwa wie die Theffalonicherbriese ist von Wilckeu eingehend untersucht, Alexandrinische Gesandtschaften vor Kaiser Claudius (Hermes XXX 481 ff.); durch ein nengefundenes Fragment ist es dann wesentlich ergänzt worden (). Reinach Thaod. d’euinar. rc.). Der Papyrus gibt einen protokollarischen Bericht über Verhandlungen, welche vor Kaiser Claudius stattgefunden haben. Der Name „Klandins Kaisar" ist mehrmals vollständig erhalten; die redenden Personen worden in der ersten Person eingeführt. Wir haben es also mit dem Bericht eines Theilnehmers an diesen Berhandlungen zu thnn. Als handelnde Personen treten namentlich hervor: Jsidorus, Gymnasiarch von Alexandria, und ein gewisser Lampon. Beide sind, wie wir an: Schluffe des Fragmentes von Gizeh erfahren, vom Kaiser znm Tode verurtheilt worden, erheben aber hier Anklage gegen König Agrippa. Unter letzterem versteht Wllcken Agrippa 1l., weil die Verhandlung des zweiten Tages in den Gärten des Lncnlns stattgefunden hat, welche erst nach dem Tode Agrippa's l. in den Besitz des Kaisers gekommen sind. Jedoch scheint Reinach Recht darin zn haben, daß dies kein durchschlagender Grund ist und daß es viel näher liegt, an Agrippa I zu denken. Denn dieser hatte ja durch sein Anstreten in Alexandria sich die Feindschaft der dortigen Bevölkerung zugezogen. Die Stücke sind namentlich deshalb von Interesse, weil sie beit Bericht Philos über die Vorgänge unter Caligula und Claudius nicht nur bestätigen, sondern auch ergänzen Jsidorus und Lampon sind uns nämlich ans Philo wohlbekannt. Sie werden von ihm als zwei Unruhestifter schlimmster Sorte geschildert, welche auch bei der Hetze gegen die Inden an der Spitze standen (in Flaccnm ß 4 und 15—17). Von Claudius wurden sie nun zur Verantwortung gezogen und zum Tode verurtheilt. Ob das Urtheil vollzogen wurde, läßt sich ans unserem Papyrus nicht entnehmen. Vielleicht gehört zn diesen Fragmenten auch Nr. 588 (l. Jahrhundert nach Christi), aber es ist wohl auch nicht unmöglich, daß wir hier ein neues Bruchstück einer anderen für die jüdische Geschichte hvchbedentsamen Gruppe von Papyrusfragmenten vor uns haben, die sich aus den jüdischen Krieg Trojans beziehen. Die Papyri bezeugen das Vorkommen von Juden in Faijum durch mehrere Jahrhunderte hindurch. (Siehe Schürer, Geschichte des jüdischen Volkes. Band 2, 65—07.) Der Umstand, daß es fast ohne Ausnahme unliterarische Stücke sind, ist für uns von einem besonderen Werth. Wir sind so leicht geneigt, alles Schriftliche, das uns die Vorzeit hinteclassen hat, mit den Augen des literarischen Menschen anzusehen; das Neue Testament gilt bei den Meisten zweifellos als die Sammlung der ältesten christlichen Literatur. Die Papyri können uns die — selbstverständliche — Wahrheit deutlich machen, daß nicht alles Geschriebene Literatur ist; sie zeigen uns — was wir ohnehin wissen sollten — an vielen Originalbeispielen, was ein Brief, was ein antiker Brief ist, und weisen uns damit den Weg, auf dem man verstehen lernt, was zum Beispiel ein Paulnsbries ist. Aber auch der geschichtliche Gesammteindrnck, den man durch das Studium der Papyri erhält, ist für den Theologen eine eutschieden werthvolle Erwerbung. Das Bild des Zeitalters, an welches sich das jübische Christenthnm mit seiner Verkündigung wandte, gewinnt deutlichere Züge; ich finde nicht, daß es sich zu seinen Ungnnsten verändert. Wer sich mit diesen schlichten absichtslosen Denkmälern einer vergangenen Cultur beschäftigt, der kann meines Erachtens die Kaiserzeit nicht mehr mit der advoeatenhasteu Einseitigkeit jener Apologetik betrachten, daß die Tugenden des Heiden nur glänzende Laster sind, als wäre es für das Jndenthnm und Christenthnm eine größere Ehre, einer in sich völlig verrotteten Cultur Herr geworden zu sein. 2. Willrich H ugo: Juden und Griechen vor der makkabäischen Erhebung. 18 >5. Ueber die Geschichte des jüdischen Volkes von Alexander dem Großen bis zur Makkabäerzeit ist bekanntlich die lieberlieserung bei Josephns und anderen Schriftstellern eine äußerst dürftige. Diese dürftige iieberliesernng zn prüfen, ist die Absicht des vorliegenden Buches, lind das Resultat ist, daß auch das Wenige, was man bisher zn wissen geglaubt hat, auf Erfindung beruht. Wir wissen über deren Periode so gut wie gar nichts. Willrich hält Alles, was über Ansiedlungen von Juden in Egypten vor der Makkabäerzeit erzählt wird, für erdichtet. Ter Urheber dieser Fabeln ist Pseudo-Hekatäns, der frühestens um 100 vor Christi geschrieben hat. In Wirklichkeit beginnt nach Willrich die egyptische Diaspora erst mit dem Hohenvriester Onias, der, ans Jerusalem verdrängt, den jüdischen Tempelcultus in Leoutvpolis begründet hat. Welche gewaltsame Operationen aber Willrich vornehmen muß, um seine Hypothese aufrecht zu erhalten, zeigt besonders der Abschnitt über die Eutstehungszeit der Septuaginta. Seit den sorgfältigen Untersuchungen von Fceudeathal darf es als höchst wahrscheinlich galten, daß der jüdische Hellenist Demetrius unter Ptolomäus IV. (222—205 vor Christi) geschrieben hat. Die Septuaginta-Uebersetzung hat aber wiederum die Existenz einer jüdischen Diaspora in Egypten zur Voraussetzung. Wenn es demnach richtig ist, daß Demetrius um 220 geschrieben hat, dann muß spätestens um die Mitte des dritten Jahrhunderts vor Cpristi eine jüdische Diaspora in Egypten existirt haben. Um diesem Resultat zn entgehen, sucht Willrich durch künstlich anfgesammelte Zweifelgründe die Ansätze Freudenrhal's für die Zeit des Demetrius unsicher zu machen, ans keinem anderen Motiv, als weil nun einmal die Inden nicht schon im dritten Jahrhundert nach Egypten gekommen sein foHeu, was doch die urkundlichen Zeugnisse bezeugen. Unter den von Flinders Petrie gefundenen und von Mahassy herausgegebenen Papyrustexten ans dem Faijüm ist eine Urkunde (228 267 vor Christi), in welcher die in dem Dorfe wohnenden Inden und Hellenen aufgefvrdert werden, für die in ihrem Besitze befindlichen Sclaveu eine besondere Steuer zu entrichten. Zn dem Erwägenswerthen sind in erster Linie die llntersuchungen über die Vorgeschichte der makkabäischen Erhebung und die damit zusammenhängende „Oaiadentraditiou" zu zählen. Manches ist hier sehr scharfsinnig und ernsthafter zu nehmen. 6. F. C. Coilybeare: Poilo obout tha contaimlutivc 2o hj 1895. Das vorliegende Werk ist für den Traktat da Vita c ontamplativa in vielfacher Beziehung von abschließender Bedeutung; aber damit ist die Bezeichnung seines Werthes noch nicht erschöpft es wird Einfluß auf das ganze Philostudium ausüben. Die Hauptleitung des Ganzen ist die neue Textausgabe von ctü vita eonteaiplativu Eine sehr werthvolle Beigabe find die unter dem kritischen Apparat angegebenen reichen Parallelen aus dem sonstigen Sprachgebrauch der Schriften Philo's zu den Worten und Ausdrucksweise von da Vita oontemWativa. Wir haben hier eine wahre Fundgrube für das L-rudium des Philoneifchen Sprachrngebrauches und der Lexikographen Philo's und überhauvt der m-dia ct iutinva graecitis und tonnendem Verfasser für die Beschaffung dieses Materials nicht dankbar genug sein. Im Folgenden erhalten wir nach einer textkritischen Einleitung (S. 189—14.5» eine kritische Ausgabe der alten lateinischen Version von da Yitaeontemplativa (S. 146—15:0, der die Baseler Ausgabe von 1527 zu Grunde gelegt ist. Von Z. 145 — 189 folgt nebst Einleitung der Edition der armenischen Version nach4Handschriften theilsdes Mechitharistenklosters zu Venedig, theils der Bibliothek v. Edschmiadzin am Ararat. Wegen ihrer strengen Wörtlichkeit war diese Uebersetzung von großem Werth für die Säuberung des griechischen Textes. Auf S. 180—191 sind die Eusebianischen Excerpte nebst der Uebersetzung des Rnsinus abgedruckt. Viel Scharfsinn und Sorgfalt hat der Verfasser in einer besonderen Abhandlung S. 258—2.58 dem Nachweise zugewendet, daß dieSchrift da Vita contamplativa denechtenArbeitenPhilo's zuznrechnen sei. Nachdem zuerst von H. Graetz darin Zweifel erregt waren, trat 1880 Lucius (Die Therapeuten) mit der Behauptung aus, daß da Vita contemplativa eine christliche Schrift des 6. Jahrhunderts sei, die unter jüdischer Hülle das christliche Mönchsleben verherrlichte. Es widersprachen Cohn, Maffebieau und Friedländer. Ihnen gesellt sich unser Verfasser zn, dem auch P. Wendland bei tritt. 4. Paul Wendland, die Therapeuten ltnd die vhilvnische Schrift vom beschaulichen Leben. 1896.