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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-11 · 24 (11.6.1897) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
24 (11.6.1897)
Date
1897-06-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 24 Vr. Vwch's Wochenschrift Seite 487 Lampe des ewigen Lichtes und ungefähr 60 Münzen mit dem Bildnisse von Ferdinandll. rc. Da die Fundgegenstände und der Ort in der Nähe des Tempels auf jüdischen Ursprung schließen ließen, wurde ich vom Bürgermeister über mein Gutachten befragt. Ich begab mich an den Fundort und sah zu meiner nicht geringen Ueberraschung, daß dieser dieselbe Stätte ist, wo ich vor ungefähr 10 Jahren gemeinschaftlich mit Professor Kaufmann einen Grabstein sah,! dessen Inschrift wir jedoch nicht entziffern konnten, trotzdem wir Augen und Hände fast einen halben Tag anftrengten. Ein versuchter Abklatsch mißlang. Dieser Garten ging nämlich später in den Besitz der Stadt über, die dort ein Gefängniß und eine Bürgerschule anlegte. Da ich zur Zeit des Besitzwechsels leidend war, gab ich dem Vorsteher der Chewra-Kadischa den Auftrag, die Exhumirung dieser Gräber vorzunehmen. Allein dieser beachtete nur die bekannten 2 Gräber von Wiener Exulanten, die während des Aufstandes im preußisch-österreichischen Erbfolgekrieg erschlagen wurden. Das genannte unter einem Fliederstranch gelegene Grab blieb vermuthlich an seiner Stelle. Ich gab mein Gutachten dahin ab, daß dieses Grab aus derselben Zeit wie die früher genannten stamme, ans dem Jahre 1742 nämlich, möglich aber ans dem Schwedenkriege 1642. Wie diese Schätze dahin kamen, ist mir unerklärlich. Möglich, daß der jüdische Besitzer dieser Schätze sie dort vor der Plünderung verbarg und dann erschlagen wurde. Auf den jüdischen Ursprung deutet ein goldener Ring mit der Inschrift: ■’rßtp »22V, vielleicht eine Abbreviatur. Die Griffe zweier silberner Messer laufen in eine Engelfigur aus. Ich bemerkte, um jedem Gerüchte vorzubeugen, die Juden dürften hier am Sitze des Bisthums mit Kirchengeräthen gehandelt haben; vergl. Ue8p. Zemach Zedek Nr. 36. Erst nachdem die Fundstücke gereinigt sein werden, werden sich Anhaltspunkte finden, um über diese dunklen Gegenstände Licht zu verbreiten. F. Association und Organisation. Ein unermüdlicher, tapferer Streiter für die Rechte unserer bedrängten Glaubensgenossen ist Herr Dr. Ludwig Ernst in Wien, der in einer Reihe von Broschüren seine sehr beachtenswertsten Ideen über die wirksamste Abwehr der gegen uns gerichteten Angriffe niedergelegt hat. Schon die Art, wie Dr. E r n st beflissen ist, diese Schriften zu verbreiten, ist ein Protest gegen den Antisemitismus, denn das Erträgniß derselben ist zum Wähle Armer ohne Unterschied der Confession bestimmt. Nicht also, um einen buchhändlerischen Erfolg zu erzielen, sondern um wirklich zu rathen und zu helfen, hat der Verfasser zur Feder gegriffen, und man kann daher nur wünschen, daß seine Schriften*) die weiteste Verbreitung gewinnen. Wie so manche Andere, so ist auch Dr. Ernst durch Herzl's „Judenstaat" zum Widerspruche gereizt worden. „Kein Judeustaat, sondern Gewissensfreiheit" ist der Titel seiner ersten Broschüre, und „der Hieb ist die beste Parade", ist die Losung unter welcher er kämpft. Dieser Losung getreu, verwirft er Herzl's Vorschläge als reine Defensivmaßregeln. „Wenn jede Minorität", ruft Dr. Ernst aus, „die durch eine Majorität zu leiden hat, wie beispielsweise die Polen und die Deutschen durch Rußland, die Irländer durch die Engländer — wenn mit einem Worte die angeblich oder wirklich unterdrückten Minoritäten, statt um ihr Recht zu kämpfen, einfach ein neues Vaterland aufsuchen würden, so müßte die Völkerwanderung sich erneuern und dasür ist heutzutage kein Raum und keine Gelegenheit vorhanden." Nicht in der Emigration, nicht in dem Ausweichen vor der Gefahr, sondern in der kühnen Bezwingung derselben, in der vollen Entfaltung der in ihm wohnenden gewaltigen Kraft soll das Judenthum nach der Meinung des Verfassers das Heil suchen, und darum verlangt er: „Association und Organisation", und er erklärt diese Begriffe folgendermaßen: „Wir denken nicht an eine materielle Gewalt oder etwa an einen Kampf mit materiellen Waffen .... Die Juden können, einmal richtig organifirt, aufklärend und veredelnd sowohl auf die eigenen Glaubensgenossen als auch auf Nichtjudön wirken und so den Boden für jedes *) Z" haben bei August Schulze, Buchhandlung, Wim, I., Franzensring 16. — Der Verfasser gibt das Exemplar zum Selbstkostenpreise ä 5 kr., und Jedermann kann durch Ankauf von 20 Exemplaren zur Verbreitung dieser Schrift in seinen Kreisen beitragen. Mißverständniß von vornherein unmöglich machen. Die geistigen Waffen des Judenthums sind stärker als alle materiellen Rüstmittel und nur durch diese Waffen wären sie im Stande, ihre Rechte, die gesellschaftliche Gleichstellung und die Achtung ihrer Mitbürger — gleichviel welcher Confession — zu erobern und zu erhalten". Der Gedanke, den Dr. Ernst' zum Ausdrucke bringt und dem er bei allen unserem Glaubensgellossen Geltung verschaffen will, geht also dahin, daß mau sich nicht vor den Borurtheilen beugen darf, sondern dieselben auf Schritt und Tritt bekämpfen müsse. An die Stelle des Kleinmuthes, der Resignation soll der energische Wille, die unerschrockene Thatkraft treten, die sich nicht biegen und nicht brecheli lassen. Das ist nun freilich nur möglich, wenn wir Judeil fest zusammenstehen, Einer für Alle und Alle für Einen. Daß nach dieser Richtung noch Vieles zu wünscheic übrig bleibt, daß die von unseren Gegnern mit solcher Vorliebe gegen uns ins Treffen geführte sogenannte „jüdische Solidarität" bis heute nur ein leeres Schlagwvrt oder ivenn man will, ein schöner Traum ist, wer weiß das nicht? Alle unsere Glaubensgenossen,, Arm und Reich, Hoch und Nieder, mit diesem Bewußtsein der Solidarität, der Gemeinsamkeit in Freud und Leid zu durchdringen, ist das hohe Ziel, ivelches Dr. Ernst sich gestellt hat, und die Mittel, welche er zur Erreichung dieses Zieles in Vorschlag bringt, sind durchaus gutzuheißen. Er denkt dabei zunächst an die Gründung von „Culturvereinen zur Ausrottung des Vorurtheils gegen das Judenthum", und etwas Aehuliches strebt za auch der nengegründete „O e st e r r e i ch i s chi s r a e l i t i s ch e G e m eindeb u n d an an dessen Spitze sich die Wiener Cultusgemeinde gestellt hat. An die Organisation der Cultusgemeinden will auch Dr Ernst anknüpfen und er hat deshalb an die Wiener Cultusgemeinde ein Schreiben gerichtet, in welchem er diese ersucht, die Gründung der von ihm projectirten „Culturvereine" in die Hand zu nehmen. Es dürfte nicht überflüssig sein, Zweck und Wirksamkeit dieser Vereine nach den vom Verfasser entworfenen Statuten näher zu definiren. „Der Verein", heißt es daselbst, „ist eine nichtpolitische Verbrüderung mit der eulturellen Mission, die Vorurtheile, welche 2000 Jahre Geschichte gegen das Indent hum angehäuft haben, aus dem Denken und Fühlen der Menschen zu bannen und der Wahrheit zum Siege zu verhelfen, daß Anstand, gute Sitten, Herzens- und Geistesbildung vom religiösen Bekenntnisse unabhängig sind, indem ja alle Religionen trotz ritueller Verschiedenheiten auf den gleichen Gesetzen der Sittlichkeit und Menschenliebe aufgebaut sind. Er soll ferner in den österreichischen Staatsbürgern jüdischer Confession das Bewußtsein ihrer Gleichwerthigkeit mit den Staatsbürgern anderer Confeffionen befestigen: durch Hinweis auf ihr gutes Recht, auf ihre culturelle und physische Ebenbürtigkeit, ferner durch Hinweis auf ihre, der Gesellschaft und dem Staate nützliche Wirksamkeit. Der Verein ist also vor Allem ein humanitärer, denn er bestrebt sich, die Sitten zu mildern und auf die Verhütung der Gräuel, welche durch religiöse Parteiungen hervorgerufen werden, dadurch zu wirken, daß er seine Anschauungen zum Gemeingute aller Freunde des Fortschrittes und aller wahrhaft gutgesinnten und edeldeukenden Menschen zu gestalten bestrebt ist." Zu diesem Zwecke sollen Vorträge abgehalten, Broschüren und sonstige Druckschriften verbreitet, Congresse einberufen und Schriftsteller, bildende Künstler Lehrer sowie die Seelsorger aller Culte ersucht werden, die Ideen und Bestrebungen des Vereines zu unterstützen. Wir müssen es uns versagen, an dieser Stelle eine eingehende Analyse des Gedaukengauges der von dem Verfasser veröffentlichten drei Broschüren zu geben undverweisen bezüglich der Details direct auf die Schriftchen selbst, deren Anschaffung wir unseren Lesern dringendst empfehlen. Die Ausdauer und Rührigkeit, mit welcher Dr. Ludwig E r n st bemüht ist, unsere Glaubensgenossen mit Zuversicht und Vertrauen in - die eigene Kraft zu erfüllen, verdient alles Lob, und wir wünschen aufrichtig, daß seine Bemühungen von Erfolg gekrönt seien.

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