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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-11 · 24 (11.6.1897) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
24 (11.6.1897)
Date
1897-06-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 486 -r. Vloch's VochrnkchrM Nr. 24 Der so gefeierte Direetor B. ist Jude. Er begann seine Carriere als kleiner Commis in einem kleinen Speditionsgeschäft und ist auch innerhalb der Hamburg-Amerikalinie ganz ohne Protection allmälig an die Spitze gerückt. Diese Gesellschaft dankt ihm thatsächlich ihren Aufschwung und die consolidirten Berhältnisse. Hervorzuheben ist, daß Ballin Derjenige war, der den Mutb hatte, die „Augusta Victoria" (4—5 Millionen Kostenpreis) in Deutschland zu bestellen; ein Mißerfolg hätte seine Stellung schwer gefährden können, während heute die Hamburg-Amerikalinie einer der mächtigsten Hebel für die Entwicklung der deutschen Werste, besonders der auf der Elbe, geworden ist. Es ist nicht ganz leicht, in allen Hamburger Kreisen beliebt und gleichzeitig in Berlin persona grata zu sein und von concurrirenden Nachbarn s o gefeiert zu werden. Die Hamburg-Amerikalinie beschäftigt 6000 Leute, hat ein Budget von mehr als 30 Millionen jährlich, der tägliche Verkehr bringt sie mit vielen Tausenden in stete Berührung, auch da ist es nicht ganz leicht, es Allen recht zu machen. Director Ballin, der, so viel ich weiß, nicht getauft ist, darf wohl als Beweis dafür gelten, in welch' hohem Maße jüdische Mitbüger, da wo freie Verhältnisse Entfaltung der Kräfte gestatten, dem Wohle der Allgemeinheit sich nützlich machen. Ein wackerer Gendarm. In der Nr. 23 vom 4. Juni berichteten wir über die mehrfache Rettung von Menschenleben durch unseren Glaubensgenossen Herrn Michael Hauser und heute können wir wieder über eine wackere That unseres Glaubensgenossen, des Postenführers Julius Werner vom k. k. Gendarmerieposten Königinhof berichten. Hierüber schreibt man uns von dort: „Am 23. Mai ging über Königinhof ein schrecklicher Wolkenbruch nieder, der einen großen Complex überschwemmte. Die Fluthen rissen Alles mit sich, und wer nicht rechtzeitig auf seine Rettung bedacht war, fand in den Wellen den Tod. In den Nachmittagsstunden des 23. v. M. wurde dem Gendarmerieposten in Königinhof angezeigt, daß in der Nähe der dem Herrn Pavliöeck gehörenden Mühle bei Zirm, sich 2 Personen in Lebensgefahr befinden. — Es war dies Frau Franziska Radowa und ihr fünfjähriges Töchterchen Anna. — Diese arme Frau, die seit sechs Stunden mit dem Kinde auf dem Rücken, eine Pappel umklammert hielt und so der reißenden Fluch Trotz geboten, war bereits so erschöpft, daß sie den Wellen keinen Widerstand mehr leisten konnte und denr Ertrinken nahe war. — Auf - ihre herzzerreißenden Hilferufe sind wohl viele Männer herbeigeeilt, diese umstanden jedoch die Unglücksstätte, ohne irgend etwas zur Rettung der beiden ertrinkenden Personen zu unternehmen, da kein Boot aufzutreiben war — als der Postenführer Werner anlangte, war es bereits Nacht und die herangebrochene Finsterniß gestaltete die Situation noch schrecklicher. Herr Werner befahl einige Holzstöße anzuzünden und als das Terrain so erleuchtet war, riß der Wackere eine Telegraphenstange aus dem Boden und auf dieser schwimmend, rettete er mit eigener Lebensgefahr Mutter und Kind vom sicheren Tode und brachte sie mit Hilfe einiger beherzter Männer, (2 Deutsche und 1 Czeche) unter Leitung des Herrn Ludwig Schick aus Schurz in die ganz von Wasser umgebene Mühle des Herrn Pavli'ek in Sicherheit — erst gegen 11 Uhr Nachts war das Rettuugswerk ganz gelungen. Zur Synagogenfrage in Prag. II. In unserem früheren Artikel haben wir die Nothwendigkeit des Baues neuer und großer Synagogen in Prag nachgewiesen. Biele dürsten den Nachweis als richtig anerkennen, doch fragen: Wie ist Hilfe zu schaffen? Wir wollen nun an positiven Daten die Möglichkeit der Abhilfe beweisen, und als Vorbild uns die junge, energische Cultusgemeinde in den königl. Weinbergen (Vorort Prags) bei einer jüdischen Bevölkerung von ca. 3000 Seelen als Muster nehmen und weiter als Cenlrum des Unternehmens, um welches sich die Realisirung krystallisiren kann, die erste unter der Demolirung fallende Neusynagoge in Betracht ziehen. Diese kleine rührige Synagogengemeinde hat durch fast mehr als 40 Jahre Großes geleistet. Weltberühmte Kräfte, wie die Amerikaner Dr. Hübsch, Dr. Sonnenschein und der unvergeßliche, jüngst verstorbene Dr. Tauber haben dort als Prediger gewirkt. Viele Stiftungen, reiche Paramente und Synagogen-Utensilien sind vorhanden und endlich erhält üe für das alte Gebäude einen anständigen Abtösuugsbetrag. Es wäre dies eine solide Basis, welche die Weinberggemeinde nicht hatte, um zur Ausführung eines großen Werkes zu schreiten. Ein neuer Synagogenbau kann nur dann rcussiren, wenn derselbe einen sehr großen Fassungsraum hat, daß durch die Vermiethung der wenigstens (2000) zweitausend Sitze ein Einkommen geschaffen wird, das ein großes Budget erlaubt und eine Zinsen-und Amortisationssumme übrig läßt, die ein großes Anlehen aufzunehmen erlaubt. Es sind nun folgende Fragen zu lösen: 1. Was kann der Ertrag der Sitzplätze sein? 2. Welches Budget beansprucht der Gottesdienst? 3. Wie groß sind die Platz- und Baukosten? 4. Wie ist der ganze Bauaufwand, re'p. Kosten zu beschaffen? Vorausgesetzt ein großer Bau für 2000 Sitze, u. z. solche, die den Eltern erlauben, ihre Kinder mitzunehmen, ohne den Nachbar zu belästigen, maß den Sitzen ein Raum von 0-6 Quadratmeter (Fauteuilbreite) gegeben werden; das nimmt für 1200 Männersitze einen Raum von 720 Quadratmeter in Anspruch, dazu kommt an Functions- und Communicationsraum 25°/0, d. i. weitere 180 Quadratmeter zusammen 900 Quadratmeter — 250 Quadratklafter. Für Frauen Galerien mit einem Fassungsraume von 800 Sitzen, somit im Ganzen 2800 Sitze. Der Ertrag dieser 2800 Sitze, den Mittelstand besonders berücksichtiget, ergibt: Männer: 100 a 20 fl. 2000 fl. 150 ä 15 „ 2250 „ 300 ä 10 „ 3000 „ 300 ä 8 „ =2400,, 200 ä 5 „ --- 1000 „ 100 ä 4, 400 „ Frauen: . 100 a 20 fl. 2000 fl. 100 a 15 „ 1500 „ 200 ä 10 „ 2000 „ 200 ä 8 „ 1600 „ 100 ä 5 „ 500 „ 50 ä 3 „ 150 „ 50 gratis 50 gratis Sitze 1200 Ertrag 10050 fl. + 800 Ertrag 7750 fl. 18700 fl. Sonstige Einkommen, Spenden rc. rc. .. 2300 , Totaleinnahme. 21000 „ DaS Erforderniß der Functionsauslagen, Beheizung, Beleuchtung und Bedienung.. 9000 „ Bleiben für Verzinsung und Amortisation des Baucapitals jährlich.. 12000 „ Mit dieser Aufstellung sind Frage 1 und 2 erledigt. Die Platz- und Baukosten dürsten in Summe 240000 fl. ausmachen. Jntercalarien.«... 10000 „ Innere Einrichtung ............ 10000 „ Sonstige Auslagen... - -.. . 10000 „ Total. 270000 fl. Vorfindliche Mitteln.. - - - 60000 „ Somit durch ein Ansehen zu decken..... 210000 st. wofür eine jährliche Zinsen- und Amortisationsquote von 12000 fl. vorgesehen ist, d. i. 5'7%. Das ist nun der Punkt, wo die Prager Cultusgemeinde werkthätig einzugreifen hat; denn nachdem eine Synagoge als Hypothek nicht angenommen werden kann, so hat die Cultusgemeinde als solche mit ihrer Garantie für das aufzunehmende Anlehen einzutreten. Die Synagogenverwaltung, welche durch Mitglieder des Cultusgemeindevorstandes als quasi Üeberwachungsorgan für die finanzielle Gebahrung verstärkt werden kann, ist der Cultusgemeinde selbstverständlich für die pünktliche Zahlung der Zinsen- und .der Amortisationsquote verantwortlich. Und sollte das Einkommen der Synagoge nicht jene oben angegebene Summe erreichen, so wäre das Budget des Aufwandes für den Gottesdienst, der sehr hoch angenommen würde, zu reduciren. Es kann jedoch kein Zweifel herrschen, daß ein Gotteshaus auf der Neustadt, und nur auf der Neustadt, dem größten Prager Stadttheile, der 2000 Häuser umfaßt und wo die meisten besseren jüdischen Familien wohnen, der Verkehr ein sehr reger ist, sehr stark besucht und gesucht sein wird; besonders wenn ein hervorragend schöner Gottesdienst eingeführt ist, und auch eine Anziehungskraft, besonders durch die Nähe üben wird, daß auch noch mehr als 2000 Sitze errichtet werden könnend Die Lage muß auch für die Concurrenz gesucht werden. Würde man einen Platz auf der Altstadt wählen, in der Nähe der fortbestehenden Gotteshäuser, so würde die ganze Calculation scheitern; denn die Bewohner der oberen Neustadt würden den nahen Weinberger Tempel aufsuchen, die anderen entweder den weiten Weg scheuen oder sich in die alten Synagogen drängen. „Die große Zeit findet ein kleines Geschlecht". Der Prager Cultusgemeinde-Vorstand scheint die Hauptbedingungen ihrer Existenz nach dem Gesetze: Die Vorsorge für den Gottesdienst der Gemeinde zu ignoriren oder auswcisen zu wollen. Es ist an der Zeit, daß die Gemeindeangehörigen durch Versammlungen und Resolutionen, durch tausende Stimmen den Vorstand an seine erste Pflicht mahnen! Ein geheimnisvoller Fund. Krem sier. Donnerstag den 3. Juni stießen Arbeiter, welche mit dem Einschlagen der Pflöcke zum Befestigen der Turngeräthe beschäftigt waren, auf ein Grab. Als sie die Beine sammelten, fanden sie unter diesen viele kostbare Schätze: Edelsteine, Ringe, Becher, Knöpfe, Perlen, Corallen, Theile der

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