Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1897-06-04 · 23 (4.6.1897) · page 18

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
14 (1897)
Issue
23 (4.6.1897)
Date
1897-06-04
Page
– (sequence 18)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3020846-3021169-3021192--06808-3031106
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Gelte 478 Dr. Vlvch's Wochrnlchrifi lltt. 23 Unterstützungen zukommen zu lassen. Die Statuten des „Witwen- und Waisenfond-Vereines" sind von der hohen Statthalterei genehmigt und durch die einmalige Einschreibgebühr von 12 Kronen, die auch in sechs Raten gezahlt werden können, kann Jeder Mitglied dieses Zweigvereines des „Vereines zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender" werden. Wien. Der von den Herren Med. Dr. G o t t l i e b Stern, Emil Stern und R u d o l s S t e i n e r gegründete Jüdisch-humanitäre Bund „E m u n a h" hält ab Mittwoch, den 2. d. M. an jedem Mittwoch 8 Uhr Abends im Restaurant Beer, I., Vorlaufstraße 1 seine Zusammenkünfte ab. Es ist dies der erste jüdisch-nationale Verein unter Arbeitern und Handelsbeflissenen. Wien. (Silberne Hochzeit.) Der Beamte der Börse für landwirthschaftliche Producte in Wien, Herr Leopold S p i e l m a n n, feiert Sonntag den 6. d. M. mit seiner Frau Josefine, geborene Leinkauf, das Fest der silbernen Hochzeit. Wien. Am 9. Juni feiert der Bäckermeister und Hausbesitzer Herr Hermann Josef K u l k a, XVH., Rötzergasse 43, mit seiner Gattin Charlotte, geborene Glaser, das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Aus befreundeten Kreisen gehen bereits dem würdigen Jubelpaare die herzlichsten Glückwünsche zu. Grotz-Enzersdorf. Am 10. d. M. um halb 10 Uhr- Vormittags findet die Grundsteinlegung für den neu zu erbauenden Tempel in besonders feierlicher Weife statt. Kremfier. Der Sohn unseres Vorstehers, Herr Kaufmann Adolf Liebmann in Hamburg, hat sich daselbst mit Frl. Therese Karo ly verlobt. Kaaitz. (V e r l o b u n g.) Fräulein Emma Zei sel, Tochter des Brauers Herrn M. Zeisel in Gurein, hat sich mit Herrn Jacob Fischer, Mitchef der Stärke- und Stärke-Producten-Fabrik aus Kanitz, verlobt. OffegA, 25. Mai. Geehrter Herr Redacteur! Wollen Sie in Ihrem geschätzten Blatte Notiz nehmen, daß es der regen Agitation des halbwüchsigen Unterlehrers A u g u st i n gelungen ist, eine Ortsgruppe des „Bund der Deutschen" hier ins Leben zu rufen. Wir wenigen Juden, die hier sind, können uns nicht auf der Straße sehen lassen, ohne von den jungen Burschen überall mü Heilo-Gebrüll empfangen zu werden. Der immer sonst gut besuchte Lustcurort, der auch von einer größeren Anzahl Judenfamilien frequentirt wird, ist jetzt ganz antisemitisch und es läge gewiß im Interesse der Letzteren, wenn sie durch Ihr vielgelesenes Blatt Kenntniß erhalten, wie angenehm ihnen jetzt der Aufenthalt gemacht werden dürfte. Veceinslocal des „Bund der Deutschen" ist „Schramek's Hotel zur Weilburg". München, 14. ''Mai. Sec Inhaber des bekannten Waurenhauses Herr Hermann T i e tz hat aus Anlatz seines 60. Geburtstages die Summe von 50.000 Mark zur Gründung einer Pensionscasse für seine Angestellten gespendet. Paris, 22. Mai. Der Civilingenieur H. C a r d o z o ist zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. Kischiuew, 22. Mai. Herrn Dr. M. O. B l u m e n f e l d, Arzt am Gouvernements-Kranke,chause, ist aus Anlaß seines 25jährigen Dienstjubiläums der Wladimir-Orden IV. Classe verliehen worden, mit welchem der erbliche Adel verknüpft ist. Riga. (Trauung.) Am 1/13. Juni, 7 Uhr Abends, findet hier in der Johannis-Gilde, die Trauung von Fräulein Raissa S chalit, Tochter des Herrn Leon Scha'lit mit Herrn Dr. Raum Mintz statt. Sinai und Olymp- Welche Begeisterung herrschte nicht vor siebzig Jahren in der gebildeten Welt für die Befreiung Griechenlands! Man glaubte mit dem Auferstehen des Vaterlandes der Homere und Platone an das Wiedererwachen des hellenischen Genius. Das verknöcherte Professorenthum aller Länder träumte bereits, es sitze in der Laube, wo Pindar und Tyrtäos dichteten, es stehe auf den Tribünen, von welcheit herab Demosthenes und Perikles zum Volke redeten, es promenire in den Alleen, wo der Geist des Sokrates schwebte, und seufzte an den Urnen der Plutarche, Lenophene und Epikure. Und die liebe studentische Jugend aller Hochschulen schuf sich Phantasiegebilde, als scherzte sie des Morgens mit einer Aspasia, speise zu Mittag an der Tafel mit Alkibiades, Wein von Cos aus Auakreons Becher trinkend, und wohne Abends einer Komödie des Aristophanes bei, inzlvischeu dieser Hauptthätigkeiten die Werkstätten des Apollos und Praxiteles besuchend. Von allen diesen Schwärmereien des Philhellenismus vor siebzig Jahren ist die heutige Welt ernüchtert. Die neuen freien Griechen haben jeden Zauber, der ihrem Namen noch anhaftete verscheucht. Aus der Poesie, mit welcher das althellenisch". Leben umgeben lvard, ist eine abscheuliche, nackte Prosa geworden, nichts verräth mehr, daß auch unsere Griechen in Arkadien geboren feien, daß ihr Geist von dem Geiste ist, der seit der Renaissance in gewissen Kreisen als die Leuchte Europas gilt. Keine Spur bei diesen Neugriechen von dem Adel der Gesinnung, dem Muth und der Tapferkeit, mit einein Worte, von dem Heldenthum, das unserer studierenden Jugend als Ideal hingestellt wird. Der Charakter der Griechen, die wir vor uns haben, ist Habsucht, Verschlagenheit, Treulosigkeit und Prahlerei. In Frankreich ist „Grieche" gleichbedeutend mit „Gauner". Das griechische Volkslied besingt Räuber, Mörder und Schänder als die größten Helden, lvie ja auch die jüngste Großthat des osficiellen Griechenland ein freibeuterischee Einfall in türkisches Gebiet war und glorificirt wird, trotz der schmählichen Flucht bei Tirnawos, Larissa und Pharsala. Ungefähr zn gleicher Zeit mit denk Befreiungsrausch für Griechenland kam die Emancipationsfrage der Juden.in Flnß und welchen Gehässigkeiten und Antipathien begegnete sie gerade in jenen Kreisen, welche für die Befreiung der Griechen so schwärmten. Gerade die Universitäten waren es, wo der alte Judenhaß fortglimmte, bis in deren Schoß der Antisemitismus erzeugt wurde. Wenn es diesen diplomirten Culturträgern bei ihrem Entthusiasmus für die Griechen nur um die Cultur zu thun gewesen wäre: hat die Cultur dem Judenthume nicht mehr zu verdanken, als dem Griechenthume? War denn, nach geläuterten Cülturbegriffen, Griechenland wirklich ein Muster der Cultur in seiner Heroenzeit mit jeglicher Barbarei und Flegelei, oder in jener Zeit, wo es philosophische Windbeuteleien trieb und sich von Sclaven ernähren ließ, oder als es von ehrgeizigen Demokraten oder Tyrannen geleitet wurde? . Ist das „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" nicht mehr der Kitt der menschlichen Gesellschaft, als das Sclavenwesen, dem auch Aristoteles zustimmte. Ist die Heiligung des sechsten Gebotes nicht anständiger, als die Hetärie des Perikles mit der Aspasia? Haben die Menschen nicht aus den Psalmen mehr Trost und Erhebung geschöpft, als aus den Wein- und Liebesliedern Anakrenos? Sind die Strafreden des Jesaias und Jeremias nicht ergreifender als die Philppiken des Demosthenes? Ist der Märtyrertod des Rabbi Akiba und Tausender und Abertausender für die jüdischen Wahrheiten nicht mindestens so erhaben, wie der Tod des Sokrates? Kurz, gibt es auch nur eine Persönlichkeit Alt - Hellas', welcher nicht eine ähnliche aus der jüdischen Geschichte entgegengestellt werden könnte, die jene noch weit überragt an innerem sittlichen Gehalte und moralischem Einflüsse auf die Culturentwicklung nach Außen? Gleichen in der That nicht alle Größen des Mittelalters wie der Neuzeit mehr den Heldengestalten der heiligen Schrift als denen Plutarch's? Ist die Bibel denn nicht verbreiteter als Homer? Und ist die Einheit Gottes, von welcher selbst der moderne Spinozaismus ausgeht, nicht anerkannter als alle philosophischen Systeme Lenophons, Plato's und Epikurs? Blos die Kunst, die Götter vermenschlichte und Menschen vergötterte, hatte im Judenthume keine Repräsentanten. Aber diese Kunst ist es eben, durch welche das Heidenthum noch in unsere Zeit hineinragt und dessen Gläubige gerade die Feinde des Culturfortschrittes sind. War dieses Culturmittel es also werth, seinetwegen das Griechenthum gegen das Judenthum zu verherrlichen? Sinai und Olymp! Von welchem kam die wahre und von welchem die Schein-Cultur? Braucht es eines besseren Beweises, daß nicht das Griechenthum, sondern das Judenthum, als Centralorgan bestimmt war, durch welches auf erstorbene oder noch nicht zum Leben erweckte Völker neues Leben ergossen werden sollte, als die Thatsache, daß das Griechenthum selbst ausgelebt hat und in Barbarei zurücksiel, aus der es nicht herauskommen kann, während das Judenthum, wie in seinem Bilde, der Rose von Jericho, die, vertrocknet und verdorrt ins frische Wasser getaucht, wieder

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.