Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 23 (4.6.1897)
- Date
- 1897-06-04
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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Nr. 33 Dr. Bloch'« Wochrnptzrift. Seite 477 Der Gesundheitszustand der Colonisten ist im Allgemeinen sehr zufriedenstellend; nur einige milde Typhusfälle waren zu verzeichnen. Den Colonisten genügt der Arzt in Casares, sie haben den eigenen Arzt der Colonie Moiseville überlassen. Die beiden Mühlen in Clara und Maurico haben den Colonisten vortreffliche Dienste geleistet. Der Verein hat Ländereien erworben, welche sich zu Weideplätzen eignen, da er besonders sein Augenmerk auf die Entwicklung der Viehzucht gerichtet hat. Der Verein besitzt nun in Argentinien: In der Provinz Entre Rios ..... 154.833 Hektar „ „ „ Santa Fs. 21.786 “ „ und. 25.000 „ Zusammen . . . 201.619 Hektar Die Hälfte davon ist von Colonisten occupirt. Der Berwaltungsrath hat, der Absicht des verstorbenen Baron Hirsch entsprechend, die Schulden der Colonisten an den Verein bedeutend verringert. Die Lage der Hirsch-Colonie in Canada verbessert sich zusehends. Die Ernte war reichlich, besser als 1895. Aus diesem Grunde wurde mehreren neuen Ansiedlerfamilien die Niederlassung gestattet. Alle Colonisten sind mit Vieh reichlich versehen und sind vollkonimen zufrieden. Sie haben eine kleine Synagoge gebaut. Der Verein muß ihnen nicht länger beistehen, und man hofft das Beste für die Zukunft. In Rußland strebt der Verwaltungsrath darnach, der jüdischen Jugend eine tüchtige Erziehung zu geben und unterstützt sämmtliche jüdische Handwerker- und Gewerbeschulen. Dasselbe Streben hat der Verwaltungsrath in Polen. In Amerika bemüht sich der Verein, den Andrang der Colonisten nach den Großstädten abzuwehren, indem er Auswanderer in das Innere des Landes schickt, wo sie als Arbeiter ihr Brot finden. In New-Iork werden die vom Baron Hirsch- Fond errichteten Schulen unterstützt und erweitert; die erzielten Resultate sind äußerst befriedigend. Ferner interessirt sich der Verein lebhaft für sämmtliche jüdische Colonien, besonders für die in Palästina und Kleinasien entstandenen; er will keine neuen Colonien in diesen Ländern gründen, sondern ist bestrebt, allen jenen Colonien, die Hoffnung auf Gedeihen haben, Unterstützungen zu gewähren. Stockholm, 23. Mai. In den hiesigen Zeitungen fand sich dieser Tage folgendes „Eingesendet", dessen Inhalt Ihre geschätzten Leser interessiren dürfte: „Der Unterzeichnete bekennt sich hiermit hocherfreut zum Empfang folgenden Briefes: „Herrn Abraham Nachmanson. Da wir erfahren haben, daß es gegenwärtig in hiesiger Stadt eine Menge nothleidender Personen mosaischen Glaubens gibt und diese theilweise Einwanderer aus anderen Ländern sind und Hilfe Noth thut, so gestalten wir uns, in Anbetracht einer Feier in unserer Familie, Ihnen hiermit einen Betrag von 1000 Kronen mit der Bitte zu übersenden, dieses Geld unter jene Arme in geeigneter Weise zu vertheilen. Wir thun dies um so freudiger, als die Erfahrung gezeigt, wie bereitwillig Ihre Glaubensgenossen wetteifern, den Nothleidenden unter den Christen zu helfen. Stockholm, den 15. Mai 1897. Ein der Staatskirche angehörendes Ehepaar." Für die großartige und hochherzige Gabe sage ich hierdurch meinen wärmsten Dank. Abraham Nachmanson." Eine solche weitherzige Wohlthätigkeit von christlicher Seite gehört auch hier zu den seltensten Seltenheiten, wenngleich wir in Schweden Gottlob keinen Antisemitismus kennen. Die Namen der Geber werden trotz der Anonymität ihres Briefes jetzt überall mit Verehrung genannt. Es sind nämlich Herr Consul E k a m und Gemalin, welche aus Anlaß ihrer silbernen Hochzeit viele wohlthätige Anstalten mit großen Summen bedachten und dabei, wie wir gesehen, auch der jüdischen Armen in Stockholm nicht vergessen haben. Die edle Thai hat Aufsehen erregt, und uns Juden berührt eine solche humane Gesinnung in diesen schweren Zeiten doppelt angenehm. Ferienheim-Freistellen. Infolge des Aufrufes in der letzten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" hat sich Frau Jeanette Reich, Lederhändlersgattiu in Mährisch- Budwitz, bereit erklärt, während des Sommers ein Mädchen kostenfrei zu verpflegen. Weitere Anmeldungen nimmt entgegen der Vorstand des „Ferienheim", Wien, I., Schottenring 23. Wien. (Eine Dame als Gerichtsfunction ä r i n.) Die Fraueuemaucipation schreitet nun auch in Oesterreich vorwärts. Zu den promvvirten Doctorinnen gesellt sich die erste Gerichtsfunctionärin Oesterreichs. Fräulein Poppe, die bekannte Graphologin, die aus den Handschriften Alles herausliest, ist zur b e e i d e t e n S a ch v e r st ä n d i g e n im Schreibfache vom Landesgerichte ernannt worden, allerdings nicht, um über die Charaktereigenschaften, sondern über die I d e n t i t ä t der Schriftproben von Fall zu Fall ihr fachmännisches Gutachten abzugeben. Wien. (Hochherzige Spende.) Frau Baronin von Hirsch in Paris hat dem israelitischen Frauen-Wohlthätigkeits- Berein „Josefstadt" zu Händen der Präsidentin Frau Amalia Beck in Wien 1000 fl. zur Gründung eines „Asyl- und Reconvalescentenhauses für israelitische Frauen und Kinder" gespendet. Obwohl der genannte Verein erst seit fünf Jahren besteht, hat derselbe doch bedeutende Leistungen auf humanitärem Gebiete vollbracht, die sich nach verschiedenen Richtungen hin manifestirten. Ein edles Ziel hat sich dieser Verein nun auch in der Gründung eines israelitischen Reconvalescentenheims gesetzt, welchem die Spende der Baronin Hirsch zugeführt wird. Der Verein erfreut sich der hingebungsvoll wirkenden Vorstandsdamen : Wilhelmine Steiner, Hermine Dunkelblau, Johanna Beck, Regine B r o d, Amalia P e n d l a r, Anna Drag, Bertha R o s e n b a u m, Rosa Adler, Anna G u t t m a n n, Hermine B e r n f e l d und Bertha W a ck l e r und wird in Folge dieser bedeutend moralischen Hilfskräfte entschieden seiner humanitären Bestimmung gerecht werden. Die Spende der Baronin Hirsch wird bereits diesem Zwecke zugeführt. Weitere Spenden von edlen Menschenfteunden werden in der Vereinskanzlei, VIII., Langegasse Nr. 1, entgegengenommen. Wien, 25. Mai. Der Oöerrabbiner der orthodoxen Gemeinde zu Eperfts, Herr Sigmund Fürst, Schwiegersohn unseres Herrn Oberrabbiners K u t t n a, ist dieser Tage zum Rabbiner der Synagoge in derSchiffgasse inWien („Schiffschul") erwählt worden. Wien. (E h r u n g.) Aul 30. Mai d. I. feierte Herr Philipp Kohn, Genoffenschafts - Vorsteher, der Wiener Auskunfteien und Gewerbeschul-Jnspector im engsten Familienkreise die silberne Hochzeit. Der Jubilar ist der Begründer der Wiener Auskunfteien, die er vor mehr als 20 Jahren in Paris kennen lernte und dann hier begründete. Die streng rechtliche Geschäftsgebahrung, der humane Sinn, eine gediegene Bildung, verbunden mit vielseitigem, bedeutendem Wissen verschaffte dem Jubilar zahlreiche Freunde in allen Schichten der Wiener Bevölkerung, von denen Viele persönlich, Andere durch Uebersendung sinniger Ehrengaben und unzählig viele schriftlich und telegraphisch gratulirten. Namens der Genossenschaft, dessen Obmann der Jubilar ist, erschienen die Herren H o r c e k y und Neugebauer an der Spitze einer Deputation; der kaufmännische Verein sendete eine warme schmeichelhafte Glückwunsch-Adresse; Ritter v. L i n d h e i m, Secretär Schlüget, Oberlehrrer B a r a t u. v. A. gratulirten schriftlich. Ganz besonders geben wir der Genugthuung Ausdruck, daß sich Herr Kohn nicht nur in jüdischen, sondern auch in weiten christlichen Kreisen infolge seiner reellen Geschäftsgebahrung der wärmsten Sympathien erfreut und bei diesem freudigen Familienfeste hievon so zahlreicher Beweise sich erfteuen konnte. Wien. (Eine Spende für Wiener Kinder aus Sumatra.) Die Beschlüsse der niederösterreichischen Landtags-Majorität haben wirklich Weltruft denn sie erwecken selbst auf den Sünda-Jnseln, wo die Colonisten noch Gelegenheit haben, mit leibhaftigen Kannibalen in Berührung zu kommen, lebhafte Entrüstung. Die Verweigerung der Subvention für arme Waisenkinder der israelitischen Cultusgemeinde in Wien veranlaßte einen unserer Leser, Herr Dc. W e i ß g l a s in K o t a- Radja, im Gouvernement Atjeh auf Sumatra, unter den Colonisten eine Sammlung zu veranstalten, als deren Erträgniß er den Betrag von 112 fl. 80 kr. erzielte. Der Sammelbogen trägt die Ueberschrist: „Der Gott aller Religionen wird reichlich euch belohnen". Solche Velleitäten finden eben nur noch weit hinten auf den Sunda-Jnseln eine Majorität. Wien, 1. Juni. Anläßlich des bevorstehenden Regierungsjubiläums unseres edlen Kaisers hat der Vorstand des „V e reines zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender" beschlossen, einen „Witwenü n d W a i s e n f o n d - V e r e i n" zu creiren, uni nothleidenden Witwen und Waisen ausgiebige Abfertigungen und