Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 14 (1897)
- Issue
- 23 (4.6.1897)
- Date
- 1897-06-04
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 474 Dr. Vwch's Wochrnfchrtfl Rr. 23 dem Vereine zur Verpflegung Brustkranker in Kierling fl 100.— der Israelitischen Allianz.„ 100.— der Chewra-Kadischa.„ 100.— dem Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten „ 100.— Dem Bethausvereine im XIV. Bezirke, Storchengasse 21, wird pro 1897 eine Subvention von fl. 200 gewährt. Der Vorsitzende weist auf das große Arbeitsprogramm hin, das dem Vorstande in der nächsten Zeit obliege, weshalb es uöthig sein werde, auch in den Sommermonaten keine Unterbrechung in den Arbeiten eintreten zu lassen. Er anerkennt bei dieser Gelegenheit gerne die hingebungsvolle Thätigkeit, mit welcher der neue Vorstand in der verflossenen Wintersaison die Ausgaben der Cultusgemeinde gefördert habe. Herr Dr. Sieger dankt in warmen Worten dem Präsidenten für die ganz außerordentliche Thätigkeit, welche er den Gemeindeagenden unermüdlich widme, indem er die meiste Zeit in den Dienst der Gemeinde gestellt habe. Jetzt erst könne er aus vollem Herzen die Gemeinde zu dieser Wahl des Präsidenten beglückwünschen. (Allgemeiner lebhafter Beifall.) Wien. Aus Chicago kommt uns die Meldung zu, daß am 6. April l. I. in Chicago unser Landsmann und Glaubensgenosse Herr Wilhelm Löffler zum Clerk gewählt wurde. Es ist dies die zweithöchste Stellung, welche die Bürgerschaft zu vergeben hat und mit welcher eine Entlohnung von 5000 Dollars per Jahr verbunden ist. W. Löffler, 1857 in Chodenschloß bei Tauß geboren, Sohn eines Oeconomiepächters, wanderte vor 23 Jahren nach Amerika aus und hatte es nach langen Kämpfen zu einer hervorragenden Stellung in obengenannter Stadt gebracht. Er wurde bereits vor einigen Jahren zum Stadtrath und am 6. April d. I. zum Clerk gewählt, welchen hohen Posten bisher in Chicago noch kein Jude erreicht hat. Auf Veranlassung des Herrn W. Löffler sind seit 19 Jahren deffen zehn Geschwister und seine Eltern nach Chicago übersiedelt und befindet sich blos eine Schwester, die Frau des Herrn Ludwig Pereles, in Chodenschloß. Prag, 30. Mai. Vorgestern, Freitag Abends, wurde die vereinigte Eger-Frankl-Porges-Synagoze in dem von der Gemeinde neuacquirirten Gebäude, in dem sich auch die Wohnungen der betreffenden und anderen Fundationsrabbiner, deren frühere Wohnstätten in Folge der Assanirung demolirt wurden, sowie das rituelle Frauenbad befinden, eingeweiht. In dem überaus freundlichen, mit dem höchsten Comfort ausgestattcten Betlocale mit genügenden Nebenräumen hatten sich der Ober-Polizeicommissär, der Leiter des Bezirkes, der Präses, der Vicepräses und Mitglieder der Gemeinderepräsentanz, sämmtliche Prager Rabbiner und Religionslehrer, zahlreiche Synagogen- und Vereinsvorstäude und andere geladene Gäste eingefunden. Nachdem Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld das „ewige Licht" entzündet und die Thorarollen in feierlichem Umzug in das Tabernakel gebracht worden waren, hielt er die Festrede. Von der Bedeutung eines Gotteshauses im Allgemeinen auf die specielle Feier übergehend, gab er in knapper Form die Geschichte dieser Betstuben- und Rabbinerwohnnngen-Stiftnngen und einen kurzen Lebensabschnitt der edlen Gründer. Der Stifter der Eger-Synagoge, deren Gründung noch in das XVD. Jahrhundert fällt, war Binem Eger, recte Chas Gansmann. In der Stistungsurkunde heißt es von ihm, daß er „seines Gleichen" nicht zurückgelassen hatte. Als höchstes Verdienst wird es chm in demselben Documente angerechnet, daß es ihm im Jahre 1710 mit den höchsten Opfern und mit imminenter Lebensgefahr gelungen, eine Audienz bei Kaiser Leopold und von diesem einen Widerruf einer gegen die böhmische Judenschaft gerichteten Verordnung zu erlangen. Die _ Fränkl'sche Betstube war ursprünglich von Abraham Brod Darschom in Prag und Oberrabbiner von halb Böhmen errichtet, war 1745 beim Gerusch eingegangen und bei der Rückkehr der Juden nach Prag von dem bekannten Primator Israel Frankl neu gestiftet worden. Die jüngste dieser Betstuben wurde 1807 von einer hochherzigen Frau, Edel Porges, gestiftet, welche, wie ihr nachgerühmt wird, von den Einkünften ihres großen Vermögens nur ihre allernothwendigsten Bedürfnisse bestritt, alles Andere aber wohlthätigen Zwecken zuwandte. Redner hob auch die segensreiche Wirksamkeit der Gemeindeverwaltung — welcher auch von der höchsten Landesbehörde die verdiente Anerkennung gezollt wurde — namentlich des Präses, sowie des Gemeinderathes Moritz ^Hahn hervor, welcher mit großer Umsicht und Fachkenntniß, mit unermüdlichem, anstrengendem Fleiße den Umbau des ganzen Hauses und die Einrichtung der Synagoge in dankenswerthester Weise leitete. Mit dem innigen Wunsche, diese Gott geweihten Räume mögen noch späteren Generationen ein Zeugniß der Opferwilligkeit und Gottesliebe längst vergangener Geschlechter bieten, schloß der Oberrabbiner seine gehaltvolle Einweihungsrede. Das Gebet und die einleitenden Festgesänge wurden von dem mit einer prachtvollen, wohlgeschulten Stimme begabten Obercantor Guttmann und dem trefflichen Chore der Klaussynagoge vorgetragen. Krakau. Am 26. v. M. feierte der Präses der hiesigen Cultusgemeinde, Gemeinderath Dr. Leon H o r o w i tz, das Fest der silbernen Hochzeit. Aus diesem Anlasse fand im Rathssaale der israelitischen Cultusgemeinde eine Festsitzung unter Borsitz des Vicepräses der Cultusgemeinde, Gemeinderath und Handelskammerrath Hirsch Landau statt. Der Vorsitzende tvies in seiner Eröffnungsrede auf die großen Verdienste, die sich Herr Doctor Horowitz in der kurzen Zeit seiner Präsidentschaft in unserer Gemeinde erworben hat, sowie auf seine erfolgreiche Thätigkeit in derselben hin. Am Festtage begab sich der Vorstand in corpore in die Wohnung des Jubilars, wo dek Vicepräsident Herr Landau den Jubilar namens der Cultusgemeinde beglückwünschte. Außerdem waren zur Beglückwünschung erschienen: Der Vorstand des Tempelvereines unter Führung des Gemeinderathes Dr. I. Propper, der Waisenverein, die Volksküche, der Verein Bikur- Cholim, der kaufmännische Verein unter Führung der Handelskammerräthe Jacob Bober und Sal. Rittermanu, Rabbiner CH. L. Horowitz, Prediger Dr. Thon, der Bnai Brith, der Vorstand der „alten Synagoge", eine Deputation der israelitischen Gemeinderäthe u. v. A. Allgemein bewundert wurden die Ansprachen des Rabbiners CH. L. Horowitz sowie zwei Toaste des Predigers Dr. Thon, und zwar auf den Präses Dr. Horowitz und auf den Vicepräses Hirsch Landau. Herr Dr. Horowitz hat aus diesem Anlasse dem hiesigen Tempel einen namhaften Betrag gespendet. Der neugegründete Volksküchenverein, dessen die „Oesterr. Wochenschrift" schon erwähnt hat, erläßt soeben den Aufruf, in welchem auf die dringende Nothwendigkeit eines solchen Vereines in den Zeiten des verheerendsten Antisemitismus und des verwerflichsten Kampfes gegen unsere Glaubensgenossen hingewiesen wird. An der Spitze dieses Vereines steht der Präses der Cultusgemeinde, Herr Dr. Leon Horowitz, als Ansschußmitglieder fungiren der Vicepräses der israelitischen Cultusgemeinde, Hirsch Landau, Gemeinderath Dr. Michael Jchheiser, Cültusvorsteher Em. Mirtenbaum, B. Schönberg il. A., Männer, die überall zu finden sind, wo es gilt, das Wohl unserer armen Glaubensgenossen zu fördern. Möge dieser Verein auch andere Gemeinden zu ähnlichem Wirken anspornen. Lemberg, 31. Mai. Seit geraumer Zeit erscheinen im hiesigen officiösen antisemitischen Journal „Dziennik Polski" pöbelhafte Schmähartikel über die Juden in der Art der Rohling'schen, welche nicht nur den Talmud allein, sondern allen jüdischen Gebräuche in der gemeinsten Art beschimpften. Kein Staatsanwalt findet sich, gegen diese blödsinnigen Hetzereien einzuschreiten, und keiner unserer 6 jüdischen Abgeordneten im Reichsrath wagt es, für die Ehre des Judenthums beim Justizministerium ein Wort einzulegen. Die Juden haben jetzt den Lohn dafür, daß sie der Regierung Heeresfolge bei den Wahlen leisten und sogar den kampfgerüsteten Dr. Bloch, der stets für das Judenthum eingetreten, den Polen zuliebe preisgegeben und aus dem Reichsrath verdrängt haben. Die hiesigen jüdischen Bankhäuser haben dem antisemitischen „Dziennik Polski" die Inserate entzogen, das Blatt wird indessen anderwärts, vor Allem durch die Wiener Antisemiten, eifrig unterstützt. Das genannte Blatt verbreitet antisemitische Pamphlete in Form von Circulären, welche die ärgsten Hetzereien und Schmähungen gegen das Judenthum dem Erzbischof Dr. Kohn in den Mund legen. Es werden darin die haarsträubendsten Verbrechen den Juden angedichtet, und es ist traurig, daß sich Niemand findet, dagegen einzuschreiten. Lemberg, im Juni. Zwar nicht auf Grund irgend eines Paragraphen, sondern im Interesse der reinen, unverfälschten Wahrheit, erlauben wir uns, Sie um den Abdruck der einschlägigen Stelle im neuen Statutenentwurf zu bitten. Wir I glauben, daß hiernach jede Polemik zu entfallen hat.